Dülmener Wildpferde

Laut Routenplaner beträgt die Strecke Krefeld – Merfelder Bruch 95,5 km und ist in 1:04 Stunden zu bewältigen. Abfahrt um 9:00 Uhr sollte also ausreichend sein um mit dem für ca. 10:30 h erwarteten Besuch etwa zeitgleich einzutreffen.

Das schönste an Krefeld ist die Anbindung an die A57, Dank derer man die Stadt schnell verlassen kann. Von dort auf die A40 bis zum Nadelöhr Duisburg-Kaiserberg (bekannt aus zahlreichen Staumeldungen), über die A3/A2 bis Bottrop, ist das letzte Stück über die A31 nicht nur ein Katzensprung. Ich kenne die Strecke buchstäblich im Schlaf, bin sie in früheren Jahren, als ich noch am Schlachthof meinen Lebensunterhalt verdiente, jeden Tag gefahren. Was mich gestern dazu bewogen hat am AK Moers Richtung Venlo abzubiegen, ist mir schleierhaft.

Nach ca. 10 km, die fast ausschließlich durch Baustellen führten, bemerkte ich meinen Irrtum und kehrte um, damit wir uns endlich gut gelaunt auf den Weg nach Dülmen machen konnten. Weit kamen wir jedoch nicht, denn Duisburg-Kaiserberg ohne Stau ist eine Seltenheit. Nach einer Stunde Fahrt- und Standzeit waren wir ungefähr einen Steinwurf weit von Zuhause entfernt und riefen den Besuch an, er solle sich Zeit lassen, es dauere noch ein wenig.

Kaum war das Telephonat beendet, kündigte sich auch schon der nächste Stau auf der A3/A2 an. Als wir diesen endlich passiert hatten, sahen wir noch die Aufräumarbeiten des Unfalls, der ihn wohl verursacht hatte. Egal, endlich freie Fahrt – wir waren mittlerweile 1,5 Stunden unterwegs und grob geschätzt 30 km von daheim entfernt, beabsichtigten lediglich noch einmal an der Raststätte Bottrop zu stoppen, da mittlerweile sämtliche Fahrzeuginsassen die Toilette aufsuchen wollten.

Von dort aus ist es noch etwa eine halbe Stunde Fahrt, worüber der Besuch erneut telephonisch informiert wurde. Die A31 ist meistens frei, zieht sich schnurgrade durch die Landschaft und ist angenehm zu fahren – sogar bei Regen.

Das weiß eigentlich auch die örtliche Autobahnpolizei, weswegen es um so verwunderlicher ist, dass selbige lieber in langsamer Fahrt vor meinem geliehenen R5 einschert. Und langsamer wird. Was soll das denn? Wollen die testen, ob ich den Abstand einhalten kann? Als dies immer schwieriger wird, will ich ein Überholmanöver starten. „Wofür ist eigentlich der schwarze Kasten bei denen auf dem Dach?“, fragte unmittelbar vorher eine meiner jungen Beifahrerinnen. Ich erklärte ihr, dass die Polizisten damit die Möglichkeit hätten, hinter ihnen fahrende Fahrzeuge zum Halten aufzufordern, dann setzte ich den Blinker, um zu überholen. „So wie jetzt?“, fragt die Beifahrerin. In roten Leuchtbuchstaben stand dort: ‚Bitte folgen‘! So ein Mist! Ich hatte den R5-Besitzer am Tag zuvor noch gefragt, ob seine verblassten Nummernschilder ihm noch nie Scherereien mit der Polizei eingebracht hätten. Ihm nicht, mir dafür jetzt schon. Im Schleichgang lotsten die Polizisten uns an der nächsten Ausfahrt von der Autobahn, ließen uns rechts anhalten und hielten mir eine Predigt.

Noch einmal mit einem blauen Auge und einer mündlichen Verwarnung davongekommen, tuckerten wir zurück auf den Highway. Drei Ausfahrten später müssen wir runter, und dann sind wir endlich da. Das kann ja jetzt wirklich nicht mehr lange dauern, denkt man sich. Unglücklicherweise wird Ausfahrt Nr. 34 jedoch zur Zeit bebaut, weswegen man Ausfahrt Nr. 35 nehmen und über Landstraßen und durch beschauliche Dörfer einen Ausflug durch’s Münsterland machen muss. Ein letzter Stau vor dem Parkplatz der Wildpferdebahn und nach drei Stunden sind wir endlich da.

Die Rückfahrt verlief reibungsloser, jedenfalls für uns. Und auch erst nachdem wir sie nach über einer Stunde Wartezeit, bis die vielen tausend Pappnasen es auf die Reihe bekamen, im Reißverschlusssystem vom Partkplatz runter zu fahren, endlich antreten konnten. Der Besuch war sinnigerweise vor gefahren, weswegen wir ständig telephonische Anweisung gaben, an welchem Autobahnkreuz auf welche Autobahn gewechselt werden musste. Hätte ich nicht rechts und links sowie A2 und A3 verwechselt, hätte das sogar ohne Probleme klappen können.

Das Wetter war zum Kotzen, aber immerhin war ich so schlau, diverse Öljacken mitzunehmen, weswegen wir halbwegs trocken blieben.

Die Wildpferde waren übrigens toll.

3 Gedanken zu „Dülmener Wildpferde

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