Apassionata in Köln

Das darkinchen hatte im vergangenen Jahr zum Geburtstag Karten für die Apassionata in Köln geschenkt bekommen. Was zu dem Zeitpunkt noch keiner ahnen konnte: An diesem Tag war AfD-Parteitag im Kölner Maritim-Hotel und die Polizei hatte etwa 50.000 Demonstranten angekündigt, die damit nicht einverstanden waren. Das allein wäre ja nicht dramatisch, wenn man nicht immer befürchten müsste, dass solche Termine auch die Krawalltouristen aus der Republik anziehen. So müssen wir abwarten, ob es chaotisch wird oder nicht. Glücklicherweise hatte ich mein Ticket so gekauft, dass ich 2,5 Stunden vor Veranstaltungsbeginn schon in Köln war, was uns genug Zeit gab, die Lage zu sondieren. Ein weiterer glücklicher Umstand: Mein Ticket ging bis Messe/Deutz und nicht zum Hauptbahnhof. Das darkinchen verzichtete darauf, mit dem Auto in die Kölner Innenstadt zu fahren, sondern ließ es lieber außerhalb stehen und fuhr mit dem Zug nach Köln.

Ein weiterer Umstand, der die Reisefreuden etwas trübte, betraf eine Bahnstrecke in Hessen:

Würzburg Hbf – Dortmund Hbf: Störung. Polizeiliche Ermittlungen in Bad Soden-Salmünster. Züge werden zurückgehalten. Beeinträchtigungen zwischen Fulda und Frankfurt. Umleitung. Reiseverbindung prüfen. Die Auswirkungen können nicht abgeschätzt werden. Bisher keine Informationen zur Dauer der Sperrung. (Letzte Aktualisierung 12:05)

Mein ICE war kurz darauf mit 15 Minuten Verspätung ab Würzburg angekündigt. Ich hatte ein wenig Sorge, dass er noch ganz ausfiel. Aber als ich mich auf den Weg machen musste, war der Zug mit 7 Minuten Verspätung auf der Webseite eingetragen.

Ich hatte mich für die letztmögliche Tram entschieden, weil ich keinen Bock hatte, ewig am Darmstädter Bahnhof zu warten. Blöd war, dass die Tram vier Minuten Verspätung hatte und mir nur noch fünf Minuten am Bahnhof blieben, um von der Tram zum Zug zu laufen. Ich überlegte noch einen kurzen Moment, das Fahrrad vom Lebensabschnittsgefährten, der mich zur Tramhaltestelle begleitet hatte, zu nehmen, um zum Bahnhof zu fahren. Allerdings hätte ich auch nicht ruhig schlafen können, wenn das Fahrrad am Bahnhof übernachten musste. Während wir noch hin und her überlegten, bog die Tram um die Ecke.

Die Zeit war zwar knapp am Bahnhof, aber dennoch verlief alles reibungslos bis Frankfurt. Und dort erlebte ich ein bahntechnisches Wunder: Der ICE war nicht zu spät, nicht pünktlich, der war sogar fünf Minuten zu früh in Frankfurt! Der Fahrer muss gefahren sein wie der Teufel. Die Fahrt nach Köln verlief ebenfalls ruhig. Ich mampfte unterwegs mein Mandelhörnchen und schlürfte meinen Kaffee. Am Bahnhof Köln Messe/Deutz angekommen, musste ich noch auf das darkinchen warten. Am und im Bahnhof standen etliche Polizisten herum und auf dem Bahnhofsvorplatz hatten sie einen gewaltigen Fuhrpark aufgebaut. Um nicht unnötig zu provozieren, habe ich auf ein Photo verzichtet.

Die Ankunft des darkinchens war 19 Minuten nach meiner geplant. Um mir die Zeit zu vertreiben, ging ich zum Ende des Bahnsteigs und machte dort noch ein paar Bilder.

Auch das darkinchen traf pünktlich ein. Da wir noch zwei Stunden Zeit hatten, suchten wir ein Café. Dies gestaltete sich schwieriger als angenommen. Köln, das sich so gerne als Großstadt von Welt präsentiert, klappt zumindest im Stadtteil Deutz samstags ziemlich früh die Gehwege hoch. Es war echt schwierig, ein Café aufzutreiben, das noch geöffnet hatte. Nach ein wenig Herumlaufen gelang es uns aber doch, wir fanden das Heimisch, das einen guten Eindruck machte und sehr lecker aussehenden Schokoladenkuchen im Angebot hatte.

Da man zu solchen Events fest reservierte Plätze hat, tut Eile nicht Not. Dementsprechend gingen wir auch erst relativ spät zur Lanxess Arena.

Auf dem Weg bekamen wir doch noch etwas davon mit, dass hier in der Stadt ja eigentlich einiges los sein sollte. Am Gotenring fuhr ein ganzer Konvoi Polizeiwagen mit Blaulicht an uns vorbei. Und als wir schon vor der Arena waren, fuhr erst ein Wasserwerfer (Das Smartphone brauchte so lange zum Fokussieren) und dann ein Panzerwagen vorbei.

Bevor wir zum Eingang gingen, machten wir noch ein Selfie für die Social-Media-Welt.

Getränke und Speisen sind hoffnungslos überteuert in solchen Arenen. Eigene Getränke mitzubringen, ist verboten. Vor dem Eingang standen kistenweise leere, volle und halbvolle Flaschen herum. Uns war es dennoch gelungen, etwas zu trinken mit hinein zu nehmen, da die Taschenkontrolle eher lasch erfolgte. Mit einem „Ich bleibe über Nacht zu Besuch und habe deswegen so viel Zeug dabei“, wühlte ich ein wenig in meinem Rucksack herum, während das darkinchen die Handtasche öffnete und das Getränk unter einem darin befindlichen Halstuch verstaut hatte. Wir laberten ihn voll und er winkte uns durch. Die Methode funktioniert fast immer.

Unsere Plätze waren im Oberrang. Auf den ersten Blick waren wir fast ein wenig enttäuscht, dass es so weit oben ist. Damit hatte ich auch nicht gerechnet, denn auf dem Saalplan wirkt es nicht so hoch oben und so weit weg. Am störendsten war allerdings das blöde Gitter vor unserer Nase. Nunja. Einem geschenkten Gaul schaut man bekanntlich nicht ins Maul. Wir hatten noch ein wenig Zeit, uns an den Blickwinkel zu gewöhnen und die Plätze schön zu reden.

Um 19:00 Uhr sollte es losgehen. Unten liefen ein paar Tänzer herum und belustigten die Menge. Diese wurde langsam unruhig, als es 5 Minuten, 10 Minuten, 15 Minuten nach 19 Uhr wurde. Dann erfolgte die Durchsage:

Meine Damen und Herren, ich höre, dass sie so langsam unruhig werden. Bitte geben sie uns noch ein paar Minuten. Wir haben ein großes technisches Problem. Ich hoffe, dass die Show überhaupt stattfinden kann.

What?! Wir waren fassungslos und belustigt zu gleich. Man sollte ja meinen, wir sind es gewöhnt, dass uns immer wieder solche merkwürdigen Dinge passierten, dass wir keinen Schritt ohne Murphy vor die Tür machen können, dass sich unser Pech potenziert, wenn wir zusammen unterwegs sind. Man könnte wirklich meinen, dass wir das gewöhnt sind. Aber man gewöhnt sich nicht wirklich daran. Es haut einen immer wieder um, wenn alles, aber wirklich alles immer wieder schief zu gehen droht, scheint und auch schief geht. Das einzige, was man in einem solchen Leben lernt: Fatalismus.

Wir kramten das Smartphone raus und schauten, zu welchen Orten die Show noch tingeln würde in den nächsten Monaten, was ein geeigneter Ausweichtermin für uns wäre. Ich weiß nicht genau, wie Veranstalter in solchen Situationen reagieren. Ich vermutete, dass man vor die Wahl stellte, einen Ersatztermin zu akzeptieren oder sich das Geld erstatten zu lassen. Anyway, irgendwie würde es schon laufen. Wir phantasierten uns schon zusammen, die Show in Odense, Dänemark zu besuchen. Denn, so hatten wir festgestellt, wir waren seit Jahren nicht mehr zusammen weggefahren und mussten das eigentlich dringend mal wieder tun.

Eine halbe Stunde später, wir beobachteten hektisches Treiben bei der Technik, wurde erneut durchgesagt, dass man hart am Problem arbeite und sich in den nächsten zehn Minuten entscheiden würde, ob die Show stattfinden konnte oder nicht. Unsere Sitznachbarin hatte sich etwas zu trinken geholt und berichtete, dass angeblich der Tontechniker nach der Mittagsvorstellung ins Krankenhaus gekommen wäre und man nun keinen Tontechniker habe. Ich weiß nicht, ob das stimmt.

Aber wir hatten Glück: Die Show startete um 20 Uhr! Ungünstig daran: Die Show sollte zwei Stunden zuzüglich Pause dauern. Unser Zug ging immer um :23, der letzte um 23:23 Uhr. Das war uns eigentlich zu spät, wir würden ca. 40 Minuten Zug und dann noch 20 Minuten Auto fahren müssen. Daher wollten wir spätestens um 22:23 Uhr aus Köln abfahren. Das war jetzt aber erstmal egal, wir schauten die Show und waren begeistert. Die Sicht von unseren Plätzen war recht gut und bei vielen Figuren fand ich es sogar von Vorteil, von oben drauf zu schauen, denn auf Augenhöhe von der Seite würde man nicht richtig erkennen können, was die da reiten. Andere Nummern gab es, da wäre es sicher nicht schlecht, sich das aus der Nähe anschauen zu können. Einige Situationen gab es, wo ich tatsächlich auf den Monitor schaute, aber die meiste Zeit hatte ich einen guten Blick zwischen zwei Gitterstäben hindurch auf die Reitbahn.

In der Pause suchten wir zunächst eine Toilette, wo keine Schlange bis zum Chlodwigplatz stand, welche wir im Untergeschoss auch fanden. Dann gingen wir zum Souvenirshop. Wir entschieden uns für die Taschen und nahmen jeder eine mit.

Die Freiheitsdressur am Ende der zweiten Hälfte der Show war der absolute Hammer. Das hätte ich mir stundenlang anschauen können und das hätte ich auch gerne aus der Nähe gesehen. Der Saal tobte! Dann folgte die Verabschiedung und das darkinchen machte noch ein paar Bilder mit meinem Smartphone. Ansonsten habe wir keine Photos gemacht, da dies nicht erlaubt ist während der Vorstellung. Das unerlaubte Trinkpäckchen in der Tasche des darkinchens war in der zweiten Halbzeit übrigens meine Rettung, als heftige Kopfschmerzen mir signalisierten, dass ich den Tag über zu wenig getrunken hatte, fällt mir im Zusammenhang mit Unerlaubtem wieder ein. ;)

Wir schauten uns das Finale nicht ganz bis zum Ende an. Es war kurz nach 22 Uhr, wir machten uns auf den Weg zum Deutzer Bahnhof.

Unser Zug kam pünktlich und fuhr pünktlich wieder ab. Das darkinchen hatte das Auto in Bedburg geparkt, dem Endhaltepunkt unseres Zuges. Kurz bevor wir da waren, ertönte eine Durchsage, die wir aber, ebenso wie die Mitfahrenden um uns herum, leider nicht verstehen konnten. Ich sah, dass alle Passagiere weiter vorne aufstanden und den Zug an der Haltestelle verließen und sagte dies laut.

Das konnte nicht wahr sein! Dies war die vorletzte Haltestelle, an der nächsten hätten wir aussteigen müssen! Wir standen ebenfalls auf, gingen weiter nach vorne und fragten jemanden, was denn los sei. Kurz darauf kam außerdem noch die Lokführerin und die klärte uns auf:

Vor dem Bahnhof Bedburg war wohl ein Betrunkener im Gleis, der Lokführer des Gegenzuges konnte dort schon nicht losfahren. Immer, wenn man versuchte, den Mann einzufangen, verschwand er im Gebüsch, um sich kurz darauf wieder auf die Gleise zu legen. Nun war mehr Polizei und ein Hubschrauber angefordert. Auch war Schienenersatzverkehr bestellt, aber niemand konnte sagen, wie lange es dauern würde, bis dieser eintrifft.

Na super! Wir standen in einem Dorf mitten im Nichts, 8 km von unserem Auto entfernt in stockfinsterer Nacht. Wir riefen den Freund des darkinchens an, ob er uns abholen könnte, was er natürlich auch tun wollte, aber es würde noch eine Weile dauern. Von hier bis zur Wohnung der beiden waren es etwas über 30 Kilometer. Irgendwie mussten wir ca. 30 bis 40 Minuten überbrücken. Das einzige, was hier auf Leben schließen ließ, war eine Spielhalle, in die ich aber auf keinen Fall gehen wollte.

Ansonsten gab es nichts, auch kein Taxi. Wir hatten uns nämlich mittlerweile überlegt, ob wir mit einem Taxi nach Bedburg fahren sollten. Wir sprachen einen jungen Mann an, der uns entgegen kam, ob er eine Idee hätte, wo wir ein Taxi herbekommen könnten, was er aber verneinte. Wir liefen noch ein wenig hin und her und wussten nicht so recht, wohin mit uns.

Als wir zurück am Bahnhof waren, sahen wir ein Taxi abfahren, das aber sein Taxi-Licht auf dem Dach ausgeschaltet hatte. Aber er hielt neben uns an und fragte, ob wir einen Wagen bräuchten. Auf Nachfrage, was es etwa kosten würde, nach Bedburg zu fahren, nannte er den ungefähren Preis (20 bis 22 Euro). Wir entschieden uns dafür und stiegen ein. Dann erzählte er uns, dass er eigentlich sein Fahrzeug parken wollte, als ein Kumpel von ihm, ein junger Marokkaner, ihm sagte, dass hier im Dorf zwei Frauen rumlaufen würden und ein Taxi suchten. Wir ließen ihn noch einmal unseren Dank und einen Gruß an den Marokkaner ausrichten.

Der Typ fuhr wie ein Henker, erstaunlicherweise kamen wir trotzdem heil in Bedburg an. Dort lief gerade Polizei herum, ein Zug stand am Bahnhof und konnte nicht abfahren. Das Auto des darkinchens stand auf dem Parkplatz. In unmittelbarer Nähe stand eine Gruppe junger Leute. Als wir am Auto ankamen, ertönte ein lauter Knall, der sich fast wie ein Schuss anhörte. „Mach den Wagen auf und lass uns hier verschwinden!“, rief ich dem darkinchen zu. Wir fragten die jungen Leute noch, ob es hier immer so zuginge. Die hatten noch gar nicht mitbekommen, was los war und wir erzählten es ihnen. Dann verschwanden wir und machten uns endlich auf den Heimweg.

Zuhause angekommen tranken wir noch einen Tee und warteten auf den Freund des darkinchens, der noch zu einem Freund gefahren war, nachdem wir ihn davon unterrichtet hatten, dass wir ein Taxi nahmen. Als wir endlich in die Betten fielen, war es kurz vor 1 Uhr.

Um 07:00 Uhr klingelte mein Wecker. Meine Güte, war ich müde! Ich machte mir einen Kaffee und schmiss mich nochmal auf die Couch unter meine Decke. Mir war kalt, ich war müde, ich wollte in mein Bett. Das aber war knapp 300 km entfernt und ich war mal wieder von der Bahn abhängig. Nach dem zweiten Kaffee ging ich unter die Dusche. Dann gab es noch einen dritten Kaffee und ein kleines Frühstück. Das darkinchen kam um 8 Uhr ebenfalls aus ihrem Schlafgemach, wir quatschten noch ein bisschen und dann machte ich mich auch schon auf den Weg, um 08:54 Uhr ging mein Zug.

Heute hatte ich ausnahmsweise mal Glück, denn während ich noch am Bahnhof stand und wartete, ertönte die Durchsage, die bekanntgab, dass der Zug um 08:19 Uhr etwa 50 Minuten Verspätung hatte und noch nach meinem ankommen würde.

Noch im Regionalzug nach Düsseldorf begann ich mit dem Schreiben meines Blogbeitrags, damit dieser nicht wieder so spät nachgereicht werden muss. ;)

In Düsseldorf musste ich umsteigen und hatte etwa 40 Minuten Aufenthalt. Ich bummelte ein wenig durch die Geschäfte, die so früh schon geöffnet waren, holte mir noch einen Kaffee und bestieg dann den ICE, der pünktlich um 10:12 Uhr aus Düsseldorf raus fuhr und pünktlich in Frankfurt, wo ich zum letzten Mal umsteigen musste, ankam.

Auch von dort nach Darmstadt und zu uns nach Hause lief alles glatt. Nach den Strapazen des gestrigen Tages hatte ich mir das auch verdient. Der Lebensabschnittsgefährte hatte bereits das Essen fast fertig, als ich nach Hause kam. So gefällt mir das! :)

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