Auf der Suche nach dem Sommer – Part I

Am Sonntag war lausig kalter und verregneter Sommeranfang. Auf dem Weg zur Arbeit am Montagmorgen beschloss ich, diese Woche unter das Motto „Auf der Suche nach dem Sommer“ zu stellen. Am Montag in Darmstadt war der Sommer jedenfalls nicht. Morgens fette Wolken und abends strömender Regen.

Am Dienstag begab ich mich zum Bahnhof und machte mich auf den Weg, den Sommer zu suchen. Ich verließ das Haus ein wenig zu früh. Auf dem Weg zur Bahnhaltestelle hörte ich die Tram bereits. Ich nahm die Beine in die Hand und trabte los, schaffte es aber leider nicht und sie fuhr mir vor der Nase davon. Das war wenig tragisch, denn damit wäre ich viel zu früh am Bahnhof angekommen. Plötzlich hupte ein Auto neben mir. Der Fahrer bot mir an, mich ein Stück mitzunehmen bis zur nächsten oder übernächsten Haltestelle, um die Bahn doch noch zu bekommen. Wow, sowas Freundliches! Ich lehnte allerdings ab, denn ich hatte keine Lust auf Stress und wartete lieber auf die nächste Bahn. Auch mit dieser blieb mir noch genug Zeit im Hauptbahnhof, um mir eine Tasse Kaffee zu holen.

Kaffee_im_Zug

Bis Mainz verlief auch alles nach Plan, was nicht weiter schwierig ist, Mainz liegt quasi in Spuckweite. Der ICE nach Köln aber hatte ungefähr 10 Minuten Verspätung. Das war insofern ungünstig, weil die Zeit zum Umsteigen in Köln nur fünf Minuten betrug. Erwartungsgemäß war mein Zug bereits weg, obwohl wir immerhin noch zwei oder drei Minuten aufgeholt hatten. Der Anschluss-ICE sollte aufgrund eines Notarzteinsatzes 20 Minuten Verspätung haben.

Ich irrte ein wenig am Kölner Hauptbahnhof herum in der Hoffnung, jemanden zu finden, der mir Auskunft geben könnte, wie ich jetzt am schnellsten nach Krefeld weiter komme. Die Schlange am Info-Schalter war mir zu lang. Laut App wäre wohl die direkte Verbindung mit dem RB nach Krefeld am besten, also positionierte ich mich auf Gleis 9. Dort war die Information leider nicht besetzt, sonst hätte ich noch einmal nachgefragt.

Zur Frustbekämpfung nahm ich ein zweites Frühstück in Form einer Currywurst zu mir. Kauen beruhigt ja bekanntlich. Und es hätte auch funktionieren können, wäre da nicht die Durchsage ertönt, dass die RE7 nun auch mindestens 10 Minuten Verspätung hat. Heute war aber auch wieder alles gegen mich! Ich beschloss, nun doch am Info-Schalter nachzufragen, ob es nicht etwas schneller ginge. Während ich dort wartete, wurde der ICE128 nach Amsterdam auf Gleis 6 angekündigt. Dieser fuhr über Düsseldorf und Duisburg. Ich entschied mich, den Zugbegleiter zu fragen, ob er mich mitnähme. Das würde sicherlich schneller gehen, als hier in der Schlange zu warten, denn bekanntlich summieren sich Verspätungen auf der RE7-Linie noch.

Der Zugbegleiter wollte mich mitnehmen und so sprang ich in den Zug. Meine Verspätung sollte bei Ankunft in Krefeld 54 Minuten betragen – sechs Minuten zu wenig für eine Entschädigung durch die Bahn. Ich hätte nichts dagegen gehabt, wenn der Regionalzug von Duisburg nach Krefeld noch die letzten paar Minuten eingebaut hätte, aber leider war der pünktlich. Also war ich „nur“ 54 Minuten zu spät für das Frühstück mit den Kollegen, denn der Hauptgrund meiner Reise war eine Mitarbeiterbesprechung, bei der ich auch anwesend sein sollte und wollte.

Umsteigen in Asitown aka Duisburg hatten wir schon lange nicht mehr. Ich könnte auch nicht behaupten, dass ich etwas vermisst hätte. Aber immerhin trafen in Duisburg ein paar Sonnenstrahlen auf den Bahnsteig und verkürzten mir die Wartezeit. Aber da ein Fleckchen blauer Himmel mit zwei Sonnenstrahlen noch keinen Sommer ausmacht, setzte ich meine Reise fort nach Krefeld. Sommer fand ich dort allerdings auch nicht.

Sommeranfang_in_Krefeld

Dafür fand ich meine Arbeitskollegen, die sich über meine wiederhergestellte Haarpracht freuten, einen reich gedeckten Frühstückstisch und gute Neuigkeiten für den Fortbestand der Einrichtung für die ich arbeite. Mein Arbeitsplatz ist auch weiterhin gesichert, was in den vergangenen Jahren nicht immer selbstverständlich war. Nach dem Meeting baute ich noch schnell Arbeitsspeicher in den Laptop einer Kollegin ein und dann musste ich auch schon wieder verschwinden, das darkinchen holte mich ab. Wir gingen bei McDonald’s essen und quatschen und dann musste ich auch schon wieder zurück zum Bahnhof. Um 15:56 Uhr ging mein Zug zurück. Diesmal führte mich die Odyssee über Düsseldorf (nur Regen), Frankfurt Flughafen (bauartbedingt ohne Wetter) und Frankfurt Hauptbahnhof (bauartbedingt ohne Wetter).

Bis Frankfurt Flughafen ging alles glatt. Dort jedoch wurden für den Anschluss-IC nach Frankfurt Hauptbahnhof 10 Minuten Verspätung gemeldet. Die Zeit zum Umsteigen am Hauptbahnhof sollte allerdings 20 Minuten betragen, deswegen blieb ich noch ganz entspannt. Zwischendurch sprang die Anzeige auf 15 Minuten. Ich überlegte, mit dem Airliner nach Darmstadt zu fahren, verwarf die Idee aber wieder, nachdem ich gesehen hatte, dass notfalls noch ein ICE nach Frankfurt Hauptbahnhof fuhr, den ich nehmen wollte, falls er vor „meinem“ IC eintreffen sollte.

Dies war allerdings nicht der Fall und so stieg ich in den verspäteten IC. Bei der Fahrkartenkontrolle nannte mir die Zugbegleiterin 18:27 Uhr als geschätzte Ankunftszeit. Um 18:33 Uhr fuhr der Regionalzug nach Darmstadt ab. Das sollte trotz der Wegstrecke von Gleis 5 bis Gleis 15 kein Problem darstellen. Vorsichtshalber ging ich bis nach ganz vorne hinter die Lok, Frankfurt Hauptbahnhof ist ein Kopfbahnhof. Allerdings blieb der Zug kurz darauf auf freier Strecke stehen. Die Frankfurter Wolkenkratzer waren schon zum Greifen nahe. Von hier aus hätte man auch zum Bahnhof laufen können. Anscheinend hat das auch jemand versucht, denn

Meine Damen und Herren, wir sind außerplanmäßig zum Halten gekommen, bitte halten Sie die Außentüren geschlossen. Danke.

tönte es aus den Lautsprechern. Nach einigen quälenden Minuten fuhren wir wieder an. Um 18:31 Uhr fuhren in in den Bahnhof ein. Um 18:32 Uhr war der Zug endlich zum Stehen gekommen und die Türen wurden freigegeben. Ich nahm die Beine in die Hand und sprintete los. Mit hängender Zunge erreichte ich gerade noch den Zug auf Gleis 15 und ließ mich keuchend auf den ersten freien Platz fallen.

In Darmstadt hätte ich erneut rennen müssen, um die nächste Straßenbahn nach Hause zu erreichen. Allerdings hatte ich dazu keine Lust mehr. Ich hätte es auch nicht geschafft, da es – wie so oft – viel zu voll am Bahnsteig war und sich alles vor dem einzigen Aufgang staute. Und so tat ich während der Wartezeit, was eine Frau üblicherweise am Bahnhof tut: Ich kaufte mir eine neue Handtasche. ;)

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