Das Beste zum Schluss!

Das Beste an Krefeld ist die Anbindung an die A57. Für die, die kein Auto haben, ist es der Bahnhof. – Ready to go!

Auf geht's!


Seit über einem Jahr kennt man sich nun schon virtuell, da ist es langsam mal Zeit für ein persönliches Kennenlernen. Vodka!Orange tut dann sein Übriges dazu, um endlich mal einen Termin zu vereinbaren. Um auch etwas davon zu haben, haben wir ein langes Wochenende gewählt. Leider hat das ein wenig Spontanität genommen, der Termin steht schon seit Wochen fest, Zeit genug jedenfalls, sich in die Nervosität reinzusteigern. Die Freude darüber, endlich mal wieder rauszukommen, Abwechslung in den Alltag zu bringen, mal wieder ein anderes Gesicht zu sehen, ist schon groß, aber dennoch wäre am liebsten gar nicht in den Zug einsteigen. Aber bei all dem Gejammer: Irgendwie mag ich dieses Gefühl.

In Köln muss ich umsteigen. Dort spart man nicht nur an der Information, sondern auch an der Pünktlichkeit des Zuges. Ich muss eh schon etwa 40 Minuten auf den Anschluss warten, da kommt es auf zehn weitere Minuten ja eigentlich nicht an. So bleibt nur zu hoffen, dass ich trotzdem meinen Anschlusszug in Mainz, wo ich noch einmal umsteigen muss, bekomme. Eine Sitzplatzreservierung wäre nicht die schlechteste Idee gewesen, dann müsste ich jetzt nicht auf meiner Tasche sitzen. Schön wäre es außerdem, wenn man nicht ausgerechnet heute das BoardBistro weggelassen hätte, ich würde jetzt gerne einen Kaffee trinken. Und Hunger habe ich auch, muss aber mangels Proviant auf einem Kaugummi herumkauen, während alle um mich herum Kekse, Schokolade und Gummibärchen futtern. Das Leben ist schlecht.

Ich fahre übrigens mal wieder am Rhein entlang, die alte Strecke über Koblenz, Mainz, Atomkraftwerk, Loreley und so. Dabei muss ich an die Fahrt nach Graz denken, war dies doch das letzte Mal, dass ich hier gefahren bin. Früher nach Zürich ging es ebenfalls über diese Strecke. Und auch die Fahrten nach München. Hm. Aber eigentlich mag ich jetzt gar nicht in der Vergangenheit rumhängen, ich steigere mich lieber weiter rein in die Nervosität über das bevorstehende Kennenlernen. Wenn ich doch nur nicht so menschenscheu wäre …

Der Anschlusszug in Mainz wird bequem erreicht, da auch dieser Verspätung hat. Fährt die Bahn heutzutage gar nicht mehr nach Plan? Von Mainz nach Darmstadt dauert es nicht lange. Dort angekommen bin ich restlos überfordert. Der Bahnsteig ist voller Menschen. Was wollen die alle hier? Es gibt nur eine einzige Treppe, die vom Bahnsteig zur Überführung führt, da staut sich natürlich alles. Wie soll ich hier bloß jemanden finden, den ich noch nie live gesehen habe? Ich beschließe zu warten, bis die Menschen alle verschwunden sind und bis ich gefunden werde, was erfahrungsgemäß und auch diesmal wieder gut klappt.


Der gestrige Abend war lang, es wurde bereits hell draußen, und der heutige Tag begann unter Protest und Schlafmangel. So beschlossen wir, unsere geplanten Aktivitäten auf die folgenden Tage zu verschieben und uns erst einmal zu erholen. Da bei mir Schlafmangel ja eher grundsätzlicher Natur ist, während er bei meinem Gastgeber nur temporär auftritt, nehme ich mir sein 160-Liter-Aquarium vor, während er einen Mittagsschlaf macht.

160er vorher

Das Becken ist voller Algen und es gibt ziemlich viel abgestorbenes Pflanzenmaterial, das entfernt werden muss. Zwei Stunden verbringe ich mit dieser durchaus entspannenden Tätigkeit, dann hat der Hausherr seinen Mittagsschlaf beendet. Das Aquarium sieht nun so aus:

160er nachher

Weitere Details unter Zu Besuch bei meinen Babys.

Außerdem muss ich mein Beauty-Case reinigen, da das Shampoo gestern auslief, als ich auf meiner Tasche sitzen musste.

Später gehen wir noch ein wenig in Darmstadt spazieren. Eine nette kleine Stadt, viel schöner als Krefeld. Leider habe ich meine Kamera nicht dabei. Aber da wir ohnehin noch einmal durch Darmstadt müssen, wenn wir klettern gehen wollen, habe ich ja noch eine Gelegenheit zum Photographieren.


Für heute steht der Frankfurter Zoo auf dem Plan. Dort gibt es Tigerbabys, die wir uns unbedingt anschauen wollen. Um dem ganzen einen Hauch von Coolness zu geben, hat mein Begleiter als Leihwagen ein Cabrio ausgewählt. Sehr cool!

Cabrio

Der Frankfurter Zoo gefällt mir sehr gut. Und das nicht nur, weil es Giraffen, Pinguine, Erdmännchen und noch ein paar mehr meiner Lieblingstiere gibt. Insgesamt ein sehr schöner Zoo und es wird viel für die Verbesserung der Lebensbedingungen der Tiere getan. Ich hoffe sehr, dass ich hier nicht zum letzten Mal bin.

Bei den Tigerbabys, von denen wir tatsächlich ein paar Blicke erhaschen konnten, haben wir einen Arbeitskollegen von G. getroffen. Der ist nicht ganz unschuldig daran, dass ich da vor dem Gehege stehe, hat er doch etliche Tigerbabyphotos in den letzten Tagen und Wochen veröffentlicht, die einen dahinschmelzen lassen.

Als wir eine Pause bei Currywurst und Pommes einlegen, stelle ich überrascht fest, dass der ganze Zoo voller Spatzen ist. Diese niedlichen kleinen Vögel sieht man in Krefeld kaum noch. Da klauen einem bestenfalls die Tauben das Essen vom Teller, aber einen Spatzen, der freundlich den Kopf schief legt in der Hoffnung auf ein Stück Pommes oder Brot, habe ich dort schon ewig nicht mehr gesehen. Ich kann’s nicht lassen und werfe den Vögeln ein paar kleine Stücke der Pommes zu.

Frakfurt

Ich hoffe, ich habe irgendwann noch einmal Gelegenheit, nach Frankfurt zu kommen und mir das alles genauer anzuschauen. Schließlich kannte ich von Hessen bisher nur die Transitstrecken A3 und A7. Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob man hier unbedingt alle Orte kennen muss.

;-)

;-)


Bereits im Vorfeld hatten wir den Ausflug in den Kletterwald geplant. Blöderweise bin ich seit einigen Jahren nicht mehr schwindelfrei und von Höhenangst geplagt, sodass mich diese Idee vor ein nicht unerhebliches Problem stellte. Daher war Vorbereitung von Nöten. Diese umfasste zum einen die Autosuggestion, dass ich ja früher auch keine Höhenangst hatte und daher schon irgendwie die Nummer schaffen werde. „Im Übrigen ist man ja schließlich gesichert“, versuchte ich meinen in Aufruhr befindlichen Bregen zu beruhigen. Des Weiteren kletterte ich ständig auf Stühle und Tische und blieb dort stehen, bis der Schwindel vorbei war. Ich setzte mich auf meine Küchenfensterbank und blickte drei Etagen herab. Ich nutze überhaupt jede Gelegenheit, aus größerer Höhe nach unten blicken zu können und verharrte stets, bis ich mich an den Anblick gewöhnt hatte und der Schwindel vergangen war. Außerdem machte ich mehrmals wöchentlich Liegestütze, um meine Pudding-Ärmchen mit Muskeln zu füllen. So gerüstet marschierten wir am Samstag los.

Unser Weg führte zunächst durch die Darmstädter Innenstand, vorbei am Theater, wo ein riesiger Haufen Sperrmüll rumlag, der den Blick auf einen ziemlich coolen weil alten Lkw versperrte. Das angebrachte Schild machte aus diesem Sperrmüllhaufen ein Kunstobjekt.

Aha, Architektursommer. In etwas Abstand zum Sperrmüll standen drei Hütten rum: eine aus leeren Kanistern, eine aus Pappröhren und eine aus Holz, in welcher ich meine erster Kletterversuche des Tages unternahm:

dark* klettert

Damit war der kulturelle Teil meines Darmstadt-Aufenthalts hinreichend abgedeckt und wir widmeten uns wieder den Dingen, die Spaß machen, genauer gesagt dem Kletterwald. Dort angekommen begutachtete ich erst einmal die zu erklimmenden Bäume, wägte kurz ab und entschied mich dafür. Abzulehnen wäre einfach zu peinlich gewesen. Und außerdem sieht es von unten weit weniger bedrohlich aus als von oben. Aber diesen Umstand hatte ich kurz wieder verdrängt.

Ich hab’s tatsächlich getan! Ich habe meinen inneren Schweinehund überwunden und bin in den Bäumen rumgeklettert. Während die ersten beiden Touren in ca. 4 m Höhe noch relativ einfach zu bewältigen waren, wurde es bei der 6-m-Tour am Ende doch etwas schwierig, insbesondere als die Kinder vor uns zickig wurden und es nicht mehr weiter ging. Es wurde windig und der Baum wackelte, mir wurde ganz anders. Ich begann den Vater zu verfluchen, der mit den zwei Mädchen da unterwegs war. Wie kann man so verantwortungslos sein und mit zwei unsicheren Kindern in die Bäume steigen? Da gehört mindestens ein Erwachsener zu jedem Kind, damit niemals eines irgendwo alleine steht!

Das Problem war der Abstieg. Am letzten Baum musste man die rund sechs Meter senkrecht nach unten springen. Natürlich hing man am Seil und es war sicher, aber die Überwindung, die nötig ist, um aus sechs Metern Höhe ins Nichts zu springen, ist enorm. Die zickigen Blagen konnten sich nicht entscheiden, wer rechts und wer links runter springen sollte, denn es ging immer abwechselnd. Der Vater hatte den Sprung vorgemacht und nun standen die beiden oben. Ganz tolle Idee! Ich war kurz davor, ihnen einfach einen Tritt zu verpassen, als sie endlich sprangen. Und dann musste ich mich noch überwinden …

Anschließend gingen wir noch einmal eine leichtere 4-m-Tour, um den Tag mit einem positiven Ergebnis abzuschließen. Dann war ich fertig mit der Welt, aber total happy, es tatsächlich hinbekommen zu haben.

Abends schauten wir noch DVDs und am nächsten Tag musste ich auch schon wieder abreisen. Mir fehlte mehr als nur eine Mütze voll Schlaf und alles tat mir weh. Das kam vermutlich von dem Sturz, als ich vom Rand der Erde fiel. Alles nicht tragisch, aber mit enormer Tragweite. Das musste erst einmal verdaut werden – bedauerlicherweise in einem überhitzten Zugabteil. (Dies brachte mir immerhin noch eine Entschädigung in Höhe von 20 Euro.)

"Klimaanlage ausser Betrieb"

„Klimaanlage ausser Betrieb“

In Krefeld angekommen, hatte ich die Schnauze direkt wieder voll. Der Bahnsteig war voller Bullen, die Straßenbahn war mir vor der Nase davon gefahren und weit und breit war kein Taxi zu sehen. Home sweet home …

Als dann endlich ein Taxi angefahren kam, sprang ein junger Mann an mir vorbei auf den Beifahrersitz des Wagens. Na toll! Statt loszufahren, diskutierten die beiden eine ganze Weile miteinander. Irgendwann öffnete sich die Beifahrertür und der Fahrgast begehrte zu wissen, wohin ich denn wolle. Ich antwortete wahrheitsgemäß und er forderte mich auf, in den Wagen zu steigen. Die Diskussion hatte wohl die Frage zum Inhalt, ob sie mich mitnehmen oder nicht. Soll mir Recht sein, Hauptsache ich bin schnell zu hause.

Und genauso schnell möchte ich hier wieder weg, weswegen ich gleich am Montag nach der Arbeit nicht nur eine BahnCard, sondern auch das nächste Ticket nach Darmstadt kaufe.

A new era beginns … :)

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