Umbruch

Wie üblich mache ich mich guter Dinge um kurz nach 12 Uhr auf den Weg zum Bahnhof. Diesmal mit der Straßenbahn, weil mir das ständige Laufen auch irgendwann mal zu blöd wird. Die Woche im Büro war überaus stressig und das letzte Wochenende Dank erneuter Virusinfektion ja auch alles andere als erholsam, sodass ich froh bin, mal wieder für einen Kurztrip aus der Stadt zu kommen. Essenstechnisch werde ich mich auf der Fahrt einschränken müssen, weil ich immer noch nicht ganz auf der Höhe bin. Leider, denn die Currywurst auf Gleis 7 riecht immer so gut und McDonald’s in Köln Hbf ist auch mehr als verlockend. Um nicht ans Essen denken zu müssen, vertreibe ich mir die 40 Minuten Wartezeit mit Photographieren. Ich gehe fast bis ans Ende des Bahnsteigs, um die Hohenzollernbrücke mal von einer anderen Perspektive aus zu knipsen und auch den Bahnhof oder zumindest Gleis 7 mal in seiner Gesamtheit zu erfassen.

Auf dem Weg nach Köln bemerkte ich, dass ich meine Sonnenbrille vergessen hatte. Grübeleien, wo um alles in der Welt das Mistding denn liegen könnte, blieben erfolglos. Es stellte sich heraus, dass ich die Sonnenbrille bereits seit fast zwei Wochen ständig vergesse, sie liegt nämlich noch in Darmstadt. Wie gut, dass es mir nicht am Morgen eingefallen ist, vermutlich hätte ich etliche Minuten mit sinnlosser Sucherei verbracht und meine Kollegin, die mich freitags immer mit dem Auto abholt, hätte auf mich warten müssen.

Natürlich schafft der IC 2025 es auch an diesem Freitag nicht, pünktlich in Köln Hauptbahnhof Gleis 7 einzufahren. Angekündigt wird er mit fünf Minuten Verspätung, aus denen tatsächlich acht Minuten werden. Und so beginnt eine erneute Zitterpartie nach Mainz, an deren Ende die Frage steht, ob der Anschlusszug wohl noch erreicht werden wird. Bis Koblenz sieht es noch einigermaßen gut aus. Die Verspätung beträgt nach wie vor acht Minuten. Dem gegenüber steht meine Zeit zum Umsteigen in Mainz, die laut Fahrplan 11 Minuten beträgt. Und glücklicherweise bleibt es bis Mainz so, sodass ich endlich mal wieder pünktlich und fahrplanmäßig in Darmstadt ankomme.

Dort wartet eine Überraschung auf mich: Ein Tagesgewinn aus einem Lagnese-Gewinnspiel in Form einer knallroten Reisetasche. Allerdings bleibt vorerst zum Freuen nicht viel Zeit, denn wir müssen noch Elektroschrott zur Annahmestelle bringen, schließlich hat das allgemeine „Aufräumen und Ausmisten“ bereits begonnen. Viel Zeit haben wir ja nicht mehr. Bei der Annamestelle baut man Trennwände übrigens aus überdimensionalen Lego-Steinen.

Anschließend stöbern wir noch ein wenig im Möbelmarkt herum. Das eine oder andere Teil müssen wir vielleicht noch kaufen, insgesamt sind wir aber ziemlich komplett mit unseren Haushalten. Da verliert man sich dann lieber in Phantastereien, was man nicht alles kaufen würde, wenn man denn ausreichend Platz und natürlich auch das entsprechend dicke Finanzpolster zur Verfügung hat. Auf dem Heimweg gibt es dann noch ganz tolle Wolkenhimmel zu bestaunen, die sich bekanntlich nur schwer digitalisieren lassen. Ich versuchte es trotzdem. Das mittlere Bild ist mein Favorit. Und aus irgendeinem Grund habe ich einen Faible für das Müllheizkraftwerk, das ich schon ins rechte Licht zu rücken versucht habe, als wir auf dem langen Ludwig waren.

Nach so viel Wetter haben wir uns erstmal in der Wohnung verkrochen, etwas gegessen und uns erst nach Anbruch der Dunkelheit wieder raus getraut. In dieser Woche war nämlich die Luminale in Frankfurt und Umgebung. Darmstadt fällt da prinzipiell unter „und Umgebung“, war aber etwas sparsamer ausgerüstet, aber immerhin sollte es noch zwei Installationen geben, die wir uns anschauen wollten: Eine Projektion auf das Darmstadtium und irgendein Künstler-Gedöns in den Klein’schen Höfen.

Die Projektion auf das Darmstadtium war ein Witz. Daher hielten wir uns dort auch nicht allzu lange auf, sondern schlenderten erst einmal zum Marktplatz, wo wir ein paar Bilder vom Schloss und den anderen Gebäuden machten. Mit meiner Kamera und auch mit dem Handy sind sie allerdings nicht ganz so toll geworden, weswegen sie es gar nicht erst zu flickr.com geschafft haben, sondern nur hier im Blog eingebunden werden.

Residenzschloss

Leider ist das Schloss zu breit und passt nicht komplett auf ein Photo meines Smartphones. Die umstehenden Gebäude hatten da schon mehr Glück:

Anschließend liefen wir noch in einen mehr oder weniger dunklen Innenhof, um die Stadtkirche zu photographieren. Als sich dort allerdings finstre Gestalten rumtrieben, haben wir lieber das Weite gesucht. Natürlich nicht ohne doch noch ein paar Bilder geknipst zu haben.

Ev. Stadtkirche Darmstadt

Ev. Stadtkirche Darmstadt

Eigentlich hatte ich ja genug von der enttäuschenden Luminale, aber da die Klein’schen Höfe in der Nähe unserer Wohnung liegen, habe ich mich dann doch noch dazu durchgerungen, dort auch noch vorbei zu schauen. Erfreulicherweise wurden wir dort nicht enttäuscht. Uns erwarteten ein paar spannende Lichtinstallationen, die einen zwar auch nicht vom Hocker gehauen haben, aber doch eine sehr angenehme Abwechslung beim Abendspaziergang waren.

Irgendwie bin ich ja heilfroh, als dieser anstrengende Tag zuende geht, und schlaf noch während der A-Team-Folge – mit Alf sind wir ja bekanntlich durch – ein. Schließlich könnte der Samstag nicht weniger anstrengend sein. Zumal da im Hinterkopf ja immer noch die E-Mail herum spukt, die ich noch schreiben muss und die mir fürchterliche Bauchschmerzen bereitet.


Für den Samstag stand die Führung Nicht immer bissig – Kleine Raubtiere im Zoo Vivarium auf dem Plan. Außerdem hatten wir uns im Vorfeld überlegt, Mitglieder bei der Kaupiana zu werden, der Vereinigung der Freunde und Förderer des Darmstädter Zoos. Im Vivarium gibt es keine Jahreskarten, aber durch die Mitgliedschaft hat man freien Eintritt in den Zoo, daher haben wir uns dafür entschieden.

Die Führung hat wirklich Spaß gemacht. Ich finde es immer wieder interessant, von den Tierpflegern etwas über die Tiere zu erfahren, was man eben nur wissen kann, wenn man ständig mit ihnen zu tun hat. Das ist nochmal etwas anderes, als Informationen über eine Tierart zu erhalten. Hier geht es speziell um diese Tiere, ihre Eigenheiten, ihren Charakter, wo sie herkommen, wie sie aufgezogen wurden usw. Man sieht den Unterschied, den die Tiere zwischen fremden und bekannten Personen machen – letztere könnten ja schließlich Futter bedeuten. Man lernt sie von einer ganz anderen Seite kennen. Sie sind zwar immer noch Wildtiere, haben sich aber irgendwie damit arrangiert, dass sie mit den Menschen zusammen leben müssen.

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Vivarium Darmstadt 21.04.2012, ein Album auf Flickr.

Samstagmittag gab es endlich mal wieder etwas Anständiges zu essen! Nach dem ganzen Suppen- und Schonkostfraß der letzten zehn Tage war das auch dringend nötig. Frisch gestärkt mit Tortellini haben wir den Nachmittag dem „Ausmisten“ gewidmet. Wenn man zwei Haushalte zusammenlegt, ist man ja quasi gezwungen, alten Krempel mal wieder durchzusehen und sich von unnötigem Ballast zu befreien. Bei mir daheim habe ich das in der vergangenen Woche auch schon gemacht und hier geht es nun weiter. Und spannend ist es ja obendrein auch noch, in dem alten Krempel rumzuwühlen. So ist der Nachmittag dann auch schnell vorbei und weicht einem ruhigen Fernsehabend mit dem Knight Rider und endlich mal wieder Schokolade. Der Entzug war ja schon nicht mehr auszuhalten!

Für Sonntag stand nichts Besonderes an, der Tag plätscherte so dahin mit meiner üblichen Ich-will-nicht-nach-Hause-fahren-Laune. Und die unangenehme E-Mail wartete ja auch noch darauf geschrieben zu werden. Das nahm ich nach dem Duschen in Angriff. Es fiel mir nicht leicht, aber irgendwann musste ich meinem Arbeitgeber ja mitteilen, dass wir uns umentschieden haben … dass er umstrukturieren muss … dass ich Krefeld verlassen werde. Die Tatsache als solche freut mich zwar, meinen Job gebe ich aber nur ungern auf. Eigentlich will ich ihn gar nicht aufgeben. Eigentlich habe ich auch gar keine Lust, mir eine andere Arbeitsstelle zu suchen. Aber eigentlich bleibt mir ja auch gar nichts anderes übrig. Also schreibe ich meinem Arbeitgeber, dass ich Krefeld verlassen werde. Beim Abschicken dreht sich der Magen spürbar.

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