Kraftwerk, Zoo und so

Schon in den Tagen zuvor ist der Schlaf nicht gerade mein bester Freund gewesen. Dies hatte zufolge, dass ich am Donnerstag gegen 22:00 Uhr wie ein Stein in Koma ähnlichen Schlaf gefallen bin, der bis kurz nach halb Vier dauerte. Dann weckten mich Einsatzfahrzeuge. Wieder einschlafen gestaltete sich zunächst schwierig, ab kurz vor Fünf sogar unmöglich, denn dann kreiste ein Helikopter über der Stadt. Ich hasse es, wenn ich völlig fertig in Darmstadt ankomme, und das passiert so oft. Immerhin kann ich mich dort jedesmal gut erholen. Und außerdem freue ich mich jedesmal darauf, was die Müdigkeit zumindest für heute gut überdeckt und mich einigermaßen den erfreulich kurzen Arbeitstag überstehen lässt. Das Wochenende kann beginnen …

In dem Moment, in dem ich das Büro verlasse, fallen die ersten Regentropfen von Himmel. Das war so klar! Natürlich habe ich keine Jacke dabei, dafür aber eine Sonnenbrille auf der Nase. Egal jetzt, dann muss ich halt schneller laufen, als die Regenwolken über mir ziehen, um vor ihnen zu flüchten. An der Straßenbahnhaltestelle stehen einige Leute rum. Eigentlich dürfte da gar keiner stehen, eigentlich hätte die Straßenbahn an mir vorbei rauschen müssen, als ich noch in der Querstraße war, wie mir ein Blick auf den Plan verriet. Es ist schwer zu beschreiben, aber irgendwie merkte man den Leuten an, dass die Bahn längst hätte dagewesen sein müssen. Anyway, sollte ich etwa Glück gehabt haben und sie hat sich ein wenig verspätet? Dann müsste ich nicht zum Bahnhof laufen. Ich wartete noch ein wenig – und tatsächlich, da kam sie.

An der nächsten Haltestelle war Fahrerwechsel, was unseren aktuellen Fahrer ein wenig verwirrte. Mich auch, aber darauf kann die SWK keine Rücksicht nehmen. Ein wartender Fahrgast brabbelte irgendwas von der Uerdinger Bahn, wann die denn käme. Ich verstand die Welt überhaupt nicht mehr und fragte einen SWK-Angestellten, der zufällig auch mit dieser Bahn fuhr, was denn los sei. Es habe auf dem Ostwall einen Oberleitungsschaden beim Gewitter in der vergangenen Nacht gegeben, erklärte er mir. Das ist strategisch sehr ungünstig, denn über den Ostwall fahren alle Krefelder Straßenbahnen. Wenn der nicht befahrbar ist, liegt der öffentliche Personennahmverkehr der Stadt lahm. Mein Blick fiel nach vorne. Auf der Strecke vor uns stand alles voller Straßenbahnen. Es sah nicht so aus, als könnten wir in absehbarer Zeit zum Bahnhof fahren. Ich fragte den Fahrer, der natürlich nichts genaues wusste, da er ja gerade erst übernommen hatte. Er riet mir, besser zum Bahnhof zu laufen, wenn ich meinen Zug erreichen wolle. Na toll! Die Fahrkarte hätte ich mir auch sparen können. Ich nahm die Beine in die Hand.

Reichlich außer Atem kam ich auf Gleis 5 an. Der Zug war problemlos noch zu erreichen, ich hätte gar nicht so schnell gehen müssen. Die Strecke war noch nicht freigegeben und vor uns hatte erst noch ein anderer Zug Ausfahrt, bevor wir mit acht Minuten Verspätung endlich losfahren konnten. Und wie das so ist, wenn man einmal den Fahrplan durcheiander gewirbelt hat, verlief die Fahrt nach Köln entsprechend langsam. Da bei Kamps mehrere Leute in der Schlange standen, hatte ich auf Reiseproviant verzichtet und war nun hungrig, was ziemlich schlechte Laune verursachte.

Dem Hunger ließ sich in Köln Abhilfe schaffen. Bei der Wiener Bäckerei gab es drei Brezeln für 1,89 Euro. Das schien mir ein geeignetes Mittagessen. Zum Nachtisch gönnte ich mir ein Nusshörnchen. Dazu gab es wie immer einen Kaffee vom Kiosk auf Gleis 7. Kurz hinter Bonn war alles verputzt und ich setzte meine Fahrt sichtlich besser gelaunt fort. Möglicherweise erwähne ich es unnötig häufig, aber ich mag die Strecke entlang des Rheines immer noch sehr gern und fahre hier lieber als mit dem ICE die Neubautrasse entlang zu rasen.

In Köln sind wir mit nur zwei Minuten Verspätung losgefahren, sodass der Rest der Reise unspektakulär verlief. Die meiste Zeit im IC habe ich mit Dösen verbracht, schließlich gab es da noch ein Schlaf-Dezifit auszugleichen. Dementsprechend ruhig gestaltete sich dann auch der Freitagabend. Zwar gingen wir noch einmal in die Fußgängerzone, noch ein paar Besorgungen machen, aber mehr Action ist nicht. Gegen 23:00 Uhr bin ich auf der Couch eingeschlafen.

Am Samstag ist Tag der Architektur. Die meisten Projekte interessieren mich nicht die Bohne, sind vermutlich ohnehin nur für (angehende) Architekten interessant. Aber eine Sache weckt meine Neugier: das neue Gasturbinenkraftwerk der HSE AG. Dort findet um 13:30 Uhr eine Führung statt, an der wir teilnehmen wollen. Auf dem Weg dorthin fällt mir in der Fußgängerzone ein Transporter ins Auge:

Sehr cool!

Sehr cool!

Nachdem wir uns am Luisenplatz ein Eis geholt haben, geht es mit dem Bus zum Kraftwerk. Die Führung ist sehr interessant und das Kraftwerk total spannend. Da es sich um ein Spitzenlastkraftwerk handelt, ist es nicht ständig in Betrieb. Man würde den Lärm der Turbinen sonst gar nicht aushalten. Außerdem hat es so den Vorteil, dass wir uns ziemlich frei im Turbinenraum bewegen und uns alles in Ruhe anschauen und auch photographieren können.

[Bilder vom Kraftwerk werden nachgereicht]

Man setzt natürlich auf Nachhaltigkeit, das ist ja hip (und gibt Geld vom Staat). Aus irgendeinem Grund hat die Sonnenblume sich hier als Symbol etabliert. Und so gibt es auch heute für jeden eine Sonnenblume zum selbst anbauen.

Sonnenblume

Sonnenblume

Nach so viel Power haben wir uns eine kleine Stärkung verdient und essen Sandwiches bei Subway, auf selbst kochen haben wir heute keine Lust. Spontan beschließen wir, noch einen Abstecher ins Vivarium Darmstadt zu machen, natürlich nicht ohne vorher noch einmal ein Eis am Luisenplatz zu holen.

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Vivarium Darmstadt 23.06.2012, ein Album auf Flickr.

Die putzigen Zwergotter stinken bei dem schwül-warmen Wetter, das zurzeit herrscht, so erbärmlich, dass ich mich beinahe übergeben hätte. Nicht auszuhalten! Aber glücklicherweise gibt es ja noch mehr Tiere, von denen die meisten an der frischen Luft leben und daher stinken können, wie sie wollen.

Menno! :(

Menno! :(

Blöderweise ist der Lagnese-Stand geschlossen. Dabei habe ich doch vorhin, als ein Kind heulte, weil es schon ein Eis hatte und kein zweites bekommt, noch geprahlt, dass ich schon zwei hatte und gleich noch ein drittes esse. Meine Rettung findet sich im Café Eulenpick. Dort wird ebenfalls Lagnese-Eis (Kugeln) verkauft. Aber will ich wissen, warum „Eis mit Vanillegeschmack und Erdbeersauce“ als „Birnenfruchteis“ verkauft wird? Eigentlich nicht, lecker ist es nämlich trotzdem!

Schmeckerfatz

Schmeckerfatz

So langsam schmerzen die Füße und die allgemeinen Akkus sind leer. Wir fahren heim. Als ich am Laptop sitze und die Bilder von der Speicherkarte kopieren will, merke ich, wie der Gestank der Otter in den Klamotten und der Haut hängt. Ekelhaft! Ich muss mich beinahe schon wieder übergeben und beschließe duschen zu gehen. Anschließend schauen wir uns die Photos an und surfen noch ein wenig im Internet herum. Ein Video von McDonald’s gab den Ausschlag: Wir wollen Burger! Jetzt!

Wir ziehen noch einmal los und holen uns bei McDonald’s Burger zum mitnehmen. Wir aßen unsere Burger vor dem Bismarck-Brunnen auf dem Ludwigsplatz, von wo aus unere Blicke auf das Parkdeck über Saturn fielen. Als letzte Spontan-Aktion für diesen Tagen gingen wir rauf aufs Parkdeck, wo sich tolle Darmstadt-von-oben-Bilder machen lassen.

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Darmstadt bei Nacht, ein Album auf Flickr.

Nun reichte es aber wirklich für heute. Ich hatte keine Lust mehr zu laufen oder irgendetwas zu machen. Daheim schauten wir uns noch einmal Photos an, dann gingen wir auch bald ins Bett, wo ich wieder einmal erst nach langem Rumliegen einschlafen konnte. Das nervt fürchterlich.

Der Sonntag war ruhig, wie viele Sonntage. Wasserwechsel in den Aquarien, gärtnern im großen Becken und dann noch ein wenig Dominion spielen, zu mehr war ich nicht zu bewegen. Immerhin ist die Trauerstimmung der Sonntage nicht mehr so schlimm. Das Ende ist zum greifen nahe, da kann man einiges besser ertragen. Um 15:17 Uhr fährt mein Bus zum Bahnhof, so viel Zeit habe ich ohnehin nicht, mich in etwas reinzusteigern.

Die Heimfahrt verläuft ruhig. In Mainz muss ich umsteigen. Es fährt ein alter ICE 1 ein. In so einem habe ich ja schon lange nicht mehr gesessen. Ein ICE 3 würde sich allerdings für die Strecke am Rhein entlang gar nicht lohnen, da wird ja nicht schnell gefahren. Diese erste ICE-Generation bietet wenigstens noch Platz. Die Wagen wurden seinerzeit etwas breiter gebaut, sodass der Mittelgang selbst dann noch begehbar ist, wenn zwei Leute aneinander vorbei müssen oder einer als Hindernis im Weg steht. In den neuen ICE-Zügen ist das schon schwieriger. Gewinnmaximierung überall.

Am Rhein ist autofreier Tag. Kein einziges Auto sieht man drüben auf der anderen Rheinseite fahren, die Straße gehört den Radfahrern. Sicherlich eine schöne Sache, da mal zu fahren. Ich kann mich noch ganz dunkel daran erinnern, das als Kind mal erlebt und toll gefunden zu haben, das ist bestimmt auch heute noch toll. Allerdings interessiert es mich schon bald nicht mehr, da mir die Augen zufallen. Ich brauche dringend Kaffee!

Kaffee

Kaffee

Es erfolgt eine Durchsage, dass wir fünf Minuten Verspätung aufgrund hohen Fahrgastaufkommens haben. Aha. Ohne Fahrgäste wäre man also pünktlich? Soll das blöde Pack etwa Auto fahren oder gleich daheim bleiben, damit die Bahn ihren Fahrplan einhalten kann? Tss. Die Verspätung stört mich allerdings nicht sonderlich. Ich muss in Asitown umsteigen und habe dazu insgesamt 15 Minuten Zeit. Da es arschkalt ist, kommt es mir ganz gelegen, dass die Wartezeit um acht Minuten ICE-Verspätung gekürzt wird.

Pünktlich komme ich in Krefeld an, wo das darkinchen mich abholt. Wir kämpfen noch ein wenig mit dem Fahrkartenautomaten, da sie Montagmorgen wegfahren muss. Der Automat gewinnt, ich beschließe, die Fahrkarte daheim zu kaufen und auszudrucken. Mistding! Natürlich ist die Straßenbahn kurz zuvor gefahren. 30 Minuten Wartezeit vs. 20 Minuten laufen wird zu ungunsten meiner armen Füße entschieden. Aber dann bin ich endlich daheim, hungrig und müde.

Fünf Wochen und eine Fahrt noch. Die können sooo lang werden …

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