Franken die 2te

Endlich, ich sitze im Zug und es geht wieder los. Diesmal muss ich auch nicht alleine fahren, crow steigt gleich ein, sie besuchte hier in der Nähe eine Bekannte. Über die Fahrt gibt es nicht viel zu sagen, man schweigt und labert, labert und schweigt und labert dann wieder, Frauen halt. Allerdings müssen wir umsteigen, leicht hungrig und stark koffeinsüchtig mit einer Stunde Aufenthalt in der einzigen Stadt Deutschlands, die weder Burger King noch McDonald’s in Bahnhofsnähe hat. Die Gier nach Kaffee dämpft auf dem Reststück etwas die Stimmung, aber wir halten tapfer durch.

In Bamberg angekommen glauben wir, doch tatsächlich vergessen worden zu sein, weil wir Hugo und Soul nirgendwo sehen können. Aber dann finden wir sie doch, gut getarnt von weitem sichtbar sitzen sie auf einer Bank, die einzigen Menschen auf diesem Bahnhof nachts um Eins sind natürlich schwer zu sehen. Wir fahren zu Hugo und fast ist es ein bisschen wie Heimkommen in unser Zimmer mit der Sarah-Key-Tapete. Soul hat sein Übriges getan und mit Hilfe seines Tascheninhalts, insbesondere der Socken, vertrautes Chaos verbreitet.

Die Socken … Habe ich von denen schon berichtet? Das Verhältnis zwischen Soul und seinen Socken ist empfindlich gestört, er hat sie nicht unter Kontrolle. So ist es nicht weiter verwunderlich, dass Hugo eines Abends mit einem von ihnen ins Wohnzimmer kommt. Er hat ihn gerade dabei erwischt, wie er versuchte sich unter Hugos Bett zu verstecken.

Wir können dieses Mal nicht ganz so viel unternehmen, Hugo hat ja nicht immer Urlaub. Deswegen muss er auch jeden Morgen um 6:00 Uhr aufstehen. Da Souly und ich um diese Zeit meist noch wach sind, sollen wir ihn wecken. Oha. Ich habe grundsätzlich ein Problem damit andere zu wecken … und Hugo … mit dem ist gar nicht gut Kirschen essen am frühen Morgen … auweia. Aber den Mutigen gehört die Welt und deswegen lasse ich Soul den Vortritt.

Wir verbringen die Nacht blödelnderweise im Chat. Dort stehen uns alle bei, als es auf Morgen zugeht. Keiner traut sich laut zu sprechen, alle „flüstern“, damit ES nicht wach wird. Und dann ist es soweit, Soul macht den Anfang und verschwindet im Schlafzimmer. Allerdings ohne Erfolg, ES ist einfach nicht wach zu bekommen. Da hilft nur noch die Radikal-Methode. Wer kennt nicht die Krankenschwester in dem Werner-Comic? Perfekt imitiert kreische ich im Schlafzimmer „GUTEN MORGEN! SCHON PIPI GEMACHT?!“ Mission erfüllt: Hugo steht senkrecht im Bett.

Wir fahren zur Schaukel. Sie hängt seit ewigen Zeiten in einem riesigen Baum, der mitten im Nichts steht. Sehen werde ich sie allerdings nie, jedenfalls nicht bei Nacht. Das Auto parkt an einem Waldweg. Hugo nimmt die Taschenlampe und wir machen uns auf den Weg Richtung Baum. Aber es ist kein Baum zu sehen, es ist überhaupt gar nichts zu sehen, es ist stockdunkel. Donner und Blitze, in meinem Kopf tobt ein Unwetter. Ich bekomme Panik. Es ist ZU dunkel für mich, man sieht überhaupt gar nichts. Meine Angst im Dunkeln ist größer als meine Neugier, größer als der Wunsch, bei den anderen zu bleiben. Ich gehe die fünf Schritte zum Auto zurück und bleibe lieber alleine da sitzen, meinetwegen stundenlang, je nachdem wie lange die anderen dort bleiben wollen. Allerdings ist es mutterseelenalleine in einem abgestellten Auto am Wegrand in der Finsternis nur unwesentlich besser. Ständig knackst und knirscht es irgendwo, irgendetwas fällt aus den Bäumen auf das Autodach, meine Nerven flattern, hektisch gucke ich mich die ganze Zeit um, immer auf der Hut vor … Vor was eigentlich? Ich weiß es nicht einmal, habe einfach nur Panik im Dunkeln. Ich schalte die Innenbeleuchtung ein. Aber das ist noch schlimmer. Jetzt kann ich nicht mal mehr schemenhaft erkennen, was draußen vor sich geht, also Innenbeleuchtung wieder aus und durch den Lichtschimmer des Standlichts starren. Ist wohl auch besser, fällt mir gerade ein, weil sonst die Batterie nachher leer sein könnte, was vermutlich nicht gerade meinen Beliebtheitsgrad steigern würde. Irgendwann kommt Hugo zurück und setzt sich zu mir ins Auto und wir quatschen. Das beruhigt meine Nerven ungemein. Wenn wir nochmal abends irgendwohin fahren und ich mir nichts darunter vorstellen kann, werde ich mich erst nach der vorhandenen Beleuchtung erkundigen, bevor ich entscheide ob ich mitkomme oder nicht.

Tja, unser Besuch hier dauert dann irgendwann zu lange und wir fahren nach Berlin. Naja, eigentlich flüchten wir eher.