Monopoly

Und wieder auf der Flucht. Wir sitzen bei McDonald’s, haben keinen Bock auf den häuslichen Hickhack, an dessen täglicher Ficken-Heulen-Abwechslung sich nichts geändert hat. Und bei McDonald’s spielt man zurzeit Monopoly.

Ich weiß schon, warum ich dieses Spiel nicht mag. Selbst wenn man gewinnt, ist es irgendwie doch wie verlieren, hier und heute jedenfalls. Wir haben einen Donut gewonnen. Na super! Wir mögen beide keine Donuts, zumindest nicht die von McDonald’s, aber was soll’s, schließlich soll man sich auch über die kleinen Dinge im Leben freuen können. Und so macht Souly den fatalen Fehler und latscht nach vorne, unseren Gewinn abholen.

Ich gucke aus dem Fenster, als plötzlich: „TRÖÖÖT!“ Ich erschrecke mich halb zu Tode. „Wir haben einen Gewinner!“, brüllt der freundliche Angestellte dem knallroten Soul, seinem Gestammel: „Ist doch nicht nötig“, und: „Ist doch nur ein Donut“, zum Trotz ins Gesicht und betätigt noch einmal seine Fanfare: „TRÖÖÖT!“ Ein Kerl wie ein Baum trottet hinter seiner Begleitung durch die Tür. „Guck mal, Schatz, der Mann hat auch gewonnen und bestimmt nicht nur ein Eis.“, schmollt er im Vorbeigehen. Wenn der wüsste …

Vorne diskutiert Soul, mittlerweile dunkelrot angelaufen, mit dem herbei geeilten Geschäftsführer, der es sich nicht nehmen lässt, den Donut persönlich zu überreichen und dabei noch einmal die Fanfare zu betätigen: „TRÖÖÖT!“ Während Soul zum Tisch zurückkommt, beobachtet von allen anwesenden Gästen: Schließlich sieht man nicht jeden Tag einen Gewinner-Typen von der Sonnenseite des Lebens in leuchtend rot.

Nun ja, Soul’s Gesichtsfarbe normalisiert sich wieder während er den Donut isst. Bevor wir in die Hölle zurückkehren, will er nochmal seinen „Dudo“ ohne Katzenpisse-Mief ausschütteln und macht sich auf den Weg zur Toilette. „PIEP, PIEP!“ Meine Güte, wie prollig! Der Mistkerl hat sein Handy auf dem Tisch liegen gelassen, wo es jetzt hysterisch piepst. Ich schnappe mir das Teil und halte den Lautsprecher zu, damit es nicht ganz so laut ist. Natürlich dreht sich alles zu mir um und Soul kommt – wieder mit hochrotem Kopf – zum Tisch zurück. Bloß raus hier, genug aufgefallen.

Jetzt stehen wir auf der Straße und kommen nicht rein, weil wir den Schlüssel vergessen haben. Was heißt „wir“? Diesmal kann ich nichts dafür, obwohl ich ja ein Meister im Schlüssel vergessen bin, musste bei mir daheim schon mehrmals die Tür aufbrechen oder eintreten, was bei mir mittlerweile zur Schlüssel-Neurose ausgeartet ist. Irgendwann hat Soul mich für mein ständiges „Hast Du auch ’nen Schlüssel mit?“-Gefrage völlig entnervt angeraunzt, er hätte immer seinen Schlüssel dabei, sodass ich mir eher die Zunge abbeißen würde, als nochmal zu fragen. Naja und jetzt stehen wir hier ohne Schlüssel mitten in der Nacht auf der Straße. efeu macht trotz SMS nicht auf, Klingeln gibt es am Hauseingang nicht und Souly meckert mit mir, weil ich nicht gefragt habe.