Doch noch einmal Berlin

Ich mag Feuerwerk. Ich mag die Nacht. Ich mag Schnee, seinen eigentümlichen Geruch und die sanfte Stille, die er verbreitet. Ich will aus dem Fenster gucken. Manchmal kann selbst solch ein simpler Wunsch zu kurzzeitigen zwischenmenschlichen Komplikationen führen. Davon unbeeindruckt strecke ich meine Nase in die kalte Nachtluft und lasse meine Gedanken auf Reisen gehen. Sie streifen vergangene Jahreswechsel und die Zeiten dazwischen. Aber bevor sie in verbotene Zonen eintauchen, pfeife ich sie zurück. Natürlich wandern sie auch zu Franz, dem ich einen telepathischen Gruß nebst Umarmung schicke.

Den Rest der Nacht und auch der folgenden Tage verbringen wir fast ausschließlich im Bett mit Lachen, Geschichten erzählen, Träumen und mentalem Weltenbummel sowie dem Erstellen digitaler Erinnerungsstücke in Form von .wav-Dateien. Der Bequemlichkeit ausgeliefert, deren Gipfel mit dem Satz: „Oh nein, ich hab mich bewegt!“, erreicht ist. Beschreiben lässt sich diese Zeit mit einem einzigen Wort: schön.

Bekanntlich hat sich ein Großteil unseres Kontinents in dieser Silvesternacht einer Währungsreform unterzogen. Dieses Ereignis muss zeremoniert werden, und welcher Ort könnte hierfür angemessener sein als ein Fastfood-Restaurant. Mit den druckfrischen Scheinen aus dem Automaten fahren wir dem historischen Moment entgegen. Ich fand Geld ausgeben noch nie so aufregend und mir verschlägt es zwar nicht den Sprache, aber offensichtlich den Verstand. „Die schreddern die D-Mark-Scheine ja sofort!“, bringe ich entsetzt hervor, als ich die Verkäuferin an der Kasse neben uns beobachte, wie sie einen Schein in eine Geldplombe steckt, die ich in kindlicher Naivität für ein Vernichtungsgerät halte. Nun ja.

Irgendwann in diesen Tagen habe ich mit meinem Handy rumgespielt und ein paar Funktionen ausprobiert, von denen ich keine Ahnung habe. Nun ist es gesperrt. Und ich habe weder den Entsperr-Code, geschweige denn einen blassen Schimmer, wo ich diesen herbekomme.

Der Tag der Abreise ist da. Die Preispolitik der Deutschen Bahn AG ist mehr als grotesk. Von hier zu mir nach Hause gibt es keine Verbindung mit Guten-Abend-Ticket und es ist billiger, wenn ich mit zwei Guten-Abend-Tickets quer durch die Republik fahre, als wenn ich ein Normalpreis-Ticket zu mir kaufe. Da meine Tochter mir – als mein Handy noch funktionierte – telephonisch mitgeteilt hatte, dass ich nicht in meine Wohnung kann, weil dort seit Silvester sie mit Codo und Katerchen wohnt, und ich eh keine große Lust habe heimzukehren, fahre ich entgegen ursprünglicher Planung mit Soul in die große Stadt. Asyl gewährt mir diesmal Sophie. Berlin, ich komme!