Franken zum 3ten

Hugo und crow sind da, diesmal holen sie mich in Krefeld ab. Nach fünf Minuten die erste Peinlichkeit: Bei meinem letzten Franken-Aufenthalt ist irgendwie ein Löffel von Hugo in meine Tasche gefallen. Völlig in Gedanken gebe ich ihm nun ausgerechnet diesen Löffel zum Umrühren seines Kaffees und er erkennt ihn natürlich sofort wieder.

Erwartungsgemäß hab ich natürlich wieder zu nix Bock und am wenigsten dazu, jetzt ins Auto zu steigen und nach Franken zu fahren. Aber was soll’s, crow droht mir Gewalt an und Hugo wird bestimmt auch böse, wenn er den weiten Weg umsonst gemacht hat, also fahre ich lieber mit. Wir halten an jeder Raststätte, wenn auch diesmal nicht ausschließlich meinetwegen, wir brauchen noch eine Flasche Wein. Außerdem bekomme ich irgendwann noch ein Geschenk meiner Wolke: Wildes Schneetreiben! Naja gut, ich gebe zu, dass der Zeitpunkt etwas ungünstig ist, aber so ist das halt, wenn darki mal bekommt was es will. Als wir endlich da sind und es irgendwann ungefähr 6:00 Uhr morgens ist, beschließe ich endgültig, bei crow auf der Couch in Hugos Wohnzimmer zu pennen, aufgrund irgendwelcher kindlichen Angst-Anwandlungen alleine nach unten gehen zu müssen.

Hugo und ich kämpfen uns spätabends über die zugeschneiten Straßen. Soviel Schnee hätten sie hier schon seit Jahren nicht mehr gehabt, sagte Hugo. Der viele Schnee war – zusammen mit dem Ferienbeginn – auch schon dafür verantwortlich, dass Hugo und Soul vor Weihnachten 22 Stunden für die Strecke Berlin – Bamberg gebraucht haben, die sonst in 5 – 6 Stunden zu bewältigen ist. Aber so schlimm ist es jetzt bei Weitem nicht, wir sind zu früh da und gehen noch zu McDonald’s, was ich später auch bereue. Wie üblich habe ich mir einen Schoko-Shake bestellt und stehe dann auf dem Bahnsteig, wo ein eisiger Wind pfeift, innerlich gekühlt dank erwähntem Shake. Wie selbstverständlich ertönt dann auch die Durchsage, die die Verspätung des erwarteten Zuges bekanntgibt. Halb erfroren nehme ich den Angekommenen in die Arme und taue erst in crows gemütlicher Wohnung bei heißem Kaffee wieder auf.

Eine meiner größten Bildungslücken wird im alten Jahr noch geschlossen. Ich kann nicht mehr zählen, wie oft ich die anklagende Frage: „Was?! Du kennst den Film nicht?!“, gehört habe, als könnte es auf dieser Welt keinen größeren Frevel geben. Aber nun ist es vollbracht, ich bin missioniert und kann voller Stolz verkünden, dass auch das letzte der Schäfchen, die auf Gottes Acker durchs Leben stolpern, Monty Pytons blasphemisches Werk „Das Leben des Brian“ gesehen hat, geschehen am letzten Tag im Jahre 2001 des Herrn.

Von Golgatha in den englischen Landsitz von Miss Sophie ist es nur einen Knopfdruck auf der Fernbedienung weit. Für Souly und mich Anlass, den Leuten im Chat einen besonderen Neujahrs-Gruß zu hinterlassen. Der legendäre Schlussdialog im „Dinner For One“ zwischen Miss Sophie und ihrem Butler James:

Soul: The same procedure as last year, Miss darki?
darki: The same procedure as every year, Soul.

wird hinterlegt mit Monty Pythons Lied „Always look on the bright side of life“ in Endlosschleife und als oberer Frame für den Chat hochgeladen. Die Entgegennahme von Beschwerden überlassen wir großzügig anderen und gehen offline.
Bei entsprechender Beleuchtung und Körperhaltung sieht Hugo bisweilen aus wie Buddha und der Alkohol trägt dazu bei, dass er ebenso unverständliches Zeug von sich gibt. Zumindest für Soul, der auf irgendwelchen Graswolken durch die Nacht schwebt, was dazu führt, dass sie zwar aufeinander ein- aber trotzdem aneinander vorbeireden. So bin ich den ganzen Abend als Simultan-Dolmetscher zwischen Buddha-Chinesich und Kiffer-Suaheli beschäftigt. Das hält mich wenigstens davon ab, allzu viel über mich selbst nachzudenken. Schließlich hatte ich beschlossen, mich von dem Haufen hier ablenken zu lassen und ich glaube, das gelingt mir auch.

Das alte Jahr hängt in den letzten Zügen, die Stimmung auch.