Life is full of little surprises …

… unfortunately here comes one of them.

Das Empfangskomitee am Duisburger Bahnhof besteht wie üblich aus meiner besten weil einzigen Freundin J. nebst Hund. Es gibt Rituale, die ich mag, und dieses gehört zweifelsohne dazu. Nicht zuletzt aus Bequemlichkeit, weil der öffentlich Personennahverkehr in dieser Gegend reichlich unterentwickelt und nach 00:00 Uhr praktisch gar nicht mehr vorhanden ist. Noch kann ich lachen, noch bin ich bar jeder Ahnung, was mich gleich erwartet. Da ich Codos Handy-Nummer nicht auswendig weiß, konnte ich ihn dank der Sperre in meinem Handy nicht mehr anrufen, um zu fragen, ob er denn nun noch bei mir wohnt, und lasse mich gezwungenermaßen überraschen. Als ich meine Wohnungstür aufschließe muss ich gestehen, dass ihm die Überraschung bestens gelungen ist.

Ich weiß gar nicht, womit ich angesichts der Reizüberflutung beginnen soll. Vielleicht mit dem Kater, der sich fauchend und knurrend vor dem hektischen Hund in Sicherheit bringt. Wir haben ihn nämlich gar nicht gesehen vor lauter Chaos, der Hund war da wesentlich pfiffiger. Meine Wohnung sieht aus wie Dresden 1945!

Von meiner peniblen Aufräumaktion vor der Abreise ist nichts mehr zu erkennen. Lediglich die gelb gestrichenen Wände versichern mir, in der richtigen Wohnung gelandet zu sein. Auf meinem Bett liegen drei Bettdecken nebst Kissen, zwei Wolldecken sowie diverse Kleidungsstücke. Der Tisch davor ist überladen mit schmutzigen Kaffeetassen, Gläsern, mit leeren Cola- und Limoflaschen (die nicht mehr auf den Tisch passen, stehen darunter), überfüllte Aschenbecher (was nicht mehr hinein passte, liegt daneben und unterm Tisch) und was weiß ich noch alles. Die Glasplatte meines Schreibtisches ist nicht mehr zu sehen, ebenso wenig meine Tastatur und die Maus (manchmal wären Kabel doch ganz praktisch). Überall stehen Kisten und Taschen mit Kram von Codo herum, ein Durchkommen ist kaum möglich.

Ich suche einen freien Platz für meine Tasche und arbeite mich bis zur Küche vor, habe J. schließlich Kaffee versprochen und brauche dringend selbst welchen. In meiner Küche muss eine Bombe explodiert sein, anders lässt sich das Durcheinander kaum erklären. Ich stolpere über das Katzenklo auf dem Trampelpfad Richtung Badezimmer, wo mich ein Berg Wäsche erwartet. Als nächstes kämpfe ich mich zur Spüle durch, schaufle selbige frei, um wenigstens den versprochenen Kaffee kochen sowie zwei Tassen spülen zu können. Tisch abräumen ist im Moment nicht möglich, da die Küchentür geschlossen bleiben muss, um Hund und Katze voneinander zu trennen.

Der Kaffee ist fertig und ich erkämpfe mir ein winziges Stück Platz am Fußende meines Bettes, um mich dort ächzend niederzulassen und meine Tasse auf einer klebrigen, aber immerhin geschirrfreien Ecke des Tisches abzustellen. Dann wandern meine Blicke über das Chaos und suchen meine Fassung, die ich irgendwo da drin verloren habe, was mir eine gewisse Sprachlosigkeit verleiht.

„Ich glaube, die haben noch nicht mit meiner Rückkehr gerechnet.“, konstatiere ich.