Einsatz für den Chaosprofi

Murphy hat mal wieder voll zugeschlagen: Am 5. Oktober kündigte das darkinchen die seinerzeit hektisch angemieteten eigenen vier Wände, um sich voll und ganz in die Arme ihres Ritters im schwarzen BMW zu begeben. Das alleine wäre nicht weiter tragisch, hätte nicht besagter Ritter zwei Tage später die Kündigung seiner Wohnung wegen Eigenbedarf erhalten. Um den Stress perfekt zu machen, wird das darkinchen in drei Wochen auch noch im Rahmen eines stationären Klinikaufenthaltes seiner Mandeln entledigt, was die Umzugs- und Renovierungsarbeiten nicht unerheblich verkompliziert. Das ist ganz klar ein Fall für Chaos-Profi dark*.

Fruehschicht

Am Samstag hatte ich noch bis 13 Uhr eine Frühschicht zu erledigen. Anschließend gab es Mittagessen mit dem Lebensabschnittsgefährten, dann machte ich mich auf den Weg zum Bahnhof. Um 15:40 Uhr fuhr mein Zug nach Mainz. Im anschließenden IC hatte ich nervige Reisebegleiter in Form von zwei dauer-lauten Kleinkindern, die in ihrer Lautstärke nur noch vom sturzbesoffenen Junggesellenabschied übertönt wurden. Dieses Martyrium hielt bis Köln, denn dort musste ich laut Plan umsteigen in einen ICE nach Duisburg. Als ich nachsehen wollte, ob dieser auch pünktlich ist, traf mich bald der Schlag:

Halt_entfaellt

Ach du lieber Himmel, damit hatte ich ja nun gar nicht gerechnet. Ursache hierfür war der Brand in einem Stellwerk in Mühlheim.

Die Angelegenheit war nicht tragisch, ich hatte einfach nur Glück, dass ich überhaupt nachgesehen hatte und nicht einfach ganz der Gewohnheit entsprechend in den Zug gestiegen war. Leider war am Kölner Bahnhof weit und breit kein Mitarbeiter zu sehen, der mir hätte Auskunft geben können. So entschied ich eben selbst und stieg in den nächsten Zug nach Mönchengladbach, wo das darkinchen mich am Bahnhof abholte. Direkt neben dem Bahnhofsgebäude ist ein Supermarkt, in dem wir uns mit Lebensmitteln für das Wochenende versorgten. Dann fuhren wir in die Wohnung, die noch die Wohnung vom darkinchen ist, um dort ihre Sachen zu sortieren und für den bevorstehenden Umzug einzupacken.

Ein ganz großes Problem meiner Tochter heißt „Papierkram“, mit dem steht sie völlig auf Kriegsfuß. Daher waren wir für den Rest des Abends damit beschäftigt, den Papierkram der letzten drei Jahre zu sichten, auszumisten, zu sortieren und abzuheften. Gegen Mitternacht waren wir damit fertig und fielen todmüde ins Bett. Dort spielten wir noch eine Weile auf unseren Smartphones herum, bis wir um 1 Uhr endlich schlafen wollten. Mittlerweile war ich so fertig, dass ich mit den Fingern abzählen musste, um wie viel Uhr wir aufstehen wollten, wenn wir von 1 Uhr an etwa acht Stunden Schlaf haben wollten …

Am nächsten Morgen gab es Frühstück in flüssiger Form: Kaffee für mich und Kakao für das darkinchen, dann machten wir uns sofort an die Arbeit, Schrank für Schrank auszuräumen, alle Kisten zu sichten, Müll auszusortieren und Nicht-Müll in Umzugskartons zu packen. Dabei richteten wir zunächst nicht ganz unerhebliches Chaos an, das vom darkinchen photographiert und via Facebook der Weltöffentlichkeit präsentiert wurde:

Chaos

Nun ja, vielleicht hätten wir vor der Veröffentlichung genauer hinsehen sollen, was wir da alles herumliegen haben, dann wären uns peinliche Nachfragen wie diese erspart geblieben:

Was_ist_das

Wir entsorgten nicht nur die Leiche unauffällig, wir räumten und ordneten, sortierten und kategorisierten, packten und wuselten den ganzen Tag. Kurz vor Mittag gab es Frühstück, kurz nach Mittag die erste Pizza, zwischendurch Lebkuchen. Und irgendwann hatten wir es tatsächlich geschafft, wir hatten das Chaos komplett beseitigt. Alles, was meine Tochter besitzt, hatten wir durchgesehen, sortiert und verpackt.

Chaos_beseitigt

Abends um 18:51 Uhr hatten wir das Chaos im Griff und erfolgreich in Umzugskartons und Mülltüten verpackt. Es gab die zweite Pizza und später zur Belohnung TV und Chips:

TV_und_Chips

Um halb Zehn fielen wir wie Bleifiguren in die Betten und schliefen auch ziemlich schnell ein. Um 04:30 Uhr klingelte schließlich schon wieder der Wecker. Das darkinchen hatte Frühschicht.

Da saß ich nun, um 5 Uhr morgens in einer leergeräumten Wohnung zwischen meiner Senseo und den Kartons. Ich räumte noch ein wenig Kleinkram hin und her, zog noch ein paar Nägel aus der Wand und betreute die vom darkinchen eingeschaltete Waschmaschine. Glücklicherweise steht die Wohnung unter ihr leer, da der Mieter vor einigen Monaten verstorben ist. Daher war es kein Problem, den ganzen Sonntag und auch jetzt am frühen Montagmorgen etwas lauter zu sein und die Waschmaschine mitten in der Nacht einzuschalten. Bis halb Neun hatte ich drei Maschinen Wäsche gewaschen und aufgehängt, außerdem die Wohnung gesaugt, das Geschirr gespült, weitgehendst aufgeräumt und geduscht und meinen Kram eingepackt.

0grad

Der Winter war eingetroffen, draußen war es lausig kalt. Ich begab mich zu dem ursprünglich angedachten Ziel meiner Reise in die Niederrhein-Bronx zu einer Besprechung ins Büro. Zwar freue ich mich immer darauf, die Kollegen zu sehen, aber auf das Gequassel den ganzen Tag hatte ich eher wenig Lust. Aber was soll’s, da musste ich nun irgendwie durch. Und so hielt ich auch tapfer bis 15 Uhr durch, bevor ich mich wieder auf den Weg zum Bahnhof machte. Witzigerweise war mir bis zu diesem Moment gar nicht in den Sinn gekommen, dass das Stellwerks-Problem von der Hinfahrt ja auch meine Rückfahrt betreffen könnte.

Ich eilte zum Bahnhof und begab mich dort zu Gleis 5, wo der RE 7 nach Köln abzufahren pflegt. Dort fragte ich den Zugbegleiter, ob ich mit seinem Zug mitfahren könnte, da meine gewählte Verbindung nicht zur Verfügung stehen würde. Das war soweit kein Ding und auch der Anschluss in Köln Messe/Deutz sollte bequem zu erreichen sein. Ich konnte mich also ganz entspannt hinsetzen und die Ereignisse der vergangenen beiden Tage in mein Tablet tippen.

Koelner_Dom

In Köln kam mir dann der glorreiche Geistesblitz, der sich im Nachhinein nur noch als dumme Idee bezeichnen lässt, bereits am Hauptbahnhof aus dem Zug zu springen und die 20 Minuten Umsteigezeit damit totzuschlagen, zum Bahnhof Messe/Deutz über die Hohenzollernbrücke zu Fuß zu gehen. Bei der Gelegenheit könnte ich ja mal nach unserem Schloss sehen.

Hohenzollernbruecke

Rund um den Kölner Dom ist schon seit ewigen Zeit eine Großbaustelle. Ein Durchkommen ist kaum möglich, daher dauerte es eine ganze Weile, bis ich endlich an der Hohenzollernbrücke angekommen war. Ich hatte noch 14 Minuten Zeit, die Brücke zu überqueren, unser Schloss zu finden, durch die Grünanlage am KölnTriangle vorbei zu traben und quer über Straße und Platz sowie durch den Bahnhof zu rennen, um meinen Zug zu erreichen. Das Schloss habe ich leider nicht gefunden, daher gibt es nur ein Photo vom Rhein.

Rhein

Am Triangle vorbei bin ich gerannt, habe gerade noch die grüne Fußgängerampel erwischt und wetze in Windeseile durch den Bahnhof zum Bahnsteig von Gleis 11. Als ich den Bahnsteig, der voller Menschen war, betrat, erfolgte auch schon die Durchsage und unmittelbar danach die Einfahrt des ICEs. Es ist unglaublich, wie viele Leute am Montagnachmittag mit dem Zug unterwegs sind, der Zug war brechend voll. Ich stürzte mich auf den erstbesten Sitzplatz, wo ich zunächst im Stehen darauf wartete, dass sich die Menschenmassen um mich herum irgendwie auflösen würden, damit ich meinen Koffer ins Gepäckabteil wuchten und meine Jacke ausziehen konnte. Dann ließ ich mich in den Sitz fallen. Von meinem Sitznachbarn erfuhr ich, dass die Hälfte des Zuges fehlte und es wohl auch deswegen so überfüllt sei. Mir war das aber relativ egal. Ich hatte einen Sitzplatz und für die eine Stunde, die der ICE nach Frankfurt braucht, würde ich es auch in dem vollen Zug aushalten.

Das letzte Stück des Weges von Frankfurt nach Darmstadt erfolgte mit dem IC, der aus unbekannten Gründen nicht losfahren wollte und mit 12 Minuten Verspätung Frankfurt verließ. Gegen 19 Uhr war ich endlich wieder zuhause. Das Katerchen freute sich und wurde sogleich mit dem Flummi bespaßt, der im Rahmen der Aufräumaktion gefunden wurde.

Smacks_und_Flummi

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