Feuer, Blut und anderes

Das Wochenende verbrachte das darkinchen bei uns in Darmstadt. Samstags mussten wir fast den ganzen Tag an den Servern arbeiten, da konnten wir nicht viel unternehmen. Leidglich ein paar Runden Dart waren drin. Sonntags fuhren wir zur Keller-Ranch nach Weiterstadt. Dort war Tag der Offenen Tür. Die Keller-Ranch begann als privates Projekt und ist eine Auffangstation für verletzte Tiere, für Tiere, die kein Zuhause mehr haben und neuerdings auch das offizielle Tierheim der Stadt Weiterstadt. Hier findet sich so exotisches Getier wie Stinktiere, Affen, Erdmännchen, Nasenbären, Füchse, Federvieh aller Art und auch Hunde, Katzen, Pferde, Kühe, Lamas, Schweine usw. Wildtiere, ehemalige Zootiere und Exoten aus privater Haltung haben hier ihr Gnadenbrot gefunden oder warten auf Vermittlung. Die Besichtigung ist stets kostenlos.

Das Dromedar lag zunächst noch ganz gechillt herum, präsentierte dann aber doch den Besuchern, dass mit seinem Hals alles in Ordnung ist und es noch aufrecht stehen kann.

Das darkinchen hatte einen neuen Freund gefunden, wobei sie skeptisch von der Pfauenfamilie beäugt wurde.

Mir dauerte das zu lange, ich setzte mich zu den Enten an den kleinen Teich am Weg.

Hier leben auch einige Enten, die weder obdachlos noch verletzt sind, sondern einfach nur festgestellt haben, dass sie hier nette Gesellschaft und einen stets gedeckten Tisch haben. Auf der Keller-Ranch ist eben jeder willkommen.

Abends spielten wir – nach langer Zeit mal wieder – Munchkin. Montags hatte das darkinchen auch noch frei, daher fuhren wir gemeinsam mit dem Auto nach NRW. Ich musste in die Niederrhein-Bronx ins Büro, die Server zurückbringen. Wir packten das elektronische Gedöns in den Kofferraum und machten uns auf den Weg.

In Hessen war der erste Schultag nach den Sommerferien, die Autobahnen waren stellenweise ziemlich voll. Bis auf ein paar Staus und ein paar Idioten, von denen uns einer beinahe in die Seite gefahren wäre und uns dafür böse Blicke zuwarf, verlief die Fahrt ruhig.

Wir luden das Elektronik-Gedöns am Büro aus, das darkinchen ging seiner Wege und ich an die Arbeit. Server aufstellen und einschalten, Router konfigurieren, Profile auf den Clients einrichten – in der Theorie binnen zwei bis drei Stunden erledigt. In der Praxis zickten Server, Router und Clients individuell herum. Besonders die Clients waren mir ein Dorn im Auge und verlangten noch stundenlange Update-Downloads und Installationsorgien, taten sich durch Fehlfunktionen von Treibern hervor und auch die Kommunikation mit dem Server wollte nicht wie geplant klappen. Abends um halb Acht saß ich dann endlich im Zug in die niederrheinische Zuckerrübensteppe. Und dieser hatte zur Krönung auch noch 8 Minuten Verspätung.

Das darkinchen holte mich ab. Wir gingen noch ein paar Dinge einkaufen, dann holten wir uns im Imbiss ein Brathähnchen und Pommes. Der Tag war gelaufen, wir hockten uns vor den Fernseher auf die Couch und hatten zu nichts mehr Lust. Das Bett rief frühzeitig, ich war fertig mit diesem Tag.

Um Sechs Uhr war die Nacht auch schon wieder vorbei. Das darkinchen hatte am Dienstagmorgen einen Arzttermin. Für mich war eigentlich geplant, den zweiten Server am zweiten Standort aufzustellen und an unserer Redaktionssitzung teilzunehmen. Da der zweite Server aber nicht fertig geworden war, sondern immer noch in Darmstadt herumsteht, blieb nur die Redaktionssitzung. Ich hatte also bis 11:30 Uhr Zeit und überlegte gerade, diese für eine kleine Radtour nach Rheydt zu nutzen, als es klingelte.

Ich stellte mich tot. Es klingelte nochmal. Ich stellte mich toter. Ich hörte jemandem im Treppenhaus vor der Wohnungstür. Ich war tot. Das Klingeln hörte überhaupt nicht auf und mich beschlich der Verdacht, dass da jemand davon überzeugt sei, jetzt einen Termin hier zu haben. Ich öffnete die Wohnungstür, wobei mir einfiel, dass ich noch im Schlafdress war: altes verwaschenes T-Shirt, Herren-Boxershorts und Haare auf Sturm. Draußen standen drei schmutzige Männer, die von sich behaupteten, Schornsteinfeger zu sein und einen Termin zu haben. „Mooment.“ Ich rief das darkinchen an und erzählte von dem Besuch. „Oh, Scheiße, die habe ich ja ganz vergessen!“ Alles klar, ich ließ die Typen herein.

Im Esszimmer des darkinchens befindet sich ein offener Kamin, der von den beiden aber nie benutzt wurde. Hierzu hätten sie zunächst einen Schornsteinfeger rufen müssen, der die Nutzung freigibt. Der neue Mieter möchte den Kamin nutzen, weswegen der Schornsteinfeger neulich schon einmal da war und feststellte, dass oben im Kamin ein Vogelnest steckt. Nun sollte dies entfernt und der Kamin freigemacht werden. Einer ging aufs Dach, die anderen beiden schauten von unten rauf.

Es geht doch nichts über ein Kaminfeuer im August. Die Herren machten das Feuerchen und gingen nach oben, um zu gucken, ob da Rauch aufsteigt. In der Folge hörte ich den Besen an den Wänden des Kamins kehren, Steine nach unten fliegen und sah eine schwarze Staubwolke, die sich im Esszimmer breit machte.

Mittlerweile war es fast 10 Uhr. Meinen Termin um 11:30 Uhr in Krefeld würde ich nicht mehr schaffen. Daher schrieb ich Chef eine E-Mail, dass ich nicht kommen konnte. Gegen 10:30 Uhr waren die Herren fertig, der Kamin war frei und das Esszimmer dreckig. Meine Füße waren schwarz von unten, der Teppich und alle Möbel waren mit einer schwarzen Staubschicht überzogen.

Ich ging unter die Dusche, anschließend machte ich sauber. Kurz darauf kam das darkinchen vom Arzt zurück.

Es war Zeit für ein zweites Frühstück. Wir fuhren zu McDonald’s, es gab unter anderem Happy Fries. Das darkinchen freute sich über die verschiedenen Smileys. „Gibt es auch einen mit traurigem Gesicht?“ Ich wühlte im Essen herum. „Mama, die heißen HAPPY FRIES!“

Danach shoppten wir noch ein paar neue Klamotten für das darkinchen und Futter für den Hamster. Sie brachte mich zur Wohnung zurück und musste dann auch schon zur Arbeit fahren.

Ich wollte eigentlich die Fußgängerzone von Erkelenz erkunden. Mehr als die Wohnung des darkinchens und das Gewerbegiet, wo der Supermarkt, der Schuh- und Klamottenladen sowie die Zoohandlung und der Drogeriemarkt sind, kenne ich von dem Dorf noch gar nicht. Ich erledigte noch ein paar Dinge fürs Büro an meinem Laptop, dann machte ich mich auf den Weg.

Weiter als bis zur Post, die beim darkinchen um die Ecke ist, kam ich allerdings nicht. Mein Smartphone klingelte. Eine Kollegin des darkinchens hatte sich geirrt und dachte, sie müsse arbeiten. Da sie nun einmal da war, schlug sie dem darkinchen vor, dessen Schicht zu übernehmen, da ich ja zu Besuch wäre usw. Das ließ sich das darkinchen natürlich nicht zweimal sagen und fuhr nach Hause.

Coole Sache!

Wir nutzten den Nachmittag sehr sinnvoll. Zunächst fuhren wir zur Tankstelle, wo obiges Foto entstand. Blöderweise hatte das darkinchen die 111.111 km verpasst, aber immerhin haben wir die 111.155 photographisch festgehalten. Dann fuhren wir in die Niederlande, also quasi nach Hause. Dort schauten wir uns bei IKEA nach den Dingen um, die das darkinchen in der neuen Wohnung, die ab 1. Oktober bezogen wird, benötigen würde, und machten uns photographische Notizen. Anschließend fuhren wir in einen niederländischen Supermarkt, um uns mit leckerem, ungesunden Zeug wie Witte Bollen, Vlokken und Vla einzudecken. Auf dem Weg nach Hause kehrten wir wieder im Imbiss ein, für diesen Abend standen Fleischrolle und Fleischkrokette auf dem Plan.

Viel hielt auch dieser Abend nicht für uns bereit, nach ein paar Runden SkipBo und zwei Folgen Bones waren wir müde und gingen zu Bett.

An diesem Mittwoch war der Geburtstag des darkinchens. Wir frühstückten in aller Ruhe die mitgebrachten niederländischen Leckereien und fuhren dann Frau Sauerbraten besuchen. Das ist Pflichtprogramm, denn am Geburtstag jährt sich auch der Status von Frau Sauerbraten, zu unserer Familie zu gehören. 12 Jahre sind es dieses Jahr immerhin schon. Zur Feier des Tages gab es eine Schüssel voll Möhren und Äpfeln, wovon man ausgesprochen gut sabbern kann.

Frau Sauerbraten hat zurzeit eine recht hübsche Boxennachbarin, die ihre neugierige Nase die ganze Zeit rüber streckt.

Übrigens sind Pferde da nicht viel anders als Menschen und irgendwann ziemlich genervt, wenn die blöde Nachbarin nicht damit aufhört, ihre Nase in fremde Angelegenheiten/Boxen zu stecken. Da wird dann rumgezickt und notfalls auch mal zugebissen. Aber Frau Nachbarin ist halt noch jung und unerfahren und gelangweilt. Und dementsprechend heilfroh, als der Stallbesitzer endlich kommt und die Tiere raus auf die Wiesen stellt.

In diesem Jahr gibt es übrigens vier Fohlen im Stall, zwei davon gehen hier gerade zur Weide. Aber die Vier sind nicht der einzige Nachwuchs, den es gibt. Eine der Laufenten hat auf einer der Pferdeweiden ein Nest gebaut und dort ihre Eier ausgebrütet. Am Tag zuvor hat sie ihren Nachwuchs zum Stall gebracht, wo die Süße jetzt erstmal eingesperrt sind, da sonst Hunde, Elstern oder sonstige Gourmets sich an den beiden Küken erfreuen.

Etwas unangenehm war die Begegnung mit einem der Stallhunde. Das Tier ist noch ziemlich jung und ungestüm und hat die blöde Angewohnheit an allem und jedem hochzuspringen. Mich traf sie damit etwas unvorbereitet und drückte mir ihre Hundeschnauze ziemlich unsanft auf die Lippen. Blut floss. Der Frau des Hauses war das furchtbar unangenehm, sie eilte mit Salbe herbei.

Langsam wurde es Zeit für die Heimreise. Ich packte meine Sachen und machte mich fertig. Beim letzten Trip, als ich mit dem Auto in Erkelenz war, hatte ich mein Klapprad dort geparkt. Das nahm ich nun wieder mit nach Hause.

In Rheydt und in Köln musste ich umsteigen. In Köln besorgte ich mir mein Mittagessen: eine Laugenstange mit Gouda und Tomaten belegt und ein Marzipan-Croissant. Mit ein paar Minuten Verspätung kam mein Zug nach Mainz. Ich war ziemlich fertig und ließ mich auf den erstbesten Sitz fallen. Mein Klapprad war ganz gut zwischen zwei Sitzreihen untergebracht. Ich musste meinen Rucksack halb ausräumen, um an den Laptop zu gelangen.

Sollte sich die Verspätung ausweiten: Verhungern würde ich nicht. Dankbar nahm ich einen Becher Kaffee, als ein Mitarbeiter des BordBistros mit dem duftenden Tablett vorbeikam. Meine Bauchsorgen waren zudem unbegründet, wir holten die Verspätung weitgehendst auf und ich hatte in Mainz keinerlei Probleme, meinen Anschlusszug zu erreichen. Da ich – wie bereits erwähnt – ziemlich müde und fertig war, außerdem Rückenschmerzen wie sau hatte, ließ ich mich vom Lebensabschnittsgefährten mit dem Auto am Bahnhof abholen. Auf dem Heimweg hielt ich noch diese Randnotiz am Straßenrand zum Thema Sicherheit am Arbeitsplatz mit dem Smartphone fest:

Und hier noch ein Photo von meiner Lippe vom „Tag danach“, die tut nämlich durchaus noch weh:

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