Hinfahrt

Um 06:43 Uhr klingelte unser Festnetztelephon: Meine Tochter teilte mir mit, dass sie verschlafen habe. Äh ja. Schlaftrunken nahm ich diese Information zur Kenntnis. Ob ich ihr eine Verbindung zur Schule raussuchen könne. Äh ja. Schlaftrunken setzte ich mich an den Laptop, der Lebensabschnittsgefährte machte mir einen Kaffee. Ich tippte lustlos und müde auf der Tastatur herum, gab mehr oder weniger passende Verbindungen durch und wir einigten uns auf eine. Ich schickte ihr die Daten noch per Chat und erhielt kurz darauf als Antwort, dass eine Arbeitskollegin sie mit dem Auto mitnehmen würde. Nun gut. Immerhin war ich jetzt wach und konnte den restlichen Kram einpacken, wie ich es immer kurz vor Abreise erst tat. Außerdem beschloss ich mich zu dopen, um die Strapazen der langen Reise und des kommenden Wochenendes auszuhalten. Diese beiden sollten in den nächsten Tagen meine besten Freunde sein:

Doping

Da wir aufgrund meiner Krankheit nur sehr kurzfristig buchen konnten, gestalteten sich sowohl die Zimmer- als auch die Anfahrtsbuchung etwas schwieriger als geplant. Bei der Zimmerbuchung haben wir immerhin noch ein Hostel in Altona gefunden, in dem wir ziemlich günstig zwei Viererzimmer bekommen haben. Bei der Bahn sah es allerdings mau aus mit Spartickets, daher war es deutlich günstiger, einen Leihwagen zu nehmen und einen kleinen Umweg über Düsseldorf zu fahren, um dort jemanden einzusammeln, als drei Tickets zu kaufen. Und da wir nun schon das Auto hatten, nahmen wir die Teilnehmerin aus der Nähe von Stuttgart gleich auch noch mit. Zum ersten Mal seit langem hatten wir mal wieder das Auto in der Fahrzeugklasse bekommen, was wir gebucht hatten: einen VW Golf.

VW-Golf

Mit dem hatte der Lebensabschnittsgefährte auch die Schwäbin vom Bahnhof abgeholt. Es gab noch einen Kaffee, ein bisschen Katze knuddeln, Futterautomaten und etliche Kübel Wasser bereit stellen, ein letztes Mal die Fische füttern und dann konnte es losgehen. Hamburg bzw. Düsseldorf, wir kommen!

Wie üblich verlief die Fahrt bis kurz vor Köln nahezu reibungslos. Kurz vor Köln, bei Kilometer 35 etwa, im Siebengebirge, ist die Beschilderung für die Geschwindigkeitsbegrenzung etwas eigenwillig. Zunächst wird auf 100 km/h reduziert, um wenige Meter später ohne erkennbaren Grund auf 80 km/h zu reduzieren, dann folgt Zeichen 282 Ende sämtlicher Streckenverbote und noch ein paar Meter weiter steht ein Schild 120 km/h Ende. Das alles innerhalb von einem oder höchstens zwei Kilometern.

Kurz vor Köln folgte dann doch noch ein Stau. Yippie! Für das eingebaute Navigationsgerät war dies Anlass genug, unsere Route neu zu berechnen und uns quer durch Köln und anschließend durch Leverkusen zu lotsen, während meine Tochter bereits vor der Berufsschule stand und auf uns wartete. Nach Leverkusen ging es aber wieder zurück auf die Autobahn und dann ziemlich flott nach Düsseldorf, wo wir auch ohne große Probleme die Schule fanden, das Kind einluden und uns auf den Weg nach Hamburg machten. Kurzfristiges Zwischenziel: Die erste Raststätte sollte uns gehören, wir hatten Hunger!

Die Wahl fiel auf Bottrop-Süd, wo sich Hessen und Schwaben am Burger King labten, während NRW sich am Schnitzel versuchte. Endlich gesättigt und wieder gut gelaunt setzten wir unseren Weg fort, nicht ahnend, welche Strapazen uns Dank eingebautem VW-Navi noch erwarteten.

Kurz vor dem Dreieck Stuhr war das Navi der Meinung, wir sollten von der A1 runter, auf die A28, um dann quer durch Bremen zu fahren. Als ortsunkundig und in der Hoffnung, dass das Navi auch tatsächlich die schnellere Route ermittelt hat, macht man das auch. Blöd nur, dass das Navi dann im Bremer Stadtteil Huchting der Meinung war, wir sollten wenden, da „aufgrund veränderten Verkehrsaufkommens die Route neu berechnet“ wurde. Ganz großes Tennis. Auf halbem Weg zurück sank die Laune merklich. Ich versuchte, Navigon im Smartphone des Lebensabschnittsgefährten zu starten, was darin gipfelte, dass ich das nicht aufgegessene und zwischenzeitlich geschmolzene Schokoladeneis meiner Tochter quer über dem Sitze, dem Boden und dem rechten Bein meiner Jeans verteilte. Nach kurzem hysterischen Anfall und ebenfalls kurzer Diskussion mit dem Lebensabschnittsgefährten fuhr dieser an einer Bushaltestelle endlich rechts ran, startete seine Navigation, während ich auf (weißen!) Socken zwischen Auto und Mülleimer an der Bushaltestelle hin und her pilgerte, um die Eisspuren zu entfernen. Am Ende waren wir rund 20 km Umweg gefahren und hatten jede Menge Zeit verloren.

Karte von OpenStreetMap.org - © OpenStreetMap-Mitwirkende

Karte von OpenStreetMap.org – © OpenStreetMap-Mitwirkende

Gegen 18:30 Uhr waren wir endlich wieder auf der A1. Es war zwar stellenweise viel los, aber so richtig gestanden haben wir nicht. Und so lange der Wagen noch rollt, ist alles im Lot und die Stimmung ganz brauchbar. Eine Stunde später wechselten wir auf die A261, um von dort auf die A7 zu wechseln und durch den Elbtunnel zu fahren.

Elbtunnel

Blöderweise erwischten wir die falsche Röhre, da wegen einer Baustelle nicht ganz eindeutig erkennbar war, wie und wo wir uns einordnen sollten. Laut Anfahrtbeschreibung vom Hostel wusste ich immerhin, dass wir direkt nach dem Tunnel die erste Abfahrt nehmen sollten, was nun leider nicht mehr möglich war. Dafür gibt es noch ein etwas unscharfes Photo von der Köhlbrandbrücke.

Koehlbrandbruecke

Dank funktionierendem Navi erreichten wir mit der zweiten Abfahrt nach dem Elbtunnel recht zügig unser Hotel. Um kurz nach 20 Uhr waren wir endlich da!

Wir checkten ein im Hotel Schanzenstern. Unser Zimmer beinhaltete zwei Etagenbetten, einen kleinen Tisch mit vier Stühlen, einen kleinen Kleiderschrank und ein Badezimmer. Es war sauber und völlig in Ordnung, wir haben uns dort sehr wohl gefühlt. Ich kann die Unterkunft ruhigen Gewissens weiterempfehlen.

Hotel_Schanzenstern

Nachdem wir unseren Kram erfolgreich im Zimmer verteilt und somit erst einmal Chaos verbreitet hatten, machten wir uns auf den Weg, um irgendwo in Altona noch etwas Essbares aufzutreiben. Unsere Wahl fiel auf den McDonald’s im Bahnhof Altona. Da fahren wir mit dem Auto quer durch die Republik, um dann abends doch wieder in einem Bahnhof zu essen … Dort schlugen wir uns die Bäuche voll und besprachen zusammen mit den beiden bereits vorhandenen Teilnehmern des Treffens, dem Badener und der Erzgebirgerin, die Planung für den nächsten Tag, an dem der Emsländische Ostfriese noch zu uns stoßen sollte.

Zurück im Hotel fielen wir todmüde in unsere Betten, wobei das Klettern ins obere Etagenbett zu Internatszeiten bestimmt eleganter ausgesehen hat. Das Haupt aufs flache Kissen gebettet, habe ich mich in Morpheus Arme gekuschelt. Der Lebensabschnittsgefährte stand hierfür ja nicht zur Verfügung, schlief er doch eine Etage tiefer.