Reisen mit Murphy, Hamster- und andere Käufe und zum Schluss der Rhein

Ich hatte am Freitagvormittag noch eine Frühschicht und eigentlich wäre danach noch ausreichend Zeit gewesen, unseren Krempel zu packen. Aber wie das Leben so spielt, kamen ein paar Dinge dazwischen. Die Aktion entwickelte sich zu einer Trip aus der Kategorie Reisen mit Murphy.

Der Lebensabschnittsgefährte, der ja noch im Büro war, hatte die Hälfte vergessen vorzubereiten und ich durfte erst einmal seinen Krempel packen. Um 14 Uhr rief das darkinchen an, dass die Laptops, die der Grund für unsere Reise waren, noch nicht im Büro seien. Natürlich waren sie das noch nicht, wir hatten ja auch 15 Uhr ausgemacht. Da herrschte erst einmal schlechte Laune am anderen Ende Leitung. Als nächstes meldete sich der Lebensabschnittsgefährte per Chat zu Wort, die Autovermietung habe mitgeteilt, dass wir den Leihwagen erst um 18 Uhr abholen könnten. Ja, geht’s denn noch? Und damit noch nicht genug, meldete sich das darkinchen erneut, um mitzuteilen, dass sie nun alle Laptops außer einem habe. Der eine würde noch gebraucht und den könnten wir morgen haben. Ja, spinnen denn heute alle? Ich rief im Büro an und einigte mich mit der Kollegin darauf, dass der Laptop eine halbe Stunde später zur Verfügung steht.

Sonnenuntergang

Die Sonne ging unter und meine Laune mit ihr.

Der Lebensabschnittsgefährte kam aus dem Büro nach Hause und wir spülten das Geschirr und räumten den restlichen Kram in die Taschen. Dann machte er sich auf den Weg zur Autovermietung. Unser Plan war, dort um 17 Uhr aufzuschlagen, um deutlich zu machen, dass wir das Auto dann doch dringend bräuchten. Die Masche hatte Erfolg, statt noch länger warten zu müssen, bekamen wir ein Upgrade in Form eines V40, unserem erklärten Lieblingsfahrzeug.

V40

In der Zwischenzeit zog ich mich um und begann, den mitzunehmenden Kram nach unten zu schleppen. Der Koffer wog mindestens eine Tonne. Das 160-Liter-Aquarium, das wir dem darkinchen zur Hamsterhaltung überlassen haben, war reichlich unhandlich. Als ich gerade eine Etage tiefer mit dem Teil recht hilflos auf der Treppe herum stand, kam der Lebensabschnittsgefährte endlich und half mir, den Glaskasten nach unten zu tragen. Dann ging er das Auto holen, das er am anderen Ende der Stadt geparkt hatte, statt für ein paar Minuten unsere Einfahrt zu blockieren. Ich holte währenddessen den Kleinkram aus der Wohnung, der aus meiner appartment-großen Handtasche, dem tonnenschweren Photo-Equipment des Lebensabschnittsgefährten, Proviant für mindestens drei Tage und noch ein wenig Hamsterhaltungskleinkram bestand.

Als ich mit Taschen bepackt und behangen zum Auto kam, stand der Lebensabschnittsgefährte mit dem Glaskasten auf den Füßen abgestützt vor der geöffneten Heckklappe. Unser Lieblingsfahrzeug ist nicht geeignet, ein Aquarium dieser Größe ohne weitere Umbaumaßnahmen aufzunehmen. Ich musste die Rückbank umklappen, „Mach’s gut, Fingernagel, war schön mit dir!“, entfernte fluchend die Hutablage „Was für eine billige Pappscheiße in einem 40-Tausend-Euro-Auto! und erlöste dann die Füße des Lebensabschnittsgefährten von dem Glaskasten, dessen scharfe Kanten bereits die Zehen vom Rest des Körpers zu trennen drohten. Dann wuchteten wir das Becken hinter den Beifahrersitz, verstauten den restlichen Krempel, installierten die DashCam, den Proviant und die Smartphones im Beifahrerbereich und fuhren endlich los.

Volvo_V40

Dieses Bild entstand erst kurz vor der Rückgabe des Fahrzeugs, denn blöderweise hatte ich vor lauter Stress vergessen, das traditionelle Photo vom Fahrzeug zu machen. An einer roten Ampel kurz vor der Autobahnauffahrt wollte ich schnell aus dem Auto springen, um mein Versäumnis nachzuholen. Aufgrund diverser Abbiege-Ampeln dauert die Rot-Phase an dieser Ampel meist recht lange, die Zeit wäre ausreichend gewesen. Aber irgendwie hatte sich das lange Kabel der DashCam unglücklich um meinen Fuß gewickelt. Es gab ein lautes Geräusch, ich spürte, wie sich eine Schlinge um meine linke Fessel zuzog und wäre fast auf den Asphalt geknallt. Ich schaute zur Mittelkonsole, von wo die DashCam ihren Strom bezog und meine Laune sank schlagartig in den Keller. Ich hatte das Zigarettenanzündernetzteil zerlegt.

Zigarettenanzuendernetzteil

Vorsichtshalber habe ich das Teil sofort vom Strom getrennt und die nun unnütze DashCam in der Tasche versenkt zusammen mit dem letzten Rest meiner guten Laune. Den ersten Teil der Reise verbrachte ich dann eher schweigend und in mein Smartphone vertieft, mich mit lustigen Twitterperlen etc. aufheiternd. Das ging so lange gut, bis die SMS kam, dass mein Datenvolumen nun aufgebraucht sei und ich für den Rest des Monats mit reduzierter Geschwindigkeit surfen würde. Ich stopfte also ein weiteres nutzloses Gerät in meine Tasche und beobachtete, was auf der Straße los war.

Kurz hinter der Ausfahrt Limburg Süd liefen einige potentielle Kühlerfiguren auf der Fahrbahn um zwei verunfallte Fahrzeuge herum, wie dies auch im Verkehrsfunk angekündigt wurde. Hinter uns hörten wir die Sirene von Einsatzfahrzeugen und der Lebensabschnittsgefährte hatte zum ersten mal in seiner Führerscheinlaufbahn die Pflicht und Gelegenheit, auf der Autobahn eine Rettungsasse zu bilden. Und tatsächlich klappte das sogar mit den übrigen Fahrzeugen um uns herum. Aber es kam keiner, der diese Rettungsgasse hätte nutzen können, denn das Einsatzfahrzeug bog, wie der Lebensabschnittsgefährte im Rückspiegel beobachtete, kurz hinter uns ab zu den potentiellen Kühlerfiguren.

Ansonsten war zwar viel los, aber kein Stau. Der war, wie so oft, wenn wir freitags Richtung Köln unterwegs sind, im Gegenverkehr. Auch wenn ich zu Pendlerzeiten manchmal auf die Bahn und die Verspätungen geschimpft habe, mit dem Auto wäre ich wohl nicht viel besser dran gewesen. Wir kamen ganz gut durch und waren gegen 21:15 Uhr in Erkelenz bei dem darkinchen. Dort gab es erst einmal Lasagne. Gleichzeitig machten wir uns sofort an die Arbeit mit den Laptops.

Den Rest des Abends verbrachten wir – neben der Arbeit mit den Computern – mit Quatschen und gingen relativ zeitig zu Bett. Eigentlich hätten wir am nächsten Morgen auch einigermaßen entspannt ausschlafen (was bei uns ca. 8 Uhr bedeutet) können, hätte nicht um kurz vor Sieben mein Handy geklingelt. Ich war so schlaftrunken, ich konnte das Geräusch zunächst gar nicht richtig einordnen und dachte, ich hätte vergessen, den Wecker auszuschalten. Aber nein, es war mein Arbeitgeber in Darmstadt, der Näheres über den Verbleib eines Schlüssels wissen wollte, den ich zuletzt benutzt habe. „Oh Mist, schon wieder vergessen, an seinen Haken zurückzuhängen“, dachte ich und gab Chef die Erlaubnis, meinen Spind aufzubrechen, wo ich den Schlüssel vermutete. Diese frühen Telephonate vor dem Kaffee erfordern immer eine unglaubliche Anstrengung, um auch weiterhin als halbwegs domestiziert und sozialisiert zu wirken. Nachdem ich endlich den Button zum Auflegen gefunden hatte, ließ ich mich auf’s Kissen zurück sinken und schlummerte noch ein wenig vor mich hin. Aber ausschlafen ist nur etwas für Leute ohne Kinder, ohne Katze und ohne Blase. Ich habe alle drei. Während Nr. 1 mittlerweile alt genug ist, um länger als ich zu schlafen, und Nr. 2 rund 260 km entfernt vor sich hin vegetierte, erwartete Nr. 3 kurz darauf, dass wir endlich das Bett verlassen. Ich zahlte es meiner Blase heim, indem ich mir einen Kaffee machte. Dann begann so langsam unser Tag. Nach einer Weile standen wir auf, gingen duschen und deckten den Frühstückstisch. Gerade als wir überlegt hatten, einfach zu fahren, bequemten sich unsere Gastgeber endlich aus dem Bett.

Wir frühstückten gemeinsam und machten gleichzeitig mit den Laptops weiter. Das darkinchen musste an diesem Samstag auch arbeiten und wir fuhren etwa zur gleichen Zeit los, zum Leidwesen des Lebensabschnittsgefährten noch vor dem Mittagessen. Im Büro angekommen, bauten wir alles auf, was wir benötigten, um die Kollegen mit Windows 10 vertraut zu machen. Da das Rad ja nicht neu erfunden wurde, ging das relativ schnell über die Bühne. Anschließend gab es noch ein QM-Upgrade für alle, damit sie wissen, was im Laufe des Jahres noch auf sie zukommt. Mit Qualitätsmanagement macht man sich eher wenig Freunde im Kollegenkreis, daher war auch dieses Thema schnell wieder durch und wir hatten Feierabend, jede Menge Zeit und wenig Ahnung, was wir tun sollten. Daher taten wir, was wir ständig tun, wenn wir fern der Heimat unterwegs sind: Wir gingen shoppen.

Zunächst fuhren wir in einen Baumarkt. Wir brauchten zwei oder drei Teile und da wir gerade ein Auto zur Verfügung hatten, bot sich das an. Anschließend machten wir uns auf Futterjagd im nächstgelegenen Supermarkt. Als wir danach auf dem Weg zur Autobahn waren, erzählte ich dem Lebensabschnittsgefährten, dass man dieser Straße immer nur geradeaus folgen müsste, um nach Bei uns in Fischeln* zu gelangen. Und spontan kam mir die Idee, dass ich Familie Bei uns in Fischeln* ja anrufen und fragen könnte, ob sie nicht einen Kaffee mit uns trinken wollen. Gesagt, getan. Am anderen Ende herrschte den Bruchteil einer Sekunde Sprachlosigkeit, dann wurde mir ins Ohr geschrien. Gemeinsames Kaffee trinken war vereinbart.

Bei_uns_in_Fischeln

Wir saßen ziemlich lange auf der Couch und quatschten, bis wir uns auf den Weg zurück nach Erkelenz machten. Dort angekommen standen wir kurz vor dem Hungertod und machten uns über die Lasagne vom Vortag her. Den Abend verbrachten wir quatschend auf der Couch.

Am Sonntagmorgen nach dem Frühstück fassten wir den Entschluss, in die Niederlande zum Einkaufen zu fahren. Das Einkaufszentrum in Roermond sollte heute geöffnet haben. Da wir mit unserem Leihwagen nicht ins Ausland durften, fuhren wir mit dem Ich-fahre-so-laut-50-wie-ich-will-BMW vom Freund des darkinchens. Das sollte gleichzeitig ein Test sein, ob wir es aushielten, in diesem lauten Gefährt bis an den Bodensee zu dröhnen, oder ob wir nicht doch lieber Geld für einen Leihwagen ausgeben. Da mein Gehör nun eh schon dauerhaft geschädigt ist, ist es mir egal. ;)

Nederland

Ich liebe die Niederlande! Und der Gouda in meinen Adern gerät jedes Mal in Wallung, wenn ich die Staatsgrenze passiere.

In dem Einkaufszentrum stöberten wir in verschiedenen Läden herum, besorgten ein paar landestypische Lebensmittel, die es bei uns nicht gibt, und kauften in der Zoohandlung einen Zwerghamster. Dafür hatten wir die Faunabox mit Einstreu, Heu und einer Papprolle zum Verstecken eigens mitgebracht. Frau Hamster ich ziemlich unscheu, noch recht jung, echt hübsch und ausgesprochen niedlich.

Frau_Hamster

Das Witzigste in dieser Zoohandlung war aber zweifelsohne die Hundewaschstraße.

Hundewaschstrasse

Wir fuhren nun also zu fünft zurück nach Deutschland. Frau Hamster bezog ihr neues Heim, was sie kurz inspizierte, bevor sie damit begann, Vorräte anzulegen, wie es ihre Instinkte ihr vorgeben getreu dem Motto: Der nächste Winter kommt bestimmt! Wir waren noch eine ganze Weile mit Hamstergucken beschäftigt, worüber unsere Mägen not amused waren, was sie mit lautem Knurren kundtaten. Das darkinchen und ich zauberten ein Mittagessen.

Als wir vollgefressen waren, setzten wir uns ins Auto und machten uns auf den Weg nach Hause. Auf der Autobahn entschieden wir uns, über Koblenz zu fahren und dort die Autobahn zu verlassen, um ein Stück am Rhein entlang zu fahren. Das möchte ich eigentlich schon ziemlich lange machen, aber aus Wetter-, Zeit- und anderen Gründen haben wir das immer wieder verschoben. Auch an diesem Sonntag war das Wetter nicht gerade berauschend, aber wir entschieden uns trotzdem dafür. Über die Ausfahrt Nr. 41 nach Boppard verließen wir die A61. Allerdings kamen wir erst in St. Goar am Rhein an, da wir uns etwas verfahren hatten.

Am_Rhein_entlang

Zwischenzeitlich war es dunkel geworden, was uns aber wenig ausmachte, denn der Anblick der beleuchteten Burgen und Ruinen entlang des Rheines zur Blauen Stunde hatte seinen besonderen Reiz. Und da die hügelige Gegend, durch die wir gefahren waren, war recht hübsch und wir nahmen uns vor, das bei schönem Wetter und mehr Licht noch einmal zu wiederholen. Wir kurvten am Rhein entlang, wo wir letzten Sommer mit den Fahrrädern unterwegs waren. In Bingen fuhren wir dann wieder auf die Autobahn zurück, diesmal die A60, und dann so schnell wie möglich nach Hause.

Dort erwartete uns das übliche Gebrüll der Katze, ein wenig vorwurfsvoll und mit nur einer einzigen Möglichkeit, das abzustellen: Futter. ;)

*Bei uns in Fischeln
Der Gag rennt seit über 10 Jahren um die Insider herum. ;)

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