Abschied nehmen

Helgoländer Kuh

Helgoländer Kuh

Am letzten Tag auf der Insel lassen wir die Seele baumeln. Ich praktiziere das indem ich einen Alleingang unternehme. Schatzi und J. haben was von Kühen erzählt, ich habe hier noch kein einziges Exemplar dieser Spezies gesehen. Mitte des 18. Jahrhunderts gab es hier noch 40 Milchkühe und 200 Schafe, wie ich dem Informationsteil des Inselplans entnehmen kann. Heute ist es nicht mehr als eine Handvoll, die ich auf dem Oberland finde und zunächst gar nicht als solche erkannt habe, was man mir als Stadtmensch, der Kühe nur schwarz/weiß lächelnd von Milchpackungen oder lila aus der Werbung kennt, wohl nicht verübeln kann.

Helgoländer Leuchtturm

Helgoländer Leuchtturm

Der Helgoländer Leuchtturm
Gerne wäre ich auf den 1952 in Betrieb genommenen Leuchtturm hinauf gegangen, was aber leider nicht möglich ist. Der Feuerträger befindet sich in 35 m Höhe, was eine Feuerhöhe von 82 m ergibt. 28 sm weit ist es zu sehen. Ich habe so etwas noch nie aus der Nähe betrachtet, stelle mir das aber recht interessant vor. Vielleicht liegt das auch an einer Geschichte von Enid Blytons „5 Freunde“, die ich aus Kindertagen noch im Gedächtnis habe. Nachts hat es schon eine besondere Atmosphäre, wenn man hier spazieren geht und in regelmäßigen Abständen den Lichtkegel über die Landschaft wandern sieht.

Bundsandstein

Bundsandstein

Buntsandstein
Etwa 225 Millionen Jahre alt ist der Buntsandstein, aus dem diese Felsen sind, schon. Eine Zeitspanne, die wohl außerhalb jeder menschlichen Vorstellungskraft liegt. Und selbst wenn die Menschen sie nicht zerstören, oder sie aufgrund globaler Erwärmung irgendwann im Meer versinken, werden sie trotzdem irgendwann verschwunden sein, weil sie so porös sind, dass Wind und Wasser ca. 20 cm in 100 Jahren abtragen. Auch wenn ich das Verschwinden der Insel nicht erleben werde, macht man sich halt seine Gedanken über einen Ort, den man mag.

Der Helgoländer Wetterstein

Der Helgoländer Wetterstein

Der Helgoländer Wetterstein
Die Hinweisschilder auf der Spitze geben so wertvolle Informationen, wie beispielsweise „England 500 km“ oder „Sansibar 7300 km“. Auf dem Schild darunter, an dem ein Stein hängt, steht:

Wenn man den Stein nicht sieht, ist starker Nebel.
Wenn der Stein Schatten wirft, scheint die Sonne.
Wenn der Stein weiß ist, schneit es.
Wenn sich der Stein hin und her bewegt, stürmt es.
Wenn der Stein rauf und runter geht, ist ein Erdbeben.
Wenn der Stein nach oben zeigt, geht die Welt unter.
Wenn der Stein weg ist, wurde er geklaut.

Abends ging ich wieder die letzte Runde mit dem Hund. Hier auf Helgoland kann man prima die Sterne sehen, wenn der Himmel klar ist, so auch in dieser letzten Nacht auf der Insel. Bei Sternen muss ich immer an den kleinen Prinzen denken, ich finde Sterne schön.

„Du wirst in der Nacht die Sterne anschauen. Mein Zuhause ist zu klein, um dir zeigen zu können, wo es umgeht. Es ist besser so. Mein Stern wird für dich einer der Sterne sein. Dann wirst du alle Sterne gern anschauen … Alle werden sie deine Freunde sein.
[…]
Die Leute haben Sterne, aber es sind nicht die gleichen. Für die einen, die reisen, sind die Sterne Führer. Für andere sind sie nichts als kleine Lichter. Für meinen Geschäftsmann waren sie Gold. Aber alle diese Sterne schweigen. Du, du wirst Sterne haben, wie sie niemand hat…
[…]
Wenn du bei Nacht den Himmel anschaust, wird es dir sein, als lachten alle Sterne, weil ich auf einem von ihnen wohne, weil ich auf einem von ihnen lache. Du allein wirst Sterne haben, die lachen können!
[…]
Und wenn du dich getröstet hast (man tröstet sich immer), wirst du froh sein, mich gekannt zu haben. Du wirst immer mein Freund sein. Du wirst Lust haben, mit mir zu lachen. Und du wirst manchmal dein Fenster öffnen, gerade so, zum Vergnügen… Und deine Freunden werden sehr erstaunt sein, wenn sie sehen, dass du den Himmel anblickst und lachst. Dann wirst du zu ihnen sagen: ‚Ja, die Sterne, die bringen mich immer zum Lachen!‘ Und sie werden dich für verrückt halten […]“

Und wieder sah ich zum Himmel, diesmal nicht in den Himmel über dem Meer, so dunkel und klar und voller Sterne, die mich zum Lachen brachten, diesmal in die andere Richtung über der Insel. Und ich sah etwas, was ich noch nie zuvor gesehen hatte: Der Himmel hatte sich rot gefärbt, ein roter Streifen, der genau über der Insel zu sein schien, gesäumt von blau-grün-silbern schimmernden Streifen: ein Polarlicht. Ich fand es wunderschön, wie sich der Himmel über dem Paradies rot gefärbt hatte.

In so einer Nacht an einem solchen Ort möchte ich mal sterben – ganz romantisch und so.