Die Geschichte Helgolands

Um etwa 800 n. Chr. berichtete der Angelsachse Alkuin erstmals von der Insel „Heiligland“, die 1231 im Erdbuch Waldemars II. Erwähnung findet, 1325 zum ersten Mal auf einer Seekarte verzeichnet wurde und von der 1570 die erste recht genaue Landkarte angefertigt wurde.

1684 machten die Dänen den Schleswigern die Insel streitig, gaben sie 1689 wieder zurück, um sie 1717 endgültig zu besetzen und die Schleswiger zu vertreiben. 1807 wurde Helgoland dann von den Engländern eingenommen, um die am 21.11.1806 von Napoleon verhängte Kontinentalsperre zu umgehen. Durch den Schmuggel von Waren (z. B. Baumwolle, Gewürze, Kaffee, Tee, Zucker) erfuhr die Insel einen enormen wirtschaftlichen Aufschwung. Angeblich sollen in dieser Zeit täglich bis zu 400 Schiffe Helgoland angelaufen haben. Entsprechend groß war die wirtschaftliche Not, als die Sperre am 14.01.1814 aufgehoben wurde und die Helgoländer wieder ihren ehemaligen Erwerbsquellen Fisch- und Hummerfang, Lotsendienst und der Bergung von Strandgut nachgehen mussten. Dies änderte sich allmählich, nachdem 1826 von Jakob Andersen Siemens (1794 – 1849) die Badeanstalt als Aktiengesellschaft mit 20 Anteilen zu je 100 Mark gegründet wurde. Da man seinerzeit noch in kleinen, offenen Segelbooten recht ungemütliche 12 Stunden zur Insel benötigte, war die Besucherzahl mit 100 Gästen pro Saison anfangs noch recht gering. 1834 wurde mit den beiden Raddampfern „Patriot“ und „Elbe“ ein nahezu regelmäßiger Seebäderdienst vom Festland auf die Insel Helgoland eingerichtet. Im Ergebnis konnte man so bereits im Jahre 1836 mehr als 1000 Dauergäste zählen. Die Fischer sicherten sich durch das Privileg des heute noch üblichen Ausbootens vor Helgoland eine zusätzliche Einnahmequelle und der britische Gouverneur Sir Henry Maxse förderte das Seebad durch die Gründung verschiedener öffentlicher Einrichtungen. Mit Erfolg: 1886 zählte man bereits 8370 Badegäste. Berühmte Gäste waren in dieser Zeit u. a. 1829/30 Heinrich Heine und 1841 August Heinrich Hoffmann von Fallersleben.

In den 80er Jahren des 19. Jahrhunderts entwickelte sich in dem zwischenzeitlich gegründeten Deutschen Reich unter Bismarck der Wunsch, Helgoland wieder zu besitzen. Gleichzeitig stellten die Briten fest, dass sie mit der Insel nur ein Seebad für die Deutschen unterhielten, welches sie loswerden wollten. So kam es am 1.7.1890 zur Unterzeichnung des Helgoland-Sansibar-Vertrages. Bis heute halten sich hartnäckig Gerüchte, dass mit diesem Vertrag Helgoland gegen Sansibar getauscht wurde. Das ist so aber nicht richtig. Sansibar war nie deutsche Kolonie, man hatte lediglich einen schmalen Landstreifen des selbständigen Sultanats gepachtet um dort als Schutzmacht zu fungieren. Diese Position wurde nun von den Briten übernommen, zusammen mit Gebieten in Tanganjika und am Viktoriasee. Am 9.8.1890 wurde die Insel feierlich übergeben. Kaiser Wilhelm II., der nahezu jährlich auf der Insel war, wollte mit ihrer Hilfe die deutsche Seegeltung heben. „…die erste Bedingung für den Ausbau der Flotte erfüllt.“, schrieb er in seinen Lebenserinnerungen. Ein wichtiges Privileg, welches die Helgoländer sich während dieser politischen Wende erhalten konnten, ist die bis heute gebliebene Zollfreiheit.

Mit Beginn des Ersten Weltkriegs 1914 mussten die Helgoländer auf kaiserlichen Befehl binnen 24 Stunden die Insel verlassen. 4000 Mann wurden stationiert, überwiegend Marine und Segelflieger. Die Insel wurde zum Kriegshafen mit schweren Geschützen ausgebaut, es entstand eine U-Boot-Versorgungsbasis und eine weitverzweigte unterirdische Festung. Das alles wurde nach 1918 gemäß dem Versailler Abkommen wieder zerstört. Im Dezember dieses Jahres kehrten nach Kriegsende die Helgoländer in ihre verwahrlosten und ausgeplünderten Häuser zurück. Der florierende Tourismus, der in den Sommern zwischen den Kriegen bis zu 30.000 Badegäste jährlich auf die Insel brachte, wurde ihre wichtigste Einnahmequelle. Durch die Weiterentwicklung der Technik, die die Schiffe immer schneller werden ließ, stieg auch die Anzahl der Tagesgäste.

Aufgrund der strategisch günstigen Lage inmitten der deutschen Bucht, gründeten die Nazis 1933 das „Projekt Hummerschere“, ein Plan nördlich der Düne eine Hafenanlage zu schaffen, die die gesamte deutsche Flotte aufnehmen könnte. Ein Geheimbefehl Adolf Hitlers erklärte 1936 Helgoland erneut zur Festung. Neun Jahre später müssen die Einwohner nochmal ihre mittlerweile wieder englische Insel verlassen. Am 18.4.1945 bombardieren rund 1000 britische Flugzeuge die Insel mit dem Ziel, sie völlig zu zerstören. Exakt zwei Jahre später, am 18.4.1947 wurde dieser Versuch mit dem sog. „Big Bang“ wiederholt. Mit Unmengen von Sprengstoff und Munition (die Zahlen, die ich hierzu fand, schwanken zwischen 4600 und 7000 Tonnen!) wollten die Engländer die Insel von der Landkarte radieren, was jedoch wieder nicht gelang. Als weithin sichtbares Ergebnis dieser Aktion stand eine 2000 Meter hohe Rauchwolke über dem Meer.

Erst am 20.12.1950 gelang es den beiden Studenten Rene Lendesdorf und Georg Hatzfeld die Insel zu besetzen und die Europafahne zu hissen und bis 1952 hielten Diskussionen und Verhandlung an. Am 1. März 1952 wurde Helgoland an die zwischenzeitlich gegründete Bundesrepublik Deutschland zurückgegeben, die evakuierten Einwohner kehrten zurück und der Wiederaufbau begann. An diesen Tag erinnert die Gedenk-Glocke, die auf dem Friedhof der Namenlosen auf der Düne steht.

Gedenk-Glocke

Gedenk-Glocke