Karneval in Venlo

Es kommt selten vor, dass ich ohne Zeitdruck den Weg zum Bahnhof finde und mir noch ganz entspannt ein Frühstück holen kann. Am Freitag freute ich mich schon seit dem Aufstehen auf einen frischen Kaffee und eine Brezn mit Butter in der Regionalbahn nach Mainz. Schnittlauch kam in meiner Vorfreude allerdings nicht vor, dementsprechend genervt und verärgert war ich dann auch. Irgendwas is‘ ja immer …

Brezn mit Schnittlauch

Brezn mit Schnittlauch

Glücklicherweise hielt der Ärger nur kurz. Denn trotz der ständigen Verspätungen und kuriosen Zwischenfälle, die man bisweilen erlebt, fahre ich immer wieder gerne mit der Bahn. Und dieses Mal wäre es auch fast langweilig geworden. Beim Umsteigen in Mainz wartete der ICE bereits im Tunnel auf Einfahrt in den Bahnhof, den er überpünktlich wieder verlassen hat, um auf die Minute genau Köln zu erreichen. Dort musste ich lediglich den Bahnsteig überqueren und gegenüber in den Anschluss-ICE nach Düsseldorf einsteigen.

Aus irgendeinem Grund fuhr der ICE nicht los. Erst mit acht Minuten Verspätung setzte sich der Zug in Bewegung, „aufgrund hohen Verkehrsaufkommens“ wie die Durchsagen verlauten ließ. Diese Begründung für Verspätung ist ja mein absoluter Favorit. Das Verkehrsaufkommen im Gleisverkehr wird von der Bahn geplant, gesteuert, überwacht und was-weiß-ich. So überraschend kann das Verkehrsaufkommen doch dann gar nicht sein. Das BoardBistro war übrigens auch außer Betrieb und dass ich trotz HotSpot kein WLAN hatte, ist ja nichts Neues.

Die acht Minuten Rumtrödeln in Köln reichten aus, um meinen Anschlusszug in Düsseldorf zu verpassen. Da waren nun 30 Minuten Arsch abfrieren angesagt und mit 40 Minuten Verspätung – der RE nach Krefeld fuhr diesmal besonders langsam – war ich endlich im Büro.

Dort erledigte ich in Windeseile alles, was vor Ort zu erledigen war. Schatzi kam mich abholen und wir fuhren mit dem Taxi durchs Krefelder Sauwetter bis in die Nähe des Bahnhofs, wo ich noch etwas zu erledigen hatte. Die restlichen Meter gingen wir zu Fuß und fuhren dann endlich nach Viersen. Mir war kalt, ich hatte Hunger, ich wollte bequemere Klamotten anziehen und vor allem diesen schweren Koffer endlich loswerden. Abends bekamen wir Besuch, quatschten, bestellten Pizza, quatschten noch mehr und tranken jede Menge Kaffee. Gegen Mitternacht waren wir alle pappsatt, wieder halbwegs auf dem Laufenden, was der jeweils andere macht und totmüde.

Große Pizza

Die große Pizza war wirklich groß!

Am nächsten Tag war Shopping angesagt! Diesmal stand Venlo auf dem Plan. Mit dem Kiffer-Express, wie der RE13 im Volksmund genannt wird, kommen wir ohne Umsteigen dorthin und es gilt sogar noch das VRR-Ticket von Schatzi, mit dem sie mich an Wochenenden kostenlos mitnehmen kann. Unterwegs fiel mir ein, dass wir uns vielleicht vorher ein wenig mit Hilfe von Google-Maps hätten orientieren sollen. Das Roaming haben wir in unseren Smartphones deaktiviert und so waren wir ganz auf uns alleine gestellt. Aber so groß ist Venlo ja nicht, das finden wir schon irgendwie. Blöd nur, dass es heftig anfängt zu schneien, als wir das Haus verlassen. Aber davon lassen wir uns nicht abhalten.

Am Bahnhof Venlo angekommen war strahlend schönes Wetter! Wir liefen einfach den anderen Leuten hinterher und landeten tatsächlich in der Fußgängerzone. Aber war ist hier los? Die Menschen standen rechts und links Spalier und starrten uns an. So ganz geheuer war uns das nicht! Aber was soll’s, pseudo-professionell lächelten wir abwechseln nach rechts und nach links und verkniffen uns mit Mühe und Not das Winken. Irgendwann bogen wir links ab und als wir am Ende dieser Gasse ankamen, trafen wir auf etwas wie einen Karnevalszug, der sich gerade formierte und durch die Innenstadt zog. Wir blieben eine Weile stehen und sahen uns das Spektakel an. Später begegneten wir einigen Leuten dieses Umzuges noch einmal vor dem Stadthaus. Und auf dem Rückweg war die Klaasstraat nicht nur voller Menschen, die Spalier stehen, sondern auch noch voller kleiner Musikgruppen und verkleideter Gruppen.

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Prônke 2013, ein Album auf Flickr.

Erst nachträglich am Computer habe ich mit Hilfe von Google herausgefunden, dass sich die Veranstaltung Prônke in de Klaasstraat nennt.

Wir hatten ausgesprochen gute Laune! Dies lag nicht nur an der unerwarteten Unterhaltung, der wir in der ganzen Stadt begegneten, sondern auch noch an der Tatsache, dass unsere Shopping-Tour ziemlich erfolgreich war. Wir hatten nach Karnevalszeug für Schatzi geschaut und außerdem noch ein paar hübsche Klamotten günstig gefunden.

Frikandel und Kroket gehörten selbstverständlich zu unserem Venlo-Programm dazu. Niederländisches Fastfood ist jedes Mal Pflichtprogramm, wenn wir Oranje-Boden betreten. Wir kehrten in The Kangeroo auf der Vleesstraat ein. Das Essen war super, Bedienung total nett und wir waren anschließend pappsatt – Für einen Imbiss beim nächsten Venlo-Besuch ist der Laden nur zu empfehlen.

Unser Weg zurück zum Bahnhof führte wieder durch die Klaasstraat, wo jetzt richtig viel los war. Am Straßenrand standen mehrere Gruppen und machten Musik, andere führten in ihren Kostümen etwas vor. Alles war toll und witzig anzuschauen, die Stimmung war super. Fast fanden wir es ein wenig schade, dass wir schon nach Hause fuhren.

Außerdem kamen wir wieder an der Ampel mit dem Access Control System vorbei. Eine interessante Sache.

Viel Elan war nicht mehr übrig, wir waren abends ziemlich geschafft. Daher beschränkte sich die Aktivität auf TV gucken, wo wir immerhin Armageddon geboten bekamen.

Am Sonntag war auch dieses Wochenende wieder einmal viel zu schnell vorbei gegangen. Schatzi begleitete mich noch bis Düsseldorf, wo der obligatorische McDonald’s-Besuch erledigt wurde. Dann standen wir noch ein wenig unten im Bahnhof herum und quatschten. Da kam eine etwas heruntergekommene und reichlich betrunkene Frau auf uns zu und fragte, wo Gleis 14 sei. Wir waren nicht weit davon entfernt, zeigen mit dem Finger drauf und sagten knapp: „Da!“ Die Gute wurde leicht aggressiv und fragte: „Wo da?“ Wir zeigten noch einmal auf den Gleisaufgang, ich war schon ziemlich genervt, schließlich bin ich keine Bahnangestellte, sondern auch nur Reisende und will meine Ruhe vor dieser Frau haben. „Ich will zu Gleis 14!“, krähte die Alte unverschämt und fordernd. „Ja, da drüben, meine Güte! Hab‘ ich vielleicht ein i auf meinem T-Shirt?!“ S. lachte sich kaputt. Die Frau zog von dannen und fragte andere Passanten … die übrigens gerade in der Schlange vor dem Informationsschalter standen. Oh Mann!

Wir trennten uns gleich darauf und stiegen jeder in seinen Zug Richtung Heimat. Während Schatzi dort auch relativ problemlos ankam, schaffte es mein Zug nur bis kurz vor Köln, dann schlug das Schicksal in Form einer Signalstörung zu. So hatten wir in Köln bereits fast 10 Minuten Verspätung. Das allerdings konnte mich noch nicht erschüttern, ging es jetzt doch erst richtig los!

Geplante Verspätung

Geplante Verspätung

Mit 20 Minuten Verspätung fuhren wir aus Köln ab. Durchsage: „Aufgrund eines Defekts am Zug erreichen wir Bonn mit voraussichtlich 35 Minuten Verspätung, da wir über Ehrenfeld umgeleitet werden.“ Hä?! Wir fuhren im Schleichgang quer durch Köln. Man sah zwar nicht viel, wenn man aus dem Fenster schaute, weil es mittlerweile stockdunkel war, aber das war definitv nicht die Strecke, die wir sonst nach Bonn fahren. Irgendwo mitten im nichts, es sah aus wie ein Gewerbegebiet, blieb der Zug dann eine Weile stehen.

Nach ein paar Minuten fuhr er in die Richtung, aus der wir gekommen waren, zurück. Im Dunkeln konnte man erkennen, dass wir nach einigen Metern den S-Bahnhof Ehrenfeld passierten. Aber immerhin waren wir nun, mit Lok vorne und Triebwagen hinten, etwas flotter unterwegs. Wir fuhren noch einmal durch die Kölner Innenstadt und irgendwann waren wir endlich auf einer Strecke, die mir halbwegs bekannt vorkam. Und mit 35 Minuten Verspätung hatten wir dann auch tatsächlich den Bonner Hauptbahnhof gefunden!

Von dort bis Mainz haben wir ein klein wenig dieser Verspätung wieder aufgeholt, obwohl der Zug an jeder Milchkanne anhielt. Irgendwo zwischen Remagen, Andernach, Koblenz und Bingen wurden dann auch noch die Ergebnisse der Fußballbundesliga gemeldet. Ich hatte wohl eine etwas eigenartige Verbindung gebucht, mit häufigem Umsteigen und viel Wartezeit. Keine Ahnung, was ich mir dabei gedacht habe. Aber da ursprünglich in Mainz noch einmal 40 Minuten Aufenthalt geplant waren, habe ich trotz der Verspätung meinen Anschlusszug noch bequem erreicht und bin zur geplanten Zeit in Darmstadt angekommen.

ECO-PHANT

Der ECO-PHANT hat uns dann doch noch heile von Köln nach Mainz gebracht.

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