Krankentransport

Erneut stand Dead Man’s Town auf dem Plan, mein frisch operierter Ableger, der nach ärztlichen Bekundungen in einigen Wochen wieder wie neu sein soll, wurde zurück in die Freiheit entlassen. Da er allerdings in freier Wildbahn noch nicht überlebensfähig ist, musste ich wieder mütterlichen Beistand leisten. Und da eine Matratze nicht in die Gepäckablage eines ICEs passt, nahmen der Lebensabschnittsgefährte und ich einen Leihwagen und schleppten das Katzenvieh auch gleich mit.

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Katerchen ist von der Idee, in eine Transportkiste eingesperrt zu werden, nicht sonderlich angetan. Wobei die handelsüblichen Plastikkisten mit Metallgittern der blanke Horror für ihn sind und zu oben gezeigtem Ergebnis führen. Das hat er mir zugefügt, als ich ihn seinerzeit für den Umzug einpacken wollte. Plan B war gesucht und gefunden: Die Transporttasche, die wir gekauft haben, löst zwar keine Jubelschreie aus, ist aber wenigstens nicht schon im Vorfeld so furchteinflößend. Da von freiwilligem und entspanntem Transport trotzdem keine Rede sein kann, setzten wir Katerchen diesmal unter Drogen.

Der Lebensgefährte hatte am Donnerstag frei, während ich noch arbeiten musste. Gegen 12 Uhr gab er der Katze das Sedalin, dann machte er sich auf den Weg zur Autovermietung und holte mich anschließend mit dem Leihwagen, einem nagelneuen und gar nicht mal so hässlichem schwarzen 5er BWM, der gerade einmal 90 km gefahren war, von der Arbeit ab.

bmw

Zuhause erwartete mich eine völlig zugedröhnte Katze, die die Augen kaum aufbekam und etwas unkoordiniert durch die Wohnung torkelte. Mein Gewissen regte sich, da Katerchen augenscheinlich nicht so recht wusste, was mit ihm los war, und sich wohl auch irgendwie Hilfe von mir erhoffte. Stattdessen nutzte ich seine Hilflosigkeit aus und stopfte ihn in die Tasche. Er beschwerte sich zwar knurrend und fauchend, von echter Gegenwehr konnte allerdings keine Rede sein. Fluchtartig packten wir unsere Sachen, sprangen ins Auto und fuhren los.

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Die Fahrt verlief ruhig, selbst Katerchen war die erste Zeit still. Dann begann er sich zu beschweren und mein Gewissen regte sich erneut. Es dauerte etwa 50 km, bis ich den Grund seiner Beschwerde identifiziert hatte: Die Reisetasche stand schräg zwischen meinen Beinen im Fußraum. Dadurch konnte der Arme sich nicht richtig hinlegen. Ich drückte die Tasche auf den Boden, sodass sie wieder waagerecht stand, und es kehrte Ruhe ein. Irgendwann fiel mir ein, dass ich das Katzenklo vergessen hatte. Das war ein echtes Problem, angesichts unserer „Flucht“ aber auch nachvollziehbar. Wir steuerten in Viersen, bis dahin schlief das Tier seinen Rausch aus, eine Zoohandlung an, wo ich für 4,99 € eine Mini-Toilette und für ein paar weitere Euro einen Sack Katzenstreu erstand. Das musste für ein paar Tage reichen! In der Wohnung meiner Tochter marschierte Katerchen dann halbwegs fit aus der Tasche und kontrollierte, was sich in der Zeit seiner Abwesenheit alles verändert hatte. Ich zeigte ihm seine neue Toilette, gab ihm etwas zu essen und zu trinken und alles war soweit gut.

Allerdings hätten wir uns Katzenklo und Kratzbaum auch sparen können, wenn Katerchen seine Ansprüche etwas zurückgeschraubt und sich mit dem Equipment vor dem Nachbarhaus begnügt hätte. ;-)

katenequipment

Die Diva war bereits in ihrer Gemächer zurückgekehrt und lag ziemlich hilflos mit ihrer desolaten und reichlich verformten Keule auf der Couch rum.

desolate_keule

Wir packten erstmal alles aus und schleppten die Matratze und diverses andere Zeug in die vierte Etage. Im Vorfeld hatten wir für Katerchen noch einen Mini-Kratzbaum gekauft, der zusammengebaut werden musste. Ein wenig niedlich wirkte der schon, erfüllte aber seinen Zweck. Damit er für Katerchen nicht völlig fremd ist, hatten wir ihn bereits einige Tage in unserer Wohnung neben seinem Kratzbaum rumstehen und die beiden miteinander bekannt gemacht.

Wir ersparten ihm auch den neuen Akkusauger, den ich dem darkinchen zur Reinigung der Treppen gekauft habe. Er hat auch schon einen Namen:

akkubuerstsau

Hauptaufgabe der Akku-Bürstsau ist das Reinigen der Treppen. Neben solch profanen Problemen lösten wir noch das Hungerproblem, das Beschäftigungsproblem usw. Mit anderen Worten: Wir machen uns einen ruhigen Resttag, denn schon am nächsten Morgen stand für 07:30 Uhr ein Arztbesuch auf dem Programm. Anschließend waren noch ein paar andere Dinge zu erledigen, der Tag sollte anstrengend werden und wurde es auch.

Als G. und das darkinchen vom Arztbesuch zurückkehrten und die Diva völlig erschöpft auf der Couch niedersank, wurde uns klar, dass ein Single-Leben mit diesem Handcap völlig ausgeschlossen war. Und so fiel der Entschluss ziemlich bald zum Frühstück: Das darkinchen kommt zur Genesung mit nach Darmstadt! Kaum beschlossen, brach eine gewisse Hektik unter den Anwesenden aus. Ich ging nochmal in die Arztpraxis, um mir eine Krankmeldung für die Diva zu besorgen. Die hatte sie am Morgen vergessen, was insofern nicht weiter schlimm war, da wir nun eh eine für einen längeren Zeitraum brauchten. Der Arzt schrieb gleich bis Anfang November krank. Uff. Als nächstes stand ein Besuch beim Sanitätshaus auf dem Plan: Die Schiene drückte und eine der Krücken musste ausgetauscht werden. Wir tauschten die Dinger dann gleich gegen ein paar gepolsterte, da dies ja doch notwendig ist, wenn man so lange darauf angewiesen ist.

Außerdem musste der Arbeitgeber informiert werden. Dort fuhren wir dann auch noch hin. Die gesamte Belegschaft kam aus dem Haus ans Auto, um sich von der Diva zu verabschieden. Der niegelnagelneue BMW mit meinem Lebensabschnittsgefährten am Steuer erntete anerkennende Blicke. Abschließend fuhren wir noch einkaufen und dann nach Hause. Abends bekamen wir noch Besuch und auch für den Samstag war noch Besuch geplant.

Am Samstag fuhren wir ohne die Diva, die wir auf der Couch liegen ließen, nach Neuss, ihren gewonnenen Gutschein abholen. Der Laden befindet sich direkt an einer Hauptverkehrsstraße in Neuss. Dort kann man tatsächlich für 5 ct sechs Minuten parken. Was zunächst recht witzig aussieht, ist eigentlich eine wirklich sinnvolle Sache für Kurzparker, die mal eben Brötchen holen oder in der Apotheke ein Rezept einlösen oder Ähnliches, und sollte sich weiter verbreiten.

Anschließend ging es zu HARIBO. Ich wollte unbedingt einen neuen 4-Monats-Kalender für 2014 haben. Aber leider gab es die noch nicht, so haben wir aus Frust ein paar Kilo Gummizeugs und einen College-Block gekauft und fuhren nach Viersen zurück.

haribo

Im Löhcenter wollten wir noch schnell nach einem Betttablett schauen, da dies die Nahrungsaufnahme des desolaten Ablegers erheblich vereinfachen würde. Auf dem Parkdeck angekommen, griff ich in den Fußraum zwischen meine Beine nach meiner Handtasche … Wo ist meine Handtasche?! Ich durchsuchte das Auto, geriet in Panik und wurde mir schnell der Tatsache bewusst, dass ich sie bei Haribo auf der Kundentoilette stehengelassen hatte. Ach du Scheiße!

Die Aufgabenverteilung war schnell klar: Während ich in Panik verfiel, redete der Lebensabschnittsgefährte beruhigend auf mich ein und gab konstruktive Lösungstipps, während er das Auto wieder ausparkte und den Weg runter vom Parkdeck ansteuerte. Er meinte, ich könne ja mal bei HARIBO anrufen und fragen, ob zufällig jemand die Tasche abgegeben hätte. Das einzige, was mir geblieben war, war schließlich mein Handy, da ich dies die ganze Zeit in der Hand hielt bzw. in der Toilette auf dem Waschbeckenrand ablegte. Ich suchte die Nummer raus und tat, wie mir geheißen wurde.

Der Mitarbeiter am Telephon war sehr zuvorkommend. Er ging in den Laden und fragte die Kolleginnen. Und siehe da: Jemand hatte tatsächlich meine Tasche an der Kasse abgegeben! Ich bedankte mich überschwänglich und wir fuhren nach Neuss zurück, um sie zu holen. Leider konnte ich mich nicht erkenntlich zeigen, da die Kundin, die die Tasche abgegeben hatte, natürlich längst weg war. Aber ich war überglücklich, dass sie nicht verloren war!

Wir fuhren wieder nach Viersen zum Löhcenter. Natürlich wäre es sinnvoll gewesen, nach dem Telephonat kurz den Einkauf zu erledigen und dann nach Neuss zu fahren. Aber wer denkt in Panik schon logisch und außerdem fuhren wir ja gerne mit unserer Protzkarre durch die Gegend. Und wieder hatten wir Glück: Es gab noch genau ein Betttablett, das wir natürlich mitnahmen.

Da der Samstagsbesuch abgesagt hatte, entschieden wir ganz spontan, sofort nach Darmstadt zu fahren. Zugegeben, eine reiseunwillige Katze und Spontaneität (sic!) passen nicht wirklich zusammen. Vor der Umsetzen des Plans in die Tat stand eine erneute Dosis Sedalin, diesmal übers Futter verabreicht. Aber der Mistkater hat Lunte bzw. die Drogen gerochen und sein Futter nicht aufgegessen, obwohl ich mit Engelszungen auf ihn einredete. Vielleicht auch gerade deswegen, denn bekanntlich machen Katzen ja gerne das Gegenteil von dem, was man erwartet. Und ausgerechnet an dem Punkt unterscheidet sich unser Vieh natürlich nicht von anderen. Wir versuchten also so zu tun, als wenn überhaupt nix Besonderes wäre. Haha, als ob man einem Tier so etwas vormachen könnte. Irgendwann wurde mir alles zu blöd und als er gerade vor der Transporttasche stand und blöd glotzte, schob ich ihn einfach rein. Immerhin hatte er eine ausreichende Dosis Sedalin abbekommen und war nicht wirklich wehrhaft. Seine Beschwerden ignorierte ich einfach.

Wieder einmal rafften wir fluchtartig unser Zeug zusammen, vorher packen hätte die Katze ja noch misstrauischer gemacht, und schleppten alles (inklusive Kind und Katze) ins Auto. Reisen mit Katerchen ist extrem hektisch. Dafür konnten wir auf der Autobahn den Sonnenuntergang genießen.

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Sehr witzig ist übrigens der Hinweis an der Sonnenblende, der eigentlich veranschaulichen soll, warum man keine Babysitze nach vorne stellen soll. Allerdings sieht die Graphik für mich weniger gefährlich, sondern eher nach einer Menge Spaß („Nochmal, nochmal!“) aus.

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Naja, auf der Rückbank war die Stimmung eher getrübt, man bedauerte sich selbst. Die eine, weil sie so lange von allem Vertrauten und vor allem dem Sauerbraten weg musste, der andere, weil er schon wieder in die Tasche gestopft worden war. Glücklicherweise hielt die schlechte Stimmung nicht allzu lange an. Zuhause angekommen konnten sämtliche Gemüter mit Essen ein wenig aufgehellt werden.

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Am nächsten Tag bracht der Lebensabschnittsgefährte unser tolles Auto zurück. Der Boardcomputer zeigte an, dass wir insgesamt 730 km gefahren waren. (90 km hatte er ja vorher schon drauf, wie eingangs erwähnt.) Ganz schön viel, wenn man bedenkt, dass die Strecke Darmstadt – Viersen gerade einmal rund 280 km beträgt. Das Navigationssystem von BMW ist übrigens ausgezeichnet, möchte ich nicht unerwähnt lassen. Und offensichtlich lesen die Kameras am Auto auch die Verkehrsschilder, da diese stets angezeigt und etwaige Verstöße bemängelt wurden. Überhaupt hat der Wagen jede Menge Schnickschnack, den man in so kurzer Zeit gar nicht rausfinden kann. Trotz aller Begeisterung wäre ich aber dafür, dass wir nächstes Mal diesen Wagen hier nehmen, der ebenfalls zur Sixt-Flotte gehört:

daimler

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