Auf in den Osten

Reisefieber pur am Morgen des 4. Juni im Hause dark*. Die Taschen sind gepackt, die Katze streicht nervös herum, die Tochter verweigert die Nahrungsaufnahme und Frau dark* ist gestresst wie immer. Typische Vorurlaubsstimmung eben.

Wir nehmen bewusst eine Straßenbahn früher als notwendig, da wir uns am Bahnhof noch Frühstück holen wollen. Eigentlich wäre es DIE Gelegenheit gewesen, meiner Tochter mal den lustigen Verkäufer von Kamps zu zeigen, der gerne mal die Kunden foppt, immer einen blöden Spruch auf Lager hat und bei dem es einfach Spaß macht einzukaufen. Aber irgendwie hatte der arme Mann wohl Montagmorgen und stand eher griesgrämig hinter der Verkaufstheke. Sehr schade, aber die Backwaren schmecken deswegen auch nicht schlechter.

Auf dem Bahnsteig angekommen, herrscht erst einmal Verwirrung. Es fährt ein Zug ein, der um 08:29 Uhr nach Duisburg fahren sollte, aber an diesem Tage laut Anzeigetafel ausfällt. Dann ändert sich die Anzeige, der Zug sollte nicht mehr ausfallen, sondern in Krefeld enden. Die meisten Reisenden auf dem Bahnsteig sind ein wenig verwirrt, denn es steigen nicht alle aus dem Zug aus. Wir überlegen kurz, sollten ja eigentlich den Zug um 08:42 Uhr nehmen, springen dann aber doch in diesen Geisterwagen, da der um :42 auch gerne mal ausfällt. Das stresst mich zwar kurzfristig noch mehr – Was ist, wenn wir im falschen Zug stehen? -, aber natürlich geht dann doch alles gut.

Duisburg Hbf - etwa 5 Min. später

Duisburg Hbf – etwa 5 Min. später

In Duisburg wartet eine Verspätung auf uns: Der ICE ist bisher fünf Minuten im Verzug. An sich sind die paar Minuten kein allzu großes Drama, allerdings müssen wir in Hannover noch einmal umsteigen und dort stehen uns nur acht Minuten zur Verfügung. Das könnte also knapp werden. Bis es soweit ist, lassen wir uns allerdings nicht die Laune verderben. Wir frühstücken zunächst ausgiebig und spielen u-build Monopoly und anschließend noch ein paar Runden Ohne Furcht und Adel.

Etwa fünfzehn Minuten vor Hannover ertönt die Lautsprecherdurchsage. Es werden mehrere Züge genannt, die in Hannover auf den ICE warten, unter anderem auch unser IC, mit dem wir nach Leipzig weiterfahren. Außerdem würde der Zug bei der Weiterfahrt nach Berlin einen Umweg fahren, da die Strecke aufgrund eines Notarzteinsatzes gesperrt sei. Dann bleibt der Zug auch noch etliche Minuten auf freier Strecke stehen. Mit etwa 15 Minuten Verspätung fahren wir dann endlich Richtung Sachsen.

Alles voller Windräder...

Alles voller Windräder…

Die blühenden Landschaften, die man den Ostdeutschen nach der Wende versprochen hat, sind nicht besonders schön, da sie rundherum zugestellt sind mit Windrädern. Manch einer mag das modern, als sauber (im Sinne der Umwelt), als innovativ und zukunftsweisend finden, ich finde es hässlich. Und ich frage ich oft, welche Umwelt wir dann noch schützen, wenn wir sie mit Windparks, Mega-Überlandleitungen, mords Staudämmen und -seen, mit Fotovoltaik-Anlagen und sonstigem Krempel zubetonieren. Aber ich will jetzt hier nicht weiter auf die Problematik der Weltverbesserung eingehen. Da wir keine Lust hatten, uns die blöden Dinger über mehrere hundert Kilometer anzuschauen, spielten wir auch hier wieder Ohne Furcht und Tadel – Sehr zur Erheiterung eines unseres Mitreisenden, da mir ständig Karten und die „Goldstücke“ herunter gefallen sind und unser Spiel-Equipment den halben Waggon erkundete.

Laut Planung sollten G. und wir mit einer Minute Unterschied in Leipzig ankommen. Meine kindliche Vorfreude auf das Wettrennen, wer denn nun tatsächlich zuerst Leipziger Boden betritt, wurde von der Bahn leider zunichte gemacht, das Rennen hatte G. bereits gewonnen. Er wartete auf uns auf dem Bahnsteig, wo wir mit etwa 15 Minuten Verspätung gut gelaunt, hungrig und neugierig eintrudelten.