Ankommen, Stadtbummel und so

Wir hatten eine Ferienwohnung im Wintergartenhochhaus, einem Wohnturm direkt am Bahnhof, gebucht. Die Unterkunft ist wirklich empfehlenswert, sehr sauber, hell und mit allem ausgestattet, was man benötigt. Das Tollste ist allerdings der Concierge unten in der Eingangshalle. Das ist cool, so etwas hätte ich auch gerne.

Wir müssen noch einkaufen und so beschließen wir, zunächst das Einkaufszentrum im Bahnhof zu plündern, Lebensmittel zu beschaffen und anschließend die Innenstadt ein wenig zu erkunden. Gesagt, getan, wir ziehen los.

Ampelmännchen!

Ampelmännchen!

Der erste Begeisterungssturm von meiner Tochter und mir: Ampelmännchen! Eine ganze Weile, als wir noch Wahl-Berliner waren, gehörten sie zu unserem Alltagsbild. Die Berliner Zeit vermissen wir oft und so kam echte Freude auf, als wir das erste Ampelmännchen erblickten! Später während der Stadtrundfahrt, sahen wir auch noch Ampelweibchen, allerdings waren wir zu schnell vorbei als das ich sie hätte knipsen können. Wobei ich mich allerdings schon frage, wie man ticken muss, dies als Gleichberechtigung zu empfinden, wenn doch hier das klassische Rollenbild, das von der Emanzipation ja so vehement abgelehnt wird, dargestellt wird (Zöpfe und Kleid). Aber wer vermag schon sich in den verschlungenen Sackgassen idealistischer Ziele zurechtzufinden.

Der Leipziger Hauptbahnhof ist wirkliche ein imposantes Gebäude. Leider ist seine fast 300 Meter breite Fassade mit einfachem Equipement von keiner Perspektive am Boden aus komplett aufs Bild zu bekommen.

Im Bahnhof ist ein riesiges Einkaufszentrum untergebracht, in dem wir uns zu orientieren versuchen. Zunächst einmal werden Fressbuden gestürmt und kleine Snacks zu uns genommen, wir sind halb verhungert. Mit vollem Magen betrachtet, ist der Aufbau des Einkaufszentrums recht simpel, aber aufgrund der Breite des Bahnhofsgebäudes läuft man sich dort die Füße platt. Dafür bekommt man alles, was das Herz begehrt, und das an diesem Montag auch noch bei Bombenstimmung! Irgendwann fiel uns nämlich auf, dass in der oberen Etage, wo die Züge fahren, unglaublich viele Leute an derselben Stelle rumstanden, während beim gegenüberliegenden Aufgang kein Mensch zu sehen war. In einem Glasgeländer spiegelte sich Blaulicht.

Das darkinchen war zu neugierig und ging nach oben. Der halbe Bahnhof war abgesperrt, keiner durfte zu den Zügen und keine Züge durften ein- oder ausfahren. Und natürlich überall Polizei und RTW. Einen Grund für die Aktion konnte sie nicht erkennen, die erfuhren wir via Internet: Mysteriöser Taschenfund und Bombendrohung. Hier ist was los! Später stellte sich heraus, dass frustrierte Jugendliche eine Bombenattrappe gebastelt und im Bahnhof deponiert hatten.

Wir brachten die Einkäufe in die Ferienwohnung, verstauten Verderbliches im Kühlschrank und dann ging es wieder los. Naja, nicht direkt. Erst musste dark* natürlich noch einen Kaffee trinken. Aber dann ging es wieder los.

Unser Fußweg führt zum Augustusplatz, wo mit dem Kroch-Hochhaus, dem Opernhaus Leipzig, dem Paulinum der Universität Leipzig, dem Gewandhaus und natürlich dem City-Hochhaus schon ein Großteil touristischen Pflichtprogramms erledigt ist. Tatsächlich sind diese ganzen Gebäude sehr beeindruckend und man weiß gar nicht, wohin man zuerst schauen soll. Gucken ist mir hier auch wichtiger als knipsen, daher gibt es nur ein paar Handy-Schnappschüsse vom ersten Tag. Die Aussichtsterrasse des City-Hochhauses steht noch auf unserer Agenda. Und vom Deckengemälde im Gewandhaus sollen wir erst am letzten Tag erfahren, bei unserem ersten Stadtrundgang ist es uns gar nicht aufgefallen.

Der Innenstadtbereich ist wirklich toll und es macht Spaß hier durch die Fußgängerzone zu bummeln. Die vielen Passagen sind allerdings für jemanden bar jeglichen Orientierungssinns der blanke Horror. Alles ist total verwinkelt, miteinander verbunden und überhaupt. Wie gut, dass ich mittlerweile ein Smartphone besitze, das mir den Weg weisen kann. Man muss nur die Karten noch richtig interpretieren, dann führt man die Mitreisenden auch nicht auf die falsche Fährte. Aber so wirklich verlaufen kann man sich ja nicht, spätestens wenn man das Gewirr aus Flaniermeilen, Passagen und Gassen verlässt, ist der Überblick auch wieder da.

Vorbei an der Demokratieglocke, dem Alten Rathaus, das wirklich toll aussieht, aber leider durch die blöde Baustelle für den City-Tunnel verstellt ist, mit Seitenblick auf das schöne Jugendstilgebäude der Commerzbank, das anstelle des ehemaligen Amtshauses steht, kommen wir natürlich auch an der Nikolaikirche vorbei, bevor unser Weg an mehreren Baustellen und abbruchreifen Häusern, die es immer noch in der Leipziger Innenstadt gibt, in Richtung Wintergartenhochhaus zurück führt.

Wir bekamen alle Hunger und gingen in die Ferienwohnung, schmerzende Füße pflegen, Essen kochen, Eindrücke verarbeiten, die kommenden Tage planen und die mitgebrachten Spiele spielen, kurz: einen ruhigen Abend verbringen. Für den Dienstag stand schließlich der Zoo auf dem Programm.