Mein Einsatz als Torten-Girl

Als der 18. Geburtstag vom Hanni-Bunny vor der Tür stand, beschlossen das darkinchen und ich das Geburtstagskind nebst Familie mit einem Spontanbesuch meinerseits zu überraschen. Immerhin hatte ich die ganze Familie seit mindestens einem Jahr nicht mehr gesehen. Überhaupt endete meine Reiselust ziemlich abrupt mit der Krebsdiagnose. Einzige Ausnahme bildete Nürnberg (Reisebericht steht noch aus), weil es sich so angeboten hatte. Ich war auf schier unerträglichem Bahn-Entzug! Ich buchte also ein Ticket und weil ich ja noch täglich zur Bestrahlung muss, sollte die Rückfahrt schon am nächsten Tag erfolgen.

Luisenplatz

Montagmorgen machte ich mich bei wildem Schneegestöber auf den Weg. Da ich wenig Interesse an einer Erkältung habe, war ich dick eingepackt und zog mir noch die Regenhose über die Jeans. Für mich eher untypisch war ich viel zu früh unterwegs und hatte am Bahnhof noch jede Menge Zeit. Daher gab es erst einmal ein zweites Frühstück: Eine Currywurst von Yormas in Darmstadt Hauptbahnhof auf Gleis 9. Gerade als ich fertig war, kam der Regionalzug, der uns durchs Schneegestöber bis nach Mainz brachte. In diesem waren heute äußerst merkwürdige Gestalten unterwegs, die ich schon gar nicht mehr näher beschreiben kann. Jedenfalls wirkten meine Mitreisenden äußerst skurril auf mich.

Sonne_bei_Bonn

Am Rhein lag kein Schnee mehr, es präsentierte sich eher triste Grau-in-Grau-Winterlandschaft. Bis Bonn blieb die Fahrt ruhig. Dann kam die Sonne raus und außerdem eine E-Mail vom Verspätungsalarm der Bahn.

Verspaetung
Der ICE, in den ich in Köln umsteigen sollte, hatte aktuell eine Verspätung von 15 Minuten. Als ich endlich in Köln angekommen war, belief sich die Verspätung bereits auf 30 Minuten. Ich besorgte mir ein Marzipan-Croissant und eine Capri-Sonne Kirsch. Dann begab ich mich zum Info-Schalter und ließ mir die Zugbindung aufheben.

Eigentlich wollte ich ja über Krefeld fahren, das Geschenk holen und dann nach Viersen weiter tuckern, aber dann stand da der RE nach Mönchengladbach abfahrbereit auf Gleis 9 und so entschied ich mich spontan um. Mussten wir halt doch mit dem Auto über Krefeld fahren, das erschien mir jetzt verlockender als meine Version.

Eine 18-Jährige zu beschenken ist grundsätzlich nicht einfach. Die meisten Wünsche, die Leute in dem Alter haben, sprengen jeden vernünftigen finanziellen Rahmen, den man sich als Bekannter der Familie setzt. Und alles, was bezahlbar ist, kauft sich diese Generation selbst. Die haben mehr Geld, als wir seinerzeit hatten, und gleichzeitig andere Ansprüche. So überlegten wir nach langem Hin und Her, dass ein Kinogutschein das Sinnvollste ist. Damit kann sich das Hanni-Bunny einen netten Abend mit einer Begleitung ihrer Wahl machen, Popcorn und Getränke inklusive. Und außerdem gab es ja noch ein kleines Fotobuch mit vielen schönen und witzige Erinnerungen an die gemeinsame Zeit. Ein „Weißt du noch …?“ zum Durchblättern. Persönlicher geht es kaum.

Das darkinchen war noch arbeiten, aber glücklicherweise habe ich einen eigenen Wohnungsschlüssel, sodass ich nicht im Regen stehen musste. Ich trank noch einen Kaffee und wir quatschten ein wenig. Dann sammelten wir Unmengen von Müll aus ihrer Küche, die wir mit nach unten zu den Containern nehmen wollten, wenn wir wieder fuhren. Außerdem erstellten wir einen Einkaufszettel, denn „das arme Kind“ war ziemlich pleite und musste noch ein paar Tage überleben bis zur nächsten Gehaltszahlung. Gerade als es warm und gemütlich zu werden drohte, machten wir uns also wieder auf den Weg.

Zunächst führte uns dieser zum nächsten Discounter, Überlebensmittel besorgen. Als wir auf dem Parkplatz ankamen und das Auto verließen, öffnete der Himmel seine Schleusen und ließ schwallartig Regen und Hagel auf uns niederprasseln. Nachdem wir die paar Meter vom Auto in den Laden gelaufen waren, waren wir reichlich durchnässt. Wie habe ich dieses Niederrheinwetter vermisst! Wir kauften ein und liefen im – mittlerweile wenigstens etwas weniger gewordenen – Regen zurück zum Auto. Dann fuhren wir mit beschlagenen Scheiben nach Krefeld zum Kino, um den Gutschein zu holen. Von dort aus ließen wir uns vom Navi nach Bei uns in Fischeln* lotsen.

Ich hatte geplant, beim Öffnen der Haustüre nur mit einem aufreizenden Bikini bekleidet aus einer riesigen Papptorte zu springen und dem Geburtstagskind mit einem bezaubernden Lächeln zu gratulieren. Aber dann dachte ich, das wäre vielleicht doch zu heavy für das eher zart besaitete Geburtstagskind und so standen wir ziemlich verfroren in dicke Jacken gehüllt vor der Haustür und grinsten breit in die dummen Gesichter, die mich ungläubig anstarrten. Die Mutter des Geburtstagskindes wusste, dass das darkinchen zu Besuch kommen soll, von mir wusste sie nichts. Dementsprechend groß war das Freudengeschrei und dementsprechend ausufernd die Begrüßungsorgie. Wir stahlen allen Anwesenden inklusive Geburtstagskind ein wenig die Show.

Wir machten uns in der Küche über das Essen her, quatschten, tranken Kaffee und fuhren dann zu dem Stall, wo unsere Gastgeber seit einiger Zeit ihr Pferd stehen haben. Wir mussten die Anlage und das Pferdchen bestaunen. Die Anlage sah gut aus, soweit man das im Dunkeln erkennen konnte, und das Pferdchen hatte sich wirklich gut gemacht. Ich hatte das Tier seit mindestens vier Jahren nicht mehr gesehen. Trotzdem schien er mich zu erkennen. Die ganze Zeit suchte er mit seiner Nase Kontakt und lehnte sie sanft an mich. Ich fand das faszinierend.

Leider konnten wir nicht allzu lange bleiben, da wir ja noch die Heimreise antreten und am nächsten Morgen früh aufstehen mussten. Wir fuhren über die Autobahn zurück. Kurz vor der Abfahrt überholten uns mehrere Polizei-Fahrzeuge, überwiegend Kleinbusse, schätzungsweise sechs oder sieben Stück, ich habe sie nicht gezählt. Die fuhren auch alle an derselben Autobahnabfahrt runter wie wir. Wir kamen uns ein wenig beobachtet vor. Und dann sahen wir in der Abfahrt auch noch Blaulicht und dachten zuerst, die Karawane der Rennleitung würde jetzt mit Festbeleuchtung weiterfahren. Beim Näherkommen sahen wir allerdings, dass ein weiterer Streifenwagen und ein weiteres Einsatzfahrzeug in der Ausfahrt mitten in der Kurve standen. Und vor ihnen stand ein Fahrzeug reichlich ramponiert und mit dem Heck in die Leitplanke gedrückt. Die ganze Fahrbahn war voller Splitter von den Scheinwerfern und Seitenfenstern. Da hat wohl jemand die Kurve nicht bekommen.

Nach endlosem Gequassel und mit sicherheitshalber drei gestellten Weckern schliefen wir dann endlich ein, um morgens gleichzeitig vom Radio, Vogelgezwitscher aus dem einen und Super-Mario-Theme aus dem anderen Smartphone geweckt zu werden. Oh Gott, ich brauchte Kaffee! Dringend. Literweise. Und mein mich liebender Lebensabschnittsgefährte, der mir das schwarze Flüssiggold morgens ans Bett bringt, 300 km weit weg. Das Leben ist schlecht.

Nachdem die Krise überwunden und ausreichend Kaffee in die Verfasserin eingefüllt war, quälten wir uns aus dem Bett und zickten uns ein wenig an. Als das darkinchen im Bad war, bereitete ich das Frühstück zu und stöberte unter anderem im Küchenschrank herum. Was ich dort sah, hätte ich niemals für möglich gehalten: Nutella kann schimmeln!

verschimmeltes_nutella

Glücklicherweise hatten wir am Vortag Nutella gekauft, sodass dem Frühstück nichts im Wege stand. Dann brachte das darkinchen mich zum Viersener Bahnhof und ich trat die Heimreise an. Diese verlief sehr ruhig und natürlich mit Umsteigen in Köln

Koeln_01

Jedes Mal, wenn ich durch Köln fahre, überkommt mich der Drang, innezuhalten und durch die Stadt zu bummeln. Ich glaube, es wird mal wieder Zeit für einen Köln-Trip. ;)

Koeln_02

*Bei uns in Fischeln
Der Gag rennt seit fast 10 Jahren um die Insider herum. ;)

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