Mein Geschenk

Ein letzter Kaffee, den Rucksack mit dem Fresszeug, Sonnenbrille nicht vergessen, es ist hell, wenn wir zurückkommen. Soll ich einen Pullover mitnehmen? Nein, wir fahren ja nur Auto. Jacke anziehen und raus aus der Wohnung, nach Berlin fahren, mein Geburtstagsgeschenk abholen. Ich hasse meinen Geburtstag, aber Geschenke sind ok und das diesjährige besonders. Ich fahre. J., meine beste weil einzige Freundin hat den ganzen Tag gearbeitet, setzt sich lieber daneben, lehnt sich entspannt zurück, trinkt Kaffee und guckt in den Straßenatlas. Das heißt das würde sie gerne, wenn da nicht der Krankenwagen mit Blaulicht wäre, der von rechts auf die rote Ampel zurast, während ich Gas gebe um die Grünphase für mich noch auszunutzen.

Vollbremsung! Im Kofferraum poltert es: der Reservekanister und die Wasserflasche (Kühlerwasser – J. ist immer auf alles Mögliche vorbereitet, wenn sie mit Glückskind darki unterwegs ist). Eigentlich wäre das ja nicht weiter erwähnenswert, eigentlich ist es ja normal und auch Autofahrers Pflicht, für ein Einsatzfahrzeug zu bremsen, wäre da nicht der plötzlich auftretende Benzingeruch, der uns nach fünf Minuten Reisezeit zu unserem ersten Stopp veranlasst um nach der Ursache für den Gestank zu forschen. Wir öffnen den Kofferraum und sind sofort high von den Dämpfen, die uns entgegen schlagen. Der Kanister zeigt sich inkontinent, vermutlich durch den Aufprall beim Bremsen, der Teppich im Kofferraum ist benzingetränkt, ebenso wie die Hundedecke, die wir am Straßenrand ihrem weiteren Schicksal überlassen.

Als wir endlich weiterfahren, sind wir schon 30 Minuten unterwegs, einen Kilometer weit gekommen und haben dafür ca. 2.5 Liter Benzin verbraucht – Das fängt ja gut an.

Der Rest der Fahrt verläuft recht ruhig, wenn man davon absieht, dass wir mit offenem Fenster fahren müssen, um nicht völlig high zu werden und um nicht bei jeder Zigarette damit rechnen zu müssen, dass der Wagen in die Luft fliegt. Der Gestank ist bestialisch. In der Heimatstadt meines Geschenks wärmen wir uns bei einer Tasse heißer Schokolade wieder auf. Warum hab ich auch keinen Pullover mitgenommen? Als mir nach 100 km die Hände am Lenkrad festgefroren sind, kam uns immerhin die Idee, die Heizung anzumachen, damit wenigstens ein bisschen Wärme von unten kommt. Es ist wirklich saukalt, wenn man nachts mit 150 km/h und offenen Fenstern im Oktober über die Autobahn fährt.

Morgens um vier Uhr ungefähr kommen wir endlich in Berlin an. Ich verfahre mich natürlich, habe keinen Plan wo ich hin muss und Souls Handy ist aus. Na super! Paranoid wie nunmal ich bin, sehe ich mich schon mit leerer Rückbank wieder zurückfahren, verarscht wie eh und je. Aber so schnell gebe ich nicht auf, irre ganz auf mich allein gestellt durch die riesige Stadt und frage endlich an einer Tankstelle. Drei Typen reden auf mich ein, erklären mir drei unterschiedliche Wege und machen meine Verwirrung komplett. Plötzlich fällt ein Straßenname, den ich kenne. “Das ist die einzige Straße, die ich hier kenne!” Da ist schließlich “unser” McDonald’s, das hat wenigstens Wiedererkennungswert. Irgendwann funktioniert auch Souls Handy wieder, der Akku war leer. Wir treffen uns bei McDonald’s nachdem J. und ich dort noch etwa eine Stunde gewartet haben, frierend, wimmernd – naja darki-like halt. Langsam komme ich auch von meinem Benzol-Trip wieder runter.

J. und ich würden ja gerne wieder nach Hause fahren. Aber der Scheißkerl auf der Rückbank hört nicht auf zu telephonieren und so kurven wir erst noch eine Stunde plan- und ziellos in der Stadt rum, weil darki den Weg nicht findet.

Der obligatorische Stopp bei meinem Lieblings-Autobahn-WC (der freundliche Farbige ist heute leider nicht da) und dann geht’s endlich heim. Natürlich nicht ohne den ebenfalls obligatorischen McDonald’s-Besuch in Mutanten-City, einer Stadt, deren Namen hier nichts zur Sache tut, aber in der selbst mein Selbstbewusstsein ein bisschen aufpoliert wird, was angesichts meines herannahenden Geburtstages immer nötiger wird. Allerdings hält mein biblisches Alter mich nicht davon ab, mit Soul in die Bälle der Kinderspielecke zu plumpsen – nur Rauskommen gestaltet sich schwierig. Aber den Ball wollten wir wirklich nicht klauen, der fiel plötzlich aus Souls Jacke, als wir wieder ins Auto eingestiegen sind, der wollte mit.

300 km später: Mein Kopf platzt, fühlt sich zumindest so an, aber mit ein paar Dolomo schaffen wir die Rückfahrt einigermaßen, die letzten 40 km könnte ich einpennen, die Sonne brennt mir auf den Pelz und die Autobahn ist nur öde.

Bei mir vor dem Haus angekommen, keifen J. und ich uns noch kurz an – wie immer, wenn eine gegenseitige Überdosis mit Schlafmangel kombiniert wird. Aber das ist nichts Ernstzunehmendes, unbedeutend, gleich wieder vergessen. J. fährt heim und wir sind in meiner Wohnung. Soul scheint es zu gefallen und das ist wichtig. Schließlich geht es nicht nur um mich und meinen Geburtstag, sondern auch um ein paar Tage Ruhe und Abstand von den teilweise nur noch menschenverachtenden Zuständen, in denen Soul bei efeu lebt. Das war es auch, was J. zu dem Vorschlag veranlasste ihn abzuholen, die Aktion von ihrem Geld zu bezahlen und mir das Ganze zum Geburtstag zu schenken.

Danke dafür! :-)

Ein Gedanke zu „Mein Geschenk

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