Mit dem Auto ins Büro

Das ist ja etwas ganz Neues! Frau dark* fährt höchstpersönlich selbst mit dem eigenen Auto ins Büro. Der Grund, warum ich unseren Spritschlucker der Bahn vorziehe, ist logistischer Natur. Schon seit geraumer Zeit laufen die beiden Server nicht mehr ordnungsgemäß, irgendwas im Active Directory ist da kaputt. Wie auch immer, die Dinger müssen zwecks Neuinstallation nach Darmstadt. Also fährt Frau dark* mit dem Auto.

Ich war aufgeregt wie sonstwas, nach so langer Zeit mal wieder alleine on the road. So dauerte es auch ein paar Kilometer, bis ich mich beruhigt hatte und halbwegs entspannt im Sitz saß. Der Kaffee war durch, es wurde Zeit für die erste Pause. Ich schlängelte mich weiter zwischen all den Idioten auf der Autobahn hindurch und gewöhnte mich immer mehr an den Qashqai. Ein feines Auto hatten wir da gekauft.

Einzig das Navi war etwas in die Jahre gekommen und ich traute dem Ding nicht so ganz. Hinzu kam, dass wir es auf „kürzeste Strecke“ eingestellt hatten, was das Gerät allzu wörtlich nahm und weswegen es mich rund um Köln ständig von der Autobahn runter lotsen wollte. „Ha!“, dachte ich, „Da kennst du Frau dark* aber schlecht!“ Ich folgte meinem Orientierungssinn und blieb auf der Autobahn. Irgendwann kamen mir die Abfahrten allerdings gänzlich unbekannt vor und ich wunderte mich, dass nirgendwo die A57 oder Krefeld ausgeschildert waren. Und über den Rhein war ich auch noch nicht gefahren. Irgendwann erschien mir das doch ein wenig seltsam, ich folgte den Anweisungen des Navis und fuhr von der Autobahn herunter.

Ich hatte nicht die leiseste Ahnung, wo ich war. Ich fuhr noch ein paar Minuten in der Gegend herum. Mitten in einem Ort entschied ich mich dann doch, kurz anzuhalten und die Karten-App auf meinem Smartphone zu Rate zu ziehen.

Lost in Leichlingen. Ich war noch nie zuvor in meinem Leben in Leichlingen. Umwege erhöhen ja bekanntlich die Ortskenntnis.

Das Smartphone-Navi befahl mir, zu wenden und auf die Autobahn zurück zu fahren. Das Navi des Autos stellte ich auf „Schnellste Strecke“ um. Fortan waren sich die beiden über die Wegführung einig. Nachdem ich noch ein Stück weiter Richtung Norden gefahren war, kreuzte die A44 meinen Weg. Ha! Die kenne ich! Da weiß ich, wo es langgeht. Ich wechselte die Autobahn und fand dann doch noch wohlbehalten meinen Weg nach Krefeld ins Büro.

Manchmal weiß ich nicht, ob es mich beruhigen oder beunruhigen soll, dass die Kollegen ihre Laptops auch nicht besser behandeln als mich. Wie dem auch sei, ich nahm alle Laptops aus der Domäne, richtete für die Übergangszeit lokale Benutzerkonten ein, fuhr den Server herunter und packte das gute Stück ein. Außerdem nahm ich noch zwei Gast-Laptops mit, die ebenfalls neu aufgesetzt werden mussten.

Erneut ging es auf die Autobahn, diesmal in die Niederrheinische Zuckerrübensteppe zum darkinchen. Dort luden wir erstmal den ganzen Krempel aus dem Auto aus. Neben dem Server und den beiden Laptops war es auch noch mein eigener Laptop, meine Klamotten und außerdem mein Klapprad, das ich schonmal hier lassen wollte für den Tag, wenn ich die Server zurück bringe.

Die Freundin, mit der das darkinchen demnächst in eine WG zieht, war ebenfalls anwesend. Wir quatschten noch ein bisschen, dann mussten wir auch schon wieder los, die wollten nämlich an diesem Tag den Mietvertrag unterschreiben. Wir fuhren zunächst zur Tankstelle und dann mitten in die Pampa, wo die Wohnung ist, die die beiden sich ausgesucht haben. Dies war übrigens das erste Mal, seit das darkinchen ihren Führerschein hat, dass sie meine Beifahrerin war. Und es hätte nicht viel gefehlt, da wäre es auch das letzte Mal gewesen. Nachdem wir geklärt hatten, wie eine friedliche Co-Existenz auf den vorderen Sitzen meines Autos möglich war, fuhren wir entspannt zur Wohnung.

Die Wohnung ist echt hübsch, preiswert, mit allem ausgestattet, was das Herz begehrt – inklusive freier Sicht vom Balkon aus. Die beiden Damen haben den Mietvertrag unterschrieben und hier und da und dort ein wenig ausgemessen und die Aufstellung der Möbel geplant. Als sie damit fertig waren, fuhren wir die Freundin des darkinchens nach Mönchengladbach, wo sie derzeit noch wohnt. Noch ein wenig Smalltalk mit der Mutter der Freundin, dann ging es endlich nach Hause. Wir machten uns etwas zu essen und pflanzten uns auf die Couch. Für diesen Tag reichte es.

Am nächsten Morgen packte ich nicht nur den ganzen Computer-Krempel, sondern auch noch diverses Reitsportzubehör in das Auto. Longierkram, Lederzeug, Sattel und Schabracken werden von unserem Rentner-Pferd nicht mehr benötigt. Ich habe mich bereiterklärt, alles zu reinigen und für ein paar Euro an den Mann zu bringen. Dann fuhr ich nach Krefeld, zum anderen Standort unseres Büros.

Dort packte ich nicht nur den zweiten Server und den Gäste-Touchscreen-PC ein, ich nahm auch noch an der Redaktionssitzung teil. Anschließend machte ich mich auf den Heimweg. Dabei querte ich den Rhein über das „Mahnmal für den katastrophalen Zustand der deutschen Infrastruktur“. Ein wenig mulmig ist einem da schon. Der Rest der Fahrt verlief entspannt bis auf das letzte Stück auf der A67, wo dann noch ein richtiger Stau den Verkehr zum Erliegen brachte.

Aber immerhin bildeten wir eine Rettugsgasse!

Daheim angekommen ließ ich mir vom Lebensabschnittsgefährten beim Ausräumen des Autos helfen. Der ganze Kofferraum war voller Computer und Pferdekram, der Sattel lag auf der Rückbank. Wir schleppten alles nach oben und parkten das Auto. Die erste große Tour alleine war geschafft!

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