Mit dem Klapprad in die Niederrhein-Bronx

Zurzeit häufen sich die Bürobesuche ein wenig, was zum Einen daran liegt, dass ich mehr Zeit habe, zum anderen an Projektarbeiten, die eine intensivere Zusammenarbeit erforderlich machen. So war ich in dieser Woche schon wieder unterwegs in der Niederrhein-Bronx.

Da mich die Fußwege vom Bahnhof zum Büro schrecklich nerven, wünschte ich mir schon länger ein Klapprad, das ich ohne Aufpreis und in jedem Fernverkehrszug mitnehmen kann, auch im ICE, in dem die Mitnahme von Fahrrädern ja sonst nicht möglich ist. Am Sonntag schauten wir uns ein Gebrauchtes aus den Kleinanzeigen an und schlugen sofort zu. Dies verschafft mir etwas mehr Mobilität auf meinen Reisen.

Im Nahverkehr brauchte ich das neue Gefährt noch nicht zusammen zu klappen, da hier im RMV-Gebiet die Mitnahme von Fahrrädern sowieso kostenlos möglich ist. Erst in Mainz, wo ich in den IC umsteigen musste, klappte ich das Rad zusammen und verstaute es in einer leeren Sitzreihe. Optimal ist das sicher nicht, aber da der Zug um diese Uhrzeit eh nicht allzu voll war, störte das niemanden.

Naja, fast niemanden. Tendenziell versucht der Durchschnittsreisende ja einen Doppelsitz für sich alleine zu beanspruchen und setzt sich nur dann neben Fremde, wenn es nicht mehr anders geht. Tja, jetzt ging es halt nicht anders. Amüsant beobachtete ich des Öfteren, wie Leute erfreut über die freie Sitzbank die Schritte beschleunigten und sich dann enttäuscht umdrehten bzw. weiter bewegten, als sie das Fahrrad erblickten. Niemand kam auf die Idee, danach zu fragen, ob man das Gepäckstück nicht woanders hin räumen könnte. Und da noch mehr als genug freie Plätze zur Verfügung standen, sah ich mich auch nicht genötigt, selbst tätig zu werden. Mein Fahrrad und ich belegten daher bis Köln insgesamt vier Plätze.

In Köln mussten wir umsteigen, von dort ging es mit dem ICE weiter nach Düsseldorf. Da die Fahrt nur 20 Minuten dauerte, machte ich mir gar nicht die Mühe, einen Platz zu suchen, sondern blieb mit meinem Fahrrad einfach im Türbereich sitzen. In Düsseldorf musste ich wieder in den Nahverkehrszug nach Krefeld umsteigen.

Mit dem Fahrrad zum Büro zu fahren, war herrlich. Zwar bin ich mit diesem Klapprad nicht so schnell wie mit meinem Tourenrad, aber die Strecke zum Büro ist wirklich zu blöd. Die Anbindung an die Straßenbahn ist meistens Mist. Und von der Bahnhaltestelle bis zum Büro ist es auch nochmal ein Stückchen zu laufen durch eine eher unschöne Gegend, sozialer Brennpunkt halt. Meistens gehe ich komplett zu Fuß, weil ich dann schneller da bin. Aber das ist auch kein Vergnügen. Mit dem Fahrrad war es super.

Damit mein Schätzchen nicht geklaut wird, nahm ich es mit rein und stellte es im Flur ab. Wir hatten zunächst eine Redaktionssitzung in größerer Runde, dann musste ich noch erst mit Chef und dann mit einem Projektpartner Einzelgespräche führen. Um kurz nach 14 Uhr war ich fix und fertig, es war warm und die Gespräche waren anstregend.

Ich radelte zurück zum Bahnhof. Auch hier hatte ich jetzt weniger Stress als sonst, wenn ich zu Fuß ging oder die Bahn erwischen musste, um rechtzeitig beim Zug zu sein. Am Bahnhof kaufte ich mir noch ein Fischbrötchen, dann ging ich zu meinem Zug. Ein bisschen nachteilig ist ja das hohe Gewicht meiner Neuerwerbung, aber die superduper praktischen Aluräder sind mir dann doch eine Nummer zu teuer. Ich schleppte die 17 kg tapfer die Treppe hoch und in den Zug.

Dort musste ich mir das Mehrzweckabteil ausgerechnet mit einem kreischenden Kleinkind teilen. Irgendwann hatte sich dieses aber endlich müde gebrüllt und schlief ein. Ich lehnte mich entspannt zurück und genoss mein Mittagessen.

In Köln war es einfach nur laut, warm und schwül. Ich gönnte mir ein Magnum und wartete auf meinen IC. Dieser wurde auch pünktlich bereit gestellt. In dem Fach für Gepäck war das unterste Fach frei und ich konnte mein Fahrrad gut verstauen.

Wir fuhren fast pünktlich ab, rollten gut 10 Meter, dann blieben wir stehen. „Aufgrund einer Türstörung verzögert sich unsere Abfahrt noch ein wenig.“ Och nö, darauf hatte ich ja nun gar keine Lust. Mit etwa 10 Minuten Verspätung verließen wir Köln.

Ich war zu fertig, um während der Fahrt irgendetwas anstrengenderes zu machen, als den Rhein anzuschauen, den Gesprächen meiner Nachbarinnen zu lauschen und ab und zu ein wenig auf dem Smartphone zu spielen. Mein Tablet packte ich gar nicht erst aus. Lediglich für den Pfirsich reichte meine Power noch.

Der Lokführer fuhr wie ein junger Gott und holte bis Mainz die Verspätung auf. Das ist in der Tat erwähnenswert, denn meistens ist es eher so, dass zu den paar Minuten in Köln immer mehr Verspätung hinzu kommt. Diesmal aber nicht, mein Anschlusszug in Mainz war kein Problem.

Trotz Hitze und Schwüle hatte ich wenig Lust, in Darmstadt auf die Tram zu warten, zumal ja immer noch Baustelle war und ich auch noch hätte umsteigen müssen. Ich radelte langsam und gemütlich vom Bahnhof nach Hause.

Nachdem ich schweißgebadet die 17 kg durch das überhitzte Treppenhaus in die 3. Etage gewuchtet hatte, fiel ich völlig fertig im Wohnzimmer auf den Teppich, ließ mir vom Lebensabschnittsgefährten ein Wassereis kredenzen, aß mit ihm noch Abendbrot und kroch dann in mein Bettchen. Mit diesem Tag war ich fertig.

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