Mit dem Rad durchs Mittelrheintal

Unser Jahrestag stand bevor und wir hatten überlegt, wie wir den Besuch bei unserem Schloss dieses Mal gestalten wollten. Da wir mittlerweile recht viel mit den Fahrrädern und unserem Zelt unterwegs sind, kam uns die Idee, durchs Mittelrheintal zu radeln soweit wir kommen, auf einem Campingplatz zu übernachten und am nächsten Morgen mit dem Zug nach Köln weiter zu fahren.

Der Wecker klingelte um 05:00 Uhr. Der Kater war hocherfreut: Früher Wecker lässt auf frühes Frühstück hoffen. Unser Morgenritual ist am Tag der Abreise eigentlich immer gleich: Der Lebensabschnittsgefährte geht duschen und ich trinke in der Zeit meinen Kaffee und mache unser Frühstück für unterwegs. Dann räume ich noch hier und da ein wenig rum und ziehe alle möglichen Stecker raus. Anschließend gehe ich duschen und der Lebensabschnittsgefährte kümmert sich um Futterautomaten und noch ein paar Kleinigkeiten, die zu regeln sind. Wir stopften noch den letzten Kram in unsere Taschen und um kurz nach Sechs ging es los.

Am Wochenende ist früh morgens auf Darmstadts Straßen fast nichts los, da kommen wir immer schnell durch zum Bahnhof. Leider ist der Aufzug an Gleis 6 immer noch nicht repariert, weswegen wir unsere Fahrräder samt Gepäck die Treppe herunter tragen mussten.

Da war das Umsteigen in Wiesbaden schon einfacher. Wiesbaden ist ein Kopfbahnhof und alles ist ebenerdig.

Wir fuhren mit dem Zug bis Lorch. Da wir ja schon einmal an einem autofreien Sonntag ein gutes Stück am Rhein entlang geradelt waren, war eigentlich erst die Strecke ab St. Goar bzw. St. Goarshausen interessant bzw. neu für uns. Was allerdings nicht heißt, dass der Teil bis dorthin nicht schön ist, ganz im Gegenteil, von Rüdesheim bzw. Bingen bis St. Goar bzw. St. Goarshausen ist eigentlich der schönste Teil.

Aber auch hinter der Loreley war das Mittelrheintal noch bis Koblenz sehr schön. Überall entlang der Strecke wurden schon Vorbereitungen für den autofreien Sonntag getroffen, der am nächsten Tag stattfand. Aufgrund dieses autofreien Sonntags war an diesem Samstag auch relativ wenig los, die meisten verlegten ihre Tour dann ja eher auf den Sonntag.

Zu Beginn der Tour war es noch ziemlich frisch, so dass ich zunächst meine Regenjacke überzog. Wir starteten rechtsrheinisch. Nachdem wir Lorch hinter uns gelassen hatten, fuhren wir durch Lorchhausen. Dort brauchte ich erstmal eine kurze Pause, einen kleinen Snack und dann ging es auch schon wieder weiter.

Nachdem wir das Ende von Hessen passiert hatten, kam der Teil, an dem das Rheintal immer etwas düster und bedrohlich wirkt.

Ich mag die Gegend. Aber wenn man hier im Dunkeln unterwegs ist, wirkt es bisweilen etwas gruselig. Aber hier und heute war es hell, das Wetter war super zum Radeln und mittlerweile brauchte ich auch die Regenjacke nicht mehr. Weniger super ist das Radeln auf der rechten Rheinseite. Teilweise hätten wir auf der Bundesstraße fahren müssen, wo zwar relativ wenig Verkehr war, der aber dafür recht schnell. Hier hätte ich nicht radeln wollen, stattdessen fuhr ich verbotenerweise auf dem recht schmalen Fußweg.

Der Loreley-Felsen kam in Sicht.


Nicht nur der Felsen trägt den Namen, auch die Statue auf der Insel im Rhein. Wir fuhren noch ein Stück weiter an St. Goarshausen vorbei, wo wir erneut eine Pause machten.

Wir parkten unsere Fahrräder vor dem Finanzamt von St. Goarshausen und gingen hinunter zum Fluß, wo wir uns auf zwei Steine setzten und Dank der leichten Brandung konnte ich die Augen schließen und mir vorstellen, ich sei am Meer. ;)

Ein bisschen Beine ausstrecken, ein paar Muscheln sammeln und als die Wellen aufgrund eines vorbeifahrenden Schiffes meine Füße fluten wollten, ging es weiter.

Das Wetter wurde langsam besser – was man von dem rechtsrheinischen Radweg nicht wirklich behaupten konnte. Daher nahmen wir in Filsen die Fähre auf die andere Rheinseite.

Da drüben liegt Boppard, da wollten wir hin. Etwa 20 Minuten mussten wir noch warten, die wir uns in den Schatten unter einem Baum setzten.

Die Preise sind moderat. Selbst 4 Euro für ein Pferd oder eine Kuh scheinen mir angemessen. ;)

Man hat während der paar Minuten Überfahrt nicht viel zu tun, also knipst man sich und das Gefährt und außerdem den Anleger auf der anderen Seite.

Zunächst fuhren wir weg vom Fluss in den Ort hinein. Ich wollte einen Souvenir-Laden aufsuchen, um meine Souvenir-Wand zu komplettieren. Außerdem besuchten wir noch eine öffentliche Bedürfnisanstalt. Danach setzten wir unseren Weg am Fluss entlang fort.

Sehr schön und eindrucksvoll ist die Marksburg, die vor uns auftauchte. Die würde ich gerne mal besichtigen. Schon länger habe ich den Gedanken, das Mittelrheintal per Auto zu erkunden mit genug Zeit im Gepäck, sich alles Spannende genauer anzusehen.

Es dauerte nicht mehr lange, bis wir Koblenz erreicht und auch fürchterlichen Hunger hatten. Es war Zeit fürs Mittagessen. Das erste Etablissement, das sich „Biergarten“ schimpfte, ließen wir nach einem kurzen Blick auf die Karte allerdings links bzw. rechts liegen. Hier gab es kein Gericht unter 20 Euro und jedes einzelne davon würde beim anschließenden Radeln viel zu schwer im Magen liegen. Eigenartige Definition von Biergarten.

Ein Stück weiter fanden wir dann doch eine Location, die uns zusagte. Die Preise waren zwar deftig, der Wurstsalat war aber sehr gut und auch das dazu gereichte Brot schmeckte hervorragend.

Beim nächsten Discounter füllten wir unsere Wasservorräte auf, dann radelten wir weiter. Der Weg hier war ein wenig nervig, denn die Rheinpromenade in Koblenz, die zum Drei-Länder-Eck führte, war ziemlich voll mit Menschen. Nachdem wir die ganze Zeit in Ruhe vor uns hin geradelt waren, war das etwas anstrengend. Wir hatten kurz überlegt, unsere Reise mit dem Schiff fortzusetzen, allerdings schreckte uns der hohe Preis ab. Über 30 Euro pro Person hätte die Fahrt nach Remagen kosten sollen. Wir verzichteten und fuhren mit dem Fahrrad weiter.

Mit Blick auf das Kernkraftwerk Mühlheim-Kärlich machten wir erneut eine Rast. Mittlerweile war ich schon ziemlich fertig. Außerdem hatten wir, seit wir losgefahren waren, Gegenwind. Die Böen waren teilweise schon recht stark und auch der eher schwache permanente Gegenwind nervte ungemein. Ich hatte keine Lust mehr. Wir beratschlagten uns kurz und entschieden dann, an dieser Stelle abzubrechen. Wir fuhren zurück zum letzten Abzweig, wo es einen Hinweis auf den nächsten Bahnhof gab: Urmitz. Dort radelten wir hin.

WOW! Ein eigener Stadtteil für einen Bahnhof, so etwas war mir auch noch nicht begegnet. Wobei der Bahnhof eher überschaubar war, typischer Dorf-Halt.

Ich hatte nirgendwo einen Fahrkartenautomaten gesehen. Auch reichte die Zeit nicht mehr, um noch einmal durch die Unterführung auf die andere Seite zu gehen. Wir beschlossen, in den Zug einzusteigen und beim Zugbegleiter Fahrkarten zu kaufen. Das Fahrradabteil war ganz hinten, ich lief bis ganz vorne, konnte allerdings keinen Zugbegleiter entdecken. Da sich auch bis Bad Breisig keiner blicken ließ, fuhren wir unfreiwillig schwarz.

In Bad Breisig, das ich für unsere Übernachtung ausgesucht hatte, ließen wir Supermarkt, Rheinpromenade und sämtliche andere Infrastruktur unbeachtet am Wegesrand liegen und machten uns sofort auf den Weg zum Campingplatz. Wir hatten keine Lust mehr und wollten uns ausruhen, ins Gras legen und Beine ausstrecken. Mittlerweile war es auch ziemlich warm.

Was ich bei der Auswahl des Campingplatzes nicht bedacht hatte: Der Weg dorthin führte bergauf und das nicht zu knapp. Bad Breisig hatte ich ausgewählt, weil dies die erste Station im erweiterten VRS-Gebiet ist, in dem unser Kombi-Ticket für den nächsten Tag galt. Damit hatten wir eine kostenlose Zugfahrt nach Köln und mussten lediglich Fahrradtickets wählen. Aber bis es so weit sein würde, strampelten wir hier erstmal den Berg rauf, durch den Ortsteil Rheineck hindurch. An dessen Ende war der Abzweig zum Campingplatz, der total schön gelegen ist im Tal zwischen den Bergen rechts und links. Wir meldeten uns an und kauften uns an der Rezeption erstmal ein Eis. Das war dringend nötig!

Nachdem wir unser Eis gegessen und dann das Zelt aufgebaut hatten, legten wir uns auf die Wiese und ruhten uns aus. Hier war es wirklich ruhig. Man hörte nur den Wind in den Blättern der Bäume rauschen und den Bach plätschern, der neben der Zeltwiese entlang floss. Ich unterbrach die Idylle ja nur ungern, aber mir fiel gerade wieder ein, dass wir den Supermarkt auf dem Weg hierher ignoriert hatten und nur fürs Abendessen und das Frühstück am nächsten Morgen nur zwei Optionen zur Verfügung standen: Nochmal ins Tal runter und anschließend wieder berauf strampeln, oder das essen, war zur Verfügung stand. Die Auswahl war bescheiden: Vom Mittagessen im Biergarten waren noch eine und eine halbe Brezn übrig. Außerdem hatte ich Bifis dabei. Eine Banane stand ebenso wie ein paar Sesam-Sticks und vier abgepackte Schokobrötchen auch noch zur Verfügung. Wir gingen noch einmal zur Rezeption, die gleichzeitig ein kleiner Kiosk ist, und sahen nach, was es dort noch gab. Unser Abendessen erweiterten wir um eine Packung Erdnüsse und eine Flasche Radler, fürs Frühstück kauften wir noch zwei Nussecken. Die gesunde Sportler-Ernährung war komplett.

Zur Zeltwiese gehört ein überdachter Essplatz mit Grill und Tischen samt Stühlen (dahinter plätscherte der Bach entlang). Dort setzten wir uns nach dem Duschen zum Essen hin. Anschließend spielten wir noch zwei Runden Backgammon, dann waren wir fertig mit diesem Tag. Ich glaube, wir waren schon um 20 Uhr im Bett. Sehr zur Freude unserer neuen Zeltnachbarn, die uns im Laufe des Tages einige Male entlang der Strecke aufgefallen waren. Mal hatten sie uns, mal wir sie überholt. Ein weiterer Zeltnachbar hatte ein interessantes Fortbewegungsmittel, das ich so auch noch nie gesehen habe: Skateboard mit Hänger.

Nach fast 75 km radeln brauchte ich nicht lange, um einzuschlafen. Und wir hatten ja noch einen anstrengenden Tag vor uns, denn in Köln wollten wir am nächsten Tag in den Zoo.

Ein Gedanke zu „Mit dem Rad durchs Mittelrheintal

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