Von Venlo nach Hoek van Holland

In Venlo hatten wir eine gute halbe Stunde Aufenthalt, Zeit genug, den anderen Bahnsteig zu erreichen wo wir uns hinsetzten und warteten. Plötzlich lief ein Mann herum und erzählte allen, sie müssen zu „Spoor zes“, Gleis 6. Ich fragte ihn, ob dies auch für Rotterdam gelte und wurde positiv beschieden. Sehr seltsam. Normalerweise wurden die Züge nach Rotterdam bzw. Den Haar nämlich auf Gleis 1 bereitgestellt, standen da eine Weile herum und füllten sich, bevor sie endlich abfuhren. Aber was soll’s, vielleicht hatte sich das Prozedere ja geändert. Wir liefen mit unseren Fahrrädern zu Gleis 6, das entgegen der Vermutung, es würde sich am entgegengesetzten Ende vom Bahnhof befinden, direkt neben Gleis 1 liegt. Quasi selber Bahnsteig, Gleis gegenüber. Gleis 6 ist allerdings wesentlich kürzer als Gleis 1 und an Gleis 1 grenzt auch noch das Bahnhofsgebäude. Laber, laber, laber, hier ist mal eine Karte:

Bahnhof_Venlo

Soweit, so unwichtig, ich schweife ab. Wir liefen zu Gleis 6 und kurz darauf fuhr der Zug ein.

Venlo_Bahnhof

Der Abstellplatz für die Fahrräder war sehr knapp, im Großraumwagen hatten wir dafür umso mehr Platz für uns.

Der Zugführer heißt im Niederländischen übrigens Machinist.

Nooduitgang

Während wir noch unsere Fahrräder abstellten, kam ein eben solcher aus dem Nooduitgang für den Machinist. Und ich fragte vorsichtshalber noch einmal nach, ob dieser Zug wirklich nach Rotterdam fahren würde. Die Antwort missfiel mir: „Nein.“ Ich dachte erst, der verarscht mich. Aber dann kam die Erklärung in einer Mischung aus Niederländisch, Deutsch und Englisch, dass auf der Strecke zwischen Venlo und Eindhoven wohl eine Störung vorläge. Dieser Zug würde nur bist Horst-Sevenum fahren.

Wir hatten keinen blassen Schimmer, wo dies sein soll. Der Zug fuhr an, wir setzten uns und warteten ab. Wir mussten auch nicht lange warten, um eine Ahnung zu bekommen. Zunächst hielt der Zug in Blerik, einem Stadtteil von Venlo. Dann fuhr er ein paar Minuten auf freier Strecke und schon der nächste Bahnhof hieß Horst-Sevenum.

Lost in the middle of nowhere. Ich hatte nicht einmal Netz, was aber in erster Linie daran lag, dass ich keinen Lust auf einen Roaming-Pass hatte und mir das Geld lieber sparen wollte. Die Karten-App funktioniert aber trotzdem. Mein Smartphone war ebenfalls der Meinung, dass wir mitten im Nichts gestrandet waren.

Karte_Horst-Sevenum

Wie wir der Durchsage im Zug entnehmen konnten, mussten wir mit dem Bus weiterfahren. Wir hatten keine Ahnung, wo hier ein Bus fuhr, und noch weniger, ob dieser auch Fahrräder mitnehmen würde. Wie gut, dass wir wenigstens ein Zelt dabei hatten, so würden wir schonmal nicht obdachlos sein. ;)

Wir folgten einfach den anderen Menschen, die aus unserem Zug ausgestiegen waren. Die blieben übrigens alle erstaunlich gelassen, das in Deutschland übliche Meckern und Murren mit äußerst schlechter Laune, wenn mal irgendetwas nicht rund läuft, blieb aus. Sehr angenehm.

Horst-Sevenum

Beim Bus angekommen mussten wir warten. Der Busfahrer telephonierte mit irgendjemandem, der ihm offensichtlich das Okay gab, die Leute in den Bus einsteigen zu lassen. Wir fragten ihn dann, ob er uns denn auch mit unseren Fahrrädern mitnehmen würde. Das wollte er gerne, meinte aber, dass es für uns vielleicht bequemer sei, einfach mit dem nächsten Bus zu fahren, der gerade ankam und noch völlig leer war – und dies im großen und ganzen auch blieb. Unsere Fahrräder legten wir unten in den Gepäckraum, die Taschen daneben. Dann nahmen wir vorne im Bus Platz.

Bus

Offenbar ging auch in die andere Richtung auf dem Bahngleis nichts, denn hinter uns hielt ein Bus, der eine dicke Menschentraube ausspuckte, die zum Bahnhof lief.

Bus_Passagiere

Irgendwann fuhren wir dann endlich los. Laut Auskunft des Busfahrers sollte die Fahrt nach Helmond, wohin er uns bringen sollte, etwa 45 Minuten dauern. Der Bus blieb ziemlich leer, die Fahrt war angenehmn.

Busfahrt

Und irgendwie war es schon ein Witz, dass wir uns gegen das Auto entschieden hatten, um die Strecke mal aus einer anderen Perspektive zu sehen und nun doch wieder auf einer Autobahn fuhren. Aber wie das halt so ist, wenn Frau dark* verreist und Murphy stets im Gepäck dabei ist. ;)

Helmond

In Helmond angekommen mussten wir auf den Zug nach Eindhoven warten. Uns transportierte ein Nahverkehrszug weiter, die Fahrt dauerte 13 Minuten.

Eindhoven

In Eindhoven hatten wir erneut einen etwas längeren Aufenthalt. Aber wenn ich die Abfahrtszeiten usw. richtig deutete, würden wir mit dem Zug weiterfahren, den wir ursprünglich geplant hatten, bevor wir eine Stunde früher aus Köln abgefahren waren.

Eindhoven_02

Es war warm und langweilig. Ich knipste noch ein paar Reisende, bevor dann endlich unser Zug kam.

Eindhoven_01

Leider hatte ich vorher nicht herausfinden können, wo sich die Fahrradabteile befinden. So etwas wie Wagenstandsanzeiger habe ich nicht gefunden. Wir mussten uns überraschen lassen. Das Fahrradabteil, in dessen Nähe wir standen, war ziemlich voll. So liefen wir den Zug entlang bis ans Ende, wo ein weiteres Fahrradabteil war, in dem noch Platz für uns war. Wir stellten unsere Räder ab, nahmen Platz und hatten nun wiederum etwa eine Stunde Zeit, uns für den nächsten Teil der Reise auszuruhen.

In Rotterdam mussten wir erneut umsteigen. Und ich war ziemlich beeindruckt von diesem Bahnhof! Wir hatten ungefähr 20 Minuten Zeit und knipsten die ganze Zeit den tollen Bahnhof und unsere Fahrräder und uns und alles, was uns so vor die Linse kam.

Dann ging es die nächste Etappe wieder mit einem Sprinter weiter. Eine halbe Stunde dauerte die Fahrt bis Hoek van Holland. Zwar wäre ich gerne bis zur Endhaltestelle „Strand“ gefahren, aber da wir noch einkaufen mussten und ich zur Touristen-Information wollte, stiegen wir bereits „Haven“ aus.

Hoek_van_Holland

Uff! Der Schienenteil der Reise von Darmstadt nach Hoek van Holland war nach insgesamt 8 mal umsteigen, nämlich in Mainz, Köln, Neuss, Venlo, Horst-Sevenum, Helmond, Eindhoven und Rotterdam endlich geschafft!

Wir sind der Meinung: Die Bahn gehört gedoofd! ;)

gedoofd