Niederrhein-Bronx, Zoo, Zuckerrübensteppe

Unser Weg an die niederländische Nordseeküste führte zunächst in die Niederrhein-Bronx. Der Lebensabschnittsgefährte und ich hatten am Samstag hin und her überlegt, wie wir am besten alles unter einen Hut bringen sollten: Ich hatte noch einen Server zuhause stehen, der ins Büro musste. Außerdem mussten wir das darkinchen einsammeln. Zu Frau Sauerbraten wollte ich auch noch. Und an die Nordsee selbstständlich auch! Da das darkinchen im Umzug steckt und die Wettervorhersage bisweilen nichts Gutes verhieß, hatten wir in den letzten Tagen die Pläne ohnehin schon ständig umgeworfen. Und am Samstag taten wir dies noch einmal und beschlossen, bereits am Sonntag zu fahren, den Server im Büro abzustellen aber noch nicht anzuschließen, dann in den Krefelder Zoo zu gehen und am späten Nachmittag in die Zuckerrübensteppe zu fahren.

Beschlossen und verkündet, ich packte unsere Sachen, wir gingen reichlich spät zu Bett und fanden eher wenig Schlaf. Zunächst war da die Feierlichkeit im Restaurant unten, die sich – wieder einmal – relativ laut bis Mitternacht hinzog. Die Geräuschkulisse von dort unten erinnert in der Regel an grenzdebile Kegelklubs auf Kegeltour und dröhnt dank Hof und enger Straße in unser Schlafzimmer, dass man meint, die sitzen um einen herum. Ab 22 Uhr schwillt das, begleitet vom lauten Klappern des wegzuräumenden Geschirrs und dem Scheppern der wegzuräumenden Wein- und anderen Flaschen, zu einer Kakophonie an, die mir manches Mal den Schlaf raubt. Irgendwann kurz vor oder nach Mitternacht werden die letzten Autotüren zugeknallt, der Chef fährt nach Hause und endlich ist Ruhe.

Totenstille. Ich beendete mein Spiel und wollte dann einen Schlafversuch starten. Das Netzteil von meinem Smartphone war nicht an meinem Bett. Ich musste noch einmal aufstehen, Lichter einschalten und das Netzteil suchen. Bei der Gelegenheit suchte ich auch die Toilette auf. Mittlerweile war es fast 1 Uhr. Um kurz nach 1 Uhr, ich war gerade dabei wegzudösen, ging der Lebensgefährte zur Toilette, dann schlief ich endlich ein. Bis ca. 03:30 Uhr, dann weckte mich der Kater. Er musste kotzen. Dafür lief er vom Esszimmer durch den Flur und das Wohnzimmer bis ins Schlafzimmer, wo er neben unserem Bett laute Geräusche machte, die das bevorstehende Event ankündigten, damit ihn jemand zurück in den Flur trug, damit er dort kotzen konnte. Wir haben uns vor einiger Zeit angewöhnt, den Kater auf den Fliesenboden in den Flur zu tragen, wenn sich Magenentleerung oder Haarballenheraufwürgen ankündigt, um unseren Teppich zu schonen. Und oftmals beschleicht mich das Gefühl, dass der Kater nun meint, dieses Herumtragen gehöre zum Kotz-Ritual. Er könnte ja auch von selbst in den Flur gehen …

Ich wischte das Malheur weg und schleppte mich ins Bett zurück. Ein wenig Schlaf könnte ich noch vertragen. Als nächstes musste der Lebensabschnittsgefährte erneut ins Bad und ich war wieder wach. Ich döste wieder ein, bis die Putzfrau vom Restaurant unten irgendwann zwischen 5 und 6 Uhr morgens ihr Tagwerk begann. Um halb 7 war es dann vorbei mit der Nachtruhe, der Lebensabschnittsgefährte fütterte die Katze und machte Kaffee, der Tag begann.

Gegen 9 Uhr hatten wir unseren gesamten Krempel im Auto verstaut. Für eine 3-Tage-Reise nahmen wir Kram mit, neben dem der legendäre Auszug aus Ägypten wie ein Schulkinderausflug aussieht. Der kleine Kofferraum unseres großen Autos war vollgestopft und auf der Rückbank war auch nicht mehr viel Platz. Dort mussten wir ja am Sonntag auch noch irgendwo das darkinchen unterbringen, das sicherlich auch ein oder zwei Schlüpfer zum Wechseln dabei haben würde. Wir tankten die versoffene Karre voll und machten uns auf den Weg.

Der kürzeste und schnellste Weg ist eigentlich über die A67 bis Mönchhof-Dreieck, dann über die A3 bis Köln und dann über die A57 nach Krefeld (oder auf der A3 bis zur A44 bleiben und über die nach Krefeld, das gibt sich nicht viel). Nun wurde aber just an diesem Morgen die alte Lahntalbrücke gesprengt. Während ich über die A67 fuhr, hörten wir im Radio den Live-Bericht von der Sprengung. Sechs alte Betonpfeiler sollten kontrolliert zu Boden gehen. Aus den Lautsprechern des Autos dröhnten die Sprengungen eins bis vier, dann war erstmal Ruhe. Die Moderatorin stammelte eine Weile herum, bis dann die Meldung kam, dass sich die Sprengungen fünf und sechs auf unbestimmte Zeit verzögern würden. Die A3 bliebe so lange noch gesperrt. Wir überlegten, wie wir mit der Situation umgehen sollten, dass es unter diesen Umständen wohl besser wäre, bis zur A61 durchzufahren. Wir wollten bis kurz vor das Mönchhof-Dreieck abwarten und dann diesen Plan B durchführen. Und wie sollte es anders sein: Wir erreichten das Mönchhof-Dreieck, die Moderator im Radio laberten und laberten, das 500-Meter Schild sauste an uns vorbei, ich fuhr mit Lkw-Geschwindigkeit auf der rechten Spur, die laberten und laberten. Ich passierte die 300-Meter-Barke, 200 Meter, 100 Meter, da ist der Verzögerungsstreifen, die Moderation kommt zum Punkt und verkündet: „Die Sprengung wird jetzt fortgesetzt“, als ich die Sperrfläche passierte. Das nenne ich Timing.

Die Strecke über die A61 ist extrem nervtötend. Ständig wird die Geschwindigkeit auf 100 km/h und sogar auf 80 km/h reduziert, was sehr ermüdend ist. An der A1 machten wir erstmal Mittagspause. Da meine Eingeweide sich von der Chemo bis heute nicht ganz erholt haben, fiel mein Mittagessen mal wieder eher spartanisch aus. Bezahlt habe ich mit den Sanifair-Quittungen, von denen gefühlt ich bald genug habe, um eine ganze Rastanlage zu kaufen.

Das letzte Stück des Weges zum Büro verlief ereignislos. Witzig finde ich übrigens die Namen vieler Autobahnparkplätze und ich habe mir vorgenommen, davon mal eine Serie zu erstellen. Hier zwei Beispiele:

Wir stellten den Server im Büro ab und hielten uns gar nicht mehr lange dort auf. Der Krefelder Zoo ist nicht allzu weit weg von meinem ehemaligen Arbeitsplatz, daher war das auch kein großer Umweg. Ich war schon ewig nicht mehr in diesem Zoo und es hatte sich einiges verändert.


Ein Highlight ist sicherlich das neue Gehege für die Humboldt-Pinguine, das begehbar ist. Zu gerne würde ich hier einmal frühmorgens herkommen, wenn nicht so viel los ist. Jetzt war es brechend voll, die Leute latschten sich quasi auf die Füße und die Pinguine hielten sich schön abseits, wo sie niemand erreichen konnte. Ich kenne das vom begehbaren Känguruh-Gehege in Darmstadt. Das ist auch nur früh am Morgen interessant, wenn die Känguruhs noch nicht genervt von den Besuchern sind.

Ein weiteres Highlight, um das ich die Krefelder echt beneide, ist die neue Erdmännchen-Anlage. Erdmännchen sind neu im Krefelder Zoo, als ich noch in der Niederrhein-Bronx wohnte, hatten sie noch keine. Und ja, da wohnen auch wirklich welche, auch wenn sie auf dem Photo gerade nicht zu sehen sind. Immerhin hat der Lebensabschnittsgefährte ein paar schöne Photos von denen gemacht, hier mal eines davon:

Sehr schön sind in Krefeld die tropischen Häuser. Sowohl das Schmetterlingshaus als auch das Regenwaldhaus sind sehr schön gestaltet und der nahe Kontakt zu den Tieren, die hier ohne Käfige untergebracht sind, kann wirklich spannend sein.


Allerdings war es auch hier heute viel zu voll und mir war viel zu warm, weswegen ich einfach nur durchlief und das Geknipse weitgehendst dem Lebensabschnittsgefährten überließ.

Ziemlich geschockt war ich von diesem Hinweis. In der Vergangenheit habe ich schon oft davon gehört, dass es für die Zoos immer mehr zum Problem wird, dass ihnen Tiere geklaut werden.

Ein paar Dinge sind in Krefeld geblieben, wie sie waren. Dazu gehört der neugierige Nandu ebenso wie die Kamele im Eingangsbereich.

Die Elefanten sind auch noch da, aber wenigstens wurde ihre viel zu kleine Anlage ein wenig umgestaltet. Sie haben jetzt ein „Rüsselguckloch“. Was auch immer sich dahinter verbirgt, muss sehr spannend sein, der hat seinen Rüssel nämlich immer wieder da rein gesteckt.

Frau Zebra hatte heute keine Sprechstunde und drehte uns ihr entzückendes Hinterteil zu.

Und diese beiden hier, zumindest der große, ist schon so lange im Krefelder Zoo, den kenne ich noch aus meiner Kindheit.

Und sogar das Baumkänguruh kam heute mal aus seiner Hütte raus, wenn auch nur, wie wir, nachdem es ungeschickt zum richtigen Platz geklettert war, feststellen mussten, zum Entsorgen von Stoffwechselendprodukten.

Und dann kamen wir noch zu einem weiteren Highlight, das mit ein Grund war, warum wir uns ausgerechnet jetzt für einen Besuch im Krefelder Zoo entschieden haben und an diesem Morgen schon so früh losgefahren sind: Schneeleopardenbabys! Cuteness overload, von dem der Herr Lebensabschnittsgefährte ein paar ganz entzückende Bildchen gemacht hat.


Hach nä, wat schön, pflegt man in der Niederrhein-Bronx zu sagen. Aber ich hatte genug vom Zoo, es war ziemlich voll und es war sehr warm, ich hatte wenig geschlafen und viel gefahren und wollte mich jetzt irgendwo hinsetzen und die Füße hochlegen. Ungefähr 50 km hatten wir dafür ja auch noch vor uns.

Der Parkplatz, der gleichzeitig auch als Stadion-Parkplatz bei Fußballspielen genutzt wird, wird in der Einfahrt durch ein provisorisch zussammengeschustertes Tor gehalten. Ich vermute mal, das soll Lkw-Fahrer und Wildcamper davon abhalten, diesen Parkplatz als Wohn- und Schlafplatz zu nutzen.

Wir fuhren in die Zuckerrübensteppe, wo wir auf unserer Luftmatratze in der leergeräumten Wohnung des darkinchens campierten.

Es gab noch Besuch vom darkinchen, dann Abendessen und schon bald fielen wir todmüde ins Bett.

Ein weiterer, anstrengender Tag lag vor uns …

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