Dovrebanen

Um 06:30 Uhr klingelte unser Wecker. Um 10:10 Uhr sollte unser Zug nach Trondheim abfahren und wir wollten in Ruhe das Frühstücksbuffett genießen und dabei die Postkarten schreiben, die wir am Tag zuvor noch an der Touristeninformation gekauft hatten. Danach packten wir unsere Sachen und gingen wehmütig zum Bahnhof. Auf dem Weg dorthin machte ich noch ein paar Photos mit meinem Smartphone der Straße, in der unser Hotel ist, von fliegenden Hammern und Baumkunst und natürlich dem Birkebeiner vor der Bibliothek.



Vor Antritt unserer Reise hatte ich ein wenig Bedenken, was wir so lange in einem kleinen Ort wie Lillehammer tun sollten, wenn wir nicht Skilaufen wollten. Jetzt dachte ich, dass ich mich hier auch nicht langweilen würde, wenn ich eine ganze Woche hier wäre. Außerdem hatte ich eine wahnwitzige Idee in meinem Kopf: Langlauf. Als Alpin-Skifahrer fand ich Langlaufen ja eigentlich immer schon doof, langweilig und was für Senioren. Bei mir hatte das einen ähnlichen Stellenwert, wie das sog. Walking, wie viele Mitmenschen es nennen, wenn sie ihre Spazierstöcke durch die Gegend tragen, der sich mit einem Wort beschreiben lässt: Wozu? Aber mittlerweile bin ich ja selbst nicht mehr die jüngste und vor allem viel zu steif und untrainiert, um mich auf Alpin-Ski eine Piste runterzustürzen. Ich überlegte, ob ich mich zuhause nicht mal umhören soll, ob man irgendwo mal einen Schnupperkurs im Langlaufen machen kann. So schwer kann dieser Sport ja außerdem nicht sein, wenn man nicht gerade an den olympischen Spielen teilnehmen möchte.

Aber nun war es zu spät, nun führte uns unser Weg nach Trondheim. Wir wollten unbedingt eine Fahrt mit der Dovrebahn über das Dovrefjell machen. Die Landschaft soll sehr schön sein, die Fahrt führt unter anderem durch den Dovrefjell-Nationalpark. Da oben gibt es sogar Moschusochsen. Bloß gut, dass wir die vom Zug aus eher nicht zu sehen bekommen. Jedenfalls soll sich die Fahrt mit dem Zug echt lohnen. Und Trondheim lohnt sich für uns sowieso immer. Daher stand die Planung ziemlich schnell fest. Und nun war es so weit, wir gingen zum Bahnhof.

Als wir am Bahnhof ankamen, nutze ich noch schnell die Gelegenheit, nicht nur den Bahnhof, sondern auch die Busstation zu photographieren.

Dann warteten wir drinnen im Warmen auf unseren Zug. Kurz bevor der kommen sollte, wurde eine Verspätung angezeigt und auch durchgesagt:

Nicht nur unser Zug war defekt, auch die Anzeigetafel für die Busse benötigte einen Neustart.

Mit etwa 15 Minuten Verspätung kam der Zug dann endlich. Da wir in Trondheim ohnehin 9 Stunden Aufenthalt hatten, störte uns diese Verspätung nicht weiter. Wir stiegen ein und nahmen auf unseren reservierten Sitzen Platz. Wenn man Komfort bucht, ist auch der Kaffee und Tee kostenlos. Allerdings war die Kaffeemaschine defekt, daher wurden die Getränke in Thermoskannen kredenzt.

Die Fahrt dauerte insgesamt etwas über vier Stunden und ich konnte meinen Blick kaum vom Fenster abwenden. Die Landschaft war so unbeschreiblich schön und atemberaubend, das ist einfach der Wahnsinn! Das Licht wechselte ständig. Wir klebten mit den Nasen an der Scheibe. Es lässt sich schlecht in Worte fassen, daher lasse ich ab jetzt Bilder sprechen (erstes Bild anklicken, dann durchblättern).

Direkt neben der Bahnstrecke verläuft die E6 und irgendwann möchte ich die auch mal im Winter entlang fahren, allerdings nur mit einem Fahrzeug, das mit Spikes-Reifen ausgestattet ist. Alles andere wäre blanker Wahnsinn. Schneeketten dabei zu haben, ist im Winter in Norwegen ohnehin Pflicht, soweit ich weiß. Aber selbst wenn nicht. Ein unpassend bereifter Ausländer als Verkehrshinderhis oder gar im Straßengraben hat hier noch einen schlechteren Stellenwert als in Deutschland früher die Holländer mit ihren Wohnwagen. ;)

Gegen halb drei waren wir bei strahlend schönem Sightseeing-Wetter in Trondheim angekommen.