Olympiapark und Vingnes

Ich weiß nicht mehr, wann ich das letzte Mal auf die Uhr schaute. Es war aber lange nach 01:00 Uhr. Dementsprechend müde war ich morgens, als ich um 07:30 Uhr wach wurde. Der Lebensabschnittsgefährte zog sich ein paar Klamotten an und holte mir im Frühstücksraum Kaffee. Anschließend gingen wir duschen, machten uns fertig und gingen frühstücken.

Norwegische Frühstücksbuffets sind extrem reichhaltig. Bacon und Rührei, verschiedene Wurst- und Käsesorten, Honig, Marmelade, Salat, mehrere Brotsorten, Kellogg’s … Ich weiß gar nicht so genau, was es alles gab. Ich aß Rührei, Brot mit Schinken und Käse, Ananas, Brot mit Honig, Brot mit Marmelade. Und ich aß vor allem zu viel. ;)

Was übrigens ganz witzig ist in Norwegen: Das Brot am Büffet schneidet man sich selbst. Dazu legen sie Stoffservietten auf das Brot, um es damit festzuhalten, und dann schneidet man sich die Scheiben selbst ab.

Nach der Völlerei legten wir im Zimmer unseren Zwiebellook an und machten uns auf den Weg, Lillehammer weiter zu erkunden. Geplant hatten wir für den Vormittag, zum Olympiapark raufzulaufen.

Die norwegischen Ortschaften sind einfach schön. Ich mag die Art, wie sie ihre Häuser bauen und ihre Orte anlegen, diesen Modelleisenbahnstil, den die drauf haben. Ich könnte da stundenlang rumlaufen und mir einfach nur alles anschauen.

Auf dem Weg nach oben kamen uns Zweifel, ob das die beste Idee war. Die Wolken hatten heute wieder Bodenkontakt, da war es mit der Aussicht auf Lillehammer eh nix. Das sah man schon unterwegs.

Um alles anzuschauen, muss man ja erst einmal etwas sehen können. ;)

Übrigens geht es hier teilweise ganz schön steil bergauf. Schon nach wenigen Minuten waren wir gut aufgewärmt und schwitzten. Zunächst zog ich die äußerste Schicht meiner Zwiebelpelle wieder aus. Ich trug eine Thermoleggins, darüber eine dünne, ungefütterte Outdoorhose und als letzte Schicht gegen kalten Wind und zuviel Wärmeverlust meine Regenhose. Letztere zog ich nun mitten auf der Straße aus. Außerdem nahm ich meine Mütze ab, etwas später auch noch das Stirnband. Und ich öffnete meine Jacke.

Plötzlich hatten wir die Sprungschanzen direkt vor uns. Wow! Das sah schon beeindruckend aus. Ich wäre auch gerne rauf gegangen, denn der Blick von einer Sprungschanze ist wirklich atemberaubend. Keine 10 Pferde könnten mich aber jemals dazu bringen, mich in selbstmörderischem Tempo auf Skiern so ein Teil runter zu stürzen. Never ever! Aber gucken geht, gucken ist ok. Auch hier war aber an diesem Tag das Problem, dass man etwas sehen können muss, um gucken zu können. Und der Blick ins Tal war … nunja.

Wir beschlossen daher, darauf zu verzichten, bis zum Olympiapark und den Schanzen raufzulaufen und stattdessen runter zum See zu gehen. Denn gerne wollten wir die Brücke aus der Serie Lilyhammer auch noch „in Echt“ sehen. Wir suchten uns auf der Karte einen geeigneten Weg zur Brücke. Dieser Weg führte uns u.a. an einer Unterführung vorbei, die total cool gestaltet war.

Eigentlich hätten wir gar nicht da durch gehen müssen, aber ich wollte mir alles anschauen. Der Weg, der uns zurück ins Tal führte, war etwas beschaulicher.

Am Ende des Weges fanden wir uns am Krankenhaus wieder.

Die Norweger machen übrigens ziemlich klare Ansagen. ;)

Wir liefen durch einen Park, aus dem laute Sägegeräusche zu hören waren. Wir gingen der Sache auf den Grund und fanden ein paar Leute, die handliche Stücke aus großen Eisblöcken sägten.


Aus irgendeinem Grund bauten sie aus den Eisblöcken eine Mauer auf. Vermutlich für irgendein Event. Leider konnten wir nicht herausfinden, wofür das sein sollte.


Kirche und Friedhof hatten einen geräumigen Platz mitten im Ort, wie sich das gehört. Von hier aus sahen wir dann auch endlich die Brücke, zu der wir unterwegs waren.

Auf dem Weg dorthin kamen wir an dem Haus eines Wahnsinnigen vorbei. Anders lässt sich jedenfalls nicht erklären, dass man eine Kabeltrommel in den Schnee stellt. ;) Und ja, die funktioniert, der Strauch daneben ist mit einer Lichterkette bestückt.

Nachdem wir noch einmal ziemlich steil bergab gegangen waren, kamen wir endlich an der Brücke an. Übrigens waren wir hier ständig sturzgefährdet, vor allem der Lebensabschnittsgefährte ist einige Male weggerutscht. Pinguin-Gang und Händchen halten war hier angesagt. ;)

Die Brücke sah irgendwie nicht so aus wie die Einstellung in der Serie, die ich im Kopf hatte. Da gibt es eine Szene, in der die mit einem geliehenen Ferrari wie die irren über die Vingnes-Brücke heizen. Die Szene geht nicht gut aus, weil mitten auf der Brücke ein Elch steht. Weder Elch noch Ferrari überleben die Aktion. Und auch für die drei, die im Auto sitzen, wird es etwas knapp, da der Besitzer des Ferraris einem Milieu angehört, das eher weniger dafür bekannt ist, die Zerstörung seines Eigentums mit einem Achselzucken hinzunehmen. ;) Aber es war diese Brücke, da waren wir ganz sicher. Wir beschlossen, die Brücke zu überqueren, um uns Lillehammer von der anderen Seite anzuschauen.

In der Mitte des Sees gab es sogar noch einen schmalen Streifen, der nicht zugefroren war. Ansonsten war es überall eisig, verschneit und trüb. Viel sah man von Lillehammer auch nicht. Allerdings störte uns das Wetter nicht weiter. Der Gehweg war sehr eng, an zwei Stellen auf der Brücke standen außerdem Kerzen und Blumen. Offensichtlich sind hier in nicht allzu weit zurückliegender Vergangenheit Menschen auf der Brücke gestorben. Wir nahmen uns fest vor, dies heute nicht zu tun. Wobei mein Vertrauen in die unter Eis und Schnee liegenden Holzbohlen, die den Fußgängerweg darstellten, eher gering war. So lange kein Auto zu sehen war, lief ich lieber auf der Straße. Die Autofahrer hier sind überwiegend ausgesprochen rücksichtsvoll, sowohl anderen Autos als auch Fußgängern gegenüber. Viele fuhren – sofern kein Gegenverkehr kam – in einem großen Bogen um uns herum. Auch drängelt hier niemand, wenn es ihm nicht schnell genug geht. Hupen hört man hier auch so gut wie nie. Die Norweger sind recht entspannte Autofahrer.

Ok, die Idee, Lillehammer von der anderen Seite zu knipsen, war bei der Wetterlage nicht gerade unsere beste.

Dafür hatten wir endlich die richtige Einstellung gefunden, von der aus die Brücke so aussieht, wie es in meinem Kopf abgespeichert ist!

Ob das der Yachthafen von Vingnes ist? Ich weiß es nicht. Der Anleger sieht schon sehr danach aus.

In Vingnes, wie der Ort oder Stadtteil auf der anderen Seite heißt, angekommen, wollten wir eigentlich zur zweiten Brücke, die über den Møsja führt gehen, und auf dieser nach Lillehammer zurückkehren. Aber leider war die anderen Brücke eine reine Autostraße und für Fußgänger und Radfahrer gesperrt. Also liefen wir zurück zur Vingnes-Brücke. Auf dem Weg dorthin kamen wir an einem Supermarkt vorbei. Hier wärmten wir uns kurz auf, suchten das stille Örtchen auf und kauften uns Käse, Brötchen und Mandarinen für unser Mittagessen, das wir in unserem Hotelzimmer zu uns nehmen wollten, bevor wir uns auf den Weg zu unserem Nachmittagstrip machten. Auf dem Rückweg klarte der Himmel ein ganz klein wenig auf, so dass man immerhin die Sprungschanzen in der trüben Suppe erahnen konnte.

Im Hotel holte ich mir einen Kaffee, dann gingen wir auf unser Zimmer, legten uns aufs Bett und aßen unser bescheidenes Mittagessen. Anschließend war noch eine halbe Stunde Zeit für Müßiggang, dann mussten wir uns schon wieder auf den Weg zur Busstation machen.

Das krasseste Event unseres Kurztrips stand uns bevor …