Mit der Nordlandsbahn von Trondheim nach Bodø

Am Bahnhof holten wir zunächst unsere Taschen aus dem Schließfach wieder ab. Die Schließfächer waren unter den Gleisen angelegt und ich war total überrascht, wie hell und sauber es überall im Bahnhof ist, kein Vergleich zu Deutschen Bahnhöfen!

Klopapier und Papierhandtücher standen hier einfach so herum. In Deutschland wäre das undenkbar. Da wir keine Lust hatten, mit den anderen Menschen zusammen in der Halle zu warten, begaben wir uns zum Bahnsteig. Die Treppen und Aufzüge sind von Glaswänden und -türen umgeben und somit windgeschützt, da kann man es auch im Norwegischen Winter gut aushalten.

Auch hier, an der so ziemlich entlegendsten Bahnstrecke Europas, auf einer eingleisigen Strecke, auf der ganze vier Züge pro Tag fahren (zwei in jede Richtung; einer tagsüber, einer nachts), haben die Züge Verspätung, wenn Frau dark* unterwegs ist. Unser Zug kam etwa eine Stunde später als geplant an. Die Stimmung war mittlerweile etwas gedämpft. Wir waren müde, erschöpft und wollten nur noch ins Bett. Um dorthin zu gelangen, mussten wir uns im Speisewagen anmelden, wo wir einen Schlüssel für unser Schlafwagenabteil bekamen.


Das Abteil war nicht besonders groß aber zweckmäßig eingerichtet und wir hatten alles, was wir brauchten – inklusive Steckdosen, mit denen wir die Smartphones aufladen bzw. Wasser kochen konnten. Draußen war es stockdunkel, da war nicht viel mit Sightseeing. Außerdem waren wir ziemlich müde. Es gab noch einen Tee und ein Brot und dann kuschelten wir uns in unsere Betten, die recht gemütlich waren.

Abendbrot

Ich schlief oben und lag noch eine ganze Weile wach, denn ich war zu müde, um festzustellen, in welche Richtung wir nun fuhren. Und für mich war das in dem Moment nicht ganz unwichtig, denn ich wollte wissen, ob ich im Falle einer Vollbremsung Gefahr lief, aus meinem Bett zu fallen.

Gute_Nacht

Irgendwann bremste der Zug etwas stärker und ich war endlich im Bilde. Nachdem ich diese äußerst wichtige Frage endlich für mich beantworten konnte, schlief ich selig ein.

Guten_Morgen

Gegen sechs Uhr waren wir wieder wach. Die Landschaft draußen war unglaublich und atemberaubend schön.

Guten_Morgen_02

Ich konnte mich kaum sattsehen daran. Allerdings musste ich mich erst einmal sattessen, Frühstück war angesagt.

Kurz nach dem Frühstück war es soweit: Etwa 20 Minuten nach sieben Uhr überquerten wir den Polarkreis!

Polarkreis

Ich muss gestehen, dass dieses Photo ein paar Minuten später entstand, denn exakt zur Polarkreisüberquerung sah es draußen so aus:

Polarkreisueberquerung

Das macht sich aber nicht ganz so schön im Photoalbum. Angesichts der Tatsache, dass der Zug nie schneller als 60 km/h fährt, ist man nach fünf Minuten aber noch nah genug am Polarkreis, um das obere Bild gelten zu lassen, denke ich. Das Wetter wechselte teilweise innerhalb von wenigen Minuten von „strahlend schönem Sonnenschein“ zu „total diesig, man sieht die Hand vor Augen nicht“ und wieder zurück.

E6

Auf dem Bild oben deutlich zu erkennen als schwarzer Strich zwischen weißem Schnee und weißem Himmel: Neben der Bahntrasse verläuft die E6, die 3140 km von Trelleborg in Südschweden bis nach Kirkenes in Nordnorwegen führt, eine Route, die ich sehr gerne einmal fahren würde.

Aber jetzt war ich erst einmal hier, in einem Zug mitten in Norwegen. Und ich bekam nicht genug von der Landschaft, die an uns vorbei glitt. Ständig wechselte das Bild, das sich einem beim Blick aus dem Fenster bot. Es war einfach unglaublich!

Um 09:15 Uhr kamen wir in Bodø an. Wir nahmen Abschied von unserem Zug und ich hoffe, dass dies nicht meine letzte Zugfahrt in Norwegen war.

Bahnhof_Bodo

Unser Plan sah vor, dass wir hier auch wieder unsere Taschen in einem Schließfach deponieren, bevor wir die Stadt erkunden. Gesagt, getan. Diesmal ließ sich das Schließfach auch mit Bargeld bezahlen. Dann gingen wir die Stadt erkunden.