Ein Tag in Trondheim

Ich hatte bestens geschlafen während meiner ersten Nacht in Norwegen trotz fremden Bettes und ungewohnten Geräuschen, aber hey, ich war in Norwegen! Und ich brauchte Kaffee. Ich war echt froh, unseren kleinen Reisewasserkocher und löslichen Kaffee dabei zu haben. An unserer Zimmertür hing auch schon das kleine Frühstück, das im Zimmerpreis inbegriffen war.

Wir machten uns ziemlich zeitig auf den Weg, die Stadt bei Tageslicht zu erkunden. Dick angezogen, es war schließlich kalter Winter, liefen wir zunächst in der Innenstadt herum, bewunderten die typisch norwegischen Holzhäuser, weitläufigen Straßen und engen Gassen.

Eines unserer ersten Ziele waren die Speicherhäuser am Nidelv, die heute einer anderweitigen Nutzung zugeführt sind. Teilweise sind sie bewohnt, in anderen sind Ateliers, Geschäfte, Restaurants usw. Allerdings war das Licht ungünstig, um die tollen Farben abzulichten.



Unser nächstes Ziel war die Festung Kristiansten, die im 17. Jahrhundert erbaut wurde, um Trondheim vor den Schweden zu verteidigen. Wie sich das für eine Festung gehört, steht sie natürlich oben auf einem Hügel.

Die tiefstehende Sonne hier in Mittelnorwegen fällt einem Mitteleuropäer doch auf. Man hat die ganze Zeit das Gefühl, man müsste gleich nach Hause gehen, Abendbrot essen und dann zu Bett. ;)

Das letzte Stück des Weges war ein wenig vereist. Ungefähr einen Meter vor dem Ziel hätte sich der Lebensabschnittsgefährte beinahe auf seinen Allerwertesten gesetzt, konnte den Sturz aber so gerade eben noch abfangen.

Wir waren endlich da. Und der Blick von hier oben auf die Stadt, auf den Nidarosdom und auf den Trondheimfjord war unbeschreiblich schön.

Wie sich das für eine Festung gehört, stehen hier jede Menge Kanonen herum.

Ich konnte der Einladung nicht widerstehen. ;)

Allerdings bekommt man auf dem frostigen Eisenteil einen ziemlich kalten Hintern, weswegen ich da nicht allzu lange sitzen blieb. Wir liefen noch eine Weile auf dem Gelände herum. Es war einfach zu herrlich hier. Außerdem standen noch mehr Kanonen herum, die äußerst fotogen sind.


Dann fanden wir eine Passantin, die wir um ein Foto bitten konnten. Die Norweger sind ein ausgesprochen freundliches und aufgeschlossenes Volk. Und zu unserem großen Glück sprechen sie (fast) alle Englisch.

Mittlerweile waren wir doch etwas durchgefroren. Zur Festung gehört ein kleines Lokal, in das wir einkehrten. Das Teil war total gemütlich und urig eingerichtet. Wir wärmten uns mit einer heißen Schokolade auf.

Wir verließen die Festung durch einen anderen Eingang als den, durch den wir gekommen waren. Besonders groß waren die Menschen im 17. Jahrhundert bekanntlich nicht.

Dann nahmen wir endgültig Abschied.

Während wir den Berg wieder runter gingen, fanden wir nur zufällig ein öffentliches Verkehrsmittel, von dem wir im Vorfeld schon ein Video gesehen hatten: Der Fahrradlift. Er befindet sich an einer ziemlich steilen Straße und Radfahrer können sich damit den Berg rauf fahren lassen. Im Winter ist das Teil allerdings außer Betrieb.

Die Bergstation, ab hier muss der Radler wieder selbst strampeln.

Die Straße ist wirklich steil.

Die Talstation, ab hier geht’s los. Wie das Teil funktioniert, sieht man im folgenden YouTube-Video:

Wir liefen weiter Richtung Innenstadt. Auf dem Weg dorthin kamen wir auch zur Gamle Bybrua, der alten Stadtbrücke aus dem 17. Jahrhundert vorbei. Allerdings wurde diese gerade saniert, weswegen ich mir das Photographieren weitgehendst verkniffen habe. Stattdessen gelang mir ein tolles Photo vom Dom und dem Fluss.


Wir hatten im Vorfeld bereits einen Leihwagen gebucht, um die nähere Umgebung von Trondheim zu erkunden, und der Zeitpunkt der Anmietung war gekommen.

In der Mietstation, die in der Nähe der Speicherhäuser ist, waren wir ein wenig verwundert. Das Auto sah so ganz anders aus als die Hochglanzkarossen, die man in Deutschland bekommt. Der Wagen war übersät mit kleinen Kratzern und Macken. Das störte uns zwar nicht sonderlich, aber da wir neulich erst eine sehr schlechte und teure Erfahrung mit einem Kratzer in einer Felge gemacht haben, gingen wir noch einmal hinein und erkundigten uns, ob das seine Richtigkeit habe.

Der Mitarbeiter, der heraus kam, um das Auto mit uns zusammen zu inspizieren, guckte uns an, als hätte wir nicht mehr alle Tassen im Schrank. Er meinte, das seien doch ganz normale Gebrauchsspuren. Problematisch wäre es erst, wenn ein Kratzer so tief ist, dass eine Roststelle entstehen könne. Wir erklärten ihm, dass es in Deutschland so ganz anders liefe und berichteten kurz von unserer Erfahrung. Er schüttelte den Kopf (über die deutsche Autovermietung) und beruhigte uns, dass alles völlig in Ordnung sei und wir uns keine Sorgen machen müssten.

Endlich fuhren wir los. Zuerst fuhren wir zum Tyholttårnet, dem Trondheimer Fernsehturm. Die Fahrt dort hinauf war sehr abenteuerlich. Die norwegischen Straßen im Winter sind etwas gewöhnungsbedürftig und unberechenbar, denn überall ist Eis auf der Fahrbahn. Die meisten Norweger haben daher Reifen mit Spikes, aber unser Leihwagen hatte nur Winterreifen und der Lebensabschnittsgefährte, der bekanntlich der südhessischen Tiefebene entstammt, eher wenig Erfahrung im Fahren auf Schnee und Eis. Aber wir ließen uns Zeit und alles ging gut, auch wenn uns zumindest an dem einen oder anderen der ziemlich steilen Hügel etwas mulmig zu Mute war und wir bisweilen ungewollt durch die Gegend schlitterten. Aber in der Ruhe liegt bekanntlich die Kraft. Und wenn der Herr Lebensabschnittsgefährte mir eines voraus hat, dann das. ;)

In diesem ist ein Dreh-Restaurant der norwegischen Restaurant-Kette Egon, in dem wir zu Mittag essen wollten. Das Wetter war phantastisch und die Aussicht war grandios!

Entgegen der landläufigen Meinung ernährt sich der Norweger nicht pausenlos von Rentieren und Elchen. Nicht einmal Fisch steht ständig auf dem Speiseplan, jedenfalls nicht bei den Städtern. In den Dörfern entlang der Küste ist dies sicherlich anders. Des Norwegers liebstes Essen sind Pizza, Hot Dogs und Burger. So ist es wenig verwunderlich, dass es an jeder Ecke Lokale gibt, die eben diese Köstlichkeiten kredenzen. Das kommt mir als kulinarischem Banause natürlich zu Gute. Ich esse ja noch lange nicht alles und schon gar nichts, das ich nicht kenne. ;)


Super lecker! Und das bei der grandiosen Aussicht, an der ich mich kaum sattsehen konnte. Und erst diese typisch norwegischen Holzhäuser! Die sehen so putzig aus. Von hier oben hatte man teilweise das Gefühl, auf eine Modelllandschaft zu schauen (Knipst by Lebensabschnittsgefährte).

Ich trank noch einen Kaffee. In diesen tut man hier übrigens Fløte, das norwegische Wort für Sahne.

Sehr krass ist von hier oben auch die tiefstehende Sonne zu sehen. Es war gerade mal zwanzig Minuten vor Zwei Uhr.

Und mitten in der Winterlandschaft findet sich sogar ein Fleckchen Grün.

Wir fuhren zurück in die Stadt. Also wir rutschten halt die Hügel wieder mehr oder weniger kontrolliert hinunter. Aber glücklicherweise ging auch diesmal alles gut und wir stellten unsere Karosse im Parkhaus des Trondheim Torg ab.

Für norwegische Verhältnisse ist das übrigens tatsächlich eine Hochglanzkarosse. Die meisten Autos hier sind mit ihrer Winterpatina dreckig wie sau. Lackfarbe, Nummernschild und ähnlichen Luxus kann man nicht erkennen. Unser Auto blitzte regelrecht aus diesem Einheitsschmutziggrau heraus.

In der Tiefgarage der Einkaufszentrums, in der die Plätze „ledig“ sind, gibt es auch Abstellplätze für Fahrräder. Und es wird allerlei Zeugs gelagert. Einfach so. Ohne abschließen. Ohne Zaun. Wahnsinn! Ich liebe Norwegen!

Wir gingen außen am Trondheim Torg, in dessen Tiefgarage wir unser Auto parkten, vorbei. Unser Ziel war nicht weit, es war der Nidarosdom. Bekanntlich habe ich einen Faible für gotische Kathedralen und diese hier ist besonders hübsch. Früher wurden hier die norwegischen Könige gekrönt. Seit 1906 werden sie allerdings nicht mehr gekrönt, sondern gesegnet. Auch das findet meines Wissens im Nidarosdom statt.

Das Bauwerk ist wirklich sehr beeindruckend! Leider hatten wir wenig Lust hinein zu gehen und die Öffnungszeiten im Winter sind auch nur eher spärlich.

Wir umrundeten das Bauwerk. Neben dem Dom ist ein kleiner Friedhof mit uralten Gräbern. Ich habe leider vergessen, aus welcher Zeit sie sind.

Vorsichtshalber werden sie videoüberwacht. Man weiß ja nie. Offensichtlich ist auch schon einer entkommen. ;)

Bevor wir zurück zum Einkaufszentrum laufen, gibt es hier noch ein dark*-Suchbild. Wie man sieht, ist der Dom nicht gerade klein.

Dann gingen wir zurück Richtung Einkaufszentrum. Unser Weg führte uns über die Munkegata am Rathaus vorbei.

Vor dem Einkaufszentrum stand eine Hundebox. Hier kann man seinen Hund für die Dauer des Einkaufs einsperren. So kann ihn niemand klauen oder ihm etwas zu fressen geben. Außerdem ist er geschützt vor Wind und Regen. Vielleicht ist das nicht das Richtige für jeden Hund, aber es ist immerhin ein gutes Angebot für Leute, die ihren Hund unbedingt mitnehmen müssen.

Wo wir schon beim Thema Tiere sind: Einen Zooladen haben wir hier auch entdeckt. Allerdings hatten wir keine Lust hinein zu gehen. Wir wollten schnell nach Hause. Wenn man den ganzen Tag in der Kälte unterwegs ist und noch dazu von unglaublich vielen neuen Einflüssen bombardiert wird, ist man doch ziemlich schnell müde. Man kennt das ja von kleinen Kindern. ;)

Vorher besorgten wir uns aber noch etwas Wichtiges: Brot und Nutella. Letzteres war exorbitant teuer, in einem deutschen Supermarkt würde ich niemals soviel Geld für das Zeug ausgeben. Aber wir mussten ja mal probieren und vergleichen, was wir auch direkt im Anschluss bei einer Tasse Tee in unserem Hotelzimmer taten.

Für den Abend hatten wir uns auch noch eine Tüte norwegische Chips mitgenommen. Auch die mussten schließlich probiert werden.

Die erste Enttäuschung beim Öffnen: Nur halbvoll. Schlimmer als in Deutschland. Aber geschmacklich waren die echt super.

An diesem Abend gingen wir ziemlich früh ins Bett. Wir schauten noch ein wenig norwegisches Fernsehen, wo wir natürlich kaum ein Wort verstanden. Irgendwo lief ein Film oder eine Serie im englischen Original mit Untertiteln. Außerdem guckten wir uns die Photos vom Tag an, quatschten noch ein wenig, dann schlossen wir die Augen und ließen unsere Gehirne die Eindrücke des Tages sortieren.