Durch Dänemark zurück nach Hause

Wir mussten morgens früh aufstehen. Die Fähre fuhr um 8 Uhr ab, eine Stunde vorher war Check-in. Die Frühstückszeit im Hotel begann um 06:30 Uhr. Wir stellten den Wecker auf 05:30 Uhr, damit wir rechtzeitig fertig waren. Der Herr Lebensabschnittsgefährte bemühte die Senseo und machte mir erstmal Kaffee.

Nachdem ich den getrunken hatte, quälte ich mich aus dem Bett, während er duschen war, und begann damit, unsere Sachen zu packen. Dabei musste ich einen Rucksack mit Krempel, den wir auf dem Schiff benötigen könnten, fertig machen. Die restlichen Taschen sollten im Auto bleiben und da kommt man während der Fährüberfahrt nicht dran. Pünktlich um halb Sieben waren wir im Frühstücksraum, der im Egon war, das zum Hotel gehörte. So waren wir wenigstens doch noch einmal bei Egon während dieses Norwegen-Trips. Es tat uns am Abend zuvor nämlich ein wenig leid, dass wir zu müde und zu satt waren, um noch essen zu gehen.

Viel Zeit, das tolle Buffet zu genießen, hatten wir nicht. Um kurz vor Sieben gingen wir zurück aufs Zimmer, schnell Zähne putzen, unser Zeug schnappen und dann los.

Es hatte über Nacht gefroren. Wir mussten die Scheiben des Qashqai freikratzen. Und auf den Straßen war stellenweise Glatteis. Ohne nachzudenken, betätigte der Lebensabschnittsgefährte die Wischanlage für die Scheiben, um gleich darauf festzustellen, dass das kontraproduktiv war. Gleichzeitig beschlugen die Scheiben von innen. Im Blindflug fuhren wir zum Fährterminal, das nur wenige Hundert Meter entfernt war. Dort mussten wir uns in die Schlange der Wartenden einreihen. Der Check-in ging schnell. Dann wurde wir in Reihen aufgestellt. Um 07:30 Uhr ging das Boarding los. Ich hatte zu diesem Zeitpunkt ja schon Zweifel, ob denn alle Fahrzeuge so schnell auf der Fähre wären, aber das klappte tatsächlich. Gute Organisation ist alles!

Die Fähre war hübsch, es gab verschiedene Bars, den obligatorischen Duty-free-Shop, reservierte Plätze mit Bildschirmen, auf denen Filme liefen, und ganz viele Plätze, wo sich jeder frei hinsetzen konnte. Wir liefen auf dem Schiff rum und gingen auch auf das vereiste Deck.

Wir knipsten Kristiansand und das Ablegen. Und bei der Ausfahrt aus dem Hafen tauchten auch die ersten Vorboten der aufgehenden Sonne auf.

Schon bald war es Zeit, sich von Norwegen zu verabschieden …

Wir gingen zunächst hinein, um uns aufzuwärmen. Wir verschickten endlich Postkarten, denn während unserer Tour begegneten uns nirgendwo Ansichtskarten, wir kauften Souvenirs, dann gingen wir noch einmal an Deck, um den Sonnenaufgang zu photographieren.

Dann setzten wir uns mit einem Kaffee und einer heißen Schokolade in der Bluefins Lounge ans Fenster und ich nutzte die Zeit zum Bloggen.

Zwischendurch musste ich doch noch einmal die Wolkenformationen knipsen.

Die dreistündige Überfahrt ging ziemlich schnell vorbei. Da wir auf der dem Meer zugewandten Seite saßen, hatten wir allerdings gar nicht so schnell mitbekommen, dass schon Land in Sicht war. Als wir unsere Jacken angezogen und sämtlichen Krempel wieder im Rucksack verstaut hatten und an Deck gingen, fuhren wir auch schon durch die Hafeneinfahrt von Hirtshals.

Wir gingen zu unserem Auto und warteten darauf, vom Schiff fahren zu können. Bei der Gelegenheit machte ich dann auch endlich mal ein Photo vom Schiff. Nur leider, wenn man mit dem Auto auf das Schiff bzw. vom Schiff runter fährt, hat man nicht die besten Photo-Perspektiven.

Das Wetter änderte sich im Minutentakt. Eben noch schien die Sonne, kurz darauf hagelte es.

Dann wieder Sonne mit Regenbogen, Regen (ohne Bogen), Sonne und so ging das die ganze Zeit. Auf Knipsen hatte ich jedoch wenig Lust und vor uns lag ja auch noch eine weite Strecke. Etwas über 1000 km beträgt der Weg von Hirtshals nach Darmstadt. Deswegen waren wir auch an diesem Morgen schon zurückgefahren, da wir nicht sicher waren, ob wir diese Strecke an einem Tag schaffen würden. Es war der Freitag vor dem Silvester-Wochenende und wir rechneten mit einigem Verkehr. Und das Wetter ist im Dezember bisweilen ja auch etwas unberechenbar. Daher sah unsere ursprüngliche Planung eine Übernachtung irgendwo entlang der Strecke vor.

Die Dänen sind übrigens ziemlich irre auf den Straßen unterwegs. In Dänemark ist es teurer als in Deutschland, die erlaubte Geschwindigkeit zu überschreiten. Vermutlich ist es fast überall teurer als in Deutschland, erfahrungsgemäß wird sich in anderen Ländern aber auch eher an Geschwindigkeitsbegrenzungen gehalten als bei uns. Und ich glaube nicht, dass das nur an den Preisen liegt. Wie dem auch sei, die Dänen rasen also nicht sonderlich, eigentlich gar nicht. Aber sie hängen einem im Kofferraum. Ständig. Der Durchschnitts-Däne hält keinen Sicherheitsabstand. Und wenn man auf den rechten Fahrstreifen wechselt, damit der „Drängler“ überholen kann, erlebt man immer wieder das gleich: Entweder fährt der Hintermann mit einer um maximal 2 km/h höheren Geschwindigkeit seelenruhig an einem vorbei, oder er wechselt ebenfalls auf den rechten Fahrstreifen und bleibt wie von seinem Seil gezogen mit minimalem Abstand hinter einem. Die spinnen, die Dänen. ;)

Die Dänische Landschaft ist mit diesem einen Photo ganz gut repräsentiert. Besonders abwechslungsreich war es da oben zwischen Nord- und Ostsee nämlich nicht.

Da wir keine Dänischen Kronen dabei hatten, versuchten wir möglichst ohne Geld auszugeben durchs Land zu kommen. An der ersten Raststätte war die Toilette auch tatsächlich kostenlos. An der zweiten dann nicht mehr, hierfür wollte der Lebensabschnittsgefährte aber nicht die Kreditkarte zücken. Verständlich, wenn man weiß, dass für den Auslandseinsatz nochmal mindestens 1,50 € Gebühr fällig werden. Das würde die Kosten für das Event in exorbitante Höhen katapultieren.

Wir versuchten es auf einem Parkplatz mit WC. Blöd nur, dass dieses gerade umgebaut wurde. Stattdessen gab es einen Toilettenwagen.

Die Sache hatte nur einen Haken: Der Toilettenwagen machte Urlaub.

Na gut. Dann fuhren wir eben bis Deutschland durch. Auch der Inhalt unseres Tanks sollte so gerade eben bis nach Deutschland reichen.

Freie Fahrt für freie Bürger!

Das hielt aber nicht besonders lange an, denn kurz danach kam die Abfahrt nach Handewitt, wo wir unser Auto volltankten und die Toilette aufsuchten.

Auf dem Weg nach Hamburg passierten wir den Nord-Ostsee-Kanal. Diesen würde ich gerne einmal mit dem Fahrrad entlang radeln.

Wir ließen Hamburg und auch den Elbtunnel hinter uns. Zwischenzeitlich hatten wir uns darauf geeinigt, etwa alle zwei Stunden die Plätze zu wechseln und uns mit dem Fahren abzuwechseln und so zu versuchen, bis zuhause durchzufahren. Wir hatten keine Lust auf eine weitere Übernachtung. In Hildesheim machten wir auch auf der Rückfahrt einen Zwischenstopp und besorgten uns Brezn zum Abendessen.

Langsam wurde es dunkel und das Fahren wurde etwas anstrengender. Die befürchteten Lastkraftwagen blieben im Großen und Ganzen aber aus, ihre Zahl war überschaubar. Und wenn, dann traten sie meist in Rudeln auf, so wie diese drei hier, die die komplette Autobahn für sich reklamierten.

Wenn man so lange unterwegs ist, bekommt man irgendwann das Gefühl, überhaupt nicht mehr anzukommen. Das Navi verstärkt dieses Gefühl noch, in dem es ständig die Ankunftszeit aufgrund von Wetterbedingungen, Verkehr auf den Straßen, Pausen etc. nach hinten korrigiert. Zwischendurch fing es auch noch an zu schneien in nicht unerheblichem Ausmaß.

Irgendwann stellten wir fest, dass zwischen der Reichweite, die das Auto mit dem vorhandenen Benzin errechnet hatte, und der Anzahl der laut Navi noch zu fahrenden Kilometer eine Lücke von etwa 12 Kilometern klaffte. Das war ungünstig und machte einen weiteren Tankstopp nötig.

Wir waren an der verschneitesten und mit 1,629 €/l gleichzeit teuersten Tankstelle des gesamten Trips gelandet. Entgegen unserer üblichen Gewohnheit tankten wir bei diesem Wucherpreis nicht voll, sondern nur etwas mehr als wir noch benötigen würden.

Um 23:28 Uhr waren wir endlich in Darmstadt angekommen. Wo wir eine leicht verdatterte Katze vorfanden, die sich über unser Auftauchen mitten in der Nacht ein wenig wunderte – und natürlich freute.

Wir waren in vier Tagen 2.455,2 Kilometer mit dem Auto sowie weitere rund 580 km mit Fähren gefahren. Und jeder einzelne hat sich gelohnt!