Spontanidee beim Frühstück: Auf nach Kiel!

Frau dark* und der Herr Lebensabschnittsgefährte sitzen am 2. Weihnachtsfeiertag seufzend beim Frühstück: „Norwegen …“ Frau dark* tippt auf ihrem Smartphone herum, der Lebensabschnittsgefährte räumt den Tisch ab und sucht seine Klamotten zum Duschen heraus. „Guck mal, wir könnten nach Kiel fahren, von dort mit der Fähre nach Göteborg und dann an der Küste entlang zum Oslofjord hinauf und uns auf der anderen Seite noch ein wenig in Südnorwegen umschauen. Von Kristiansand aus geht eine Fähre zurück nach Hirtshals.“ Der Lebensabschnittsgefährte geht duschen. „Koffer schon gepackt?“, fragt er, als er anschließend aus dem Bad kommt. „Nein. Soll ich?“ Der Lebensabschnittsgefährte grinst breit: „Ja!“

Wir packten ziemlich hektisch, was die Katze ein wenig aus der Fassung brachte. Ungläubig und nervös beobachtete er unser Tun. Der Lebensabschnittsgefährte füllte die Futterautomaten, ich schmiss Klamotten in einen Koffer, der Lebensabschnittsgefährte schloss die Bewegungsmelder an, damit die Katze nicht im Dunkeln essen muss, ich schmiss die ersten Bad-Artikel in den Koffer. Dann sprang ich unter die Dusche, wusch mich in Windeseile, föhnte die Haare, schmiss restlichen Kram in den Koffer und Lebensmittel sowie den nötigen Elektrokram in einen Rucksack, ich warf noch ein paar Leckerlis in die Katze, dann ging es los. Um 10 Uhr waren wir auf der Autobahn unterwegs gen Norden.

Dort goss es schon bald wie aus Eimern. In Frankfurt fanden wir erst einen Transporter mit eingelegtem Rückwärtsgang auf der Sperrfläche nach einer Ausfahrt, kurz darauf spazierten zwei Jugendliche auf der Autobahn herum. Da wurde es mir dann doch zu doof und ich rief die Polizei. Das Pärchen war dort bereits gemeldet worden, die Polizistin am Telephon fragte aber, bei welchem Kilometer wir die beiden gesehen hätten. Ich nannte ihr den Kilometer und sie bedankte sich mit den Worten: „Ok, die fangen wir da gleich ein!“

Auf der weiteren Fahrt wechselten sich Regen, Sonne mit Regenbögen, Regen und Sonne im Untergehen ab. Und zwei Bilder von Autobahnparkplätzen mit witzigen oder bemerkenswerten Namen habe ich auch endlich: Krachgarten (ist auch der Name eines Albums von Farin Urlaub; bisher waren die Lichtverhältnisse immer zu schlecht, um das Schild zu knipsen) und Bummelskampe.

In Hildesheim haben wir uns etwas zu Essen besorgt und das Auto vollgetankt. Um keine Zeit zu verlieren, sind wir nicht eingekehrt zum Essen, sondern haben uns etwas zum Mitnehmen geholt. Wir tauschten auch die Plätze. Bisher fuhr der Lebensabschnittsgefährte, jetzt fuhr ich weiter. Daher holte ich mir auch nur ein Käse-Croissant, der Lebensabschnittsgefährte gönnte sich ein Menü von McDonald’s. Zum Ausgleich bekam ich das zum Fahren angenehmere Wetter und die kilometerlangen Baustellen auf der A7.

Von Anschlussstelle 51, Berkhof, bis Anschlussstelle 49, Westenholz, fuhren wir eine Umleitung über Landstraßen, da die Autobahn aufgrund eines Verkehrsunfalls komplett gesperrt war. Für so etwas hatten wir bekanntlich keine Zeit. Aber wir waren nicht alleine, die Umleitung fuhren wir in Karawane. Verfahren war nahezu unmöglich.

Als ich uns gerade durch die Großbaustelle Elbtunnel manövrierte, buchte der Lebensabschnittsgefährte auf dem Smartphone unsere Fährüberfahrt nach Göteborg. Das wollte ich nicht morgens schon machen, falls wir es nicht rechtzeitig schaffen sollten. Unsere Autobahnfahrten Richtung Norden verliefen bisher nie ohne Zwischenfälle, dafür aber stets mit großen Verzögerungen. Anyway, wir verließen Hamburg mit einem gültigen Fährticket nach Göteborg!

Der Rest der Strecke war ohne nennenswerte Zwischenfälle. Zwar ist fast der ganze Abschnitt bis Kiel baustellenbedingt auf 80 km/h reduziert, was auf Dauer ein wenig ermüdend ist, aber dafür war nicht viel los und Zeit genug, den hübschen Sonnenuntergang, der hier oben merklich früher als bei uns stattfand, zu beobachten.

Um 17 Uhr waren wir in Kiel. Wir tankten unser Auto noch einmal voll – in Skandinavien ist Benzin extrem teuer – und fuhren auf die Fähre. Das heißt, erstmal standen wir in einer langen Schlange vor dem Check-in-Schalter. Fast 45 Minuten dauerte es, bis wir endlich auf das Schiff fuhren.


Wir überließen unser Auto sich selbst, bezogen unsere Kabine und legten noch ein wenig die Füße hoch.

Das Schiff kannten wir bereits von unserem letzten Göteborg-Trip im Dezember 2016, da gab es nicht mehr viel auszukundschaften. Aber das Ablegen wollten wir dennoch beobachten.

Dazu gingen wir an Deck. Das macht auf diesem Schiff nicht halb so viel Spaß wie auf den Schiffen der Color Line, aber dennoch wollten wir die Ausfahrt aus die Kieler Hafen mitbekommen. Zu einer Schiffsreise gehört das dazu. Als das Schiff gewendet hatte, drehten wir noch eine Runde durch die Decks mit Bars und Restaurants etc., besorgten uns im Shop Wasser, Bier, Schokolade und Chips, dann gingen wir in die Kabine.

Es gab ein spartanisches Abendessen, bestehend aus Brot mit Käse und Heiße Tasse Tomatensuppe, was wir jeweils von zuhause mitgebracht hatten, dann machten wir uns fertig fürs Bett, legten uns in die Etagenbetten und schauten auf einem norwegischen Fernsehsender noch eine Sendung über Eisbären auf Spitzbergen. Irgendwann zwischen halb Zehn und Zehn schliefen wir ein.