Norddeich: Seehunde, Watt und Sonne

Wir radelten vom Bahnhof zum Hotel. Ich war ganz ergriffen von der Vorstellung, tatsächlich mal bis Norddeich Mole gefahren zu sein, ich wollte erst einmal gar nichts und alles gleichzeitig. Vor allem wollte ich aber duschen, denn im Zug war es auf dem letzten Teil der Reise fürchterlich warm geworden. Außerdem wollten wir noch zur Seehundstation, die nur bis 17 Uhr geöffnet hat. Und hungrig waren wir obendrein.

Hotelzimmer

Innerhalb von fünf Minuten hatten wir das Hotelzimmer in ein Schlachtfeld verwandelt. Ungeachtet dessen sprang ich unter die Dusche und wusch mir den klebrigen Schweiß vom Körper. Die Dusche war stark renovierungsbedürftig, der Duschkopf ließ sich nicht fixieren, die Schiebetür der Duschkabine drohte aus der Halterung zu springen und an der Decke war Schimmel. Die Handtücher waren uralt und bretthart, außerdem nahmen sie kaum noch Wasser auf. Und die Türe zum winzigen Badezimmer war eine billige Kunststoff-Falttür, die nur unter Gewaltanwendung geschlossen blieb. Empfehlenswert war dieses Hotel nicht. Da wir aber nur eine Nacht blieben, hatte ich wenig Lust, mich über die Zustände zu beschweren, zudem eine Beschwerde auf die Schnelle auch keine Abhilfe geschaffen hätte.

Nachdem ich wieder sauber und frisch war, radelten wir zur Seehundstation, die unweit unseres Hotels gelegen war. Das ist allerdings auch nicht weiter schwierig, bei knapp 1800 Einwohnern ist alles in der Nähe. In der Seehundstation werden hilflose Seehundbabys aufgezogen, die ihre Mutter verloren haben, bis sie groß und stark genug zum Auswildern sind. Dieser Seehundkindergarten ist wirklich total putzig anzuschauen und freut sich über jede Unterstützung durch Eintrittsgelder und natürlich Spenden.

Seehund_streicheln

Einen der Seehunde kann man auch streicheln. Leider ist dieses Exemplar bereits ausgestopft. ;)

Utkiek

Lange hielten wir uns bei den putzigen Tieren aber nicht auf, denn wir waren halbtot vor Hunger und ziemlich fertig. Auf dem Deich fanden wir Utkiek, ein Gästehaus mit Restaurant und Café, von dem man einen tollen Ausblick auf das Wattenmeer, den Strand und den Hafen hat.

Zum Mittagessen gab es Schnitzel bzw. Currywurst, anschließend noch einen Cappuccino.

Mittagessen_06082015

Das Essen war einfach aber gut. Am Nebentisch gab es Eisbecher, die absolut genial aussahen. Aber bei mir passte nichts mehr rein und so verkniff ich mir das. Eigentlich wollte ich später noch eine Kugel Eis im Hörnchen holen, aber irgendwie geriet das dann in Vergessenheit.

Wir gingen runter ans Wasser und dann zur Mole, anschließend radelten wir ein wenig im Hafen herum.

Eigentlich waren wir ziemlich fertig und müde, wollten aber unbedingt noch den Sonnenuntergang am Meer sehen. Wir mussten uns noch ein wenig die Zeit vertreiben und außerdem noch eine Kleinigkeit fürs Abendessen besorgen. Wir radelten zum nächsten Supermarkt und anschließend zum Strand zurück.

Was_denn_nun

Weiter radeln oder nicht weiter radeln? Nicht nur der Schilder wegen entschieden wir uns für eine Spaziergang am Strand, wo wir auch unser Abendessen zu uns nahmen.

Während die Sonne langsam im Watt versank, wanderten wir bis zum östlichen Ende des Strandes.

Sonnenuntergang_04

Wir waren am Ende des Strandes angekommen. Dort ist der Hundestrand, wo die Vierbeiner frei laufen und schwimmen gehen dürfen. Die Sonne war mittlerweile auf der Wasseroberfläche angekommen. ;)

Sonnenuntergang_05

Den Rest des Sonnenuntergangs habe ich dann nicht mehr mitbekommen, da ich in Hundescheiße getreten war. Auch hier gibt es Leute, die meinen, sie müssten die Hinterlassenschaften ihres Hundes nicht wegmachen. Sehr ärgerlich. Jedenfalls war ich nun erst einmal damit beschäftigt, meinen Schuh wieder halbwegs sauber und vor allem geruchsfrei zu bekommen. Als ich damit fertig war, war die Sonne weg.

Sonnenuntergang_07

Auf dem Rückweg zu unseren Fahrrädern kamen wir wieder bei dem Sandauto vorbei, an dem während unseres Hinwegs noch zwei Jungs bastelten. Das Ergebnis ist wirklich toll geworden!

Abendspaziergang_03

Witzig finde ich ja die Boote, die dann auf dem Watt liegen und warten, bis das Wasser wiederkommt. :)

Schiff_im_Watt

Wir fuhren zum Hotel zurück, gingen noch einmal duschen und fielen todmüde ins Bett. Ich knipste noch unsere Tagesleistung, die heute eher sparsam ausfiel, und begab mich in Morpheus Arme, Tageseindrücke verarbeiten, um am nächsten Tag neue sammeln zu können.