Privat – Kann man sich sparen

Wir waren am Sonntag ohnehin zu einem Geburtstags-Brunch in Frankfurt eingeladen. Den Umstand nutzten wir, das Weihnachtsgeschenk einzulösen: Eintrittskarten für die Ausstellung Privat in der Schirn. Eigentlich hatte ich so gar keine Lust, weder auf das eine noch auf das andere, zumal ich Samstag gearbeitet hatte und Montag auch wieder arbeiten musste. Aber da sich ein Geburtstag nunmal nicht verschieben lässt, raffte ich mich auf.

Die Fahrt nach Frankfurt verlief ruhig und pünktlich. Und auch wenn ich am liebsten im Zug sitzen geblieben und nach Darmstadt zurück gefahren wäre, ließ ich mich überreden, durch die betriebsame Hektik der Großstadt – der Frankfurter Hauptbahnhof kennt keinen Sonntag – zur U-Bahn zu eilen. Und der Brunch war auch nicht schlecht. Vollgefressen machten wir uns am frühen Nachmittag auf den Weg in die Kunsthalle.

Schirn Kunsthalle

Schirn Kunsthalle

Da wir bereits Karten hatten, musst wir wenigstens nicht an der Kasse anstehen, die Schlange zur Garderobe war lang genug. Umso ärgerlicher, wenn man erst kurz vor dem Ziel feststellt, dass es auch Schließfächer gibt. Wir ergatterten eines, in dem wir unsere Jacken und überflüssiges Gepäck vorübergehend ihrem Schicksal überließen und begaben uns in die Ausstellung.

Allerdings hielt wir uns dort nicht allzu lange auf. Ich glaube, nach ca. 30 Minuten waren wir schon wieder raus. Ich weiß zwar nicht so genau, was ich erwartet habe, aber was ich nicht erwartet habe, war Pornographie.

Wir sehen fremden Menschen beim Sex zu. Wir sehen, wie sie rauchen, trinken, feiern, wie sie einander küssen, im Gebüsch befingern und ihre Notdurft verrichten. Wir sehen, wie sie Drogen konsumieren, wie sie in ihrem Bett liegen und den Anschein erwecken, als würden sie in absehbarer Zeit wohl nicht die Kraft aufbringen, dieses wieder zu verlassen.

Dies schreibt die FAZ in einem Artikel vom 1. November 2012. Ich ärgere mich, dass ich das nicht vorher gelesen habe, ich hätte die Ausstellung überhaupt nicht besucht. Aber wie das mit dem geschenkten Gaul halt so ist.

Die Aussage dieses fragwürdigen Spektakels ist ebenso absurd wie lächerlich. Man will Facebook und anderen Online-Plattformen der Selbstdarstellung verteufeln, indem man seine Inhalte großformatig präsentiert? Man klagt den Verlust der Privatsphäre an, indem man Intimitäten aus dem Netz in Ausstellungsräume zerrt und dort überlebensgroß zur Schau stellt? Das lässt sich einreihen in „Fighting for freedom is like fucking for virginity“.

Angeekelt suchte ich im letzten Raum den Ausgang. Ich wurde permanent mit Bildern konfrontiert, die ich im Internet bewusst (!) meide oder sofort wegklicke, wenn ich versehentlich doch einmal einen „falschen“ Link angeklickt habe. Mir wurde das alles zuviel. Der Ausgang war nicht zu finden. Man musste auch noch durch die gesamte Ausstellung wieder zurück, um sie verlassen zu können. Meine Laune war auf dem Nullpunkt. Zwar war im anderen Teil der Schrin noch eine weitere Ausstellung, die nicht uninteressant klang, aber mein Bedarf war für diesen Tag gedeckt. Ich wollte nach Hause.

Frankfurt

Frankfurt, Einfahrt in den Bahnhof

Der Anblick der Frankfurter Skyline, wenn man in den Bahnhof einfährt oder selbigen verlässt, ist immer wieder schön. Erst Recht natürlich bei strahlend blauem Himmel! Das tröstet dann doch über das eine oder andere hinweg.

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