Abgetaucht

Montag – strahlend schönes Wetter, blauer Himmel, gute Weitsicht, kurz: die idealen Bedingungen, um die See zu erkunden. Zuerst tauchten wir mit der Tauchgondel ab, um zu sehen, was unterhalb der Wasseroberfläche los war.

Tauchgondel

Tauchgondel

Ein wenig mulmig war mir ja bei dem Gedanken, denn eigentlich ist so eine Aktion nichts für jemanden, der sich nicht gerne in geschlossenen Räumen aufhält und wenig Vertrauen in die Technik hat. Aber so tief taucht das Ding nicht ab, der Druck wäre auszuhalten und zur Oberfläche zurück zu schwimmen, wäre zu schaffen.

Der Anblick des Wassers, das an der Scheibe entlang aufsteigt, ist schon atemberaubend. Schließlich sinkt man gerade freiwillig.

Das Wasser stand uns bis zum Hals. ;)

Das Wasser stand uns bis zum Hals. ;)

Und dann kommt der Moment, in dem man vom Himmel Abschied nehmen muss:

Werden wir die Sonne jemals wiedersehen?

Werden wir die Sonne jemals wiedersehen?

Allerdings sind die Sicherheitsmaßnahmen so umfangreich, dass man keine Angst haben muss. Es gibt einen Notausstieg nach oben in den Maschinenraum, der oberhalb der Wasseroberfläche bleibt. Mit ein bisschen Glück bekommt man im Falle eines Falles nicht einmal nasse Füße. Außerdem bräuchte der Kapitän nur die Bremse lösen, dann taucht das Ding eh wieder auf wie ’ne leere Cola-Flasche, die man unter Wasser zieht und loslässt.

Wir sind endlich unten angekommen. Zumindest behauptet das der Moderator der Veranstaltung. Den Beweis bleibt er allerdings schuldig, denn wenn man aus dem Fenster blickt, sieht es jetzt so aus:

Grün, grüner, Ostsee

Grün, grüner, Ostsee

Die Ostsee ist grün. Das ist total toll für die vielen Filtrierer, die in ihr leben, aber leider nicht ganz das, was sich der Sommertourist erhofft hat. Immerhin kommt eine Dreiergruppe winziger Fischbabys vorbei geschwommen. Ich war jedoch viel zu fasziniert, um die kleinen zu knipsen. In der grünen Suppe treibt jede Menge nicht erkennbares Irgendwas herum.

© Stephanie Schröder

© Stephanie Schröder

Allerdings kann man nicht behaupten, dass man unter Wasser nichts sehen könnte: Es wurde ein sehr informativer Film über das Leben in der Ostsee und die negativen Auswirkungen menschlicher Gedankenlosigkeit (Müll, Öl etc.) gezeigt. Danach tauchten wir wieder auf. Da die Tauchgondel Luft enthält, ist das weniger ein aktiver Vorgang. Der Kapitän muss lediglich die Bremsen lösen.

My Bubbles!

My Bubbles!

Damit wir nicht in die Sitze gepresst wurden, geschah dies langsam und bedächtig. Und wer hätte das gedacht, „oben“ war es tatsächlich noch hell und die Sonne strahlte vom Himmel.

Die Sonne ist noch da!

Die Sonne ist noch da!

Insgesamt war die Tauchgondelfahrt zwar nicht ganz so wie erhofft, aber dennoch ein aufregendes Erlebnis.

Anschließend wollten wir mit dem Schiff über Binz und Sassnitz bis zum Königsstuhl fahren. Die Sicht war super, man konnte sogar in der Ferne das Kap Arkona sehen! Allerdings hatten wir noch ziemlich viel Zeit bis zur Abfahrt des Schiffes, und da unsere Bargeldreserven langsam aber sicher erschöpft waren, gingen wir zur Kurverwaltung, um die Tickets dort zu kaufen (und mit Kreditkarte zu bezahlen).

Auf dem Weg dorthin hatte ich einen echt pfadfindermäßigen Gute-Tat-Einsatz. Auf einer Mauer am Wegesrand saß ein Mann mit einem kleinen Mädchen auf dem Schoß. Eine Frau mit Kinderwagen stand daneben und blickte betroffen auf das Mädchen, das bitterlich sich selbst und sein aufgeschlagenes Knie beweinte, während der Vater versuchte, Trost zu spenden. Hier kam ich ins Spiel. Mir war sofort klar, dass hier nur das ultimative Schmerzmittel für Kinder half. Ich ging auf die Familie zu, zückte meine kleine Dose mit ultimativen Schmerzmitteln für unterwegs und hielt sie dem Kind unter die Nase, so freundlich lächelnd wie ich nur konnte: „Brauchst du vielleicht ein Pflaster?“ Es herrschte schlagartig Ruhe! Das lag zwar in erster Linie wohl eher daran, dass sie plötzlich von einer fremden Person angesprochen wurde, und nicht an meinem Pflaster. Ein weiterer Grund für das Schweigen um mich herum könnte die Sprachbarriere gewesen sein. Die Familie sprach nämlich kein Deutsch, sondern irgendeine skandinavische Sprache. Aber nach dem der Schock über mein Auftauchen sich gelegt hatte, wurde das Pflaster dankend angenommen und auf das arme Knie gepappt. Das wirkt. Immer.

Zurück an der Seebrücke hatten wir immer noch ein wenig Zeit, die Seebrücke bei Sonnenschein zu photographieren,

die Aussicht zu genießen

und Möwen zu knipsen. Ich habe bestimmt 100 Möwen-Photos aus dem Urlaub mitgebracht, die ich aber – Keine Angst! – nicht alle hier einbauen werde

Ich aß noch mein Eis, da sah ich sie plötzlich. Sie saß auf dem hölzernen Geländer der Seebrücke und war weit weniger scheu als ihre Artgenossen:

Inge

Inge

Inge war hoch interessiert an meiner Eiswaffel. Und da ich Inge recht sympathisch fand, wollte ich ihr ein Stück abgeben. Allerdings habe ich einen mords Respekt vor Schnäbeln. Daher gab ich es ihr nicht, sondern warf es ihr zu. Inge fing das Stück Eiswaffel mühelos trotz Wind aus der Luft. Dann hatte sie allerdings ein Problem. Die Waffel passte nicht ganz in den Schnabel, sie musste zubeißen und das Unvermeidliche geschah: Teile der Waffel brachen rechts und links vom Schnabel ab und fielen auf den Boden.

So'n Mist!

So’n Mist!

Dort konnte Inge nicht hin, überall waren Menschen. Viel zu gefährlich, sich zwischen ihnen niederzulassen. Inge versuchte es mit Hynopse, aber die Macht war nicht mit ihr und so übte sie sich in Geduld und posierte für die Kamera

Dann näherte sich endlich unser Schiff! Wir verabschiedeten uns von Inge und gingen an Board.