Darmstadt – Göteborg

Dieses Mal war der Start unserer Reise etwas entspannter als sonst. Entgegen den üblichen Gepflogenheiten hatten wir einen Zug um 10:24 Uhr gebucht. Aufstehen, in Ruhe Kaffee trinken und frühstücken, das war selbst für die Katze neu. Um den Zeitpunkt der Abfahrt keinesfalls zu verpassen, wartete das Katertier den ganzen Morgen neben dem Koffer.

Smacks

Um kurz vor 10 Uhr machten wir uns auf den Weg. Am Bahnhof holten wir noch etwas zu trinken für den Lebensabschnittsgefährten und einen Kaffee für mich und dann kam auch schon unser Zug. Eine eher ungewöhnliche Strecke hatte ich gebucht, der IC hielt in jedem Dorf mit Bahnhof und benötigte demzufolge für die Strecke nach Hamburg fünf Stunden. Dafür kostet die Fahrt bis Kiel aber auch nur 28,50 € für zwei Personen. Günstiger geht es wirklich nicht.

Nach einer Stunde Fahrt waren wir erst in Friedberg, hatten aber bereits unseren gesamten Reiseproviant aufgefuttert. Bis zum Mittagessen war noch eine lange Strecke. Insbesondere, da dieser Zug kein Bordbistro hatte und wir unseren Plan, im Zug zu essen, begraben mussten. Wir vertrieben uns also die Zeit mit Spielen. Zwar hatten wir auch einige gemeinsam bzw. gegeneinander spielbare Spiele-Apps wie Catan, Carcassonne und Kingdom Builder auf den Smartphones installiert, aber da der alte IC-Waggon an den Plätzen keine Steckdosen bereithielt, beschränkten wir uns auf analoge Spiele.

Hamburg Hbf

In Hamburg kamen wir ziemlich pünktlich an und stärkten uns mit Burgern von Mäcces. Der Schweinske gegenüber wäre zwar auch nicht schlecht gewesen, aber wenn man nur 20 Minuten Zeit hat, ist Fastfood die besser Wahl.

Burger bei Mäcces

Von Hamburg aus ging es mit dem ICE weiter nach Kiel. Dort gab es nicht nur Strom, sondern auch WLAN, das den witzigen Namen WIFIonICE trägt.

WIFIonICE

Ein Bordbistro hatte er auch, aber das benötigten wir ja nun nicht mehr.

Stena-Line-Terminal in Kiel

In Kiel angekommen gingen wir direkt zum Stena-Line-Terminal am Schwedenkai.

Stena Scandinavica

Im Vorfeld wurde ziemlich viel Wind um die Einreisebestimmungen gemacht und mehrfach darauf hingewiesen, dass man unter gar keinen Umständen den Personalausweis vergessen darf, da man sonst nicht an Bord käme. Diese angekündigten Passkontrollen verliefen aber ziemlich lasch. Ich übergab meinen Ausweis samt Bordkarte. Mit der Bordkarte wurde der Zugang geöffnet, mein Ausweis wurde keines Blickes gewürdigt. Aber immerhin wurde unser Koffer geröntgt. Bei der Gelegenheit fiel mein kleiner Wasserkocher, den ich auf Reise stets dabei habe, unangenehm auf. Das Gerät piepste laut und die junge Frau am Bildschirm hatte Probleme, den Gegenstand zu identifizieren. Ein Kollege half ihr und ich bestätigte, dass es sich um einen Reisewasserkocher handelte.

Für einen Moment hatte ich Angst, dass das gute Stück in Kiel bleiben musste. Meinen Wasserkocher nahm ich immer zusammen mit ein paar Portionen löslichen Kaffees mit, um morgens wenigstens etwas Koffein zu haben, bevor ich auf die Menschheit losgelassen werde. Auch für einen Tee am Abend war es ganz angenehm, das Teil dabei zu haben. Umständlich an der Stelle nur, dass man für Tee und Kaffee getrennte Becher mitschleppen musste, weil der Kaffeegenuss nach dem Teegenuss eine grobe Misshandlung der Geschmacksnerven darstellte. Aber alles war gut und wir betraten das Schiff.

Wir bezogen unsere Kabine, sie war klein, sauber und zweckmäßig und für den Preis in Ordnung. Ich machte noch schnell zwei Photos, bevor wir unsere Klamotten ausbreiteten.

Füße hochlegen, Tee trinken und auf die Abfahrt warten. Das Ablegen beobachteten wir vom Sonnendeck aus.

Blick auf die Schornsteine und das Autodeck

Sonnendeck

Der Anblick ist einigermaßen spektakulär und von Land aus vermutlich noch viel spannender, da das Schiff im Kieler Hafen wenden muss. Anschließend fährt es an der Schiffswerft vorbei, in der die White Pearl gebaut wird.

White Pearl

Wenn sie in Dienst gestellt wird, wird sie allerdings den originellen Namen Sailing Yacht A tragen. Danach geht es auf die Kieler Förde und für uns wieder unter Deck. Oben auf dem Schiff ist es doch recht frisch und im Dunkeln auch eher unspannend. Die Kieler Förde kannten wir ja schon.

Kiel bei Nacht

Wir liefen noch ein wenig im Schiff herum, sahen uns die verschiedenen Bars und Restaurants an.

Wie auch auf dem Schiff nach Harwich haben die Trucker auf der Stena Scandinavica ihren eigenen Bereich, zu dem andere Reisende keinen Zutritt haben. In diesem Bereich haben sie auch eine eigene Raucher-Lounge. Eine weitere ist im allgemein zugänglichen Bereich. Ich finde die Dinger ja reichlich albern und würde mich lieber an die frische Luft an Deck stellen, wenn ich denn noch rauchen würde.

Als nächstes suchten wir den Shop auf, wo der Lebensabschnittsgefährte sich ein Bier holen wollte. Traditionell trinkt er auf unseren Reisen immer ein einheimisches Bier, soweit dieses verfügbar ist. Hier gab es allerdings nur deutsches und dänisches Bier sowie Cidre. Dann sollte es eben dieser sein.

Schild mit der Aufschrift Slut

Wenn man besser Englisch als Schwedisch kann, mutet dieses Schild etwas seltsam an. ;)

Wir pflanzten uns in der Kabine vor den Fernseher, nahmen unser Abendessen und anschließend den käuflich erworbenen Snack ein.

Und irgendwann war dann auch das Internet weg. WLAN gibt es nur in den öffentlich zugänglichen Bereichen, nicht aber in den Kabinen. Roaming auf hoher See für ein bisschen Facebook und Co. ist dann doch etwas übertrieben.

Ich war ziemlich müde und mir fielen ziemlich früh die Augen zu. Rechtzeitig schlafen gehen war nicht die schlechteste Idee, ein anstrengender Tag wartete auf uns …