Göteborg – Teil 1

Die Nacht war unruhig. Mir fehlte bei jedem Aufwachen die örtliche und zeitliche Orientierung. Auf den anderen Fähren, mit denen wir bisher gereist waren, konnte man auf dem Fernseher in der Kabine immer auf der Karte sehen, an welcher Position das Schiff sich gerade befand. Hier auf der Stena Scandinavica gab es so eine Karte leider nicht. Lediglich in der Cafeteria fanden wir am nächsten Tag eine Karte, die anzeigte, zu welcher Uhrzeit man sich an welcher Position befand.

Karte mit Streckenverlauf

In der Nacht hätte die mir aber auch nicht viel genützt, da unsere Handys nicht am Strom hingen und demzufolge auch keine Uhrzeit auf dem Display anzeigten. Da ich im oberen Bett schlief, wäre ich nicht an mein Smartphone drangekommen, ohne aus dem Bett zu klettern. Und dazu war ich wiederum zu müde. So lag ich mehrmals eine unbestimmte Zeit wach und grübelte darüber, wie spät es wohl sein könnte, wo wir jetzt waren und wieviel Zeit ich noch zum schlafen hatte. Ein wenig unschön, aber was soll’s.

Um halb Sieben klingelte dann der Wecker. Es gab Kaffee und Frühstück und eine Dusche, dann gingen wir erstmal an die frische Luft, Schweden begrüßen.

Erster Blick auf die schwedische Küste

Das war jetzt nicht so atemberaubend wie norwegische Fjorde und eher mäßig spannend, weswegen wir auch ziemlich bald wieder ins Schiff hinein gingen. Wir suchten uns in der Cafeteria einen Platz an der Panoramascheibe und es gab richtigen Kaffee für mich.

Eine Tasse Kaffee

Wir fuhren auf dem Göta älv in den Göteborger Hafen ein. Leider verpasste ich die Fahrt unter der Älvsborgsbron hindurch, weil ich nochmal in die Kabine musste.

Das sieht sicher auch sehr spektuakulär aus. Die Brücke hat eine Höhe von 45 Metern, unser Schiff ist 42 Meter hoch. Da ist nicht viel Spiel.

Direkt hinter der Brücke ist auch das Tysklandsterminal der Stena Line. Nachdem wir angelegt hatten, gingen wir von Bord. Unser Gepäck konnten wir glücklicherweise in der Kabine lassen, fuhren wir doch am Abend mit demselben Schiff wieder zurück. Wir machten uns auf, Göteborg zu erobern.

Das Wartehäuschen vom Fähranleger

Wir hatten uns in Kiel bereits eine Tageskarte für den öffentlichen Nahverkehr gekauft. Zwar wollten wir den überwiegenden Teil der Stadt zu Fuß erkunden, aber um uns bei den Strecken, die wir fahren wollten/mussten nicht lange mit Tickets und Preisen herumschlagen zu müssen, kam uns das Angebot der Stena Line gerade recht. Wir warteten auf die Fähre, die uns zur Haltestelle Lilla Bommen bringen sollte. Dies erschien uns ein guter Startpunkt für unsere Entdeckungstour. Während wir auf die Fähre warteten, lernten wir auch die ersten Einheimischen kennnen. Das Begrüßungskomitee kam zur Haltestelle gewatschelt.

Eine Gruppe Enten am Fähranleger

Als sie merkten, dass hier niemand etwas Essbares dabei hatte, zogen sie wieder ab. Kurz darauf kam die Fähre.

Als erstes schauten wir uns die Viking an, eine Viermastbark von 1906/1907. Da sie heute als Hotel genutzt wird, kann man nicht an Bord gehen, um sie zu besichtigen. Aber sie lag halt auf unserem Weg, weswegen wir sie zumindest von außen anschauten und sie knipsten. Allerdings ist es kaum möglich, genug Abstand für eine komplette Ansicht zu bekommen. Und das Licht war eh mistig.

Viking

Wir gingen weiter über die

Torsten Henriksons gångbro

Fußgängerbrücke

ins nahegelegene Einkaufszentrum. Hier war die Touristen-Information, wo ich uns einen Stadtplan besorgte. Da wir nun schonmal in der Nähe des Bahnhofs waren, beschlossen wir kurzfristig, uns den Göteborger Hauptbahnhof anzuschauen.

Das (?) Älvrummet zeigt auf der Fassade die/den (?) Älv, den Fluss, der durch Göteborg fließt. In dem Gebäude soll die Stadtentwicklung bis 2021 gezeigt werden (wenn meine nicht-vorhandenen Schwedisch-Kenntnisse mich da nicht völlig narren). Aber zum Einen war uns nicht nach Ausstellungs- oder Museums-Besuch, zum anderen hat das Teil eh nur von 15 bis 19 Uhr geöffnet und das passte nicht zu unserem Zeitplan.

Wir kamen zum Bahnhof. Das rollende Material auf Schwedens Schienen ist sehr abwechslungsreich.

Und es gab noch mehr unterschiedlich aussehende Züge. Auch die Bahnsteige waren hübsch anzuschauen.

Bevor wir uns auf den Weg in die Altstadt machten, gingen wir nochmal durch die Bahnhofshalle. Dieser Holz-Baustil ist für mitteleuropäische Augen ja eher ungewohnt.

Das erste, was uns auf unserem Weg auffiel, war der Bierlieferant. ;)

Kurz darauf kamen wir an einem Tesla-Store vorbei und checkten mal den Lässigkeitsfaktor eines solchen Autos.

Ich finde ja, das steht meinem Lebensabschnittsgefährten ganz gut. Bedauerlicherweise steigt mit dem Lässigkeitsfaktor aber auch der Preis. Daher setzten wir unseren Weg doch lieber zu Fuß fort.

Weit kamen wir nicht, als uns auch schon das nächste Fahrzeug ins Auge fiel.

Die Entfernung Berlin – Göteborg beträgt etwa 750 Kilometer. Ich weiß ja nicht, ob ich das mit einem gedrosselten Smart zurücklegen möchte.

Auf der anderen Straßenseite war die Christinenkirche, das Gotteshaus der deutschsprachigen Kirchengemeinde.

Dorthin gelangt man über die Tyska bron, die Deutsche Brücke.

Aber nun genug von Deutschland. Wir liefen am Rand der Fußgängerzone entlang. Unser Ziel war ein zweites Frühstück, mit dem wir uns für den weiteren Weg stärken wollten.

Kurz bevor wir unser Ziel erreichten, begegneten wir ihm:

Jetzt war ich sicher, dass wir auf dem richtigen Weg waren. Und kurz darauf waren wir auch da, bei da Matteo.

Dem Vernehmen nach soll es hier den besten Kaffee in ganz Schweden geben. Und der Kaffee war wirklich gut! Ich bin zwar eher der Banause in solchen Fragen, aber dieser hier schmeckte wirklich sehr gut.

Nach dieser kleinen Stärkung machten wir uns auf den Weg nach Haga, einem Stadtviertel im Stil des 19. Jahrhunderts, in dem auch die Skansen Kronan, eine Festung aus dem 17. Jahrhundert steht. Und der Weihnachtsmarkt stand ja auch noch auf dem Plan. Das alles gibt’s dann im 2. Teil.