Göteborg – Teil 2

Nach unserer kleinen Stärkung führte uns unser Weg nach Haga, einem Stadtviertel im Stil des 19. Jahrhunderts, in dem auch die Skansen Kronan, eine Festung aus dem 17. Jahrhundert steht. Auf dem Weg dorthin erspähten wir eine Treppe zwischen den Gebäuden und liefen sie hinauf. Von hier aus hatten wir einen ganz passablen Blick über Göteborg im Allgemeinen und Haga im Besonderen.

Über diese Treppe stiegen wir den Berg wieder hinab. Von da an hatte ich einen Ohrwurm: „Stairway to heaven“. Ganz toll. Wir gingen am ehemaligen Lagerhuset vorbei, in dem jetzt ein Restaurant ist. Die schwedische Schreibweise lautet übrigens Restaurang, was genauso gewöhnungsbedürftig ist wie Betong und noch mehr aus dem Französischen übernommene Wörter.

Als nächstes stand die Feskekörka auf unserem Programm. Die Fischhalle wurde Ende des 19. Jahrhunderts im Stil einer Kirche gebaut und war nicht nur damals etwas Besonderes, sondern ist auch heute noch ein Hingucker. Es ist die abgefahrendste Markthalle, die ich je gesehen habe. Und selbst den Lebensabschnittsgefährten, der Fisch verabscheut, hat sie dazu gebracht, einmal über einen Fischmarkt zu gehen, was ihm sonst nicht passieren würde. ;)


Auf der anderen Seite des Kanals liegt Haga. Die erste Straße, die wir sahen, ließ nichts von den Beschreibungen erkennen, die die Reiseführer zu diesem Viertel haben. Auch bei Wikipedia findet sich in der Beschreibung der Satz: In erster Linie ist Göteborg aber für seine lebendige und vielfältige Kaffeehauskultur bekannt. Das alte Viertel Haga bietet zahlreiche Möglichkeiten, diese zu erleben. Zu sehen bekamen wir zuerst das:

Wir gaben dem Viertel noch eine Chance und suchten nach der Haga Nygata. Übersetzt würde das Hagas Neue Straße heißen und ist der Straßenname für die Fußgängerzone. Als wir diese gefunden hatten, was selbst für Menschen bar jeglichen Orientierungssinnes nicht allzu schwierig war – außerdem hatte ich ja den Stadtplan in der Hand -, waren wir doch angenehm überrascht. Dies hob sich deutlich hervor aus den üblichen Einkaufsmeilen europäischer Städte, die Dank EU und Globalisierung etc. mittlerweile überall gleich aussehen.

Na gut, Heimatgefühle zu Beginn, aber dann …

Das war doch ganz hübsch, nicht so furchtbar überlaufen und mit Läden versehen, die eher Kunsthandwerkliches und Außergewöhnliches boten und nicht den Butlers-/Depot-Einerlei gepaart mit x Modeketten.

Trätoffel ist so ziemlich eines der am coolsten klingenden Wörter, die ich von unserem Schweden-Trip mit nach Hause gebracht habe. Die Haga Trätoffelfabrik produziert übrigens auch Duckfeet. Man muss Skandinavien einfach gern haben. :)

Nach so viel Schuhwerk braucht’s erstmal eine Fisch-Pediküre. Und die gibt’s, wie sollte es auch anders sein, beim Frisör natürlich.

Als wir mit Haga fertig waren, kletterten wir auf den Hügel hinauf, auf dem Skansen Kronan steht. Der Aufstieg war steil und beschwerlich und die erste asphaltierte Straße, die wir wählten, endete in einer Sackgasse.

Na gut. Wir gingen also wieder runter und wählten einen anderen Aufstieg, der uns auch zum Ziel führte.

Oben angekommen gab es allerdings nicht sooo viel zu sehen. Das Restaurant hatte wegen einer Veranstaltung geschlossen. Um das festzustellen muss man die Treppe hinaufgehen, wobei ich mir den Kopf gestoßen habe. Das Teil stammt schließlich aus einer Zeit, als die Leute noch nicht 180 cm hoch gewachsen sind. Leider habe ich vergessen, den Lebensabschnittsgefährten zum Größenvergleich neben die Türe zu stellen, aber am Verhältnis Durchgang/Treppenstufen kann man wohl erahnen, dass der Durchgang nicht allzu hoch ist.

Wir umrundeten den Turm und genossen noch ein wenig die Aussicht, bevor wir wieder hinabstiegen.

Unser Abstieg führte in Richtung des Parkplatzes, den man auf dem zweiten Bild erkennen kann. Auf diesem Platz stand, als wir fast unten angekommen waren, ein Auto, das uns in der Innenstadt schon aufgefallen war:

Es hätte auch eine Treppe nach unten gegeben, die uns den recht steilen Abstieg erspart hätte, auf dem uns ein älteres Herrchen mit älterem Hund entgegen kam, bei Anblick der beiden fragten wir uns, wer von beiden wohl zuerst auf dem Weg nach oben schlapp machen würde.

„ej“ begegnet einem in Schweden auch recht häufig und bedeutet „nicht“. Diese Sprache ist echt gewöhnungsbedürftig. ;)

Übrigens ist es in Skandinavien üblich, dass es überall öffentlich zugängliche Toiletten gibt. Auch ist es völlig normal, in einem Café oder Restaurant nachzufragen, ob man die Toilette benutzen darf. Dies wird einem in der Regel nicht verwehrt und es kostet auch nichts. In der Regel wird das Örtchen auch ordentlich hinterlassen. Eine Ausnahme von dieser ungeschriebenen Benimm-Regel bilden hier leider oft die ausländischen Touristen.

Während der Lebensabschnittsgefährte eine der öffentlichen Toiletten aufsuchte, beschäftigte ich mich mit dem Stadtplan, um unsere weitere Route zu ermitteln. Eine Passantin sprach mich an. Ich sagte ihr auf Englisch, dass ich sie nicht verstehen würde, da ich aus Deutschland komme. Sie fragte mich, wohin ich wollte und erklärte mir den Weg. Mittendrin meinte sie auch, ich könne ihr folgen, sie könne mich ein Stück begleiten. Als ich ihr sagte, dass das nicht ginge, da ich noch auf meinen Mann warte, erklärte sie weiter den Weg, wünschte mir viel Vergnügen und eine schöne Weihnachtszeit. Dann ging sie ihres Weges.

Bevor wir zum Weihnachtsmarkt fuhren, machten wir noch einen Abstecher zur Oscar Fredirks Kyrka, die ich sehr hübsch finde.

Reingehen wollten wir nicht, da dort gerade einige Menschen versammelt waren. Ob sie nun einen Gottesdienst abhalten oder für die bevorstehenden Weihnachtstage etwas proben wollten, konnte ich auf die Schnelle nicht erkennen. Jedenfalls wollte ich sie nicht stören. So liefen wir einmal um die Kirche herum, bevor wir uns dann auf den Weg zur nächsten Straßenbahnhaltestelle machten.

Am Kanal hatten wir noch einmal einen Blick auf die Feskekörka, diesmal von der anderen Seite.

Außerdem stand dort ein Toilettenhäuschen herum, das ich vermutlich nicht einmal im äußersten Notfall benutzen würde.

Wir machten uns endlich auf den Weg zum Weihnachtsmarkt. Hierfür fuhren wir mit einer der himmelblauen Trams. Auch hier wieder die freundlichen Schweden: Gleich zwei dieser Exemplare freuten sich regelrecht, ihre Deutschkenntnisse an den Mann Tourist zu bringen. Der erste, der bemerkte, dass wir unsicher waren, an welcher Haltestelle wir umsteigen mussten, sah nicht nur türkisch aus, er sprach auch mit türkischem Akzent einige ganz gute Brocken Deutsch, mit denen er uns weiterhalf und die richtige Haltestelle nannte. Wir freuten uns, bedankten uns, dann stieg er aus. Wir sprachen weiter darüber, wie viele Haltestellen dies jetzt waren und ob wir ihn richtig verstanden hatten bezüglich des Umstiegs, da sprach uns die nächste Frau in nahezu akzentfreiem Deutsch an. Wir fragten uns schon, ob sie wohl eine emigrierte Deutsche war, als sie das Wort „Tramway“ benutzte. Das benutzt in Deutschland kein Mensch. Alle übrigen Schweden kommunizierten auf Englisch mit uns.

Der Göteborger Weihnachtsmarkt findet im Freizeitpark Liseberg statt. Das kostet zwar Eintritt, aber hat immerhin den Vorteil, dass die Veranstaltung nicht zu Ballermann-Winterspielen verkommt, wie das bei unseren Weihnachtsmärkten von Jahr zu Jahr mehr der Fall ist.

Es war nicht besonders voll, was unter anderem auch an der Uhrzeit gelegen haben dürfte. Die meisten Menschen waren vermutlich noch arbeiten. Aber das machte es sehr angenehm.


Der Park war in verschiedene Themenbereiche aufgeteilt und in jedem Bereich waren die Buden und der Weihnachtsschmuck thematisch angepasst.

Burger King war ebenfalls vertreten. Koks gab es auch. ;)

Der Lebensabschnittsgefährte hat einen Glögg getrunken. Sich bei dieser Bechergröße und den Preisen für Alkohol in Skandinavien sinnlos zu besaufen ist, trotz des höheren Alkoholgehalts im Vergleich zu unserem Glühwein, nur schwer möglich. Dazu gab es ein paar gebrannte Mandeln, die übrigens viel besser geschmeckt haben, als das, was man hier bekommt.

Wir bogen auf einen schmalen Pfad ab, an dem zu Beginn ein Schild mit der Aufschrift Tomte stand


Der Lebensabschnittsgefährte trägt unseren praktischen faltbaren IKEA-Rucksack namens Knalla. Das Teil ist äußerst praktisch, da es sich zusammengefaltet im Gepäck verstauen lässt und man für Ausflüge und Tagestouren oder auch zum Einkaufen einen praktischen Rucksack hat, in den einiges hinein passt, der aber trotz seiner Bauart noch angenehm zu tragen ist. Jedenfalls ist dieses eines der wenigen IKEA-Produkte, das wenigestens einmal in seinem Leben in Schweden war. ;)


Wir waren in der Werkstatt von Tomte angekommen. Und auch der Tomtefar, vergleichbar mit dem Weihnachtsmann, war da und nahm Bestellungen Wünsche entgegen.

Wir wanderten noch eine ganze Weile im Park herum. Ich konnte mich gar nicht satt sehen an den ganzen Lichtern und schön geschmückten Buden.


Kaffeost ist übrigens Kaffee mit Käse. Ja, Käse. Die Tradition kommt aus Finnland, da trinkt man das so: Ein Würfel eines bestimmten Käses in die Kaffeetasse und dann den so aromatisierten Kaffee trinken. Der Käse soll beim Kauen quietschen. Ich habe auf einen Selbstversuch verzichtet.

Langsam wurde es auch etwas voller und leider auch später, wir mussten uns Gedanken über den Rückweg machen.

Ich hätte noch stundenlang gucken und knipsen können, aber wir waren wieder am Eingang angekommen und mussten los. Denn eines muss man sich als Schiffspassagier stets vergegenwärtigen: Die Zeit fürs Boarding ist nicht verhandelbar. Ein Schiff legt pünktlich ab!

Auf dem Rückweg zum Tysklandsterminal mussten wir auch wieder an der Haltestelle Valand umsteigen.

Dort hielten wir Ausschau nach einem Geschäft, in dem es Postkarten zu kaufen gibt. Den ganzen Tag hatten wir keine passenden Postkarten gefunden. Wir hätten gerne welche mit einer winterlichen oder sogar weihnachtlichen Ansicht von Göteborg gekauft, aber es gab überall nur sommerliche Karten.

Wir liefen bis zum Kungsportsplatsen, wo eine Filiale der Touristeninfo war. Dort kaufen und schrieben wir die Ansichtskarten. Wie fast überall üblich, gab es dort auch Briefmarken und vor der Tür stand direkt ein Briefkasten. Perfekt.

Äh, nee. Das alte Vehikel war nicht unsere Tram. In Göteborg fährt auch eine historische Straßenbahn, die Liseberglinie. Diese konnten wir mit unserem Ticket aber nicht nutzen, da sie von einem anderen Anbieter betrieben wird. Wir mussten die hier nehmen, Linie 3, wie zuhause.


Wir stiegen an der genannten Haltestelle aus und wähnten uns in einem nicht ganz so hübschen Stadtviertel, halt eher Hafengegend und wenig auf Touristen eingestellt, da es nur wenige Fußpassagiere auf den Fähren gibt.

Und leichte Zweifel, ob das hier der richtige Weg nach Mitteleuropa sein sollte, kamen mir außerdem auf. Aber schon nach der nächsten (oder war es doch die übernächste?) Ecke tat sich dann dieser Blick auf:

Wir hatten es gefunden! Wir freuten uns mittlerweile auf unsere Kabine, das Zwiebeloutfit ablegen, nach 21519 Schritten endlich mal die Füße hoch legen, eine heiße Schokolade trinken und aufs Ablegen warten …