Verfahren und zu früh

Als an diesem Montagmorgen der Wecker um 05:30 Uhr klingelte, musste ich schwer an mich halten, das Smartphone nicht an die Wand zu pfeffern. Viel zu früh! Ich war noch hundemüde. Aber half alles nichts, ich musste aufstehen. Um 06:48 Uhr sollte mein Zug vom Darmstädter Hauptbahnhof abfahren.

Verschlafen schluffte ich in die Küche und bereitete mir eine Tasse Kaffee zu. Die Katze ging mir mit ihrer Futterbettelei auf die Nerven. Meinen Krempel hatte ich am Vortag vollständig gepackt, so dass ich ungestört mit meinem Kaffee in der Hand vor mich hin starren und im 2-Minuten-Takt die Katze anranzen konnte. So morgenmuffelig war ich schon lange nicht mehr. Nach dem Kaffee ging ich duschen, zog mich an und von dannen.

Um 06:20 Uhr ging meine Tram zum Bahnhof. Dort stand auf Gleis 5 bereits der ICE bereit. Wie praktisch. Ich machte noch ein Photo vom blitzsauberen ICE, dann stieg ich ein.

ICE_Passau

Zunächst suchte ich die Toilette auf, um den Kaffee wieder loszuwerden. Huch! Was war das? Der ICE rollte. Seltsam, wir sollten doch erst zehn Minuten später abfahren. Ich beendete meinen Toilettengang ordnungsgemäß – der Zug fuhr ja eh schon, ich hatte also Zeit -, dann betrat ich den Großraumwagen und schaute mal auf die Anzeige, was da überhaupt stand. ICE 1533 nach Berlin Gesundbrunnen. Berlin war zunächst nichts Ungewöhnliches, der letzte ICE, mit dem ich von Darmstadt nach Köln gefahren bin, setzte seinen Weg durchs Ruhrgebiet nach München fort. Und nach meinem Kenntnisstand war dies der einzige ICE, der ab Darmstadt fuhr. Offensichtlich hatte die Bahn dies geändert, ohne mich davon in Kenntnis zu setzen.

Falscher_Zug

Ich bemühte mein Smartphone, um zu sehen, wie es nun weitergehen sollte. Immerhin hatte ich Glück im Unglück und der Zug hielt noch einmal in Frankfurt Hbf und fuhr nicht gleich bis Berlin durch. Blöderweise hatte der gebuchte ICE einen Zwischenstopp in Frankfurt Flughafen. Und leider würde ich dort nicht mehr rechtzeitig ankommen, nachdem ich in Frankfurt umgestiegen war. Eine Alternative musste also her.

Von Frankfurt aus fuhr der ICE 824 nach Essen mit Halt u. a. in Köln Messe/Deutz. Glücklicherweise hält der Regionalzug, mit dem ich nach Krefeld weiterfahren wollte, auch dort. Ich machte mich auf den Weg zu Gleis 7. Dort war es unglaublich voll. Auch in den ICE nach Berlin stiegen unglaublich viele Leute ein. Wahnsinn, wieviele Menschen montagmorgens mit der Bahn zur Arbeit fahren müssen. Ich fand die Tür, an der die Zugbegleiterin ausstieg, und sprach sie an, noch bevor ich den Zug betrat. Ich zeigte ihr mein Ticket und erklärte ihr, wie meine Montagmorgen-Blödheit mich nach Frankfurt Hbf verschlagen hatte. Außerdem fragte ich, wieviel ich nachzahlen müsse. Sie meinte, das sei schon in Ordnung, ich solle einsteigen und hier im Wagen bleiben, wo sie kontrollieren müsse. Perfekt! Das lief besser als erhofft!

Der Zug war ziemlich voll, was sich aber in Frankfurt Flughafen, wo er auch noch anhielt, ein wenig auflockerte. Ab dort konnte ich entspannt nach Köln reisen. In Köln Messe/Deutz besorgte ich mir eine Tasse Kaffee und setzte mich draußen auf die Stufen zum Frühstücken.

Deutz

Ich fuhr weiter nach Krefeld, wo mich das typische, so oft verfluchte Sauwetter und meine Arbeitskollegin am Bahnhof erwarteten. Zwar war der Weg ins Büro nicht weit, aber mit drei Laptops im Gepäck und bei Regen doch etwas beschwerlich.

Im Büro verteilte ich sofort die zwei mitgebrachten Laptops (der dritte war mein eigener). Ich musste nur noch WLAN einrichten, zur Kontrolle Kollegen nochmal als Benutzer anmelden und alles funktioniert wunderbar. So war der Plan. Tatsächlich konnte ich auf einem der Geräte den Kollegen nicht anmelden. Der Server verweigerte die Kooperation. Hilfe war von Nöten. Ich rief mein persönliches Houston an, kommunizierte das Problem und überließ ihm die Fernsteuerung des Laptops zwecks Problemlösung. Dann ging ich in die Besprechung.

Diese dauerte länger als erhofft. Mir dröhte der Kopf vor lauter Overload. Das Laptop-Problem hatte sich zwischenzeitlich verschlimmert und ich telephonierte erneut mit meinem Houston aka Lebensabschnittsgefährte. Nach einer Weile konnten wir endlich das Problem lösen, quasi in der letzten Minute. Dann verließ ich mehr oder weniger fluchtartig das Büro, um zum nächsten Büro zu laufen. Das Leben mit mehreren Jobs ist bisweilen recht anstrengend.

Im zweiten Büro lief es etwas ruhiger ab, wir besprachen, was es zu besprechen gab, ich nahm Bargeld mit und machte mich aus dem Staub. Das darkinchen erwartete mich in Möchengladbach zum Shoppen. Privatleben ist oft noch anstrengender.

Das darkinchen braucht – ich erwähnte es bereits – einen chiquen Fummel. Peek & Cloppenburg sollte unsere erste Anlaufadresse sein. Die junge Dame hätte gerne mal etwas Langes getragen und probierte einige an:

Aber irgendwie war das alles nicht so das Richtige, so dass es zum Schluss doch wieder auf ein kurzes Kleid hinauslief. Nach dieser Entscheidung noch einen Blazer und ein Täschchen dazu und dann waren wir fertig, guttaussehend, arm und müde. Oder wie man in Berlin sagt: Arm aber sexy.

Wir fuhren nach Hause und das darkinchen bekochte uns, während ich auf der Couch die Akkus von mir und meinem Smartphone wieder auflud und der Freund des darkinchens an seinem neuen Lego-Ferrari baute. Nach dem Essen legte er sich noch etwas hin, bevor er auf Nachtschicht fuhr. Wir schmachteten Keanu Reeves in Speed an, der im TV lief.

Bevor ich zu Bett ging, erschlug ich eine Mücke an der Wand meines Zimmers. Dann fiel ich in einen komaähnlichen Zustand bis morgens um 5 Uhr.

Ich konnte nicht mehr einschlafen. Um 6 Uhr machte ich mir Kaffee, um 06:30 Uhr ging ich unter die Dusche. Als um 7 Uhr der Freund des darkinchens nach Hause kam, war ich schon tageslichttauglich, machte mir Frühstück und einen weiteren Kaffee und schmiss mich damit auf die Couch, bis um 07:30 Uhr endlich das darkinchen aus seinem Schönheitsschlaf erwachte – mehr oder weniger, die sah nämlich auch ziemlich zerknautscht aus. Um kurz vor 8 Uhr verließen wir das Haus und gingen zur Arbeit.

Erkelenz_Bahnsteig

Auch an diesem Morgen holte mich die Arbeitskollegin wieder vom Bahnhof ab. Im Büro waren wir alleine, was uns die Gelegenheit zu ein wenig Smalltalk gab. Ich vermisse es oft ja doch, dort im Büro zu sitzen. Immer alleine vor dem Rechner, ist bisweilen etwas langweilig und es ist oft schwierig, die nötige Motivation zu finden. Und die Kollegin vereinsamt dort ein wenig, denn die anderen sitzen ja alle am zweiten Standort unserer Einrichtung.

Nach einem Kaffee erledigten wir die Arbeit, bis eine weitere Kollegin kam und uns mit Kuchen versorgte. Später kam noch der Rest der Truppe, denn für heute stand eine kleine interne Fortbildung auf dem Programm. Als wir damit durch waren, musste ich mich auch schon wieder auf den Weg zum Bahnhof machen. Glücklicherweise fuhr der Chef gerade mit dem Auto ab und nahm mich mit, um mich am Bahnhof abzusetzen.

Krefeld_Hbf

Der Regionalzug nach Köln hatte Verspätung. Zwischendurch mit 8 Minuten angekündigt, lief es schlussendlich auf 6 Minuten hinaus. In Köln musste ich die Beine in die Hand nehmen, um meinen ICE noch zu erwischen. Die Fahrt nach Frankfurt verlief ruhig wie immer. Lediglich die Durchsage, man solle besonders auf sein Gepäck aufpassen, da im Zug ein Taschendieb sei, war recht unschön.

Eigentlich wollte ich meinen 25-minütigen Aufenthalt in Frankfurt (Main) Hbf dazu nutzen, mir bei McDonald’s ein Eis zu holen. Aber dann sah ich auf einer Anzeigetafel, dass der vorherige Regionalzug nach Darmstadt 10 Minuten Verspätung hatte und deswegen noch auf Gleis 13 stand. Ich nahm die Beine in die Hand und trabte zum Bahnsteig von Gleis 13, wo ich gerade noch rechtzeitig in den RE sprang. So war ich 25 Minuten vor der geplanten Zeit bereits in Darmstadt. Kommt ja auch eher selten vor.

Ein Gedanke zu „Verfahren und zu früh

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