Bryggen, Festung Und Fischereimuseum, Fløyen Und Egon

Am nächsten Morgen tapste ich erstmal in die Küche zum Kaffeeautomaten und holte mir einen frischen Kaffee. Kaffee ist das einzige, was man in Norwegen halbwegs günstig bekommen kann. 10 Kronen für eine Tasse ist wahrlich nicht viel. In der Küche stand bereits eine Asiatin und kochte Essen. Wie kann man bitteschön morgens um 7 Uhr schon Suppe kochen … Nun ja, ich ging zurück ins Zimmer und schlürfte im Bett meinen Kaffee. Danach gingen wir duschen und anschließend gab’s Frühstück. Wir hatten uns einen Becher Nugatti gekauft, das norwegische Nutella, das viel besser schmeckt als unsere Nuss-Nougat-Cremes. Der Becher wollte bis Sonntag geleert werden, also griffen wir beherzt zu. Anschließend kleideten wir uns in einigermaßen wasserdichte Klamotten und pilgerten los.

Det regner alltid i Bergen ist der Titel eines norwegischen Liedes, es regnet immer in Bergen. Und ich glaube, das ist nicht übertrieben. Bergen schmückt sich mit dem Titel Regenreichste Stadt Europas und so machten wir uns dann auch passend zum Motto im Regen auf, die Stadt zu erkunden.

Zunächst führte uns unser Weg von unserer Unterkunft aus durch ein paar Gassen und Straßen bis zum Hafen.

Dort entschieden wir uns, rechts vorbei am Wasser nach Bryggen zu laufen. Früher hieß das mal Tyskebryggen, Deutsche (Anlege-)Brücke. Hier war einst die Hanse zuhause und die war halt ziemlich deutsch.

Bryggen

Aufgrund der Bilder und auch TV-Berichte dachte ich eigentlich immer, hier steht auch nur diese eine Reihe bunter Holzhäuser, für die Bergen so berühmt ist. Aber das ist ein ganzes Stadtviertel, das hier mehr oder weniger liebevoll in Stand gehalten wird, weil es ja auch ein sehr wirkungsvoller Touristen-Magnet ist.

Bossrom

Ein wenig belustigt fragten wir uns, was wohl der Bossrom ist. Rom ist das norwegische Wort für Raum oder Zimmer, das war klar, aber boss? Später schauten wir nach: Es ist der Müllraum.

Kaffee

Nachdem wir um das Viertel herum durch die engen Gassen hindurch gelaufen waren, kehrten wir in das Café ein, das in einem der Holzhäuser ist und gönnten uns erstmal einen Kaffee und eine heiße Schokolade. Draußen schüttete es nämlich gerade ziemlich stark. Da war eine Pause im Trockenen nicht schlecht.

Anschließend schlenderten wir weiter bis zur Festung. Die Festung hier wird - wie auch die in Oslo - sowohl als Denkmal und Touristen-Attraktion als auch als militärische Einrichtung genutzt. Der älteste Teil der Festung stammt aus dem 12. Jahrhundert, der jüngste Teil aus dem 2. Weltkrieg, als die Deutschen hier ihr Lager aufschlugen. Tatsächlich in eine Schlacht verwickelt war die Festung aber nur einmal im 17. Jahrhundert.

Durch und um die Festungsanlagen führen tolle Wege, rauf und runter, mit Treppen und Brücken bzw. Galerien, Grünzeug und natürlich Stein. Hier in Norwegen ist schließlich überall dunkelgrauer Fels wie aus einer Modelleisenbahnlandschaft. Von irgendeinem Punkt aus konnte man eine kleine Mole sehen, zu der wollte ich noch hinlaufen. Der Weg dorthin führte erstmal steil bergauf, durch Skuteviken, um danach ebenso steil wieder bergab zu führen.

Auf der Mole war ein Kulturzentrum untergebracht, in dem man an Booten bastelt und viel Zeit draußen verbringt, wie die Infrastruktur schließen lässt. Leider regnete es schon wieder ziemlich stark, was die Freude über den Platz ein wenig trübte. Eigentlich fand ich es nämlich ziemlich spannend hier.

Wir gingen um das nächste Gebäude herum und standen plötzlich vor dem Fischereimuseum. Da es gerade wieder zu schütten begann, betraten wir kurzentschlossen das Museum.

Die Ausstellung ist recht interessant. Sie zeigt die Geschichte der Fischerei Norwegens von den Anfängen bis zur Moderne mit einigen interaktiven Angeboten. Und typisch für norwegische Museen, zumindest gilt das für jene, die wir bisher besucht haben, ist die liebevolle und authentische Aufmachung, die stets hervorragend zum Inhalt der Ausstellung passt.

Als wir durch waren, war das Wetter draußen wieder trocken wenn auch ziemlich trüb.

Trüb und trocken

Noch einmal gingen wir in das Kulturzentrum, um noch ein paar Photos zu machen. Dann machten wir uns auf den Weg zurück in die Innenstadt.

Auffallend in Bergen ist übrigens die gute und zahlreich vorhandene Streetart.

Ebenfalls auffällig die Affinität der Skandinavier (inkl. Island) zur Bratwurst:

Bratwurst

Wir wollten in die Unterkunft und dort ein paar Käsebrote zu Mittag essen und uns für ein paar Minuten aufs Bett zu schmeißen und je Füße hochzulegen. Unsere Füße waren so viel Rumgelaufe schließlich nicht gewohnt.

Bryggen

Auf dem Weg dorthin kamen wir erneut an dem Café vorbei und holten uns noch etwas Leckeres als Nachtisch zu unserem spartanischen Mittagessen. Das Gebäck roch morgens schon so gut, das wollten wir testen. Ich fand es auch sehr lecker, der Lebensabschnittsgefährte war von seinem Teilchen eher mäßig begeistert. Ich glaube das liegt daran, dass das Gebäck in Norwegen nicht so extrem überzuckert ist wie bei uns.

Wir spielten noch eine Runde und gaben unseren Füßen Gelegenheit, sich zu erholen. Die sollten nämlich am Nachmittag noch einiges zu tun bekommen. Bis dahin erstmal die Bilder des Vormittags des Lebensabschnittsgefährten.

Nach einer Pause machten wir uns auf den Weg zur Fløibanen, mit der man auf den Fløyen, einer der sieben Berge um Bergen, fahren kann. Die Bahn ist auch ziemlich bekannt, denn sie ist die einzige Standseilbahn Norwegens. Und die Aussicht auf Bergen vom Fløyen aus ist atemberaubend, sogar bei schlechtem Wetter.

Standseilbahn

Die Bahn überwindet auf einer Strecke von etwas über 800 Metern einen Höhenunterschied von 300 Metern. Da geht es also ordentlich bergauf. Während der Fahrt nach oben hat der Lebensabschnittsgefährte ein paar Bilder geknipst. Mit dem Weitwinkel meines Smartphones hatte ich zu viele Mitreisende drauf.

Standseilbahn

Oben war die Aussicht erwartungsgemäß toll, trotz eher mäßigem Wetter.

MS Trollfjord

Die MS Trollfjord der Hurtigruten verließ gerade Bergen auf ihren Weg Richtung Norden. Auf dem Bild ebenfalls zu sehen, oberhalb vom Schiff oben am Rand des Photos, ist ein Ding, das aussieht wie eine Plattform.

Plattform

Der Lebensabschnittsgefährte zoomte das Teil ran, so gut es eben ging. Da das Wetter sehr diesig war, wurde natürlich auch das Photo entsprechend. Später am Laptop stellten wir fest, dass da hinten wohl eine Firma ansässig ist, die solche Plattformen baut. Und offensichtlich wurde da eine geparkt und wartete darauf, zu ihrem Einsatzgebiet gebracht zu werden.

Füllstation für Wasserflaschen

Etwas, das sich meiner Meinung nach durchsetzen sollte: Eine Auffüllstation für Wasserflaschen für Wanderer, Sportler, Radler usw.

Wir hatten vorher schon beschlossen, dass wir zurück laufen wollten. Der Weg betrug etwa 4 km und ging bergab. Das sollte nicht so schwierig sein. Im ersten Teil führte der Wanderweg durch Waldgebiet, mal mehr mal weniger steil bergab. Und zwischendurch bestaunten und knipsten wir immer wieder die Aussicht.

Sogar einen Wasserfall haben wir gefunden. Und auch wenn der nicht einmal ansatzweise so beeindruckend ist, wie die Wasserfälle auf Island oder auch die unzähligen anderen Wasserfälle in Norwegen, muss ich seit Island trotzdem bei jedem Wasserfall stehen bleiben und ein Photo machen.

Als wir den bewohnten Teil des Berges erreichten, bogen wir anders ab, als am offiziellen Weg vorgesehen war. Zumal wir ja auch nicht zur Talstation, sondern zu unserer Unterkunft zurück wollten. Wir gingen durch Wohngebiete über Straßen, Wege und Pfade. Zu vielen der Häuser hier oben führte der Weg über steile Treppen, Briefkästen und Mülltonnen waren oben an der Straße. Da diese Wege alle als privat gekennzeichnet sind, haben wir darauf verzichtet, einen davon näher anzusehen.

Weg

Trotzdem war es toll, hier entlang zu laufen. Wir staunten über imposante Wohnhäuser und liebevolle Dekorationen auch im Außenbereich. Egal, wieviele Firmen und Werbefuzzis in Deutschland versuchen, den Leuten irgendwas als “hyggelig” oder “koselig” zu verkaufen, an das norwegische Feeling kommen sie nicht heran. Dazu gehört mehr, als nur einen netten Deko-Gegenstand irgendwo zu platzieren, das ist ein Lebensgefühl und das merkt man ziemlich deutlich, wenn man durch solche Siedlungen geht. Daher mag ich das so gerne, hier fühlt man sich selbst als Besucher wohl.

Weg

Der Abstieg war stellenweise für uns Wahl-Flachländer ziemlich brutal. Die höchsten Erhebungen in Rostock sind die Maulwurfshügel. Da ist der Berg mit seinen steilen Abstiegen und endlosen unergonomischen Treppen der reinste Horror für Muskeln, die sonst eher nutzlos im Körper vor sich hin vegetieren. Von den krassesten Abstiegen haben wir gar keine Bilder mehr gemacht, weil wir nur noch damit beschäftigt waren, heil herunterzukommen und die Schmerzen zu ignorieren.

Kirche Lepramuseum

Leider hat das Lepramuseum nur in den Sommermonaten geöffnet. Das hätte ich mir gerne angesehen. Es befindet sich im ehemaligen Leprakrankenhaus, das bis Mitte des 20. Jahrhunderts noch als solches genutzt wurde.

Wir schleppten uns zurück in die Unterkunft und warfen uns erneut auf die Betten. Für den Abend war schließlich Essen gehen bei Egon geplant, da mussten die Füße wieder benutzbar sein.

Der Egon war glücklicherweise auch nicht weit von unserer Unterkunft entfernt und ausnahmsweise regnete es mal nicht. So kam ich mit halbwegs brauchbarer Frisur, die ich nochmal in Ordnung brachte, bevor wir losgingen, im Restaurant an. Wir aßen Burger, ich einen Cheese-Burger, der Lebensabschnittsgefährte einen Wild-Burger.

Burger

Wie immer war das Essen bei Egon sehr lecker. Zum Nachtisch gab es ein Nickers. Allerdings war ich so voll, dass wir uns eines teilten, denn ein eigenes war mir zuviel.

Nickers

Und es war natürlich extrem schlau, ein Eis zu essen und danach raus zu gehen. Mittlerweile war ich nämlich ziemlich müde und dementsprechend war mir kalt. Daher war ich froh, als wir endlich in der Unterkunft angekommen waren. Wir lasen noch ein wenig an unserem Donald Duck weiter, dann schliefen wir ziemlich müde ein.

Die Lebensabschnittsgefährten-Galerie vom Nachmittag spare ich mir, weil die Bilder alle im Beitrag oben verwendet wurde. Ich habe nämlich nicht so viel geknipst.