Büro, Büro mal wieder

So langsam gehen mir die abwechslungsreichen Titel aus für meinen monatlichen Trip in die Niederrhein-Bronx. Inhaltlich ist es aber – so hoffe ich wenigstens – immer wieder abwechslungsreich. Heute Morgen war es das definitiv.

Gestern meinte ich noch, dass es diesmal weniger anstrengend wird als die letzten Termine, weil nur eine Besprechung ansteht, weil ich morgens hin und nachmittags zurück fahre, weil ich das schwere Fahrrad diesmal nicht mitschleppe und und und. Mir fielen ein paar Gründe ein, warum es diesmal entspannter sein könnte. Aber wie das halt mit Plänen so ist …

Zunächst einmal war da gestern die Katze, die ein wenig Stress in den sonst eher linearen Alltag brachte, in dem sie ärztlichen Beistand einforderte. Natürlich nur unter Protest, schließlich ist man auch in der Not noch halbwegs wehrhafte Katze, aber schon beim Eintüten in die Transportbox war deutlich spürbar, dass es dem Herrn Stubentiger nicht gut geht. Das Röntgen später hat dann ergeben, dass er Probleme mit der Brustwirbelsäule hat. Da sind deutliche Veränderungen am Knochen zu erkennen. Das ist zwar sehr schmerzhaft, aber nicht hochdramatisch. Damit kann man noch ein paar Jahre leben und muss bei Bedarf Schmerzmittel nehmen. Warum soll’s der Katze auch besser gehen als mir? ;)

Nachdem das geklärt war und sich alle wieder beruhigt hatten, erledigte ich zur Entspannung die Bügelwäsche (haha), bevor wir abends zu Bett gingen. Ich konnte sogar schnell und gut einschlafen – bis 01:19 Uhr. Ich durchlebte gerade einen sehr intensiven Traum, an den ich mich – wie das halt so ist – jetzt natürlich nicht mehr erinnere, da drang eine mir bekannte und Stimme zu mir durch, die meinen Namen rief. Der Herr Lebensabschnittsgefährte lag im Sterben, zumindest ließ der Klang seiner Stimme nur diesen einen Schluss zu. Es ging ihm schlecht, kalter Schweiß stand auf der Haut und er hatte das Gefühl, gleich umzukippen.

Ich war so derbe schlaftrunken, ich konnte kaum einen klaren Gedanken fassen, schon gar keine Probleme lösen. „Weit kann er ja nicht fallen“, so viel war mir klar, „er liegt ja schon.“ Ich kämpfte dagegen an, sofort wieder einzuschlafen. Er stand noch einmal auf und ging ins Bad. Montezumas Rache hatte ihn ereilt mitten in der Nacht. Mein Brägen waberte so langsam aus dem Wachkoma in einen funktionierenden Zustand. Was hatte der Herr Lebensabschnittsgefährte den Tag über gegessen? Da er auch in der Mittagspause zuhause dinierte, hatten wir den ganzen Tag über immer das Gleiche gegessen. Na toll, schon rumorte es in meinem Bauch. Und es hörte so schnell auch nicht wieder auf. Allerdings war das nur das Mitleiden, wie es Männern oft ergeht, die ihre Weibchen geschwängert haben und dann von Übelkeit und Wehen geplagt werden. Mein Bauch beruhigte sich nur allmählich wieder, während der Lebensabschnittsgefährte längst wieder in Morpheus Armen lag. Mein mittlerweile hellwaches Gehirn ging ein wenig auf Wanderschaft. Irgendwann pfiff ich es zurück und begann tatsächlich, Schafe zu zählen. Da war es 02:39 Uhr, kurz darauf schlief ich ein.

Um 05:00 Uhr klingelte der Wecker. Ich wollte sterben. Nach fünf Minuten klingelte er erneut. Ich wollte immer noch sterben. Als ich das nächste Mal die Augen öffnete, war es 05:34 Uhr, ich sprang mehr oder weniger flott aus dem Bett und machte mir einen Kaffee, den ich selbstvergessen und im Internet surfend schlürfte und dabei die Zeit vergaß. Als ich unter die Dusche sprang, war es 05:54 Uhr, um 06:19 Uhr ging meine Straßenbahn. Zum Duschen und Abtrocknen brauchte ich exakt 4 Minuten. In Windeseile die Zähnchen schrubben, anziehen, Haare tönen, Kaffee und Brot für unterwegs machen, Katze füttern, Schuhe anziehen und los. Um 06:17 Uhr war ich an der Bahnhaltestelle. Uff.

Auf der Fahrt zum Bahnhof doch tatsächlich etwas Ungewöhnliches: Fahrkartenkontrolle in der Tram. Es kommt eher selten vor, dass man in Darmstadt kontrolliert wird. Und dann so früh am Morgen? Ich fand’s erstaunlich.

Mein ICE kam pünktlich und die Fahrt nach Köln verlief wie gewohnt ruhig.

Um uns herum waberte dichter Nebel. Und obwohl ich Nebel mag, weckt er doch immer wieder unangenehme Erinnerungen in mir, die meine Stimmung an diesem Morgen ein wenig trübten. Der Schlafmangel war wohl nicht ganz unschuldig daran.

Eigentlich hatte ich noch den Termin vorzubereiten, aber ich starrte lieber noch ein wenig aus dem Fenster und hing meine Gedanken nach.

In Köln Messe/Deutz musste ich wie gewohnt umsteigen. Dort war es zwar sonnig, aber ziemlich kühl. Und der Kaffee in Messe/Deutz ist teuer. So sprang ich kurz entschlossen in den erstbesten Zug, der zum Hauptbahnhof rüber fuhr. Dort holte ich mir für 99 ct. einen Kaffee im Kiosk am Gleis und fuhr mit meinem RE nach Krefeld weiter, wo wir pünktlich ankamen.

Vorbei an Bettlern und Flaschensammlern, Flüchtlingen, Besoffenen und Drogensüchtigen, vorbei an Häuserwänden voll Männerpisse, Gehwegen voll Hundescheiße und Tauben, die in Ausgekotztem rumpicken. Willkommen im dreckigen Hinterhof von dem „Land, in dem wir gut und gerne leben“.

Die Besprechung war heute tatsächlich weniger anstrengend. Wir legten nicht nur die anstehenden Termine, sondern auch den Fahrplan für das nächste Halbjahr fest und waren uns im Großen und Ganzen einig. Wir schafften viele Themen in kurzer Zeit. Anschließend quatschte ich noch ein wenig mit Chef, dann machte ich mich auf den Heimweg.

Da ich noch etwas Zeit hatte, lief einen kleinen Umweg zur Zoohandlung und holte wohlschmeckendes Gewürm für meine schuppigen Freunde. Dann begab ich mich zum Gleis und wartete auf meinen Zug, unsicher, ob der jemals kommen würde und wohin er mich bringen würde … ;)

In Duisburg musste ich in den IC umsteigen. Ein wenig Zeit hatte ich noch, so holte ich mir schnell eine Dose Chocomel bei Albert Heijn im Bahnhof. Dann wartete ich auf meinen Zug und beobachtete das Treiben auf dem Bahnsteig gegenüber.

Zwei Bahnmitarbeiter waren erforderlich, um die Aushänge in den Glaskästen zu tauschen. Während der eine mehr die tragende Rolle spielt, ist der andere als Tackermeister unterwegs. Ich hätte dem gut eingespielten Team noch ewig zuschauen können, aber da kam mein Zug auch schon.

Auf der Fahrt von Duisburg nach Köln gab es erst einmal Mittagessen.

Als wir in Köln standen, erfolgte die Durchsage: Aufgrund einer Streckensperrung würden wir auf der anderen Seite des Rheins entlang fahren. Super! Die Verspätung war dementsprechend auch mit 30 Minuten angegeben. Ich packte meinen Krempel zusammen und überlegte, ob ich aus dem Zug springen und mir von einem Bahnmitarbeiter die Zugbindung aufheben lassen sollte. Gerade, als ich alles in die Tasche gestopft hatte und mich umsah, erfolgte die nächste Durchsage: „Meine Damen und Herren, ich habe erfreuliche Nachrichten für Sie: Die Streckensperrung wurde soeben aufgehoben, wir können nun doch den geplanten Weg fahren.“ Nun denn. Ich packte meinen Krempel wieder aus und lehnte mich zurück. Dann fuhren wir auch schon – fast pünktlich – los.

Der Rest der Fahrt verlief ereignislos und langweilig. Ich genoss ein wenig den Blick auf den Rhein.

Pünktlich in Mainz umgestiegen, kam ich pünktlich in Darmstadt an. Für das Abendessen organisierte ich noch ein paar Brezn, schlenderte noch eine Runde durch den Kramladen im Bahnhof, dann kam endlich die Tram und ich konnte nach Hause fahren. Füße hoch, für heute reicht’s.

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