Oslo erleben

Nachdem wir uns im Hotel ein wenig ausgeruht hatten, wandelten wir zunächst die Karl Johanns gate, die sündhaft teure Shopping-Meile der teuersten Stadt der Welt entlang.

Wir knipsten und guckten und guckten und knipsten und kauften Souvenirs. Wir bestaunten und bestiegen die Oper. Sydney kann einpacken, das Ding hier ist cool!

Von hier oben sieht man gut, wie Oslo in den letzten Jahren schon umgebaut wurde und immer weiter umgebaut wird. Zumindest die Immobilien-Blase scheint auch in Norwegens Hauptstadt angekommen zu sein. Wie bereits erwähnt, geht es hier eher europäisch zu. Nicht nur die Häuser, auch die Menschen sind weniger norwegisch – was nicht zuletzt auch daran liegt, dass rund 30 % der Bevölkerung Oslos keine Norweger sind. Ich würde sie zwar nicht als unfreundlich oder rücksichtslos bezeichnen, aber Freundlichkeit und gegenseitige Rücksichtnahme sind hier sparsamer zu finden, als an den Orten des Landes, an denen wir bisher waren.

Und kalt war es auch hier so nah am Wasser. Zum Aufwärmen und weil wir langsam aber sicher eine Pause brauchten, wollten wir zu Egon im Einkaufszentrum neben dem Bahnhof, schnell noch ein paar Züge knipsen und dann weiter. Auf den Bahnsteig darf man aber nicht ohne Ticket, daher gibt es nur Bilder von oben.

Eine Weile irrten wir im Einkaufszentrum umher. Im Supermarkt suchten wir vergeblich Fenchel- und/oder Kamillentee zur Besänftigung meiner Gallenblase. Bei Kaffee ging die nämlich immer noch auf die Barrikaden. Allerdings war die Tee-Auswahl ziemlich mager, mehr als drei oder vier Schwarztees, einen Grünen Tee und irgendein Best-Of-Gemisch gab es nicht. In einem zweiten, größeren Supermarkt sah es genauso aus. Dann entdeckten wir einen Öko-Laden. Da gab es immerhin Yogi-Tees, also ging ich hinein. Kamillentee und irgendeine Magen-Darm-Mischung gab es auch. Der Kamillentee sollte 60 NOK (6,15 €), der andere 80 oder 90 NOK kosten. Nein Danke, das wir mir für Kamillentee, der unter normalen Umständen bestenfalls zum Füße baden taugt, entschieden zu teuer. Eher stürbe ich einen schmerzhaften Märtyrertod im Oslofjord!

Wir gingen essen. Aus Frust bestellte ich mir eine Pizza Quadro Formaggi. Erst genoss, dann bereute ich sie. Zu trinken gab es für mich Grünen Tee mit Lemon. Interessanter Geschmack und vor allem besser als nichts. Der Lebensabschnittsgefährte aß einen Burger.

Nach dem Essen machten wir uns auf den Weg zur Festung. Dabei hatten wir nochmal Gelegenheit, die Oper im Dunkeln zu knipsen. Wir irrten durch ein paar sehr schlecht beleuchtete Straßen. Und Dank Winter und 1500 km nördlich von der Homebase und dickem Nebel war es um 16 Uhr bereits stockdunkel. Die Dichte von Ladestationen für Elektro-Autos ist in Norwegen sehr hoch. In Oslo fanden wir an mehreren Stellen ganze Straßenzüge, wo das Aufladen von Elektrofahrzeugen möglich ist.

Die Osloer sparten nicht nur an den Straßenlaternen, sondern auch an den Straßenschildern. Wir stolperten durch finstere unbekannte Gassen. Und selbst wenn wir auf ein Straßenschild stießen, fehlte das Licht, um selbiges entziffern zu können. Als wir in eine Sackgasse kamen und irritiert beobachteten, wie zwei in Camouflage-Uniformen gekleidete Männer am Ende der Straße ein Fahrzeug kontrollierten und erst nach der Kontrolle die Schranke zur Weiterfahrt öffneten, vermissten wir Schilder und Licht sehr schmerzlich. Oslo wirkte ein wenig militant auf uns.

Wir fassten uns ein Herz und gingen auf die Uniformierten zu und fragten nach dem Weg zur Festung. Wir hatten sie gefunden! Wir hatten nur nicht gewusst, dass das Festungsgelände nach wie vor vom norwegischen Militär genutzt wird und deswegen uniformierte Wachen kontrollierten, wer das Gelände befuhr. Eine gleichzeitige militärische und zivilie Nutzung eines Geländes ist mir in Deutschland noch nicht begegnet.

Irgendwann waren wir durchgefroren und hatten alles gesehen, was man ohne Tageslicht anschauen konnte. Das Schloss der Festung selbst war wegen einer Veranstaltung geschlossen. Wir machten noch ein paar Selfies und unsere eigenen Lichtspiele.


Dann machten wir uns auf den Weg zurück zum Hotel. Durch die schlecht und teilweise sogar unbeleuchteten Nebenstraßen versuchten wir noch, das Rathaus zu finden. Als wir an der Rückseite angekommen waren, plagten mich allerdings so sehr Bauchschmerzen, dass ich so schnell wie möglich ins Hotel wollte. Und dem Lebensabschnittsgefährten schmerzten die Füße. Wir waren ja so schlau, am Tag vor der Abreise noch neue Schuhe zu kaufen, in denen er nun unterwegs war.


Nachdem mein Bauch sich beruhigt und wir uns akklimatisiert hatten, setzte ich mich an den Schreibtisch und schrieb, während der Lebensabschnittsgefährte sein Bier trank, dass wir mittags eingekauft hatten.