Tag 2 - Durch Südschweden

Um 06:15 Uhr klingelt der Wecker - wie jeden Morgen. “Irgend jemand” hat wohl vergessen, den abzustellen … Und als wäre das nicht schon schlimm genug, hat ein Achtbein meinen Bert besetzt!

Spinne am Auto

Unser Auto muss dringend auf- und umgeräumt werden, wir finden nichts! Ich, hauptberuflicher Ordnungsfanatiker, bekomme schon am ersten Morgen eine mittelschwere Krise und mit erheblicher Verspätung einen Kaffee. Danach geht’s und wir fahren sofort los. Unser Plan sieht vor, an einem Rasthof einen Stopp einzulegen und dort auch zu duschen. Die Webseite einer örtlichen Tankestellen-Kette gibt Auskunft, welche Stationen über eine Dusche verfügen.

Wir fahren die 108 bis Staffanstorp, wo wir uns ein wenig verfahren und dadurch unfreiwillig den Ort gesehen haben. Jemand fegt den Rasen mit einem dieser rotborstigen Straßenbesen. Die Schweden sind ein seltsames Volk. Aber immerhin finden wir die E22. Wir wollen möglichst schnell Richtung Norden kommen.

Ein vollbesetzer Bus samt entsprechender Haltestellen an der Autobahn, ist für einen Deutschen ja schon ungewöhnlich genug. Die Schweden sind ein seltsames Volk. Nach 1,5 Jahren Pandemie setzen sie noch einen drauf, indem der vollbesetzte Bus fast komplett maskenfrei ist. Lediglich ein einziger Fahrgast war maskiert. Eventuell bekommen die hier nochmal ein Problem, wenn die Delta-Variante übers Land rollt. Ich für meinen Teil brauche jedenfalls noch ein wenig, mich an diesen Anblick wieder zu gewöhnen. Der Mensch ist halt Gewohnheitstier.

Wir wechseln auf die 13 Richtung Höör. Der Herr Lebensabschnittsgefährte fährt und fährt und fährt und fährt am Abzweig vorbei. Auch so ein neues Ding, an das wir uns erst noch gewöhnen müssen: Fahren ohne Navigationsgerät. Niemand, der einem ständig vorquakt, wo man sich einordnen soll und wann man abbiegen muss. Selbstdenken ist gefragt und das muss erst wieder antrainiert werden. Für unsere Fahrzeug-Variante gibt es kein Navi ab Werk und außerdem fahren wir im Urlaub gerne nach Karte.

So bleibt es ein Weilchen unbemerkt, dass wir den Abzweig verpasst haben. Im dicht besiedelten Süden des Landes mit ebenso dichtem Straßennetz ist das nicht weiter tragisch, wir kommen auch so auf die 23.

Am Parkplatz Osby ist besagte Tankstellen-Station mit Dusche. Der Herr Lebensabschnittsgefährte geht auch duschen. Aber da er den Hinweis erhalten hat, dass diese Einrichtung eigentlich den Fernfahrern vorbehalten ist, ist mir die Lust auf die Dusche ja schon wieder vergangen und ich verzichte. Stattdessen räume ich den Camper auf.

Drei Stunden dauert unsere Rast hier insgesamt, dann geht es auf der 23 weiter gen Norden. Mir ist übel und ich bin müde, der Stress hat mich. Daher fahre ich an diesem Tag auch nicht. Ich knipse auch nicht viel. Eigentlich mache ich überhaupt nichts weiter, als auf dem Beifahrersitz vor mich hin zu vegetieren.

Kurze Rast

Wir nehmen die 124, um auf die E4 zu kommen. Bei Tannö fahren wir runter und machen uns auf Parkplatzsuche. Nach einer kurzen Rast fahren wir kleinere, enge Straßen. Jeder grüßt uns hier, selbst ein Mädchen auf einem Pferd winkt uns zu. Das bessert meine Laune schlagartig.

Wir durchqueren Värnamo und fahren zurück auf die E4 bis Jonköping, wo wir auf die 195 weechseln, um am Vättern entlang zu fahren.

Bei Fagerhult soll es einen 4x4-Stellplatz mitten im Wald geben, den wir suchen. Über Schotter- und Sandpisten mit engen Spitzkurven finden wir den Platz auch. Hier passen mehrere Camper hin, allerdings ist alles voll und alles voller Deutscher. Wir kehren wieder um und fahren die 195 etwas weiter über Waldwege bis Tidaholm, wo wir auf dem Campingplatz unser Lager für die Nacht aufschlagen.

Eingang Campingplatz

Zunächst benötige ich dringend eine Dusche! Und das Auto eigentlich auch, aber dafür ist jetzt keine Gelegenheit, was sehr bedauerlich ist.

Die Dusche wirkt wunder und ich bin wieder fit. Der Campingplatz ist sehr schön, wenig besucht, sauber und ruhig.

Unser Stellplatz

Es gibt sogar einen kleinen Anleger, um mit Kajaks ins Wasser zu gehen. Wir haben unsere zwar auch dabei, aber das ist uns jetzt doch zu aufwändig, außerdem haben wir noch anders zu tun.

Einstiegsstelle

Wir bauen noch ein wenig an unserem Camper weiter, schrauben die Blende beim Küchenschrank vorne dran und befestigen noch ein paar Bretter und Leisten, die für die Stabilität der Möbel nicht wichtig sind, sondern unseren Kram davon abhalten sollen, während der Fahrt wahllos im Auto umher zu wandern. Viel Elan haben wir allerdings nicht mehr. Wir gehen wieder früh zu Bett.

Zum Schluss noch die Statistik: 392 Kilometer haben wir an diesem Tag zurückgelegt.

392 km

Author

dark*

Immer gerne auf Tour, am liebsten im Norden

24. Juni 2021