Tag 14 - Über Schotterpisten und Umwege Richtung Varangerfjord

Wir waren ziemlich früh wach, weil es ziemlich warm war im Camper. So machten wir uns dann auch rasch fertig.

Erstmal Kaffee!

Nach dem Frühstück liefen wir noch eine Runde durch die Außenanlagen des Meeresmuseums, das gegenüber vom Campingplatz liegt, aber so früh noch geschlossen war. Der Herr Lebensabschnittsgefährte wollte die unglaubliche Menge Möwen knipsen, die jedes Fischerboot bei der Aus- und Einfahrt begleitet und ansonsten im Hafen rumlungerte. Und Bewegung vor dem Fahren schaden ja auch nicht.

Ein kurzer Abstecher auf die Mole lag im wahrsten Sinne des Wortes nahe, der Zugang war nämlich über das Museumsgelände.

Um 9 Uhr machten wir uns dann auf den Weg.

Unser nächstes Etappenziel war Båtsfjord, das wir über die 891 erreichten. Allerdings ist der Ort längst nicht so schön wie Berlevåg. Daher gingen wir dort nur einkaufen.

Als wir auf dem Parkplatz des Rema 1000 ankamen, stellte sich dort folgende Situation dar: Ein größerer Lkw stand mitten auf dem Parkplatz, wirklich mitten drin. Geparkt. An der Seite fuhr ein Auto mit zwei Insassen besetzt ständig hin und her, parkte ein und wieder aus. Es handelte sich dabei um eine Fahrschule. Neben dem Eingang saßen zwei Frauen an einem Tisch und tranken Kaffee. Und dann kamen wir ins Bild mit unserem knallroten Pickup mit dem auffälligen Alu-Hardtop drauf und deutschem Kennzeichen, außerdem total unentschlossen, wo wir parken sollten. Sollten wir den Fahrschüler stören? Oder uns mitten auf dem Platz neben dem Lkw einreihen? Wir fuhren ein paar Mal hin und her und blieben letztendlich ziemlich schief mitten auf dem Platz mit etwas Ragierabstand für den Lkw stehen.

Die beiden kaffeetrinkenden Frauen beobachteten uns dabei unablässig und ihre Gestik und Mimik ließ darauf schließen, dass wir Gesprächsthema waren. So viele Deutsche sind hier noch nicht unterwegs und keiner von denen so auffällig. Und als wir dann auch noch bereits auf dem Parkplatz noch vor Betreten des Ladens unsere FFP2-Masken aufsetzten, waren wir endgültig als Aliens klassifiziert, glaube ich. Jedenfalls hätte wir kaum mehr Aufmerksamkeit erregt, wenn wir mit einem Ufo gelandet wären …

Schotterpiste

Nachdem wir in Båtsfjord durch waren, fuhren wir nach Nordfjord. Die Schotterpiste dorthin war der Hammer. Die bestand eigentlich nur aus Schlaglöchern und Schrittgeschwindigkeit war selbst für den Ranger noch zu schnell. Hinten im Camper flog alles Hab und Gut, das nicht festgezurrt war, munter durch die Gegend. Entgegenkommende Fahrzeuge, die es erstaunlicherweise gab, wurden von ihren Besitzern fast getragen.

Alles hätten wir am Ende der Piste erwartet, aber nicht eine Siedlung mit lauter ziemlich elitär wirkenden Hütten in einer ziemlich steril und elitär wirkenden Gegend. Einen Parkplatz gab es hier nicht, Fremde schienen nicht sonderlich willkommen. Wir drehten ziemlich bald wieder um und machten Rast an dem Rastplatz mit Blick auf den Syltefjord, der uns an der Schotterpiste aufgefallen war.

Rastplatz

Anschließend ging es die Schotterpiste und die 891 zurück. Kurz bevor wir wieder auf der 890 waren, machten wir am Geatnjajávri eine kurze Kaffeepause. Die war wirklich nur kurz, die Mücken wollten mich schon wieder auffressen.

Wir wollten noch zum östlichen Zipfel der Varangahalvøya, nach Vardø. Auf dem Weg dorthin machten wir Halt an einem Rastplatz. Dies war eines dieser Edel-Klos mit viel Sichtbeton, architektonische Kleinode entlang der Landschaftsrouten, auf die die norwegische Tourismusbranche unheimlich stolz ist.

Drin war es übrigens ziemlich dunkel, zugig und kalt. An der Wand steht: “Wer im Glashaus sitzt, sollte nicht mit Steinen werfen.” Ich denke, man muss den Stil mögen. Ich finde diese Edel-Toiletten jedes Mal aufs Neue skurril.

Einen letzten kurzen Stopp machten wir in Nesseby an der Kirche, die sehr schön ist. Allerdings war der Wind eisig kalt, weswegen wir uns dort nicht lange aufgehalten haben.

Kurz hinter Vadsø fanden wir dann einen Stellplatz unterhalb des Flughafens. Wir checkten kurz den Flugplan und befanden, dass wir mit den paar Propellermaschinen, die dort starten und landen, leben könnten.

Der Platz war toll und wir hatten vom Camper aus einen tollen Blick auf den Fjord, wo wir ziemlich lang die Möwen beobachteten, die in einer großen Gruppe über dem Wasser unterwegs waren, offensichtlich sind sie einem Fischschwarm gefolgt.

Möwen

Später kam ein Auto mit einem kleinen Häuschen auf dem Hänger vorbeigefahren. Die Insassen, ein Mann und eine Frau in Badekleidung, stiegen aus und krochen in ihr Häuschen, offensichtlich eine Sauna, und sprangen anschließend in den kalten Fjord. Dann fuhren sie wieder weg.

Saunagäste

Der nächste “Gast”, der bei uns vorbeigefahren kam, war ein Norweger, der mit dem Heck zur Küste stehen blieb und ein paar Fischabfälle Richtung Wasser warf. Festessen für die ansässigen Möwen.

Zum Schluss wie immer die Statistik: 330 Kilometer sind wir an den letzten beiden Tagen gefahren.

330 km