Zur Hochzeit nach Köln

Unser heiratswütiger Bekanntenkreis hat wieder zugeschlagen und wir mussten uns in feinen Zwirn schmeißen. Mittlerweile haben wir darin ja schon Routine, immerhin war dies die siebte Hochzeit, auf der wir waren. Und da der Bekanntenkreis einerseits weit verstreut ist, sich andererseits auch immer spannende Locations für den schönsten Tag aussucht, hat es uns dieses Mal nach Köln verschlagen.

Gestern stand „nur“ der standesamtliche Termin auf dem Plan. Dieses „nur“ bei der standesamtlichen Trauung hat sich irgendwie in den Sprachgebrauch eingeschlichen. Ist ja „nur“ ein Verwaltungsakt, nicht wahr? Dabei ist das ja der eigentlich viel wichtigere Termin, die offizielle Trauung, das gesetzliche Ding, das Pflichtprogramm der Eheschließung, der Point of no return des Beziehungslebens quasi. Da ist es immer eine große Ehre, dabei sein zu dürfen, zum engsten Kreis zu gehören. Der kirchliche Kram ist die Kür, fürs Auge, für den mehr oder weniger großen Freundes- und Bekanntenkreis, um nicht zu sagen für Pomp und Pöbel.

Für die Ehre des Dabeiseins standen wir morgens um 6 Uhr auf. Eigentlich hätten wir es auch etwas ruhiger angehen lassen können, aber am Tag zuvor verkündete unsere Vermieterin, dass aufgrund von Reparaturarbeiten um 8 Uhr das Wasser abgedreht werden würde. Bis dahin sollten wir möglichst fertig sein, also quälten wir uns früh aus den Federn und waren um kurz nach Acht schon unterwegs.

Ab da war nichts mehr los, größte Verkehrsaufkommen hatten wir in der Darmstädter Innenstadt bereits hinter uns gelassen, die Bahn war frei. Ohne große Eile waren wir eine Stunde und fünfzig Minuten später mitten in Köln bei strahlendem Sonnenschein hinter einem knallroten Lkw.

Wir hatten noch ein wenig Zeit bis zur Trauung, weswegen wir zunächst auf der Schäl Sick in Kalk blieben und die Köln Arcaden aufsuchten, um dort noch ein paar Einkäufe zu tätigen.

Als wir fertig waren, machten wir uns auf, den Rhein zu überqueren. Wir mussten zum Heumarkt, wo wir unser Auto in der Tiefgarage abstellten, und die letzten Meter zum Historischen Rathaus zu Fuß gingen.

Die Trauung fand in der sogenannten Rentkammer statt, einem nach historischem Vorbild wiederhergestellten Raum, den ich ziemlich cool fand. Nachdem alle wieder draußen waren, habe ich noch schnell zwei Fotos gemacht.

Im Anschluss an die Trauung lernte ich sogar noch einen meiner Fans und stillen Mitleser kennen. Das ist schon witzig, wenn man von Fremden auf die Texte hier auf der Seite angesprochen wird. Allerdings setzt es auch ein wenig unter Druck, denn es wird mit Spannung die Fortsetzung meines Reiseberichts von unserer Hurtigrutenfahrt erwartet, da muss ich mich wohl bald mal wieder dransetzen.

Anschließend gab es einen Sektempfang vor dem Rathaus, bevor wir uns auf den Weg zu dem Lokal machten, wo es Mittagessen gab. Nachdem wir aus dem Parkhaus raus waren, mussten wir direkt unter der Deutzer Brücke hindurch. Dadurch schaffte es die Navigation auf dem Smartphone nicht rechtzeitig, mir zu sagen, wo ich hinfahren soll. Und so sind wir prompt falsch abgebogen, was an dieser Stelle etwas problematisch ist. Die Straße führte nämlich über die Deutzer Brücke und erst auf der anderen Seite des Rheins kurz vor dem Deutzer Bahnhof konnte ich wenden. Wir fuhren also wieder zurück über den Rhein und noch einmal an der Parkhaus-Ausfahrt vorbei, um dann endlich links abzubiegen. Und nein, das ist ausnahmsweise mal nicht meinem schlechten Orientierungssinn geschuldet, das geht an der Stelle tatsächlich nicht anders, wenn man falsch abgebogen ist.

Wir mussten in die Südstadt und parkten in der Nähe des Geburtshauses von Heinrich Böll. Wir aßen in einem griechischen Lokal und es wurde unglaublich viel Essbares aufgetischt.

Zunächst gab es eine Auswahl an kleinen Vorspeisentellern. Da konnte jeder mal alles probieren, was ich mir allerdings angesichts der Saugnäpfe dann doch eher verkniffen habe.

Danach war ich pappsatt. Aber das war ja erst der Anfang, die Hauptspeise gab es nach der Karte, ich bestellte Schweinefilet. Als Beilagen gehörten Salat und Pommes dazu. Die Salate wurden vor dem Hauptgang serviert und waren ziemlich üppig. Nachdem ich meinen Salat gegessen hatte, war ich wirklich satt. Dann kam der Hauptgang.

Uff. Drei davon und die Pommes schaffte ich, eines hat der Lebensabschnittsgefährte aufgefuttert, das letzte ließen wir zurückgehen. Wir konnten nicht mehr. Und als ich gerade überlegte, ob ich lieber platzen oder kotzen soll, kam die frischgebackene Schwiegermutter mit einer selbstgemachten Torte aus der Küche.

Im oberen Teil versteckte sich Raffaelo-Creme mit Himbeeren, im unteren Amaretto und Birne. Eigentlich bin ich kein Fan von Kokos, aber das war tatsächlich sehr lecker! Leider hatte ich keine Gelegenheit mehr, den unteren Teil zu probieren, denn nach dem oberen Teil war Feierabend. Alle Anwesenden fühlten sich ausreichend gemästet und keiner brachte noch einen Bissen runter. Lediglich der Kaffee passte noch in den Magen.

Leider mussten wir uns bald darauf auch schon wieder verabschieden. Weit kamen wir allerdings nicht, nach über einer Stunde standen wir immer noch am nicht einmal sieben Kilometer entfernten Kreuz Gremberg.

Wegen Verzögerungen auf der berechneten Route empfahl das Navi uns, auf die A4 zu wechseln. Nachdem wir eine halbe Stunde nur standen, kamen mir Zweifel, ob das die beste Idee war. Auch weil das Navigationsgerät nicht davon abzubringen war, dass wir 1:37 h später schon zuhause sein sollten. Diese Angabe blieb die ganze Zeit so. Die Navigationen auf den Smartphones waren derselben Meinung. Offenbar hatte sich noch nicht herumgesprochen, dass hier am Autobahnkreuz nichts mehr ging.

Nach einer Weile verloren die ersten Autofahrer die Geduld und wechselten vom Zubringer quer über den Grünstreifen auf die mittlere und linke Spur der A559. Als der Verkehrsfunk im Radio sich meldete, schickte sich sogar ein Lkw an, einen solchen unorthodoxen Fahrstreifenwechsel vorzunehmen. Im Radio wurde gesagt, dass die Zufahrt zur A4 wegen eines Unfalls gesperrt sei. Das erklärte natürlich, warum hier nichts mehr ging. Wir entschieden uns entgegen den Empfehlungen der Navigationsgeräte auf der A559 zu bleiben und zur A3 zu fahren. Ich scherte aus und ordnete mich auf der mittleren Spur ein. Kurz darauf passierten wir die Zufahrt zur A4.

Zwar war nicht die Richtung gesperrt, in die wir mussten, aber da ging trotzdem nichts mehr. Kurz darauf waren wir endlich auf der A3. Der Rest der Fahrt verlief ruhig und entspannt. Um zwanzig vor Neun waren wir endlich zuhause und konnte unser armes halbverhungertes Tigerkatzitatzi füttern.

Demnächst sehen wir uns wieder zum Pomp, bei dem auch wir Teil des Pöbels sein dürfen. ;)

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