Beerdigung und Familienbesuch
Es war lange still hier, die Spaziergänge für Februar und März müssen noch nachgereicht werden. Der Grund ist simpel: Ich war krank. Ende Februar hat es mich aufs Krankenbett und Anfang März auf den OP-Tisch geworfen. Der Grund für meine jahrelangen Bauchschmerzen, die auch im Reiseblog ab und zu thematisiert wurden, ist gefunden und beseitigt worden. Jetzt geht es aufwärts, langsam aber stetig. Und ich fange wieder an zu bloggen und zu reisen.
Vor einer Woche erhielt der Herr Lebensabschnittsgefährte die Nachricht, dass eine langjährige und sehr geschätzte Arbeitskollegin verstorben ist. Freitag wurde der Termin der Beerdigung mitgeteilt. Am Sonntag entschlossen wir uns kurzfristig, zur Beerdigung zu fahren. Montags hatte ich einen Termin zur Bronchoskopie, Dienstag reinigte und packte ich den Camper. Mitwochmorgen geht es los, erstmal zur Tanstelle.
Tanken müssen wir nicht, das haben wir vor zwei Tagen für 2,23 € für den Liter Diesel erledigt. Die vermutlich teuerste Tankfüllung bisher und wir waren schon in Ländern, in denen der Sprit traditionell teurer war als in Deutschland. Heute brauchen wir nur Luft, die ist hier zumindest noch kostenlos. In Darmstadt wollten die Tankstellen dafür auch schon jeweils einen Euro haben.
- 2,28 € pro Liter Diesel
- 2,35 € pro Liter Diesel
Zwar ist es begrüßenswert, dass die Preise nur noch einmal täglich erhöht werden, wird aber vermutlich darauf hinauslaufen, dass die Preise jetzt dauerhaft hoch sind. Und das nicht, um die Umwelt zu schonen oder weil Kraftstoff gerade unfassbar knapp ist, sondern weil die Konzerne sich die Taschen voll machen.
- A20
- Nebel
Wir fahren den ganzen Tag. Dank meiner voranschreitenden Genesung kann ich auch wieder Auto fahren, so dass wir uns regelmäßig alle 1,5 bis zwei Stunden abwechseln. Die Rastplätze, die wir dafür angesteuert haben, sind in der Galerie zu finden. Es ist zwar auch einiges los, aber wir kommen dennoch recht gut durch. Wir haben tatsächlich den Eindruck, dass die meisten Leute ein klein wenig langsamer fahren aufgrund der exorbitant hohen Spritpreise.
Unser Auto hat eine neue Fehlfunktion: Wenn man die Fahrertür öffnet und Licht eingeschaltet ist, schlägt Bert normalerweise mit einem nervigen Ton Dauer-Alarm. Das hat er jetzt mindestens einmal nicht gemacht. Beim zweiten Stopp geht es aber wieder.
- Skyline Frankfurt am Main
Eine Landmarke auf der A5 Richtung Süden ist die Skyline von Frankfurt am Main, die man kurz hinter Rosbach von der Höhe für einen Augenblick sehen und knipsen kann.
Wir fahren weiter nach Dreieich auf den bekannten, etwas ranzigen Parkplatz. Es stört niemanden, wenn man eine Nacht dort steht. Wir sind ziemlich fertig. Es gibt noch Abendessen und dann legen wir uns bald hin, der Herr Lebensabschnittsgefährte guckt seine Serie und ich höre Podcasts.
Direkt neben dem Parkplatz ist ein Angelteich und wir stehen mit Blick auf das Wasser. Von dort ist in der Nacht feucht-kalte Luft in den Camper gezogen und ich habe ziemlich gefroren und nur wenig geschlafen. Auf dem Tümpel wohnen außerdem Kanada- und Nilgänse. Irgendeine von denen hatte die ganze Nacht irgendetwas zu schnattern.
- Stellplatz
Bei Temperaturen nur knapp über dem Gefrierpunkt geht der Herr Lebensabschnittsgefährte morgens Brötchen holen, wähend ich im Camper noch meinen Kaffeeersatz in mich hinein schütte. Kaffee lehnt mein Körper seit der Operation ab. Brötchen aber glücklicherweise nicht, so gibt es erst einmal leckeres Frühstück.
Anschließend fahren wir Richtung Pforzheim. Der Ort, an dem die Beerdigung stattfindet, liegt dort in der Nähe. Wir sind recht früh schon da und setzen uns auf dem Friedhofsparkplatz hinten in den Camper. Ich mache Mittagessen und anschließend gehen wir eine Runde auf dem Friedhof spazieren. Zwar ist auch Wald nebenan, aber auf Wald habe ich keine Lust und auf dem Friedhof scheint wenigstens die Sonne.
Da ich die Verstorbene kaum kannte, geht der Herr Lebensabschnittsgefährte alleine auf die Beerdigung. Außerdem war ich noch nie auf einer Beerdigung und habe auch nicht vor, an so einer Veranstaltung teilzunehmen. Ich bleibe so lange im Camper und lege mich hin. Es ist schön warm, die Sonne scheint aufs Dach. Ich höre Podcasts und daddel auf dem Handy rum.
Nach der Beerdigung fahren wir nach Grötzingen auf den Parkplatz von dem dortigen Sportplatz. Dort wird es wohl auch geduldet, wenn man für eine Nacht dort steht.
- Blick aus dem Camper
Der Blick aus dem Camperfenster endet an der Fassade der Sporthalle. Drin wird Tennis gespielt, auf dem Parkplatz herrscht ein wenig Kommen und Gehen aber alles in sehr geringem Ausmaß. Es ist später Nachmittag, es ist ziemlich ruhig. Wir sitzen im Camper und spielen und Essen das Plundergebäck vom Bäcker. Aufgrund des Schlafmangels der vergangenen Nacht, endet auch dieser Abend wieder früh mit Serie und Podcast.
Die Nacht war ruhig, es war auch nicht so kalt wie in der Nacht zuvor. Wir haben ziemlich gut geschlafen.
- Stellplatz
An nächsten Morgen, es ist Karfreitag, fahren wir nach Frankfurt. Auf der Autobahn ist es ziemlich voll, aber der Verkehr fließt trotzdem gut. In Lorsch auf dem Wohnmobilstellplatz halten wir zum Entsorgen an.
Bei den Eltern gibt es mittags Auflauf mit Lachs, Kartoffeln und Zucchini. Später gibt es noch Kuchen. Ich esse viel zu viel. Aber dennoch bekomme ich keine Bauchschmerzen, ich fühle mich nur unglaublich vollgefressen. Dabei war meine Portion nur halb so groß wie die der anderen.
Nachmittags fahren wir bis Northeim, was sich schon fast wie zuhause anfühlt. Wir haben Glück, einer der Wohnmobilstellplätze ist noch frei. An einem verlängerten Wochenende mit schönem Wetter hatten wir durchaus die Befürchtung, dass alles voll ist.
In Northeim haben wir - wie immer - gut geschlafen. Mittlerweile ist es Samstag. Zwar hätten wir noch zwei Tage Zeit, aber wir haben keine Lust, das ganze Wochenende unterwegs zu sein. Wir sind beide ziemlich fertig und wollen noch zwei ruhige Tage zuhause verbringen. Nicht nur mein ständiges Kranksein, sondern auch der Job des Herrn Lebensabschnittsgefährten ist derzeit etwas fordernd. Wir sind urlaubsreif.
Mein Darm ist das ebenfalls. Die Autofahrerei der letzten Tage reicht ihm als Bewegung nicht aus. Meine Darmträgheit scheint derzeit etwas schlimmer zu sein als vor der OP. Der Mann geht daher nicht nur Brötchen holen, sondern auch zur Apotheke. Ich will meinem Darm medikamentös auf die Sprünge helfen.
Nach dem Frühstück fahren wir los Richtung Heimat.
- Förderturm Schacht Konrad
- Freiwillige Feuerwehr Gusborn
- Dömitzer Elbbrücke
Wie so oft fahren wir von Braunschweig bis Ludwigslust über Land. Am liebsten würde ich in jedem Ort bei der freiwilligen Feuerwehr halten und das Gebäude knipsen, aber dann kommen wir ja nie irgendwo an. So füllt sich meine Feuerwehr-Galerie nur langsam.
Auf dem Weg nach Hause müssen wir noch einmal tanken. Der günstige Preis ist jetzt um 11:45 Uhr 2,32 Euro pro Liter. Um 12 Uhr springt der Preis um neun Cent hoch. Auf der Autobahn kostet der Liter Diesel übrigens über 2,70 Euro. Mir ist es ein Rätsel, was für Leute da noch tanken. Allerdings ist an den Autobahn-Tankstellen auch nichts los.
- Diesel 2,32 € pro Liter
- Diesel 2,41 € pro Liter
Unser Auto klappert. Das ist mir schon vorher aufgefallen, nicht erst heute. Manchmal hört man ein leicht schepperndes Geräusch, als wäre ein Blech lose oder so. An einer Raststätte halten wir an und der Herr Lebensgefährte guckt nach.
- Teil auf dem Unterfahrschutz
- Rostiges Teil
Auf dem Unterfahrschutz lag irgendein rostiges Ding. Wir wissen nicht, ob das mal zu unserem Auto gehörte. Da wir demnächst ohnehin in die Werkstatt müssen, nehmen wir das mit und fragen da nach.
- A20
Klapperfrei fahren wir die letzten Kilometer über die A20 nach Rostock. Pünktlich zu Kaffee und Kuchen sind wir da.
Als Fazit dieser ersten kurzen Reise mit meinem operierten Bauch kann ich sagen, dem geht’s erstaunlich gut. Nach dem Essen weiterfahren sorgt nicht für furchtbare Schmerzen, wie ich sie zuvor immer hatte, wenn ich im Autositz sitzen musste. Aber nicht nur der Darm war schwer tangiert, auch die Blase. Schon vor 25 Jahren war ich dafür bekannt, ständig “auf’s Grün” zu müssen, wenn wir im Auto unterwegs waren. Das hat sich jetzt ebenfalls erledigt. Fühlt sich alles fast normal an, nur der Darm ist noch etwas träge. Aber auch das wird noch.