Ein Sommerfest, ein Jubiläum und ein abgesagter Holland-Trip

Es sollte ein Bürobesuch wegen Sommerfest, ein Jubiläum und ein Kurzurlaub werden. Wir hatten das schlechteste Timing, das man nur haben kann. Es wurde die Hitzehölle und stark abgekürzt. Immerhin hat es für eine kurze Fahrradtour und eine Runde Minigolf gereicht.

Von Darmstadt nach Northeim

Samstag, 20. Juni 2026

Um fünf Uhr waren wir bereits wach. Da das Auto noch gar nicht gepackt war, war das ganz praktisch. Gestern Abend haben wir unser Zeug zusammengesucht und ich dachte mir, ich räume das im Auto ein, wenn der Herr Lebensabschnittsgefährte Brötchen holen geht. Und so machten wir es dann auch.

Gegen halb Zehn geht es endlich los. Wir müssen erst tanken und fahren dann auf die Autobahn Richtung Wismar.

Bert wäre ja nicht Bert, wenn er sich nicht wie Bert aufführen würde. Und deswegen gibt es eine Meldung. Aber die ist ausnahmsweise erwartbar, die nächste Inspektion steht an.

Ein Novum auf dieser Reise: Wir nehmen die Fahrräder mit. Das haben wir bisher noch nicht gemacht, weil wir zum einen überwiegend in den Wintermonaten verreisen, zum anderen weil das mit unserem Camper ein wenig unpraktisch ist. Wir müssten den Fahrradträger immer abklappen, um in den Camper zu kommen. Wir haben aber einen uralten Fahrradträger, den man nicht einfach so abklappen kann. Wir müssen ihn losdrehen und dann steht er schräg und wir können uns reinquetschen. Und auf dieser Reise wollen wir testen, wie gut das in der Praxis funktioniert.

Als wir in Northeim ankommen, herrschen 32 °C. Ich bin total fertig, man wird in der Fahrerkabine regelrecht gegrillt, wenn man Richtung Süden fährt. Trotz Klimaanlage ist es extrem unangenehm, ständig in der prallen Sonne zu sitzen.

In Northeim haben wir ja schon öfter einen Übernachtungsstopp eingelegt. Der Platz ist angenehm und ruhig und bietet außerdem Schatten - in diesen Tagen ein nicht zu unterschätzender Vorteil.

Wir gehen beim Lidl einkaufen. Lidl hat eine Klimaanlage, der Einkauf ist quasi ein Kurzurlaub vom schrecklichen Wetter. Wir kaufen kalten Cappuccino aus der Kühlung und wir nehmen einen 500-ml-Pott Erdnuss-Eis mit. Kleinere gab es nicht und außerdem stellt sich die Größe im Nachhinein als optimal heraus.

Zurück am Auto bauen wir schnell den Fahrradträger ab, damit wir die Heckklappe ganz öffnen und uns da drauf setzen können. Im Camper kühlt es besser ab, wenn alles geöffnet ist, außerdem haben wir unsere Camping-Stühle zuhause vergessen. Egal, jetzt sitzen wir auf der Heckklappe im Schatten und löffeln genüsslich den Eisbecher.

Um 21:30 Uhr herrschen immer noch 29 °C draußen. Hier drin auch. Nützt aber alles nichts, wir müssen ja irgendwann ins Bett. Erstmal kalt abwaschen von oben bis unten, das tut ganz gut. Und das Heckklappenfenster bleibt wie alle anderen Fenster auch über Nacht geöffnet, sämtliche Lüfter laufen.

Ich hätte sogar schlafen können, würden da nachts gegen halb Eins nicht irgendwelche Spinner mit Autokorso, Fanfaren und Gehupe feiern, dass Deutschland bei der Weltmeisterschaft ins 16tel-Finale gekommen ist. Was für ein Leistung … Demnächst feiern wir dann, dass die Jungs alleine aufs Töpfchen gehen können.

Wir bleiben hier

Sonntag, 21. Juni 2026

Wir werden vor dem Wecker wach, der um 07:00 Uhr geklingelt hätte. Die Luftfeuchtigkeit beträgt fast 70 %, die Außentemperatur 21,2 °C.

Der Herr Lebensabschnittsgefährte geht Brötchen holen, ich checke die Wetter-App und falle fast in Ohnmacht. Mittwoch und/oder Donnerstag sollen es in Darmstadt 40 Grad werden, schon jetzt ist es dort fünf bis sechs Grad wärmer als hier. Wollen wir da wirklich hin? Der Mann ja, ich nicht. Der Mann hat Sommerfest im Büro. Ich dachte ja ganz naiv, ich mache dann mal wieder einen Stadtbummel, gucke mir vielleicht irgendwas an oder verbringe sonstwie den Tag. Aber bei diesen Temperaturen? Never ever.

Entscheidung beim Frühstück

Der Herr Lebensabschnittsgefährte kehrt mit dem Frühstück zurück und wir besprechen die Situation.

Wir beschließen, bis Dienstag in Northeim zu bleiben. Hier sollen die Temperaturen nicht über 30 Grad steigen. Das ist für mich aushaltbar und für den Mann ja auch angenehmer zum Arbeiten. Dienstag nach der Arbeit fahren wir die Strecke nach Darmstadt. Mittwoch arbeitet der Mann im Büro, ich bleibe im Camper und mache nichts. Abends geht der Mann aufs Sommerfest, ich bleibe im Camper und mache nichts. Und Donnerstag entfliehen wir dem Moloch wieder.

Das hat auch einen weiteren Effekt: Die Plätze mit Stromversorgung, die wir rund um Darmstadt kennen, haben alle keinen Schatten. Hier haben wir beides, Schatten und Strom. Und eine Eisdiele, die fußläufig zu erreichen ist.

Das Auto stellen wir auf einen anderen Platz, auf dem wir auch am Morgen Schatten haben. Lediglich eine kurze Zeitspanne scheint die Sonne auf das Dach. Davor schützen wir uns mit einer weißen Plane.

Fahrradtour und Abwasser-Entsorgung

Wir müssen Abwasser, insbesondere den Urinkanister unserer Trockentrenntoilette entsorgen, wenn wir noch ein paar Tage hier stehen bleiben wollen. Wir haben aber keine Lust, mit dem Auto zur Entsorgungsstation zu fahren, die auf dem anderen Stellplatz in Northeim ist. Also schwingen wir uns auf die Fahrräder, den Kanister bei mir hinten im Korb.

Die Ruhme ist ein Fluss, der durch Northeim fließt. An der Brücke, über die wir fahren, steht eine alte Mühle. Früher wurde hier Getreide gemahlen. Heute steht auf einem Teil des Mühlengeländes ein Kaufland.

Am Ende der Brücke über die Ruhme und den Ruhmekanal steht ein Stück Berliner Mauer, das irgendwer irgendwann auf einem Kasernengelände entdeckt und der Stadt Northeim geschenkt hat. Heute ist es bunt bemalt.

Der Stellplatz, auf dem wir unser Abwasser entsorgen können, liegt direkt an der A7. Es handelt sich um einen Parkplatz zwischen Autobahn und Kiessee, der in der Stadt mit dem klangvollen Namen “Freizeitsee” ausgeschildert ist. Keinesfalls würde ich hier über Nacht stehen wollen. Die Autobahn ist unfassbar laut. Im Sommer kommt hinzu, dass es kaum Schatten gibt.

Wir umrunden den Freizeitsee, den Kiessee Nr. 1. Die vielen wassergefüllten Löcher, die der Kiesabbau hier in die Landschaft gefräst hat, tragen den Namen “Northeimer Seenplatte”. Die umfasst heute 12 Seen unterschiedlicher Größe.

Eis und anderes Essen

Der Rückweg führt uns durch die Fußgängerzone, denn dort ist die Eisdiele.

7,20 Euro für je zwei Kugeln Eis ist ein stolzer Kurs. Es schmeckt aber sehr lecker.

Wir fahren zum Camper zurück. Es gibt erst einmal Mittagessen. Wir machen uns HotDogs auf der Heckklappe.

Auf der Karte sieht unsere Tour so aus:

Minigolf

Nach dem Essen und einer ausgiebigen Siesta gehen wir eine Runde Minigolf spielen. Die Bahn haben wir bei unserem letzten Aufenthalt in Northeim entdeckt und freuen uns, dass wir jetzt Gelegenheit zum Spielen haben. Es ist recht angenehm, weil der überwiegende Teil der Anlage im Schatten ist. Der Herr Lebensabschnittsgefährte gewinnt knapp mit drei Schlägen weniger als ich.

Spaziergang durch die Altstadt

Zurück laufen wir einen Umweg, wir haben noch Lust, ein wenig spazieren zu gehen. Zunächst gehen wir durch die Wallanlagen. Auf dem Spielplatz für Groß und Klein gibt es die üblichen Spielgeräte für Kinder und ein paar Geräte für Erwachsene, eine Tischtennis-Platte, eine Boule-Anlage und ein Schachbrett mit dem Verleih der entsprechenden Figuren.

Der Mahnstein erinnert an die Kriegsgefangenen in Russland.

Wir gehen Richtung Fußgängerzone und suchen da Plätze auf, die wir noch nicht kennen, wie beispielsweise die alte Wache.

Wir verlassen die Fußgängerzone. Optisch ist sie wirklich schön, als Shopping-Meile taugt sie aber nicht. Es gibt wenig Läden, viel Leerstand, alles wirkt altbacken, fast tot. Ansonsten gibt’s viel Gastronomie von Fastfood bis Abendrestaurant.

Gegenüber vom Theater der Nacht steht ein altes Haus. Also selbst zwischen all den alten Fachwerkhäusern ist das noch ein altes Haus, es ist von 1510 und eigentlich noch gut erhalten. Laut Webseite soll es in den Original-Zustand saniert werden. Ob und wann dies geschieht …

Zuletzt gehen wir am Theater der Nacht vorbei. Das ist schon wirklich ein tolles Gebäude und immer wieder sehens- und knipsenswert. Vor knapp 100 Jahren war das eine Feuerwache, heute ist es ein Marionetten-Theater.

Langsam schlendern wir entlang der alten Stadtmauer zum Camper zurück.

Ich bin froh, dass wir uns dazu entschieden haben, hier zu bleiben. Hier sind es am Nachmittag zwar auch fast 30 °C, aber es ist einigermaßen auszuhalten.

Auch diese Nacht verbringen wir wieder mit geöffneten Fenstern inklusive Heckklappe.

Travel-Office

Montag, 22. Juni 2026

Der Herr Lebensabschnittsgefährte muss wieder arbeiten und ich muss einkaufen gehen bzw. fahren, ich nehme das Fahrrad. Wir brauchen Trinkwasser und ein Verlängerungskabel. Unser Schattenplatz ist zu weit weg von der Stromsäule.

Mittags gehen wir in die Stadt zur Fastfood-Bude Kochlöffel, Burger essen. Anschließend gibt es wieder ein Eis. Das Burger-Photo habe ich komplett vergessen, gibt nur noch das letzte Gitter-Dings im Bild.

Zwei Typen kommen auf den Parkplatz und reden über die Bäume. Der eine hat Arbeitsklamotten an, könnte ein Landschaftsgärtner sein, der andere sieht eher büromäßig aus. Man spricht darüber, wie wichtig denn der Schatten sei. Klar, wer braucht schon Schatten in einer immer wärmer werdenden Welt?

Neben dem Parkplatz tun sich Berge von Grünzeug auf und über genau dieses Grünzeug reden die beiden. Später höre ich sie auf der anderen Seite des Grünzeugs weiter diskutieren. Man müsse ja nicht jeden “Scheiß-Ast” wegmachen, meint der Landschafts-Fuzzi. Nun denn. Ich knipse das Grün nochmal, wer weiß, wie lange es noch da ist.

Nachmittags ziehen wir zusammen noch einmal los. Wir haben unsere Stühle zuhause gelassen und kaufen uns bei Kaufland neue Campingstühle. Der Herr Lebensabschnittsgefährte hat zwar am Nachmittag draußen gearbeitet, aber dabei konnte er nur auf dem Hocker sitzen, den wir zum Bettenbau benötigen. Das ist auf Dauer etwas unbequem.

Fahrradtour zum Wieterturm

Später fährt der Mann nochmal alleine los zum Wieterturm. Der steht hier in der Nähe auf einem Hügel mit ziemlich steilem Weg nach oben. Mir ist es zu warm, ich bleibe besser im Camper.

Ursprünglich als Wachturm gebaut, ist er nach dem 30-jährigen Krieg verfallen. Im 19. Jahrhundert baute man einen Aussichtsturm, der für jeden zugänglich ist.

Die Aussicht ist nicht schlecht, die Weitsicht heute so mittel. Aber laut dem Mann hat es sich gelohnt, die doch recht steilen Berg hinauf zu strampeln.

Später erzählt er mir, dass die Fahrt nach oben so steil war, dass er teilweise sein Fahrrad geschoben hat. Das habe ich bei ihm noch nicht erlebt. Laut Navigations-App benötigt man mit dem Fahrrad etwa eine halbe Stunde hinauf und sechs Minuten wieder runter. Es ist wohl ganz gut, dass ich im Camper geblieben bin.

Unsere dritte und vorerst letzte Nacht in Northeim verbringen wir selbstredend wieder mit geöffneten Fenstern und Heckklappe.

Auf in die Südhessische Hitzehölle

Dienstag, 23. Juni 2026

Der Mann nimmt gleich am Morgen seinen Arbeitsplatz draußen ein. Mit dem neu erworbenen Stuhl ist es zwar ergonomisch nicht optimal aber deutlich bequemer als gestern.

Ich gehe nochmal einkaufen, hole Toast, Laugengebäck und wieder kalten Kaffee. Außerdem bringe ich Leergut weg, das müssen wir ja nicht auch noch durch die Gegend karren. Ich weiß gar nicht, seit wann auf Saftflaschen und den kleinen Kaffee-Plastikflaschen Pfand ist. Aber gut so, landet hoffentlich weniger im Müll und in der Landschaft.

Der Herr Lebensabschnittsgefährte macht etwas früher Feierabend. Wir packen unseren Krempel zusammen und mache uns gegen 15:20 Uhr auf den Weg.

Zunächst fahren wir noch einmal zum Kiessee-Parkplatz, um Abwasser zu entsorgen. Gerne hätten wir auch Frischwasser aufgefüllt, aber das funktionierte leider nicht. Da werden wir wohl später noch einmal Wasser kaufen müssen.

Dann fahren wir Richtung Darmstadt, der Hitze entgegen. Meine Begeisterung hält sich in Grenzen.

Es gibt eine Stelle auf der A 5, an der man ziemlich gut die Skyline von Frankfurt sehen kann. Aber wirklich gut knipsen lässt sich das nur für einen kurzen Moment. Leider erwische ich den nie.

In Darmstadt angekommen, halten wir beim REWE, abkühlen. Außerdem kaufen wir schon wieder kalten Kaffee (für morgen), Wasser, Chips und ein alkoholfreies Bier.

Beim Einladen ins Auto stellen wir fest, dass das magnetische Thermometer noch hinten am Auto hängt. Der Mann hat es vormittags da festgemacht, um die Temperatur von seinem Arbeitsplatz im Blick zu haben. Wir hätten nicht gedacht, dass das auch auf der Autobahn hält, der Magnet ist nämlich nicht besonders kräftig.

Wir stellen uns auf den Parkplatz an der Orangerie. Hier wird das Übernachten anscheinend geduldet, zumindest sofern nicht der ganze Platz voller Camper ist und die Leute kein Campingverhalten an den Tag legen. Wir haben mehrere Jahre an der Orangerie gewohnt mit Blick auf den Parkplatz. Zu der Zeit hätte ich mir nicht träumen lassen, hier mal mit einem Camper zu stehen. Zu der Zeit hätte ich mir nicht einmal träumen lassen, überhaupt einen Camper zu besitzen. Bert ist ja quasi unser Corona-Hund.

Es ist ekelhaft und unerträglich warm. Die Luft steht. Nichts an diesen Sommern in Südhessen vermisse ich, absolut nichts. Ich will nach Hause, ich will ans Meer, ich will Wind und Möwengeschrei und mindestens 10 Grad weniger.

Kurztrip canceln oder nach Norwegen fliegen?

Unsere ursprüngliche Planung sah vor, am Donnerstag nach Köln zu fahren und endlich mal wieder unser Schloss zu besuchen. Bei Temperaturen zwischen 35 und 40 Grad im Schatten macht es aber überhaupt keinen Spaß, auf der Hohenzollernbrücke in der prallen Sonne in all den Schlössern rumzuwühlen. Anschließend wollten wir weiter fahren in die Niederlande, möglichst an die Nordsee. Aber selbst da sollen Temperaturen weit über 30 Grad herrschen.

Wir überlegen, was wir tun sollen. Der Mann schlägt vor, ein Hotelzimmer zu mieten. Und dann? Hocken wir den ganzen Tag im Hotel? Dann können wir auch nach Hause fahren. Wir canceln schweren Herzens unseren Kurztrip nach Holland.

Für einen ganz kurzen Moment spinnen wir mit der Idee herum, nach Trondheim zu fliegen. Da herrschen Temperaturen unter 20 Grad, nachts um die 10 Grad. Zwei Argumente hat die Vernunft ins Spiel gebracht: Wir haben nur kurze Sommer-Klamotten dabei und würden uns den Arsch abfrieren. Und wir kämen am Sonntag in einen 38 Grad heißen Moloch zurück und die ganze Erholung wäre beim Teufel.

Nun ja, wenn es zu warm wird, kann ich ja beim Rewe einkaufen gehen, da ist es auch kühl.

Hier im Camper wird es allerdings nicht kühl. Ich kann hier mit offener Heckklappe nicht schlafen, ich habe nicht so viel Vertrauen, dass das gut gehen wird, wie in Northeim. Aber da sowieso kein Lüftchen geht, macht das auch keinen Unterschied mehr. Wir schließen kurz vor Mitternacht die Heckklappe und ich falle irgendwann in einen wenig erholsamen Schlaf.

Ich vegetiere im Camper

Mittwoch, 24. Juni 2026

Der Mann fährt am Morgen ins Büro. Da man in Darmstadt kaum irgendwo hinradeln kann, ohne einen Hügel hinauf radeln zu müssen, nimmt er mein Fahrrad, um sich bei der Hitze nicht mehr als unbedingt nötig anstrengen zu müssen. Das Auto stellen wir morgens auf die einzige Stelle des Parkplatzes, die tagsüber Schatten hat. Dann zieht der Herr Lebensabschnittsgefährte ein Ticket, tagsüber ist der Parkplatz nämlich kostenpflichtig.

Ich liege den ganzen Tag im Camper, trinke abwechseln kaltes Wasser und kalten Kaffee. Ich liebe unsere Kühlbox! Und ich esse abwechselnd Toast mit Nutella und hartgekochtem Ei, was ich von zuhause dabei habe.

Zwischendurch lese ist etwas, was ich bisher noch nicht wusste. Ich wundere mich schon seit Jahren, dass ich noch schlechter mit der Hitze zurecht komme als früher. Grundsätzlich war ich für Hitze und vor allem Sonne als Kind schon nicht zu begeistern. Aber dann gab und gibt es Phasen, in denen ich die Hitze überhaupt nicht vertragen. Und seit heute weiß ich, warum das so ist: Meine Betablocker sind schuld!

Nachmittags muss ich umparken, es wird langsam warm. Und an der Seite ist jetzt Schatten. Anschließend gehe ich zur Eisdiele. Die Sorten klingen ausgesprochen lecker, beim Preis wird mir allerdings übel: 2 Euro pro Kugel. Ich verzichte. Ich habe keine Lust, diesen Wucher zu unterstützen. Bis zum Netto ist es zu weit, das macht mein Kreislauf nicht mit. Also gehe ich ohne Eis zurück zum Camper und lege mich wieder in den Schatten.

Leider haben wir beim Kauf des Wassers gestern nicht richtig aufgepasst und welches mit Kohlensäure erwischt. Ich vertrage Kohlensäure nicht gut. So bin ich auch noch damit beschäftigt, das Zeug aus den beiden Flaschen, die ich im Laufe des Tages trinke, zu schütteln.

Der Mann hat abends Sommerfest und amüsiert sich mit den Kollegen, soweit das in der Hitze notwendig ist. Früher waren die Partner*innen dabei. Das ist jetzt gestrichen. Sparmaßnahme. Ziemlich blöde Begründung eigentlich, denn die Angestellten müssen die Feier eh selbst bezahlen. Es gibt eine Pauschale für Getränke, Grillgut muss jeder selbst mitbringen. Salate sollen auch mitgebracht werden, dafür muss man eine etwas geringere Pauschale bezahlen. Warum also nicht auch für die Partner*innen eine Pauschale? Aber was weiß ich schon von Teambuilding …

Die Batterie ist fast leer, die Kühlbox braucht viel Strom. Wir haben die Powerstation als Reserve und zum Arbeiten dabei, die wird die Kühlbox über Nacht mit Strom versorgen.

Jubiläum und Heimfahrt

25. Juni 2026

Heute ist unser Jahrestag. Der Herr Lebensabschnittsgefährte hält es nun schon seit 15 Jahren mit mir aus! Ich finde das ganz wunderbar und kann und mir überhaupt keinen anderen Menschen an meiner Seite vorstellen!

Aber für so etwas haben wir nicht viel Zeit. Im echten Leben müssen wir nämlich entweder bis 8 Uhr den Parkplatz verlassen oder noch einmal Parkgebühren bezahlen. Also heißt es Frühstück, Kram zusammenpacken, Fahrräder aufs Auto.

Um 07:58 Uhr sitzen wir im Auto. Wir gehen noch einmal bei Rewe einkaufen. Laugengebräck und Schoko-Brötchen für unterwegs, kalten Kaffee und Wasser ohne Kohlensäure für mich. Dann fahren wir zur Tankstelle, Bert hat Durst.

Tja und dann … dann verbringen wir unseren Jubiläumstag auf der Autobahn. Da wir Köln und Holland gecancelt haben, werden wir diesen Tag im klimatisierten Auto auf der Autobahn zelebrieren. Die Fahrerkabine ist angenehm kühl. Wir werden nicht gebrutzelt, weil wir Richtung Norden fahren. Die Pausen gestalten wir entgegen sonstiger Gewohnheiten kurz, weil es außerhalb des Autos viel zu heiß ist.

In Northeim halten wir auf dem Stellplatz direkt an der Autobahn, um unsere Abwassertanks zu leeren. Es ist laut und in der nahezu schattenlosen Bruthitze kaum auszuhalten.

Wie üblich fahren wir über die A39 und an Wolfsburg vorbei. Irgendwann auf der B248 kommt uns die Straße auffallend leer vor. Hier ist eigentlich immer etwas los, heute sind wir ganz alleine. Auf dem Parkplatz halten wir erst einmal an.

Ich kann auf der Straße rumlaufen und knipsen, hier ist absolut kein Mensch außer uns. Wir erinnern uns, dass es auf der Hinfahrt schon eine Umleitung wegen Bauarbeiten gab. Offensichtlich sind wir auch jetzt auf der falschen Fährte. Wir kehren lieber um und befragen das Navi nach einer Alternative.

Unser Weg führt über gemütliche Kreisstraßen und an unzähligen Feldbewässerungen vorbei. Mir will nicht in den Kopf, warum man das nachmittags gegen 15 Uhr, in der aller größten Hitze und mit der größtmöglichen Verdunstung macht.

In Gülden hält der Herr Lebensabschnittsgefährte an, damit ich die Freiwillige Feuerwehr für meine Galerie knipsen kann. Der Fahrradträger hängt ein wenig schief auf der Anhängekupplung.

Einen weiteren Stopp machen wir auf dem Parkplatz an der Elbe, auf dem wir während der Hinfahrt schon gehalten haben. Wir brauchen Wasser-Nachschub aus der Kühlbox und haben Hunger. Die Temperaturen hier sind schon etwas angenehmer. Die Bäume sind voller (ich glaube verlassener) Nester vom Eichenprozessionsspinner.

Der Rest der Strecke geht fix. Auf den Straßen in Mecklenburg-Vorpommern ist kaum etwas los. Als wir in Rostock auf der Stadtautobahn sind, zeigt das Thermometer im Auto 25 °C an. Wie angenehm!

Zuhause erwartet mich ein toller Blick vom Balkon mit blauem Wasser der Warnow, einem Reh auf der Wiese, der Mond steht über der Rostocker Thermoskanne und zwei Ballons fahren am Horizont über den Baumwipfeln.

Statistik

1385 Kilometer sind wir in diesen Tagen gefahren.

Ein paar Rastplatzschilder für meine Galerie habe ich natürlich auch mitgebracht.