Fischmarkt, Nordnes Und Mehr

Auch am Donnerstag klingelte unser Wecker früh. Mir tat einiges weh, Füße, Waden, Fesseln und was man als Zweibeiner sonst noch so zum Gehen benötigt. Der Gang zur Toilette und erst recht der weite Weg zum Kaffeeautomaten waren die Hölle. Aber nach dem Kaffee ging’s einigermaßen. Ich schleppte meine Gebeine unter die Dusche und brachte sie mit Hilfe von heißem Wasser auf Betriebstemperatur. Dann machten wir uns nach dem Frühstück erneut auf den Weg, die Stadt zu erkunden. Diesmal war die andere Seite vom Hafen dran: Zunächst den berühmten Fischmarkt ansehen und anschließend die Landzunge entlang laufen bis zum Aquarium.

Bergen

Am Fischmarkt ist auch die Touristeninformation. Vor unserer Abreise hatten wir festgestellt, dass die 50-Kronen-Scheine, die noch in unserem Besitz waren, zwischenzeitlich ihre Gültigkeit verloren haben. Wir hatten am Tag zuvor in einem Souvenir-Shop Postkarten gekauft und die Verkäuferin dort gab uns den Tipp, dass der Exchange am Fischmarkt in der Touristeninformation die in aktuelle Scheine umtauschen würde. Das wollten wir nun tun.

Während diese Prozedur in Schweden, wo wir das Problem ja auch schon hatten, ziemlich aufwendig, langwierig und auch mit Kosten verbunden war, ging das in Norwegen total unkompliziert. Ich drückte der Mitarbeiterin meine 50er in die Hand, sie zählte sie durch und tauschte sie um. Das war’s. Dann kaufte ich noch mein obligatorisches Andenken und wir gingen unserer Wege.

Auf der öffentlichen Toilette am Fischmarkt ist überall die unangenehme blaue Anti-Fixer-Beleuchtung, die ich zuletzt im Krefelder Klinikum gesehen habe. Was mir aber außerdem noch aufgefallen ist: Alle möglichen Schilder sind in mehreren verschiedenen Sprachen, nur dieses eine an der Innenseite der Klotür gibt es nur und ausschließlich auf Spanisch. Laut Google-Übersetzer ist es eine Anleitung zum Händewaschen. Was soll mir das jetzt über die Spanier sagen, dass es diese hier nur in ihrer Sprache gibt?

Zunächst schlenderten wir durch den Fischmarkt. Der ist zwar wesentlich kleiner als wir uns das vorgestellt haben, was während der Hauptsaison anders sein mag, aber dennoch sehr spannend. Hier gibt es Dinge, die man in Deutschland kaum und teilweise sogar gar nicht bekommt. Wir schlenderten durch, schauten uns fasziniert alles an und machten uns dann auf den Weg um die Halbinsel Nordnes.

Funfact: Deutschland importiert 6 Mio. Tonnen Müll im Jahr (als ob wir nicht genug eigenen produzieren). Ob dieser Container damit etwas zu tun hat, weiß ich nicht. Ich fand’s nur witzig und knipsenswert, hier über das deutsche Teil zu stolpern.

Wir sind übrigens nicht die einzigen, die sich für Müll interessieren, auch der Trupp im nächsten Bild hat ein großes Interesse an unseren Abfällen, wurde aber kurz nachdem das Bild entstand, von einer Möwe verscheucht.

Krähen am Mülleimer

Wir schlenderten weiter bis ans Ende von Nordnes. Auf dem Weg dorthin bestaunten wir die vielen Gassen und Holzhäuser - und auch Bergens kürzeste Straße, die nur 16 Meter lang ist, wie das Schild an der Häuserwand sagt.

Am äußersten Zipfel von Nordnes ist nicht nur der Fjord, sondern auch ein Park und das Aquarium. Einen Besuch im Aquarium haben wir uns verkniffen, der Eintrittspreis ist zu hoch und das Interesse war zu gering. Fisch können wir praktisch überall angucken, dafür müssen wir nicht nach Norwegen fliegen.

Der Herr Lebensabschnittsgefährte testete die Wassertemperatur und fand es eigentlich gar nicht sooo kalt. Schwimmen gehen wollte er aber dennoch nicht, obwohl wir an einem Schwimmbad vorbei gekommen sind, wo auch gerade geöffnet wurde.

Schwimmbad

Im Nordnespark steht übrigens auch ein Totem, der da in der norwegischen Fjordlandschaft ein wenig deplatziert wirkt, ein Geschenk der Partnerstadt Seattle.

Totem

Auf dem Rückweg stolperten wir über ein nettes Café am Puddefjorden, untergebracht im USF Verftet, einem Kultur- und Bühnenhaus. Früher war das eine Sardinenfabrik. Jetzt sind nebenan Neubauten und eben dieses Café. Eine kleine Pause mit einem Kaffee und einer heißen Schokolade und dem Blick auf den Fjord waren jetzt gerade recht.

Anschließend liefen wir weiter bis zu den Terminals der Hurtigruten und der Fjordline.

Das Schiff der Fjordline legte gerade an. Wir schauten uns das an und machten ein paar Photos. Bis das Hurtigruten-Schiff kommen sollte, dauerte es noch etwa 1,5 Stunden. So lange wollten wir nicht warten.

Blick die Straße hinunter

Unser Weg führte uns durch das Zentrum Bergens zur Johanniskirche. Die sah schon recht beeindruckend aus, wenn auch eher un-norwegisch. Hinein konnte man nicht, die Tür war verschlossen.

Eigentlich hatten wir keine Lust mehr zu laufen. Alles tat weh. Aber es war auch noch ein wenig zu früh, um schon wieder in die Unterkunft zu gehen. Ab 15 Uhr war Regen angesagt und dann auch ziemlich viel Regen, die Zeit bis dahin wollten wir eigentlich ausnutzen. Wir gingen in einer größeren Runde und mittlerweile auch etwas langsamer. Unser Weg führte an der Universität vorbei durch einen Park. In der Uni machten wir kurz halt und gingen hinein. Aber da war viel zu viel los und viel zu viel Gewusel. Der Park war klein und ganz nett.

Park

Dahinter war Bergen ziemlich anstrengend und laut. Hier führten Ausfallstraßen vorbei, es waren ziemlich viel Verkehr und ziemlich viele hektische Menschen unterwegs. Wir kamen an einem großen Einkaufszentrum vorbei und stellten fest, dass dies bisher unser erster Norwegen-Trip war, bei dem wir nicht shoppen waren. Ein Grund dafür ist sicherlich, dass unser Handgepäck so knapp bemessen ist, dass wir nichts weiter kaufen können, weil wir sonst zusätzliches Gepäck gegen Gebühr aufgeben müssten.

Wir gingen noch einmal in den Supermarkt, unser Mittagessen kaufen, dann waren wir fertig mit dem Tag. Wir machten uns etwas zu essen und saßen den Rest des Nachmittages im Gemeinschaftsraum. Wir lasen den Donald zuende, lernten Vokabel, schrieben den Blogbeitrag und schauten unsere Photos an, aßen unsere Zimtschnecke und spielten auf den Handys rum, während es vor dem Fenster in Strömen regnete. Zeitig aßen wir zu Abend und gingen zu Bett.

Auch an diesem Tag gab es wieder viel Streetart zu sehen. Hier eine Auswahl:

Und zum Schluss noch die Galerie des Tages meines Lebensabschnittsgefährten.